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02.04.1993 - 

Der Gastkommentar

Heutige DV erlaubt bessere Organisation der Unternehmen

Hinter Modeworten wie Rightsizing oder Business Re-Engineering steht meistens eine knallharte betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Beim Thema Re-Engineering betrifft sie die fundamentalen Fragen eines Unternehmens: die Pruefung der Geschaeftsprozesse, ihrer Strukturen und des Geschaeftsfeldes, in dem man taetig ist.

Business Re-Engineering ist ein Grundprinzip der wirtschaftlichen Betaetigung, seit der erste Wikinger sein Langschiff fuer den wesentlich lukrativeren Handel statt fuer die Raubfahrt nutzte. In der Informationstechnologie erleben wir in den letzten Jahren den Wechsel vom Hardware-Anbieter zum Systemintegratoren, also den voelligen Wandel des Geschaeftsfeldes vom Produzenten zum Haendler und Dienstleister unter gleichem Namen.

Aehnliches gilt fuer Automobilclubs, die als Vermittler von Finanzdienstleistungen in grossem Umfang auftreten. Ebenso verhaelt es sich bei Airlines, die ihren Betriebsgewinn nicht mehr aus dem Flugbetrieb, sondern aus den Buchungs- und Reservierungssystemen fuer Fluege und andere Dienstleistungen ziehen.

Bislang sind erfolgreiche Beispiele fuer die Ueberpruefung und Neufestlegung von Geschaeftsfeldern meist eher unsystematisch entstanden. Entweder ist man allmaehlich in neue Felder eher gestolpert als gegangen, oder die Ursache des Wandels der Geschaeftspolitik lag in einem Willensakt des Topmanagements begruendet, fuer den eine rationale Entscheidungsunterlage nicht immer leicht nachzuvollziehen war. Es mangelte an der ganzheitlichen Uebersicht ueber das Unternehmen und sein Umfeld - meist ganz einfach deswegen, weil die Daten fuer rationale Entscheidungen fehlten.

Die Informationstechnologie ist in der Lage, diese Situation radikal zu aendern. Dazu einige wesentliche Stichworte, die die Entwicklung der letzten Jahre kennzeichnen:

- Durch Unix und das breite Angebot an Software und Servern laesst sich die informationelle Durchdringung eines Unternehmens sehr stark verbessern, so dass ungleich besseres Datenmaterial zur Verfuegung steht.

- IT-Technologien wie Multiprocessing und Online- Transaktionsverarbeitung, die Voraussetzung fuer schnelle Reaktion und den Aufbau neuer Verfahren sowie Ablaeufe in einem Unternehmen sind, stehen nun auch zu Preisen zur Verfuegung, die sich mittelstaendische Unternehmen leisten koennen. Auch hier sind wieder die Unix-Entwicklung und die allgemeine Leistungssteigerung der Server die Ursache.

- Die breite Ausstattung der Arbeitsplaetze mit PCs hat nicht nur fuer die Akzeptanz computergestuetzter Produktivitaetshilfen gesorgt. Damit stehen auch ueberall die Bildschirm-Arbeitsplaetze zur Verfuegung, die fuer eine vollstaendige informationstechnische Durchdringung aller Bereiche eines Unternehmens notwendig sind.

Der Zugriff auf gemeinsame Datenbanken erlaubt den Mitarbeitern im Unternehmen, parallel zueinander zu arbeiten statt von der Genehmigung einer einzigen Stelle abhaengig zu sein. Damit werden flachere, leistungsstaerkere Hierarchien moeglich, weil man die Konfliktbeseitigung in die Transaktion verlegen kann und sie nicht nachtraeglich aushandeln muss. So erhaelt die Informationstechnologie eine revolutionaere Rolle. Akademische Studien, beispielsweise der Sloane School of Management am MIT, haben bereits im Jahr 1990 darauf hingewiesen.

An die Stelle des evolutionaeren Prozesses in der Datenverarbeitung, die sich mit der Rationalisierung und informationstechnischen Durchdringung bestehender Ablaeufe befasste, kann ein revolutionaerer Prozess treten: die Definition und schnelle Realisierung ganz neuer Ablaeufe mit Hilfe von Servern, Anwendungssoftware und Bildschirm-Arbeitsplaetzen, die dem Anwender als PC bereits vertraut sind.

Die dadurch moeglichen neuen Spielregeln aendern bisherige Vorgehensweisen grundlegend in Richtung auf eine ganzheitliche Unternehmensfuehrung. An die Stelle hierarchischer, durch Anweisung bestimmter Prozesse koennen Mikromarkt-Strukturen treten. Die Information im Computer verliert endgueltig die Rolle des Herrschaftsinstruments und wird zum jederzeit und ueberall verfuegbaren Produktionsmittel fuer alle Beteiligten. Das bedeutet:

- Parallele Ablaeufe treten auch im Mittelstand an die Stelle der bisherigen sequentiellen. Das sorgt nicht nur fuer eine schnellere Reaktion des Gesamtunternehmens, sondern erleichtert auch die Einbindung der Mitarbeiter in neue Prozesse.

- Die Datenqualitaet im Unternehmen veraendert sich radikal. In der schon als historisch zu bezeichnenden Datenverarbeitung wurden Daten nachgebucht, man zeichnete ein stets veraltetes Bild der Lage des Unternehmens im Markt.

In den letzen Jahren ist dieses Bild teilweise durch das Auftreten der PCs am Arbeitsplatz gestoert worden. Jenseits aller formal definierten Kommunikationswege gab es da immer jemanden, der die tatsaechlichen Daten hatte, aber nicht breit kommunizieren konnte. Informationeller Wildwuchs und ein hohes Mass an Efffektivitaetsverlust durch interne Abstimmung waren unvermeidliche Folgen.

Business Re-Engineering aufgrund des gezielten Einsatzes moderner Informationstechnologie sollten Unternehmen und Unternehmensfuehrungen als grosse Chance begreifen. Natuerlich ist diese Chance auch unvermeidlich mit grossen Anstrengungen verbunden und wird keineswegs als Abfall beim Einsatz von PC- und Server- Systemen automatisch mit realisiert. Doch auch hier besteht Aussicht auf Unterstuetzung. Es wird im Bereich der Middleware Programme geben, die Business Re-Engineering mit Daten und Auswertungen unterstuetzen koennen. Und es duerfte nicht ueberraschen, dass auch diese Programme auf dem Betriebssystem Unix aufsetzen.