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Problem 2000/Fast nur Probleme bei falsch implementierten Anwendungen

Heutigen Unix-Rechnern gehen die Bits erst im Jahr 2038 aus

31.10.1997

Wer Unix-Experten nach der Umstellung von zwei- auf vierstellige Jahreszahlen fragt, kann eine Mischung aus Irritation und Gelassenheit erleben: "Ja, wir werden dann wohl zur Jahrtausendwende hier sitzen und Sicherungen fahren", meinte einer. Aber nachdem er sich schlau gemacht hatte, meldete er sich noch einmal und konterte: "Unter Unix gibt es das Problem gar nicht." Begründung: Es existiere schließlich die C-Standard-Time-Library, außerdem das normale Programm TIME () mit einer Manualpage, das die Unixer für Zeitangaben benutzen. Auch andere Reaktionen sind zu vernehmen. Klare Dementis: "Bei uns hat es das Jahr-2000-Problem nie gegeben." Oder: "Alles nur Panikmache!" ("Aber zitieren dürfen Sie mich nicht!") Doch so mancher zeigte sich bei weiteren Nachfragen wieder zurückhaltender.

Die Frage nach dem Problem 2000 eignet sich dazu, selbst Unix-Gurus zu irritieren, wenn auch nur kurzzeitig. Dann können sie sich wieder gelassen zurücklehnen und den "armen Kollegen mit ihren Mainframes" zuschauen - oder sich um "diese verdammten Wintel-Kisten mit ihrem BIOS-Problem" kümmern.

Einer von ihnen ist Jürgen Duch, Leiter Systemtechnik im Hoppenstedt Verlag, Darmstadt: "Für uns hat das Jahr 2000 keinerlei Bedeutung." Bei seiner Rechnerplattform Data-General-UX käme es zu keinen besonderen Schwierigkeiten. Mit Oracle als Datenhaltungssystem werde es ebensowenig ein Problem geben. Allenfalls seien ein paar Feinarbeiten im Rahmen der Softwarepflege notwendig.

Der Diplom-Mathematiker verweist auf den historischen Kontext: "Unix ist für die kommerzielle Anwendung noch nicht so lange gebräuchlich, daß dieses Problem entstehen könnte. In der Zeit, in der Unix groß geworden ist, war das Thema Speicherplatz kein Thema mehr." Bei alten Mainframes war Speicherplatz noch rar und teuer, weshalb dort auch an den Bytes für die Jahrhundertangabe gespart wurde.

Gleichwohl hat beispielsweise Quantum, Anbieter kaufmännischer Software unter Unix oder NT, eine neue Sensibilität auf seiten der Anwender ausgemacht. Neuerdings, so Reinhard Hermann, Senior-Berater für die Einführung von Standardsystemen, findet sich in den Pflichtenheften die Vorschrift Euro- und Jahr-2000-Fähigkeit.

Das Datum sollte für das Standardbetriebssystem kein Problem sein. Der Berater Andreas Lohrum von der Consol Software GmbH erklärt das Verfahren, mit dem Unix die Zeit mißt: "Unix zählt die Zeit mit der Funktion TIME nach Anzahl der Sekunden seit dem 1.1.1970 01:00 Uhr, eben seit dem Beginn der frühen Unix-Entwicklung. Die Unix-Derivate haben keine Probleme mit vierstelligen Jahreszahlen."

Und doch gibt es einen Haken an der Sekundenzählerei, wie auch Lohrum weiß: "Im Jahre 2038 könnte es für Unix-Rechner mit 32-Bit-Breite zu einem Problem kommen, weil dann die Zähler überlaufen würden." Aber das bleibt für den Consultant ein rein theoretisches Problem, weil dann wohl ganz andere Rechner verwendet würden. Die Umstellung der Betriebssysteme auf 64 Bit und damit auch auf 64-Bit-Rechner ist in vollem Gange, selbst beim "Freak-Unix" Linux.

Ein sauberes Betriebssystem schützt aber trotz allem nicht vor Fehlern bei der Implementierung. Nicht ganz zu Unrecht standen die Unix-Entwickler immer im Ruf, Freaks mit einem Hang zu unkonventionellen, trickreichen Lösungen zu sein. Und viele Unixer haben den Weg ihrer Betriebssystemsprache C zu C++ mitgebracht. Doch eine moderne Programmiersprache ist noch keine Garantie vor dem Unsinn, in Applikationen zweistellige Datumsangaben zu erlauben.

*Anke Goos ist freie Journalistin in München.