Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.08.2002 - 

Direktanbieter plant eigene Drucker und Handhelds

Hewlett-Packard kündigt Lieferverträge mit Dell

MÜNCHEN (CW) - Hewlett-Packard wird Dell künftig keine Drucker, Scanner, Digitalkameras oder Handhelds mehr liefern. Überlegungen des Direktanbieters, eigene Drucker anzubieten, hätten zur Kündigung der Verträge geführt, erklärte Vyomesh Joshi, President von HPs Printing and Imaging Group. Die Dell-Verantwortlichen reagierten überrascht auf die Ankündigung: "Wir sind erstaunt, dass HP derart nervös ist", äußerte Firmensprecher Mike Maher.

"Wir haben Dell mitgeteilt, dass wir die Zusammenarbeit einstellen." Mit dieser lapidaren Erklärung von HP-Sprecherin Diane Roncal endete eine acht Jahre dauernde Reseller-Beziehung zwischen den beiden IT-Unternehmen. Dell hatte in dieser Zeit Drucker, Scanner, Kameras und Handheld-Computer von HP über seinen Direktvertrieb verkauft.

Über Dell setzte HP zuletzt Drucker im Wert von rund 300 Millionen Dollar jährlich ab. Das entspricht etwa drei Prozent des gesamten Hardwaregeschäfts von HPs Druckersparte. Im Vergleich zu den 19,4 Milliarden Dollar, die der im kalifornischen Palo Alto ansässige Hersteller 2001 im Segment Printing and Imaging umsetzte, sei der Dell-Anteil jedoch unerheblich, erklärten die HP-Verantwortlichen. Man sei zuversichtlich, die entstandene Lücke über andere Vertriebskanäle auszugleichen.

Die Entscheidung HPs werde keine Auswirkungen auf das Hardwaregeschäft und den Kundenservice von Dell haben, versichert Firmensprecher Maher. Der texanische Direktanbieter werde seine Kunden weiter mit Druckern von Xerox, Lexmark, Epson und anderen Herstellern beliefern. Auch HP-Geräte blieben weiter im Angebot. Die Versorgung sei über andere Partner im Vertriebskanal sichergestellt.

Stellt sich HP selbst ein Bein?

Analysten werten die Entscheidung HPs als symbolische Geste. Das Ganze gleiche einem Ehestreit, erklärt Roger Kay, Analyst von International Data Corp. (IDC). Seiner Einschätzung zufolge habe HP von der Allianz mehr profitiert als Dell. Der Direktvertrieb der Texaner bedeute für jeden Partner den Zugang zu einer breiten Käuferschicht. Außerdem habe HP über das nachgeordnete Geschäft mit Druckermaterialien wie Tinte oder Toner zusätzliche Einnahmen erzielt. Dell auf der anderen Seite habe die HP-Drucker zum Teil unter dem Einkaufspreis angeboten, um damit das Kerngeschäft mit den PCs anzukurbeln.

Analysten spekulieren seit Monaten über den Einstieg Dells in das Druckergeschäft. So deutete beispielsweise Kevin Rollins, President des Direktanbieters, auf der Jahresversammlung des Unternehmens Mitte Juli an, bis Ende dieses Jahres könne die Partnerschaft mit einem Druckerhersteller unter Dach und Fach sein. Experten gehen davon aus, dass Dell die Drucker bei dem Partner fertigen lassen und dann unter dem eigenen Dell-Label verkaufen wird. Mit dieser Strategie könnten die Texaner auch am lukrativen Geschäft mit Verbrauchsmaterialien teilhaben.

Wettbewerb wird härter

Auch im Handheld-Sektor könnte Gerüchten zufolge bis Ende des Jahres ein Gerät unter der Dell-Marke auf den Markt kommen. Wallstreet-Analyst Walter Winnitzki erklärte, der Direktanbieter verhandle mit einem taiwanischen Hersteller über die Fertigung des Produkts. Angeblich sollen vorerst 1,5 Millionen Exemplare des Windows-basierenden Device gebaut werden.

Experten bewerten den Rückzug HPs als erstes Aufflackern eines stärker werdenden Wettbewerbs im PC-Geschäft. So führt zwar laut den jüngsten IDC-Zahlen HP nach der Übernahme von Compaq das internationale Ranking mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent nach abgesetzten Stückzahlen an. Dell ist dem frisch vereinten Duo mit einem Anteil von 14,8 Prozent jedoch dicht auf den Fersen. Auch die Tendenz spricht für die Texaner. Sie setzten in den Monaten April bis Juni 2002 rund 15 Prozent mehr Rechner ab als noch ein Jahr zuvor. Demgegenüber verzeichnete HP einen Rückgang um etwa 16 Prozent.

Vor diesem Hintergrund sei die Kündigung des Reseller-Abkommens für Drucker als Angriff auf das PC-Geschäft von Dell zu werten, erklärt Rob Enderle, Analyst der Giga Information Group. Allerdings sei fraglich, ob HP damit Erfolg haben werde. Sollte Dell der Einstieg in das Druckergeschäft gelingen, sehe sich HP mit einem stärkeren Konkurrenten in einem breiteren Wettbewerbsumfeld konfrontiert.

Die HP-Verantwortlichen blicken der künftigen Konkurrenz noch gelassen entgegen. Dell werde es nicht leicht haben, Anteile im Druckergeschäft zu gewinnen, prognostiziert HP-Manager Joshi. Seiner Einschätzung nach eigne sich Dells direktes Vertriebsmodell für dieses Geschäftfeld nicht. Wenn ein Nutzer beispielsweise eine Tintenpatrone benötige, werde er nicht zwei Tage auf die Lieferung warten, sondern in das nächste Geschäft gehen, um sich eine zu kaufen. Außerdem werde HP auf potenzielle Konkurrenten gut vorbereitet sein. Innerhalb des nächsten halben Jahres würden rund 50 neue Produkte in der Sparte Printing and Imaging auf den Markt kommen. (ba)