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07.03.1986 - 

Superminis erweitern HP-3000-Familie im oberen Bereich:

Hewlett-Packard setzt auf RlSC-Architektur

PALO ALTO (CW) - Die ersten Modelle einer seit längerem erwarteten neuen Reihe von Minicomputern der gehobenen Leistungsklasse stellte Hewlett-Packard jetzt unter der Bezeichnung Serie 900 vor. Die neue Generation von RISC-Maschinen erweitert die Familie der 3000-Systeme im oberen Bereich.

Die neue HP-Architektur arbeitet mit einem virtuellen Speicheradreßraum von 48 Bit - das bedeutet mehr als das 65 000fache der konventionellen 32-Bit-Adressierung. Die Architektur ermöglicht die nachträgliche Integration weiterer Zentraleinheiten sowie verschiedener Koprozessoren für Sonderfunktionen.

Im Preis von 225 000 Dollar für die Serie 930 sind 16 MB Hauptspeicher, das Betriebssystem, ein Datenbanksystem sowie die Systembeschreibung enthalten. Der Rechner liegt preislich etwa 20 Prozent höher als die gegenwärtige Spitzenserie 68, bietet aber mit 4,5 Mips (Millionen Instruktionen pro Sekunde) und einem Hauptspeicher von 24 MB die doppelte Leistung. Die Preise für die Serie 950 wurden mit 300 000 bis 350 000 Dollar angegeben. Gegenüber der Serie 68 liegt die Leistung der 950 mit 6,7 Mips um das Dreifache höher. Der Hauptspeicher verfügt standardmäßig über eine Kapazität von 64 MB. Beide Rechner unterstützen bis zu 400 Terminal-Anschlüsse.

Um den Kunden das Warten auf die neuen Rechner in der Zwischenzeit zu verkürzen, bietet Hewlett-Packard als dritte Neuankündigung der Familie 3000 die Serie 70 an. Im Vergleich zur Serie 68, die mit der neuen Serie 70 abgelöst wird, liegt der Preis mit 150 000 Dollar etwa 20 Prozent unter dem bisherigen Spitzenmodell der Familie 3000. Die Leistung liegt HP-Angaben zufolge 30 Prozent über dem bisherigen Höchstwert. Zur Grundausstattung der neuen Serie 70 gehören acht MB Hauptspeiecher, das Betriebssystem MPE sowie das Datenbanksystem Image. Zu den Erweiterungen zählt ebenfalls ein Pufferspeicher mit einer Kapazität von 128 KB.

Mit der neuen Technologie ausgestattet sind auch technische Systeme, speziell für Anwendungen im Bereich der Fertigungssteuerung und Konstruktion. Die offiziellen Vorstellungen der technischen Rechner aus den Familien HP 1000 und 9000 werden für Mitte des Jahres erwartet.

Ankündigung entgegen alter Gewohnheiten

Entgegen aller bisherigen Gewohnheiten, nach denen HP neue Produkte erst ankündigte, wenn sie innerhalb der nächsten 60 Tage ausgeliefert werden konnten, beschritt das Unternehmen aus Palo Alto diesmal einen ungewöhnlichen Weg. Obwohl die Serie 930 nicht vor Ende des laufenden, die 950 nicht vor Mitte des nächsten Jahres lieferbar sein werden, kündigte der Hersteller seine neue Produktlinie bereits zu einem solch frühen Zeitpunkt an.

Mit den Rechnern der Serie 900 ist zwar eine neue Generation von Computern da, doch sind Angaben von HP zufolge die bisherigen Software-Investitionen der 3000-Anwender in ihre Anwendungen gesichert: Die neuen Rechner sollen mit den anderen HP 3000-Systemen kompatibel auf der Ebene der Hochsprachen, des Maschinencodes, auf Datenbank- und Netzwerkebene sowie auf Betriebsebene sein.

Die Umstellung vieler derzeitiger Anwendungsprogramme beansprucht in der Regel die Zeit für das Sichern der Anwendung sowie der dazugehörenden Daten und das anschließende Laden auf der neuen Maschine. Nach einer solchen Umstellung, ohne Neukompilierung und Datenkonvertierung, kann der Anwender seine Programme wie bisher einsetzen, ohne jedoch die volle Leistungsfähigkeit der Maschine zu nutzen.

Für häufig eingesetzte Anwendungen ist es ratsam, Programme und Daten nach der Übertragung auf den neuen Computer in eine systemoptimale Form zu bringen. Die Umstellung auf den sogenannten "Native mode" erfolgt über eine Neukompilierung mit optimierenden Compilern, die für die Rechner der Serie 900 entwickelt wurden. Nach Herstellerangaben können beide Arten von Programmen und Daten simultan ausgeführt werden.

Der Grund für die Koexistenz beider Arbeitsweisen liegt im Betriebssystem der neuen Rechnerserie. Das Betriebssystem MPE XL wurde speziell für die Serie 900 entwickelt und so konzipiert, daß es gleichzeitig die neue Architektur ausnutzt, dem Anwender aber trotzdem eine Schnittstelle bietet, die mit bisherigen Versionen des MPE-Betriebssystems kompatibel ist.

Komplexe Funktionen des erweiterten Betriebssystems MPE XL sind als Obermenge der Funktionen des bisherigen Operatingsystems anzusehen. Dem Anwender steht es somit frei, welchen Leistungsumfang er nutzen will.

Obwohl der Befehlssatz der Serie 900 unmittelbar in der Hardware realisiert ist und damit dem RISC-Konzept zugeordnet werden kann, spricht man bei HP nicht von reinen RISC-Maschinen. Mehr als zwei Drittel der technischen Verbesserungen haben nichts mit der RISC-Technologie zu tun. Zu ihnen zählen neben anderen Erweiterungen wie Speicher-Subsysteme, das bereits erwähnte erweiterte Betriebssystem, eine neue Compilerfamilie sowie die phasenweise Parallelverarbeitung von Befehlen (Pipelining).

"Die neue HP 3000 Serie 930 sowie 950-Systeme sind die ersten einer durchgängigen Serie von geplanten Rechnern für kommerzielle Anwendungen," erklärte HP-Präsident John A. Young die Ziele des Unternehmens.

Auf der Basis des Reduced Instruction Set Computing (RISC) entwickelten die Ingenieure die neue Architektur der Flaggschiffe unter dem internen Codenamen Spectrum. Die HP-Precision Architecture so die Bezeichnung für die neue Entwicklung, ermöglicht nach Youngs Worten "nicht nur die Umstellung von derzeitigen kommerziellen und technischen Computersystemen auf die neue Rechnergeneration. Sie bildet ebenso die Basis weiterer Computersysteme für die nächsten Jahre".