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18.06.1999 - 

E-Services sollen Versäumtes nachholen

Hewlett-Packard startet verspätet ins Web-Business

CW-Bericht, Frank Niemann Bisher fand der E-Commerce-Boom scheinbar weitgehend ohne Beteiligung das kalifornischen Computerkonzerns Hewlett-Packard statt. Das soll sich nun durch die "E-Services"-Strategie ändern.

Die Neuausrichtung von HP in Richtung E-Commerce schlug sich auch auf die Organisationsstruktur nieder: Im März gründete das Unternehmen eine Internet Business Unit innerhalb des Geschäftsbereichs Enterprise Computing. Die wohl wichtigste Abteilung dieser Firmeneinheit dürfte die E-Services-Division sein. Allein schon der Name läßt darauf schließen, daß sich HP damit einen ähnlichen Anstrich geben will wie der Erzrivale IBM mit seiner "E-Business"-Kampagne. Offenbar müssen alle Ankündigungen in diesem Marktsegment mit dem Vokal E beginnen.

An markigen Botschaften läßt es HP denn auch nicht fehlen: E-Services bezeichnet das Unternehmen hochtrabend als "zweites Kapitel des Internet". Hatten Web-Anwender bisher vorwiegend Zugriff auf Informationen, sollen sie zukünftig Dienste nutzen können, die ihnen Arbeit abnehmen. Zwar stehen im Internet schon heute eine Reihe von elektronischen Services zur Verfügung, etwa Suchhilfen, Web-basierte E-Mail oder Online-Aktienbroker, doch im Gegensatz zu denen lassen sich HPs E-Services angeblich miteinander kombinieren.

Joe Beyers, General Manager von HPs Internet Business Unit, stellt sich das Zusammenspiel der dienstbaren Geister in der virtuellen Welt so vor: Ein E-Service nimmt einen Artikel automatisch aus dem Sortiment eines Online-Shops, wenn die Ware bis zu einem Stichtag nicht den erwarteten Umsatz bringt. Vor allem sollen E-Services dem Web-User das Leben erleichtern. Beispielsweise könnte ein Internet-Einkäufer einem E-Service mitteilen, daß er ein Produkt zu einem bestimmten Preis erwerben möchte. Gemeinsam machen sich dann mehrere Dienste auf die Suche und erledigen die erforderlichen "Formalitäten", wie etwa das Einholen eines Angebots sowie das Auslösen der Kauftransaktion. E-Services sind Internet-fähige Anwendungen, die Funktionen aus Suchmaschinen, Datenbanken, Enterprise-Resource-Planning-Software, System-Management-Lösungen oder Workflow-Systemen in sich vereinen.

Bei HP werden diese Programme durch "E-Speak" (siehe Kasten, Seite 30) zu E-Services. HP will damit eine Universalsprache schaffen, mit der sich Internet-basierte Anwendungen untereinander verständigen können. Dabei soll die Technik, ähnlich wie die Auszeichnungssprache Hypertext Markup Language (HTML), die Grenzen zwischen unterschiedlichen Betriebssystemen und Rechnerplattformen verwischen. Der Hersteller möchte E-Speak nicht nur selbst verwenden.

So wie die von Sun entwickelte Programmier- und Ablaufumgebung Java soll auch HPs Technik Entwicklern frei zur Verfügung stehen. Außerdem hat sie der Anbieter sowohl der Open Group als auch dem World Wide Web Consortium (W3C) vorgelegt. So hat HP die Chance, seine Technik zu einem Industriestandard zu erheben. Nach den Plänen des Computerkonzerns wird auch der Quellcode veröffentlicht - HP will damit an die Open-Source-Erfolge des Betriebssystems Linux sowie des Web-Servers Apache anknüpfen. Offene Standards verwendet E-Speak schon heute: Zu den Elementen zählt die vom World Wide Web Consortium (W3C) verabschiedete Extensible Markup Language (XML) genauso wie Java.

Eine Reihe von Herstellern haben bereits ihre Unterstützung bekundet, darunter Peoplesoft, SAP, Novell und Oracle. Einige Pilotprojekte laufen bereits. Laut Herbert Schwörer, verantwortlich für das E-Services-Marketing in Deutschland, waren hierzulande vor allem die Telekommunikationsbranche, die Automobilindustrie sowie Banken und Versicherungen vom E-Services-Konzept angetan.

Der Erfolg von E-Speak wird aber nicht zuletzt davon abhängen, ob die Technik auch Branchenriesen wie IBM und Microsoft begeistern kann. IBM hat sich bisher noch nicht klar geäußert. "Wenn E-Speak zu einem offenen Standard wird, sind wir irgendwann dabei", erläutert Ferenc Szelenyi, Manager E-Commerce-Solutions für Europa, den Mittleren Osten und Afrika, die Haltung von Big Blue, die eigentlich keine ist. Microsoft kommentierte HPs Ansatz nicht. Möglicherweise konzentriert sich der Softwareriese lieber auf sein jüngst vorgestelltes XML-Framework "Biztalk". Auch damit können unterschiedliche Anwendungen Daten untereinander austauschen.

Auf seiten des Endanwenders dürfte es weniger Akzeptanzprobleme geben, denn er benötigt lediglich ein Java-fähiges Endgerät, um E-Services in Anspruch nehmen zu können. Neben PCs kommen dabei Handys, Personal Digital Assistants (PDAs) sowie Server und Großrechner in Frage. Mobilfunktelefone werden nach Ansicht einiger HP-Manager eine besonders wichtige Rolle spielen.

Doch wie findet der Anwender E-Services im Netz der Netze? Nach Ansicht von HP wächst Portalen wie Yahoo, Netcenter, Lycos und anderen eine neue Rolle als Dienstleistungsmarktplatz. Offerieren diese Web-Sites heute in erster Linie Informationen, so werden sich die Betreiber zu Diensteanbietern weiterentwickeln. Zudem könnten neue Portale entstehen, die Services für bestimmte Zielgruppen bereitstellen, beispielsweise zur Zahlungsabwicklung oder Rechnungskonsolidierung. "Damit wird dem User die Komplexität dieser Prozesse genommen", beurteilt Mathias Schmitz, Business Development Manager beim deutschen Internet-Suchdienst Altavista.de, den E-Services-Ansatz.

Akzeptiert der Markt HPs E-Services-Konzept, so könnte dies dem Hersteller eine Belebung des Geschäfts mit Server- und Softwareprodukten bescheren. Je mehr Internet-Anwendungen entstehen, so die Hoffnung der Manager im kalifornischen Palo Alto, desto mehr werden Internet-Service-Provider, Telekommunikationsfirmen sowie die Betreiber von Web-Sites Erzeugnisse des Herstellers beziehen. Doch hier muß sich HP vor allem gegen Sun Microsystems behaupten, einen der wichtigsten Server-Lieferanten für Provider und Carrier.

Hewlett-Packard möchte auch seinen eigenen Produkten den E-Speak-Dialekt beibringen. Ein genauer Fahrplan steht noch nicht fest, die Pläne dürften sich aber auf System-Management-Lösung "Openview", alle Server-Systeme sowie die elektronischen Bezahlsysteme der Konzerntochter Verifone beziehen.

Neben seiner E-Services-Strategie verkündete der Konzern sein Vorhaben, zukünftig noch konsequenter als Dienstleister aufzutreten. Gemeinsam mit der amerikanischen Telekommunikationsfirma Qwest baut HP Server-Farmen in den USA auf, um so die Grundlage für Application-Hosting-Services zu schaffen. Bis zu 500 Millionen Dollar will Firmenchef Lewis Platt für Hardware, Software, Services und Support lockermachen. Im Gegenzug erhält HP einen Teil der Einnahmen, die Qwest mit Hosting-Verträgen erzielt. Steht diese Infrastruktur, werden Anwenderfirmen in der Lage sein, die im Netzwerk von Qwest laufende Software, beispielsweise SAP R/3, zu mieten, statt sie im eigenen Unternehmensnetz zu installieren. Hierzu schließen die Kunden je nach Bedarf Mietverträge mit dem Application-Service-Provider (ASP) ab. In Deutschland arbeitet HP an einem ähnlichen Hosting-Service für Unternehmen, die ihre E-Mail-Server nicht im eigenen Hause pflegen wollen.

Allerdings ist die Idee des Application Hosting nicht neu. Wenige Wochen, bevor HP seine Wandlung zur E-Business-Company verkündete, stellte die Sun-Netscape-Allianz ihre Strategie "Serviceprovider.com" vor, die ungefähr in die gleiche Richtung zielt. Dementsprechend beurteilt Forrester Research HPs Vorstoß in Sachen Service als Me-too-Strategie. "HP wird Probleme haben, sich von anderen Service-Anbietern abzuheben", meint etwa Analyst Matthew Nordan. Zumindest mit der Idee der E-Services unterscheidet sich der Konzern vom Rest der Branche. Ob dies für ein neues Kapitel im Internet reicht, wird sich zeigen.

E-Speak

HPs E-Speak-Technik besteht aus Schnittstellen, einer Entwicklungs- und Laufzeitumgebung sowie Bibliotheken. Damit können Softwarespezialisten Internet-Dienste entwickeln und im Netz verfügbar machen. Über Schnittstellen sind die Services in der Lage, untereinander zu kommunizieren. Gleichzeitig erlauben diese Interfaces das Überwachen dieser Dienste. Außerdem lassen sich im Internet erbrachte Dienstleistungen dem Nutznießer in Rechnung stellen.