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Im heißen PC-Herbst spielen die Großen mit den Muskeln


18.09.1992 - 

Hewlett-Packard und IBM drücken mit neuen PC-Linien auf die Preise

MÜNCHEN (jm) - Die Schwergewichte des DV-Marktes fahren ihre ersten Aufwärmrunden, um im Rennen der PC-Anbieter ganz vorne zu landen: Compaq hatte bereits vor einigen Wochen neue Distributionswege sowie Low-end-Mikros präsentiert und damit den gesamten PC-Markt in Bewegung gebracht. Jetzt ziehen die IBM und Hewlett-Packard mit Neuankündigungen nach.

Praktisch zeitgleich mit der Vorstellung seiner neuen PC-Division IBM Personal Computer Company offenbart Big Blue einen Teil seiner zukünftigen PC-Reiseroute. In den USA stellten die Armonker drei Modellinien von PS/1-Rechnern vor, die zwar für unterschiedliche Adressaten gedacht sind, sich jedoch teilweise nur durch die Kosmetik unterscheiden, so etwa durch unterschiedliche Softwaremitbringsel.

Die PS/1-Modellreihen gliedern sich in die "Essential"-, die "Expert"- sowie die "Consultant"-Rechnerlinien, die auf die unterschiedlichen Käuferschichten Heimanwender, kleine Unternehmen und erfahrene Benutzer gemünzt sind. In den USA werden die drei Rechnerlinien deshalb auch über unterschiedliche Händlerschienen den Weg zum Käufer finden. So will Big Blue etwa die Expert-PCs über Superstores verkaufen. Nach den Informationen eines IBM-Sprechers sollen die Rechner zwischen 1100 und 2800 Dollar kosten. Die PS/1-Tischmikros seien nach IBM-Aussagen innerhalb der nächsten 30 Tage lieferbar, bei den Notebooks beginne die Auslieferung erst Ende Oktober.

IBMs PCs arbeiten mit Microsofts Windows

Industriebeobachter zeigten sich durchaus beeindruckt von der Aggressivität, mit der Big Blue den Preiskampf im PC-Markt aufnimmt. So hat man mit sehr viel Aufmerksamkeit die Äußerung von Robert Corrigan, dem Präsidenten der IBM- PC-Neugründung Personal Computer Company, aufge nommen, der der Presse gegenüber ausdrückte: "Wir machen auch mit diesen niedrigen Preisen noch unseren Schnitt, und wir werden konkurrenzfähig genug sein, um zu gewinnen."

Die meisten Rechner (die 386SX- und 486SX-Systeme) liefert die IBM mit Microsofts OS/2-Konkurrenten, der DOS-Oberfläche Windows unter DOS 5.0 aus. Diese Entscheidung trafen die Armonker nach Aussagen eines Sprechers, weil die Microsoft-Software bei Privatanwendern wesentlich bekannter sei als OS/2. Außerdem wird diesen Rechnern die integrierte Software Works von der Gates-Company appliziert. Die leistungsstärksten PS/1-Modelle mit 486DX-Prozessoren liefert die IBM mit ihrem Multitasking-Betriebssystem OS/2 sowie ebenfalls mit Works aus.

Neben den Tischmodellen wartet die IBM für jede Rechnerfamilie mit jeweils einem portablen PC auf. Die "PS-Notes"-Rechner sollen zwischen 2100 und 2200 Dollar kosten.

Die Mikros sind mit CPUs vom 386SX mit 25 Megahertz Taktrate bis zum 486DX mit 33 Megahertz Taktrate, mit SVGA- oder VGA-Farbmonitoren, mit einer Maus und Modern ausgestattet. Die Notebooks versah Big Blue standardmäßig mit sende- und empfangsfähigen Faxmodems. Mindestens drei weitere IBM-PC-Produktankündigungen soll der heiße PC-Herbst 1992 noch erleben.

Hierzu gehören nach Aussagen von IBM-Offiziellen Upgrades der PS/2-Linie. Ferner plant die IBM nach Aussagen von Marktbeobachtern, die Rechnerlinie "Valuepoint" auf den Markt zu bringen. Hierbei handelt es sich den Informationen zufolge um wenig opulent ausstaffierte Mikros, für die Big Blue im Gegensatz zu den jetzt präsentierten PSII-Modellen praktisch keine Support-Dienstleistungen gewährt, etwa eine Hot-Iine. Eine Sprecherin der Stuttgarter Deutschlandzentrale der IBM konnte zu den Informationen aus den USA noch keine Angaben machen. Eine Ankündigung- zur Sache werde es jedoch im Oktober auch in Deutschland geben.

Neben Big Blue und Compaq wird auch Digital Equipment mit in DEC-eigenen taiwanischen Produktionsstätten gefertigten Tiger-PCs den Wiedereintritt in den PC-Markt wagen (vgl. CW Nr. 37 vom 11. September 1992: "Digital Equipment fertigt künftig...").

Die offiziell "LP" genannten Rechner (Low-Profile) kosten zwischen 900 Dollar in einer 386SX-Basis-Version und 2200 Dollar, die für das leistungsstärkste Modell mit Intels 486DX-Prozessor mit 66 Megahertz Taktrate zu zahlen sind.

Darüber hinaus rüstet sich auch Apple für den bevorstehenden Waffengang im PC-Markt (vgl. CW Nr. 35 vom 28. August 1992: "Apple bringt im September ...") mit neuen Modellen. Nach deren Vorstellung wird die Palette vom Spitzenmodell Quadra 950 über die für den Massenmarkt gedachten "Performa"-Rechner bis zum Powerbook 100 reichen, wobei sich das Preisspektrum zwischen knapp 1000 und 3500 Dollar auffächert. Apple mußte bei einem Gewinn von 81,2 Millionen Dollar für das vierte Quartal 1991 einen satten Gewinnrückgang von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal hinnehmen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, daß Apple mittlerweile auch auf Masse setzt, also auf den Verkauf niedrigpreisiger Mikros mit geringen Margen.

Allerdings besagen neueste Meldungen, daß die Sculley-Company den Preiskampf wieder einmal nicht ohne blaue Flecken übersteht: 345 Mitarbeiter werden ihre Entlassungspapiere erhalten. Betroffen davon sind 300 der 700 Angestellten im Endmontagewerk im kalifornischen Fremont, dessen Tätigkeit nach Sacramento verlegt wird.

Im Zuge einer größeren Ressourcenzusammenführung will Apple zudem weitere Fertigungseinheiten in die Werke in Fountain im US-Bundesstaat Colorado, Cork in Irland sowie Singapur integrieren. Michael Spindler, der deutsche Apple-President und Chief Operating Officer, verspricht sich von der Zusammenführung von Distributions- und Produktionsstätten ein schnelleres und effizienteres Reaktionsvermögen auf Kundenwünsche, außerdem würden auf diese Weise die Produktionskosten erheblich gesenkt. interessanterweise scheint Apple mit der Zusammenlegung verschiedener Arbeitsbereiche an einen Ort ein Modell zu verfolgen, das ja auch der neuen IBM-PC-Company zum Erfolg verhelfen soll.

Last, but not least macht auch Hewlett-Packard nun Ernst mit dem PC-Geschäft: Insgesamt acht neue Vectra-Rechner erblickten in Paris das Licht der Welt. Zwei der Neulinge sind als Server gedacht, die standardmäßig über DOS 5.0, Novells Netz-Betriebssystem Netware 3.11 sowie auf Ethertwist ausgerichtete Vier 486-Systeme sind "netzwerkbereit" ausgelegt. Zwei 386-PCs stattete Hp mit ports aus, die"technisch ausgerichtete Anwender" erfreuen sollen.

"Wir wollen, daß HP als Macht in der PC-Industrie angesehen wird, nicht nur als ein diskret operierender Wettbewerher", gab Alex Sozonoff, bei HP European General Manager für Computer-Products-Verkäufe, als strategische Marschrichtung aus. Damit die Öffentlichkeit von HPs neuem offensivegeist erfährt, investieren die Kalifornier in den nächsten Wochen fünf Millionen Dollar in eine europaweite Marketing-Kampagne.

"Der Arbeitsplatzrechner ist von wesentlicher Bedeutung für die gesamte Computerarena", fuhr Sozonoff fort, wobei er darauf verwies, daß sich HP in den Bereichen Workstations und Peripherie - also etwa bei den Druckern - schon sehr gut am Markt etabliert habe.

Obwohl nach ersten Informationen nicht damit zu rechnen ist, daß die zunächst verkündeten,Preise die Industrie erschüttern werden, könnte diesbezüglich für HP noch einiger Spielraum bleiben, denn die Kalifornier ändern offensichtlich auch ihre Preispolitik. Gegenüber früher müssen sich Europa-Mainager nicht mehr am Dollar-Äquivalent ausrichten, sondern sind in ihren Kostenentscheidungen für die jeweiligen geographischen Märkte frei.

Im Klartext und im Sinne von IBM-Manager Corrigan heißt das laut Sozonoff: "Von jetzt an werden die Preise lokal festgesetzt, koste es, was es wolle. Hauptsache, wir bekommen den Auftrag." In den meisten Fällen bedeute dies eine Ausrichtung an der IBM und Compaq, "aber in einigen Fällen werfen wir durchaus auch ein Auge auf die Preise von Dell".