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25.09.1998 - 

Thema der Woche

Hewlett-Packard: Warten auf den befreienden Big Bang

Wer zu Jörg Menno Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hewlett-Packard GmbH, möchte, hat einen kurzen Weg. Gleich nach dem Empfang im Gebäude vier am weitläufigen HP-Standort im schwäbischen Böblingen geht es in ein für US-amerikanische Firmen typisches Großraumbüro. Dort empfängt Harms in seiner durch brusthohe Trennwände aus Kunststoff vom Rest der Bürogemeinschaft getrennten und wenig repräsentativen Geschäftsführer-Diaspora. Immerhin hat der oberste Dienstherr aller knapp 7000 deutschen HP-Mitarbeiter noch einen Fensterplatz sowie ein paar Quadratmeter mehr als die meisten seiner Angestellten ergattern können. Doch Harms legt auf solche Insignien der Macht keinen Wert. Alle neun bis zwölf Monate praktiziert er, wie er dem Besucher erklärt, "desk moving", wandert mit PC und Sekretärin von Abteilung zu Abteilung. Ein Handlungsreisender in Sachen Firmenkultur sozusagen, ständig in Bewegung. Eine Eigenschaft, die seiner Company momentan etwas abhanden gekommen zu sein scheint.

Dieser Eindruck drängte sich zumindest in den vergangenen Monaten auf. Mitte Juli hatte HP für das laufende dritte Quartal eine Gewinnwarnung herausgeben, die wenige Wochen später zur Gewißheit wurde: Einem nur moderaten Umsatzzuwachs von 10,5 auf elf Milliarden Dollar stand ein Profit nach Steuern von 621 Millionen Dollar beziehungsweise 58 Cent pro Aktie gegenüber. Damit war die Einschätzung der Konzernlenker richtig gewesen, und man hätte eigentlich zur Tagesordnung übergehen können. Noch dazu, wo die vielzitierte Asienkrise und ein florierendes Notebook-Geschäft dazu angetan waren, das Mäntelchen des Schweigens über die nicht sonderlich berauschende Quartalsbilanz der Kalifornier zu breiten: Der Computergigant aus dem Silicon Valley hatte bereits zum fünften Mal in Folge die Erwartungen der eigenen Aktionäre und Analysten verfehlt.

Grund genug für den eher als zurückhaltend geltenden Moderator der großen HP-Familie, CEO Lewis Platt, nun die Notbremse zu ziehen. Und so gibt es seit kurzem etwas, was man bei HP in dieser Ansammlung bis dato kaum kannte - negative Schlagzeilen. Den Anfang machte, noch im Juli, eine eher kosmetische Ankündigung des HP-Frontmannes. Allen weltweit rund 2400 Führungskräften wurden - befristet auf zunächst drei Monate - die Gehälter um fünf Prozent gekürzt. Gleichzeitig kritisierte Platt die "unakzeptable Performance" seiner Company und kündigte ein umfassendes Kostensenkungsprogramm an. Und als müßte der CEO seine leitenden Manager erst noch wachrütteln, schrieb er ihnen kurze Zeit später noch weitaus Unerfreulicheres ins Stammbuch: Sie sollten in Zukunft "mehr Zeit bei den Kunden verbringen und sich weniger in internen Meetings langweilen".

Dabei ist es keineswegs so, daß man etwa außerhalb des Unternehmens die Zeichen der Zeit nicht längst erkannt hätte. Seit Monaten ist im Kreis entsprechender Fachleute von den ausufernden Betriebskosten der Kalifornier die Rede und noch häufiger von einer unüberschaubaren Unternehmensstruktur, die den großen Tanker HP zu träge für schnelle und innovative Entscheidungen gemacht hat. Schon Ende Mai hatten beispielsweise - nachdem der Kurs der HP-Aktie nach einem enttäuschenden zweiten Quartal um teilweise mehr als zehn Dollar auf 72 Dollar eingebrochen war - die Broker von Merrill Lynch trocken festgestellt: "Das Unternehmen ist nicht gut gemanagt." Und wer es noch etwas früher hätte wissen wollen, hätte bereits zu Jahresbeginn hellhörig werden müssen. Da wurde der im HP-Konzern als Nummer zwei geltende und für alle Computeraktivitäten verantwortliche Senior Vice-President Richard Belluzo nach seinem überraschenden Wechsel auf den Chefsessel von Silicon Graphics vom US-Wirtschaftsmagazin "Business Week" mit den Worten zitiert: "HP verfügt über ein enormes Potential, ein ausgezeichnetes Image im Markt und hervorragende Mitarbeiter. Aber es fehlt etwas, um das Unternehmen auf den nächsthöheren Level zu bringen."

Belluzo soll später besagte Äußerung zurückgenommen haben, was beim Versuch, die Situation bei HP objektiv zu beurteilen, aber nicht unbedingt weiterhilft. Im Zweifel auch nicht die Einlassungen von Deutschland-Statthalter Harms, der nichts vom Gerede einer HP-Krise hält. "Wenn es jetzt beim Wachstum etwas weniger und bei den Kosten etwas mehr geworden ist, ist dies eine Sache, die uns durchaus beschäftigt", entgegnet er Kritikern geradezu staatsmännisch. Was auch für seine Art der Problembewältigung gilt: "HP hat auch in der Vergangenheit auf solche Herausforderungen schnell reagiert."

Nun ist es keineswegs so, daß Harms unrecht hätte. Jedenfalls weisen die bis dato eindrucksvollen Zahlen des Unternehmens nichts Gegenteiliges aus. Immerhin gelang es HP, binnen der letzten zehn Jahre von einer Zehn-Milliarden- zu einer 40-Milliarden-Company und damit zur weltweit unangefochtenen Nummer zwei der IT-Branche aufzusteigen. Doch der Eindruck, den die Lewis-Platt-Company derzeit hinterläßt, ist zwiespältig. Besser gesagt: Man wird das Gefühl nicht los, daß es sich um mehr als die zu verharmlosende Gewinndelle(n) eines von der Asienkrise gebeutelten Hardwareherstellers handelt.

Dennoch lohnt es sich zunächst, beim Hardwaregeschäft zu bleiben. Das Unternehmen ist "im PC-, Server- und Workstation-Markt eine stabile Größe", urteilt Felix Hamann, Geschäftsführer von Input Deutschland, pauschal. So kann man es durchaus sehen; natürlich aber auch etwas euphorischer. Nummer eins bei RISC-basierten Unix- sowie NT-Workstations, Nummer eins bei Unix-Servern (nach Umsatz), stärkstes Wachstum aller PC-Hersteller und vieles mehr ist beispielsweise auf der Homepage von HP nachzulesen. Auch das stimmt - je nach Betrachtungsweise.

Tatsache dürfte in jedem Fall sein, daß HP nach wie vor ein, wenn nicht der dominante Player im Unix-Bereich ist. Durch eine geschickte Entwicklungskooperation mit dem Chipgiganten Intel gelang es den Mannen um Lewis Platt beispielsweise im Zusammenhang mit Intels voraussichtlich Mitte 1999 auf den Markt kommender neuer 64-Bit-Architektur "IA 64" (Merced), die vermeintlichen Zukunftsmärkte zu besetzen. Nicht nur in puncto Hardware-Plattformen ist also das Unternehmen erfolgreich, sondern auch, was die Positionierung des eigenen Server-Betriebssystems "HP-UX" gegen vergleichbare Lösungen der Konkurrenz, beispielsweise "Solaris" von Sun Microsystems oder "AIX" von IBM, angeht. Dies könnte um so entscheidender sein, weil gerade die Scott-McNealy-Company zuletzt im Segment der High-end-Unix-Server mit relativ preisgünstigen Einstiegsmodellen die bis dato führenden Anbieter HP und IBM das Fürchten gelehrt hatte.

Auch die NT-Server-Flanke von HP zeigt sich, um noch einmal die Worte Hamanns zu gebrauchen, "stabil". Neben dem unangefochtenen Marktführer Compaq rangiert HP hier weltweit an zweiter Stelle. Und wer wollte bestreiten, daß die Kalifornier im Bereich NT-Workstations nach dem verspäteten und deshalb überhasteten Markteintritt vor rund zwei Jahren einen Blitzstart hingelegt und bereits 1997 zur Nummer eins (nach Stückzahlen) avanciert sind? Und natürlich ist HP - neutral formuliert - der wichtigste Druckerhersteller. Jüngste Erhebungen zum US-Markt von Merrill Lynch, wonach HP bei Laserdruckern auf einen Anteil von 84 Prozent, bei Tintenstrahldruckern auf knapp 55 Prozent kommt, lassen sich weitgehend auf den Weltmarkt projizieren; die Konkurrenz von Xerox, Lexmark, Epson & Co. rangiert unter ferner liefen.

Erfolgsmeldung über Erfolgsmeldung also, und es würde kaum Mühe machen, diese Liste fortzusetzen. Wen interessieren da noch diverse schwarze Flecken auf der weißen Weste - etwa der Anfang der 90er Jahre vollmundig angekündigte, letztlich aber kläglich gescheiterte Versuch, mit großen Unix-Servern der "HP-9000"-Serie in die seinerzeit bröckelnde Mainframe-Bastion der IBM einzubrechen? Oder die im Markt als proprietäre Altlast verschriene Midrange-Plattform "HP 3000" mit ihrem Betriebssystem MPE/ iX. Doch darum geht es nach Ansicht von Insidern nicht.

Auch nicht darum, daß HP zuletzt bei der Kommentierung des enttäuschenden dritten Quartals die Asienkrise sowie den schleppenden Absatz bei PCs und Workstations bemühte. "Business as usual" für den neben IBM und Compaq dritten Hardwareriesen halt, das sich Marktforscher Hamann zufolge aber über kurz oder lang verhängnisvoll auswirken könnte. Denn für ihn dürfte HP in Zukunft ganz andere Sorgen bekommen, weil sich "neue Produkte im Hardwaresektor nicht mehr ohne weiteres in einen strategischen Wettbewerbsvorteil ummünzen lassen". Entscheidend sei vielmehr "die Kombination eigener Technologie mit Services", und hier habe HP "unverkennbare Schwächen".

Hamanns Sicht der Dinge wird durch einen genaueren Blick auf die Geschäftszahlen der Kalifornier verdeutlicht - soweit dieser überhaupt möglich ist. Traditionsgemäß veröffentlicht HP keine nähere Aufschlüsselung der Einnahmen innerhalb seiner Sparte Computerprodukte, Services und Support, die 1997 mit rund 84 Prozent den Löwenanteil zum Konzernumsatz von 42,8 Milliarden Dollar beisteuerte (siehe Abbildung "HP-Umsatzstruktur"). Doch unter der Hand werden dann doch ganz aufschlußreiche Größenordnungen gehandelt. Zum Beispiel widerspricht keiner, den man bei HP fragt, der verbreiteten Auffassung, daß das Druckergeschäft samt Zubehör nach wie vor die Cash-Cow des Unternehmens ist. Gleiches gilt für die inoffizielle Angabe, wonach alle in einer sogenannten "Software & Service Group" zusammengefaßten Aktivitäten im Software- und IT-Dienstleistungsgeschäft 1997 rund 6,2 Milliarden Dollar in die Kasse der Kalifornier gebracht haben.

Dies vor Augen, weiß man schon mehr, jedenfalls, wenn es um die Positionierung der Lewis-Platt-Company im derzeit sich in aller Munde befindlichen IT-Servicemarkt geht. HP-Deutschland-Chef Harms sieht auch hier keinen Grund zu falscher Bescheidenheit. Sein Unternehmen sei bereits jetzt "ein Full-Solution-Provider," gibt er zu Protokoll, allein in seinem Verantwortungsbereich seien mittlerweile über 1500 Mitarbeiter in den Bereichen Service und Consulting beschäftigt. Und die Fakten geben Harms zunächst wieder recht.

Gleichzeitig rechnen aber die Kalifornier (auch IBM praktiziert dies - wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß - bei seinen "Global Services") in besagte Umsätze sämtliche Software-Einnahmen des Konzerns mit ein, was dann das Standing des "Dienstleisters" HP doch wieder um einiges relativiert. Andreas Pestinger, Analyst bei der Meta Group, hebt das Problem, das HP hier erkennbar hat, auf eine qualitative Ebene. HPs Service-Division sei wie die entsprechenden Units von Unisys oder Bull "sehr produktgetrieben", mit allen Nachteilen, die ein solcher Ruf im Markt habe. Bis dato hätten sich nur IBM und Digital Equipment (DEC) durch eine organisatorische Verselbständigung dieser Geschäftsbereiche den "Anstrich eines externen Service-Anbieters" geben können. Einen immerhin ersten Schritt in diese Richtung hat HP unlängst getan. So wurde unter dem Namen "HP Consulting" eine weltweit agierende Task Force etabliert, die die sogenannten "Big Accounts" im IT-Servicegeschäft betreuen soll.

Immer mehr jedoch schimmert das eigentliche Kardinalproblem der Kalifornier durch. Und das sind eben nicht primär die zuletzt stärker als der Umsatz gestiegenen operativen Kosten des Konzerns (allein im dritten Quartal erreichten diese eine Höhe von 2,7 Milliarden Dollar, immerhin knapp 25 Prozent des Umsatzes). Schon eher die Tatsache, daß es HP, gerade auch im Vergleich mit IBM, an einer schlüssigen Strategie für die derzeit heiß gehandelten Zukunftsmärkte wie Electronic Commerce fehlt.

Darüber hinaus auch im System- und Netzwerk-Management, wo HP mit seiner Plattform "Openview" mit als erster Anbieter auf dem Markt war. Doch das heutige Szenario ist für das Unternehmen geradezu typisch: Platzhirsch IBM hat die eigene, etwas angestaubte Management-Suite "Netview" durch den Kauf von Tivoli kräftig aufpoliert und dadurch seine Domäne in der Administration Großrechner-zentrierter Welten verteidigen können. HP indes spielt in diesem Markt nur noch die dritte Geige und darf sich mit dem "Newcomer" Computer Associates (CA) und dessen Lösung "Unicenter" vor allem einen Kampf um mittelständische Anwenderunternehmen liefern, die allen Umfragen zufolge in nächster Zeit verstärkt auf den System-Management-Zug aufspringen werden. Dies soll nicht heißen, daß der Mittelstand kein lukrativer Markt wäre, doch einmal mehr hat sich HP hier, so ein Insider, "mit dem deutlich geringeren Anspruch begnügt".

Hinzu kommt offensichtlich noch ein weiteres HP-Spezifikum. "Openview" gilt in Fachkreisen als gutes, ausgereiftes Produkt, gleichwohl als kompliziert bei der Implementierung und im Handling - weil Kunden aus diversen Modulen ihr jeweils individuelles System zusammenstellen müssen, während man bei den Konkurrenzprodukten auf ein fertiges und relativ schnell anpaßbares Framework zurückgreifen kann. Und als hätte man bei HP keine anderen Sorgen, leistete man sich Mitte vergangenen Jahres auch noch einen Marketing-Lapsus allererster Güte, als die Hardwaredivision den eigenen Netzwerkern durch ein Agreement mit CA besondere Freude machte. Ausgerechnet dem Erzrivalen im System-Management wurde die Ehre zuteil, "Unicenter" neben "Openview" auf HP-Servern vorinstallieren zu lassen. Der Rest dieser Geschichte ist bekannt: Lewis Platt höchstpersönlich mußte wenige Wochen später zurückrudern und seinen Openview-Leuten öffentlich den Rücken stärken. Die eigene Management-Suite bleibe ein strategisches Produkt, hieß es, nachdem nicht nur intern, sondern vor allem auch draußen im Markt berechtigterweise ein gegenteiliger Eindruck aufgekommen war.

Marketing-Probleme scheint HP aber, wie schon angedeutet, vor allem auch in Sachen Vision für das vielzitierte Zeitalter des Electronic Commerce zu haben. Jörg Menno Harms sieht dies nicht unbedingt so: "Hier sind wir mindestens so gut aufgestellt wie der Wettbewerb, in Teilbereichen sogar besser. Wir verfügen über ein umfassendes Produktportfolio, mit dem unsere Kunden in die digitale Welt einsteigen können." Damit hat der deutsche HP-Chef zum dritten Mal recht. Unter der Rubrik "We build the Electronic World" läßt sich bei den Kaliforniern sowie deren zahlreichen Partnerfirmen alles in Sachen E-Commerce finden - von Java-Entwicklungswerkzeugen über Lösungen für den digitalen Zahlungsverkehr bis hin zu Applikationen für den professionellen Betrieb von Web-Sites. Nur fehlt irgendwie der Fixpunkt, die Botschaft, die man an die Kunden bringen möchte. Branchenführer IBM nennt ihn zum Beispiel "E-Business" und fächert seit Monaten in einer großen Werbekampagne sein digitales Geschäftsmodell mit dem Versprechen steigender Effizienz für alle Unternehmensbelange auf. Bei HP sagt man, so Harms, "statt Electronic Commerce Electronic World, weil Electronic Commerce nur eine Facette unseres Angebots ist". Jetzt, so scheint es, lehnt man sich zurück und wartet auf Kunden.

Damit dürfte es in Zukunft jedoch nicht mehr getan sein. HP hat sich "zu lange auf seinen Lorbeeren ausgeruht," faßt Input-Marktforscher Hamann zusammen. "Noch immer haben Vertriebsleute von HP mit den besten Ruf bei den Kunden. Sie gelten als vergleichsweise seriös, nicht als Hardliner wie etwa die Sales-Mannschaft von Compaq." Doch genau hier droht das Ungemach - die Übernahme von DEC durch Compaq läßt grüßen! In spätestens einem Jahr, wenn die Texaner den Merger verdaut haben, müsse man sich bei HP "warm anziehen". Der kommende Big Player im Enterprise Computing, davon ist der Input-Experte überzeugt, steht "ante portas."

Welche Chancen, welche Perspektiven hat aber HP? Die generelle Marktposition des Unternehmens, das darf man nicht vergessen, ist nach wie vor ausgezeichnet - keine Business Unit schreibt nach Kenntnis von Außenstehenden rote Zahlen. Dennoch dürften die sich jetzt abzeichnenden Maßnahmen - Abbau der immens hohen Mitarbeiterzahl von derzeit mehr als 123000 durch Fluktuation, Schließung diverser Fabriken sowie der massive Tritt auf die Kostenbremse - Hamann zufolge nicht ausreichen. Fest steht wohl, daß die Company, deren Produktpalette von der aus den Gründerjahren stammenden Meßtechnik über Anlagen für chemische Forschungseinrichtungen sowie professioneller IT bis hin zu Privatkunden-orientierten Computerprodukten reicht, ihre dezentrale, in eine kaum mehr überschaubare Zahl von Business Units aufgesplitterte Struktur, wird straffen müssen.

Und vielleicht auch entschiedener auf der Klaviatur der Öffentlichkeitsarbeit spielen? Was um so schwieriger sein dürfte, als die Kalifornier bis dato dafür nicht bekannt waren. Die Skepsis von Marktforschern wie Hamann reicht deshalb auch in die Zukunft. Die werden für einen "Big Bang" nicht zu haben sein, meint er. Weder sei von HP ein Deal ê la Compaq/DEC noch eine dramatische Kurskorrektur bei der Unternehmensstrategie zu erwarten. Mit Gesundschrumpfen alleine sei es aber auch nicht getan. Die Frage, "wofür HP steht", müßten Lewis Platt & Co. in jedem Fall deutlicher im Markt kommunizieren. Jörg Menno Harms hat, wen wundert es, bereits die passende Antwort gefunden. Wenn HP-Mitarbeitern gelegentlich besagte Frage gestellt wird, antworten die seiner Erfahrung nach: "Sicherer Arbeitsplatz, gute Gewinne, Spaß an der Arbeit." Darum alleine, das gibt er halb im Spaß zu, kann es in Zukunft jedoch nicht mehr gehen. Worum dann? Um die Erkenntnis, so Harms, daß "HP Menschen in Unternehmen und Organisationen hilft, Wissenzuwachs zu erzielen, um dadurch effizienter zu arbeiten". HP sei, vereinfacht gesagt, "ein Wissensbeschleuniger".

Gerhard Holzwart

gholzwart@computerwoche.de

Abb.1: HP-Umsätze

Wachstum: Innerhalb von fünf Jahren hat HP den Umsatz mehr als verdoppelt. Quelle: Hewlett-Packard

Abb.2: HP-Gewinne

Positive Bilanz: Noch macht HP Gewinne, doch die Analysten werden unruhig. Quelle: Hewlett-Packard

Abb.3: HP-Umsatzstruktur

IT über alles: Aus dem ehemaligen Meßtechnik-Spezialisten wurde der größte Computerkonzern nach IBM. Quelle: Hewlett-Packard