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18.12.1992 - 

Neuer TPC-C-Benchmark testet OLTP-Systeme

Hewlett-Packards Server-Systeme laufen einer Top-AS/400 Rang ab

MÜNCHEN (jm) - Wer für OLTP-Anwendungen ausgelegte Systeme unter realitätsnahen Anforderungen prüfen will, sollte auf den neuen TPC-C-Benchmark zurückgreifen. Als erste Unternehmen unterzogen sich bislang die IBM und Hewlett-Packard mit einigen Rechnern diesem Test. Im Vergleich von AS/400- und HP-3000-Midrange-Systemen zog dabei HP den blauen Rechnern davon.

Im "TPC Quarterly Report" vom 15. Oktober 1992 - aus dem Hewlett-Packard in einer Presseinformation zitiert - wird darauf verwiesen, daß der TPC-C-Benchmark zur Einschätzung der OLTP-Leistung von Rechensystemen sehr viel aussagekräftiger sei als etwa TPC-A-Prüfläufe. Die abzuarbeitenden Aufgaben würden CPUs und I/O-Subsysteme etwa zehnmal mehr belasten als bei dem TPC-A-Benchmark.

Deshalb sei Anwendern, die Interesse für an Alltagsproblemen ausgerichteten kommerziellen Applikationen zeigten, mit dem TPC-C-Benchmark wesentlich mehr gedient. Gerade Aspekte der Darstellung wirklichkeitsnaher OLTP-Problematiken würden bei dem TPC-A-Test kaum berücksichtigt. Demgegenüber stellten TPC-C-Prüfungen eine ernstzunehmende Nagelprobe dar, um sowohl Computersysteme in Sachen Hardware auf deren Leistungsfähigkeit abzuklopfen als auch das Verhalten von Rechnern in Datenbank- sowie Transaktions-Umgebungen unter die Lupe zu nehmen.

Hersteller mißbrauchen die TPC-Resultate

Gedacht als repräsentativer Industrie-Benchmark für unterschiedliche Systeme und Architekturen, dient der TPC-C-Test in erster Linie der Einschätzung von Midrange- und noch leistungsfähigeren Systemen. Er stellt eine Mixtur aus Lese- und Datenaktualisierungsvorgängen dar, die Rechenaktivitäten in einer komplexen OLTP-Umgebung simulieren soll.

Hinter dem Akronym TPC verbirgt sich das Ende der 80er Jahre gegründete Transaction Processing Performance Council aus dem kalifornischen San Jose, dem ungefähr 40 Systemanbieter wie AT&T, Control Data, DEC, IBM, HP, Bull, Sequent und Siemens sowie Softwarehäuser wie die Software AG, CA, Oracle, Ingres, Informix oder Sybase angehören. Ergebnis-Niederschriften von Tests können gegen eine Gebühr von 20 Dollar über die Shanley Public Relations in San Jose angefordert werden.

Die TPC-Testresultate der Non-Profit-Organisation gerieten allerdings - obwohl sie gut dokumentiert veröffentlicht werden - immer mal wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Kritiker bemängeln, daß sich Unternehmen gern einzelner Resultate bedienten, um diese - aus dem Kontext herausgenommen - isoliert zu veröffentlichen. Bekannt sind etwa die periodisch wiederkehrenden Erfolgsmeldungen zu immer schnelleren TPC-A-Benchmark-Werten, mit denen Rechnerhersteller vor allem auf die OLTP-Tauglichkeit ihrer Systeme hinzuweisen versuchen.

Die jetzt von HP veröffentlichten TPC-C-Ergebnisse aus dem TPC-Report betreffen zum einen zwei Business-Server-Maschinen (Modell 947 und Modell 957) aus HPs 3000-Serie, zum anderen die zwei AS/400-Rechner 9404-E10 und 9406-E35. Weder die IBM Deutschland GmbH noch Hewlett-Packard konnten zu den Benchmark-Ergebnissen eine Stellungnahme abgeben. Ein IBM-Sprecher bestätigte lediglich, daß entsprechende Tests durchgeführt worden seien. TPC-Mitgliedern allerdings liegen die TPC-C-Resultate der vier Systeme mit Stichdatum 6. November 1992 vor.

HPs Systeme liefen unter dem proprietären, aber um Posix-Fähigkeiten erweiterten Betriebssystem MPE/ix in der Version 4.0. Als relationales Datenbanksystem nutzte HP "Allbase/SQL" (VFO.23), außerdem kam "Pascal/ix" zum Einsatz. Wie alle anderen HP-Systeme auch rechnen die 3000-Server mit Hewlett Packards PA-RISC-Prozessor.

Der auf dem Prüfstand befindliche HP-Rechner 947 war mit 224 MB Arbeitsspeicher, zwölf 1,35-GB-SCSI-Festplatten, einen 2,7 GB großen Disk-Array-System, einer Konsole sowie drei Datacommunications Terminal Controllers (DTCS) bestückt und sollte die Belastung durch 100 angeschlossene Benutzer simulieren. Als Testumgebung konfigurierten die Auguren eine Terminal-Host-Topologie, wobei auf Front-end-Prozessoren verzichtet wurde.

Modell 947 erzielte im TPC-C-Benchmark-Lauf einen Durchsatz von 105,26 Transaktionen pro Minute (tpmC). Aufgrund der erzielten tpmC-Werte errechnete TPC für den HP-Rechner sogenannte Cost of ownership pro tpmC von 4171 Dollar. Hierunter verstehen die Auguren das Ergebnis, das sich ergibt, wenn man die Systemkosten insgesamt, also inklusive der Datenbank- und Betriebssystem-Software, durch den erzielten tmpC-Wert dividiert. Die Systemkosten für Modell 947 gaben die Tester mit 439 129 Dollar an.

Bei Kosten pro Transaktion ist HP nicht so überlegen

Modell 957 - die HP-3000-Serie umfaßt zwölf Typen von Modell 917LX bis 987 - wartete mit 180,2 tpmC sowie 3225 Dollar pro tpmC auf (Systemkosten 581 415 Dollar). Hierbei simulierten die Tester die Belastung durch 160 Benutzer. Betriebs- sowie Datenbanksystem und Sprache waren die gleichen wie beim kleineren HP-Rechner. Die Hardware-Ausstattung hingegen fiel etwas opulenter aus: 256 MB Arbeitsspeicher, 18 1,35-GB-SCSI-Festplatten sowie eine weitere 677-MB-SCSI-Festplatte, ein 2,7 GB großes Disk-Array-System, eine Konsole sowie vier DTCS sollten ihre Tauglichkeit für kommerzielle Umgebungen beweisen.

Mit diesen Ergebnissen kann HP zumindest in Sachen tpmC-Wert zunächst einmal ganz klar die Spitzenposition für sich reklamieren. Bei den Kosten, die der Anwender pro zu erzielender Transaktion aufwenden muß, fällt das Ergebnis bei weitem nicht so einseitig zugunsten von HP aus.

Die bei den AS/400-Modellen im September ebenfalls für eine Terminal-Host-Simulation durchgeführten Benchmark-Läufe ergaben 33,8 tpmC und 2462 Dollar pro tpmC für die kleinere AS/400 (Systemkosten 83 253 Dollar). Modell E35 erzielte 54,14 tpmC respektive 3483 Dollar pro tpmC (Systemkosten 188 582 Dollar). Beide Application-System-Rechner liefen unter dem integrierten reIationalen Datenbanksystem OS/400 in der Version 2, Release 2, sowie dem Betriebssystem OS/400 gleichen Versionsstands.