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21.08.1992 - 

Datapro-Umfrage und IDC-Studie

Hewlett-Packards Workstations rangieren beim Anwender oben

DELRAN (CW) - Gute Noten heimste Hewlett-Packard mit seinen RISC-Workstations ein. In zwei von drei Kriterien setzten sich die Serie-700-Rechner in einer Datapro-Anwenderbefragung gegenüber der Konkurrenz von Sun, DEC, IBM und einigen weiteren bekannten Anbietern durch.

Das Marktforschungsunternehmen Datapro Information Services Group aus Delran, New Jersey, führte die Untersuchung durch, bei der von 2730 angeschriebenen Anwendern 591 verwertbare Fragebogen wieder zurücksandten. Die Zufriedenheit mit dem jeweiligen Produkt sollte auf einer Skala von - 5. bis + 5 bewertet werden.

Die Marktforscher unterteilten ihre Fragen in drei Kategorien: Neben Aussagen zur Handhabung der Systeme interessierte, welche Selektionskriterien für Anwender von Bedeutung sind und zu welchem Grad die Testkandidaten diesen entsprechen. Als dritte Eigenschaft sollten Service Und technischer Support der einzelnen Hersteller beurteilt werden.

In Sachen Handhabbarkeit - hierzu zählten CPU-Rechenleistung, Zuverlässigkeit des Systems, die Leistung des X-Window-Systems sowie die Stabilität der jeweiligen herstellereigenen UNIX- Implementation - konnten die unter der PA-RISC-Architektur laufenden HP-Workstations die meisten Nutzer begeistern: Mit einer Gesamtnote von 4,01 war der Zufriedenheitsgrad bei den HP-Anwendern am größten.

Die schwarzen Würfel der Next-Company folgten mit einer 3,95-Bewertung knapp hinter HP, die Bronzemedaille ergatterte Sun für die Sparcstation (3,82). Auf den weiteren Plätzen folgten Silicon Graphics' "Iris"-Rechner (3,76) und die auf der Clipper-Architektur basierenden Intergraph-"Interpro"-Systeme.

Gewisse Unlust zum Herstellerwechsel

Dann erst liefen Data Generals Aviion Rechner und DECs "Decstation" ein. Nur noch im Verfolgerfeld plazierten sich IBMs RS/6000-Workstations und die noch mit dem Motorola 68000-Prozessor arbeitenden HP/Apollo-Modelle 400.

HP glänzte beim Punkt Handhabung mit ersten Platzen in den Kategorien CPU-Rechen-Power, Zuverlässigkeit und Charakteristika der X-Window-Umgebung. In Sachen Applikationsentwicklungs-Tools allerdings lag Next vorn, während es den Anwendern vor allem die Unix-Implementierung des Sun-OS-Betriebssystems angetan hatte. Hier lag die McNealy-Company in der Gunst der User vorn.

Bei den Selektionskriterien steht HP (3,94) der Datapro-Analyse zufolge ebenfalls ganz oben auf dem Treppchen, Silber gab es für Sun (3,87), der dritte Platz ging an Silicon Graphics (3,72) Abgefragt wurden Preiswürdigkeit - entgegen mancherorts geäußertem Vorurteil lag HP diesbezüglich an der Spitze der Beliebtheitsskalla - sowie Softwareverfügbarkeit. In diesem Punkt glänzte erwartungsgemäß Sun.

Auch in Sachen Service und Support darf HP sich des Wohlwollens der Anwender gewiß sein: Hier zeigten nur Intergraphs Interpro-Workstations (3,68) den Precision-Architecture-Rechnern (3,57) die Hacken.

Allgemein stellten die Datapro-Analysten eine gewisse Unlust zum Herstellerwechsel fest: Anwender, die mit Kalkulationen für zusätzliche Workstations schwanger gehen, ziehen es vor, sich bei Neuinstallationen wieder auf bereits im Einsatz befindliche Hardware festzulegen .

Steht allerdings ein Herstellerwechsel ins Haus, dann - so stellten die Datapro-Meinungs forscher fest - interessierten sich Anwender am ehesten für Suns Sparc-RISC-Architektur.

Für Hewlett-Packard dürfte auf lange Sicht allerdings sprechen, daß Sun nicht gerade der Ruf anhängt, ein offenes Architekturkonzept zu bieten.

So zumindest äußert sich Nancy Battey, US-Analystin des Marktforschungsinstitus International Data Corp. (IDC).

Sie beruft sich dabei sowohl auf Daten, die bei Anwenderbefragungen zutage traten, als auch auf Suns Weigerung, trotz der Nachfrage aus Benutzerkreisen weder Motif noch DCE-Funktionalität zu unterstützen. "Außerdem ist Sun auch in puncto reiner Rechenleistung sowie beim Software-Service und -Support etwas schwach auf der Brust", mäkelt Battey.

Suns Aktivposten sei das Solaris-Betriebssystem. Die Kalifornier müßten allerdings versuchen, dieses am Markt durchzusetzen, bevor Microsoft sich dort mit Windows NT etabliert habe. Vor dem Hintergrund der neuen "Sparcstation-10"-Systeme dürfte es für Sun außerdem nach Meinung der Analystin eine große Herausforderung sein, Anwender davon zu überzeugen, daß bei ihnen überhaupt ein Bedarf an Multiprozessor-Systemen bestehe.

Die IDC schätzt, daß HP l992 weitere Marktanteile gewinnt. Voraussetzung hierfür sei allerdings, daß die Kalifornier Altlasten aus der HP/Apollo-Serie-400 aufarbeiteten und Wechselwege für die Motorola-basierten 680XO-Rechner auf die PARISC-Workstations öffneten.

Kritisch sieht Battey ferner, daß sich das technologieverliebte Unternehmen HP zu sehr auf den Aspekt der schieren CPU-Power versteife: "Computerbenutzer interessieren sich aber viel mehr dafür, welche Anwendungen wie gut auf einer bestimmten Hardware laufen und wie leicht sich Systeme in heterogene Netze einbinden lassen."

Belastend für die Nummer drei der Workstation-Anbieter - Digital Equipment - ist nach Meinung der IDC, daß sogar im Hause DEC Konfusion darüber herrsche, welche der Produkt- und Betriebssystem-Linien in Zukunft favorisiert werden würde. Neben der Mips- und VAX-Architektur bewirbt DEC, bekanntlich auch die Alpha-Technologie. Die Probleme der Migration auf Alpha könnten DEC trotz einer sehr loyalen VAX-Kundschaft noch sehr zu schaffen machen, urteilt die IDC.

Etwas überraschend fällt das Urteil der Marktforscher über die IBM aus: Big Blue werde es auch zukünftig schwer haben, die schlechte Reputation im Workstation-Segment loszuwerden. "Das AIX-Betriebssystem ist voller Bugs, außerdem haben Anwender nicht unbedingt den Eindruck, daß die IBM mit ihrer Unix-Strategie anderen Herstellern das Wasser reichen kann", urteilt noch einmal Battey. Zu allem Übel seien die blauen Workstations sehr teuer.

1991 habe die IBM weltweit etwa 44 000 RS/6000-Systeme verkauft. IDC schätzt, daß hiervon allerdings nur rund 26 000 als Workstation-Konfigurationen ausgelegt sind, eine Zahl, die zudem nach IDC-Erwartungen kaum explodieren werde. Big Blues Ziel, sich bis 1993 an die Spitze der Workstation-Hersteller katapultiert zu haben, sei deshalb illusorisch.

Vorteile für die IBM erkennt die IDC nur langfristig: Die Kooperation mit Motorola und Apple und das hieraus resultierende Produkt der Power-PC-Architektur sei positiv zu bewerten. Auch verfüge Big Blue über große Kapazitäten in puncto Design- und Ingenieurressourcen.