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28.05.1982

Hexakunst

Abhängigkeit verhinderte bisher eine Programmiererdämmerung. Wer, um eine schlichte Datenbank oder ein einfaches TP-System zu implementieren, im Betriebssystem herumpfuschen muß, der braucht nun mal die Unterstützung von "Hexakünstlern". Mit Cobol oder PL/I allein kommt man da nicht weit. So gehört es immer noch zu den Jungprogrammierertugenden, Hexa-Dumps lesen zu können. Es geht doch nichts über einen hohen Skill. Allenfalls Borniertheit.

Daß untrainierte Fachabteilungsbenutzer vor so viel DV-Fachwissen geistig strammstehen, leuchtet ein. Denn sollten ihre Jobs tatsächlich einmal abstürzen, wären die Folgen katastrophal: Keiner könnte den Fehler analysieren, gäb's nicht tüchtige Spezialisten. Ganze Unternehmensbereiche stünden still. Furchtbarer Gedanke.

So furchtbar wiederum nicht? Weil man von einer guten Software eigentlich verlangen müßte, daß sie auch für den Nichtfachmann genießbar ist? Die "Non-Expert-Software" als "Fast-Food"?

In Softwareanzeigen zumindest ist von Pilotkunden zu lesen, die plötzlich sogenannte "Instant"-Anwendungen entwickeln konnten, ohne gleich eine Programmiersprache lernen zu müssen. Software der vierten Generation macht's möglich.

Worauf warten die Anwender dann noch? Das wäre doch das Paradies. Einen Haken hat die Sache: Die vierte Generation ist noch sündhaft teuer. 800 000 Mark sind wahrhaftig kein Pappenstiel. Soviel kostet beispielsweise Cincoms TIS, "erstes und einziges Entwicklungssystem der vierten Generation", wie es in der Werbung des Anbieters heißt. Ob dieser Spruch nun seine Berechtigung hat oder nicht, darauf kommt es nicht an. Das Produkt mag hier stellvertretend für eine Reihe von Tools stehen, die den Ausweg aus der Softwarekrise verheißen. Denn TIS kennt aus Benutzersicht ("User View") ganze vier Befehle. Einfacher geht's nicht. Wenn solche Supertools, auch Natural von der Software AG wäre hier zu nennen, nur einen Bruchteil von dem halten, was sie versprechen, dann "Gute Nacht, Programmierer". Ganze Stäbe wären entbehrlich.

Doch Spaß beiseite: Wir haben zwar auf Anwenderseite exzellente Programmierspezialisten, aber die sind zu 80 Prozent mit Wartungsarbeiten verbraten!

Die Gefahr besteht also gar nicht, daß sich gekränkte Standesehre gegen einen Codier-Analphabetismus wehren könnte, allein mit dem Ziel, exklusiv zu bleiben. Nein, verantwortungsbewußte Softwareprofis können es nur begrüßen, wenn Anwenderprogrammierung, die keine Programmierung im eigentlichen Sinne mehr ist, populärer wird.

Jede gutgemeinte Reklame an die richtige Adresse, in das Ohr des Laien nämlich, kann den Profis nur recht sein, auch wenn es gerade ihnen nicht leichtfällt, der Superlativwerbung zu glauben (Mantis). Hat man nicht schon zu oft unbrauchbare Tools wieder in die Ecke gestellt, sich geschworen, mißtrauischer gegenüber den Versprechungen der Softwareanbieter zu sein?

So paradox das klingt: Den professionellen Softwerkern bleibt gar keine andere Wahl, als an die vierte Softwaregeneration zu glauben. Dieser Optimismus ist zu ertragen, leichter jedenfalls als die Ignoranz vieler Topmanager, die 800 000 Mark ohne mit der Wimper zu zucken für ein Stück Hardware hinblättern, nicht jedoch für ein Softwareprodukt. Hier kommt viel Aufklärungsarbeit auf die DV-Chefs und -organisatoren zu. Keine leichte Aufgabe angesichts der Notwendigkeit, sparen zu müssen.