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02.07.1993

Hicom 300 als kostensparende DFUe-Alternative Sportbrillen-Spezialist Uvex setzt bei der DV ganz auf ISDN

DFUe ueber ISDN kann sich rechnen. Diese - von den Anwendern in vielen Faellen gar nicht ins Kalkuel gezogene - Erkenntnis untermauert Rotger Greve* anhand des Beispiels der Uvex Winter Optik GmbH. Der fraenkische Bekleidungs- und Sportartikel-Hersteller verwendet seit gut einem Jahr das Siemens- TK-System Hicom 300 auch fuer den unternehmensweiten Datenaustausch.

Im Raum Fuerth sind Produktion, Vertrieb und Verwaltung von Uvex auf vier Standorte verteilt. Zum einen ist dies das zentrale Rechenzentrum mit einer AS/400/B70 von IBM und rund 250 angeschlossenen Terminals (davon 30 Drucker) sowie elf Kommunikationskanaelen (HfD, ISDN). Darueber hinaus ist an zwei weiteren Betriebsstaetten je ein Token-Ring-LAN im Einsatz; in der vierten Dependance zudem ein Appletalk-Netz mit zwoelf angeschlossenen Macintosh-Rechnern.

1991 sahen sich die IT-Verantwortlichen veranlasst, die bestehende Telefon-Nebenstellenanlage zu ersetzen. Dabei erging zunaechst eine Ausschreibung an sieben Anbieter mit der Option, das neue System spaeter auch fuer Non-Voice-Applikationen nutzen zu koennen. Nach Pruefung der Angebote entschieden sich die Fuerther fuer die TK- Anlage "Hicom 300" von Siemens - insbesondere im Hinblick auf deren technische Moeglichkeiten zur Datenkommunikation.

Seit Mai 1992 ist an den vier Standorten im Raum Fuerth je ein Hicom-300-System installiert. Die Systeme sind untereinander durch S0- oder S2M-Festverbindungen verbunden. Fuer abgehende Telefongespraeche existieren an jeder Telefonanlage S0- Basisanschluesse. Fuer jeweils drei Standorte werden ankommende Gespraeche an einer Hicom 300 konzentriert, daher erreichen Anrufer mit nur einer Hauptanschlussnummer den zentralen Vermittlungsplatz oder mit einer Durchwahlnummer die entsprechende Nebenstelle an einem der drei Standorte. Insgesamt sind an die vier TK-Anlagen 256 digitale und 144 analoge Endgeraete angeschlossen.

Hicom-Adapter als Connectivity-Bausteine

Ihre Datenkommunikation betreiben die Fuerther heute ausschliesslich ueber die vier Hicom-Systeme. Dabei sind zwischen den einzelnen IBM-Steuereinheiten 5394, mit denen die AS/400- Terminals verbunden sind, und den Nebenstellenanlagen sogenannte Hicom-Adapter des Typs DCI 735 geschaltet (DCI ; Data Communication Interface).

Diese als Anpassungs-Einrichtungen fuer Endgeraete zur Datenkommunikation konzipierten Boards ermoeglichen den Anschluss von nicht ISDN-faehigen Endgeraeten wie Terminals und PCs an die Hicom-Systeme.

Realisiert wird dies durch die Verbindung der entsprechenden V.35- und V.36-Schnittstellen der Datenendgeraete mit Hilfe der Zweikanal-Schnittstelle S0. Die Kennzeichengabe auf der V.35- beziehungsweise V.36-Schnittstelle wird dabei in die Signalisierung des D-Kanal-Protokolls gewandelt und auch im D- Kanal uebertragen. Mit dem D-Kanal-Protokoll Cornet T sind somit an jedem Standort die Hicom-Features fuer die Sprach- und Datenkommunikation verfuegbar. In die ISDN-Kommunikation eingebunden wurden darueber hinaus auch die beiden Token-Ring-LANs sowie das Appletalk-Netz, wobei auch hier zwischen den Bridges und dem jeweiligen TK-System DCI-Adapter installiert sind.

Das fraenkische Unternehmen nutzt die Moeglichkeiten der Datenkommunikation via ISDN unter anderem fuer die Fertigungssteuerung. So druckt die AS/400 fuer die Werksauftraege die Lohn- und Materialentnahmescheine mit Barcode (EAN). Dabei gibt der Arbeiter am BDE-Terminal in der Fertigung per Barcode seine persoenliche Identifikationsnummer (PIN) ein und liest ueber den 13stelligen Barcode des Lohnscheins Auftrags- und Losnummer sowie die zu fertigende Menge ein. Durch die permanente Datenuebertragung koennen jederzeit Stoerungen oder Fertigungsstaende ermittelt werden; die Daten der Lohnscheine fliessen automatisch in die Dateien fuer die Lohnabrechnung.

Ein anderer Bereich, fuer den sich ISDN als vorteilhaft erwiesen hat, ist der Vertrieb - vor allem bei Vorgaengen wie Auftragsbearbeitung und zeitnahen Statistiken. Die Fuerther unterhalten 14 Lastkraftwagen als sogenannte "Mobile Filialen" (MOF), die direkt beim Kunden das Sortiment vorstellen und verkaufen. Die jeweiligen Verkaufsfahrer erfassen die Lieferscheine und Orders im PC und uebertragen die Daten taeglich ueber Datex-L zum Rechenzentrum. Datenfernuebertragung findet aber auch direkt zwischen dem Hersteller, seinen Lieferanten und Kunden statt, etwa um Kunden vorab die Lieferscheine zuzusenden, waehrend die Ware noch unterwegs ist.

In regelmaessigen Abstaenden wird auch der Ausfall des gesamten Rechenzentrums simuliert. Dafuer wird an einem Unternehmensstandort ein mobiles Vorsorge-Rechenzentrum (MVRZ) an das Hicom-System angeschlossen. Fuer den Notfall sind an der TK-Anlage eigene DCIs installiert, ueber die das MVRZ mit dem ISDN-Netz kommunizieren kann.

Im Vergleich dazu das alte, aufwendigere Szenario: Als bei Uvex die Datenkommunikation noch ueber Datendirektverbindungen lief, mussten im (simulierten) Notfall die HfD-Leitungen in einem umstaendlichen Verfahren bei der Telekom von einem Standort voruebergehend an den anderen umgemeldet werden.

Der spezielle Hicom-Service "Gebuehrencomputing GC DOS turbo" ermoeglicht die Erfassung aller Verbindungsgebuehren an jeder TK- Anlage sowie die Uebertragung der Daten zum Rechenzentrum. Dort werden sie nach Sprach-, Text- und Datenkommunikation aufgeschluesselt und auf die jeweiligen Kostenstellen verteilt. Bei Privatgespraechen geben die Mitarbeiter vor der Wahl der Telefonnummer ihre persoenliche Identifikationsnummer ein, und die angefallenen Gebuehren werden automatisch dem Gehaltskonto belastet.

Die Uvex Winter Optik GmbH hat die vier gekoppelten Hicom-300- Systeme fuer einen Zeitraum von sechs Jahren geleast. Im Vergleich zu der alten Telefonanlage und den Datendirektverbindungen konnte dadurch eine jaehrliche Kosteneinsparung von mehr als 100 000 Mark erzielt werden. Dabei hat insbesondere die Datenkommunikation ueber ISDN das Gebuehrenaufkommen stark verringert, ohne dass gleichzeitig Einschraenkungen in puncto Uebertragungsgeschwindigkeit in Kauf genommen werden mussten.

*Rotger Greve ist Unternehmensberater und freier Fachjournalist in Saarlouis.