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11.02.2000 - 

Siemens stellt das Hipath-Konzept vor

Hicom und Hinet sollen in einer verteilten IP-Architektur aufgehen

Nachdem Konkurrenten wie Cisco, Nortel und 3Com ihre Strategien für das Zusammenwachsen der Sprach- und Datennetze präsentiert haben, zieht Siemens nun mit "Hipath" nach. Mit Andy Mattes, Leiter Enterprise and Business Switching Networks, sprachen die CW-Redakteure Peter Gruber und Martin Seiler darüber, wie der Anbieter seine Kunden in die konvergente Zukunft führen will.

CW: Siemens stellt mit Hipath jetzt eine Architektur für die Sprach-Daten-Konvergenz vor. Was steckt dahinter?

MATTES: Hipath ist eine Architektur, die als strategischer Rahmen dient, um Produktentwicklungen von heute, morgen und übermorgen auf die Welt des Internet Protocol (IP) auszurichten. Wir wollen Kunden damit ein Portfolio von IP-Lösungen anbieten, das ihnen den Weg in die Zukunft ebnet, unabhängig davon, ob sie schon in IP investiert haben. Wichtig ist, dass es sich bei Hipath um eine verteilte Architektur handelt: Die einzelnen Elemente können im LAN, aber auch global positioniert sein.

CW: Warum kommt diese IP-Vision im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern so spät?

MATTES: Unser Unternehmen kündigt dann an, wenn die Evolution gesichert ist. Die Hipath-Architektur berücksichtigt die Resultate von Kunden-Feedbacks, Datenerhebungen und Analystenmeinungen. Schließlich investieren wir heute 70 Prozent unserer Forschungs- und Entwicklungsgelder in diese Gesamtstrategie.

CW: Konkurrenten wie Cisco oder Nortel haben in ihren Hipath vergleichbaren Strategien auch konkrete Rollout-Termine für Produkte genannt. Eine entsprechende Marschroute lässt Siemens vermissen.

MATTES: Wir haben natürlich auch einen Fahrplan und werden im Rhythmus von fünf Monaten Produkte ankündigen. Die ersten Announcements sind für die Networld+Interop im Mai in Las Vegas geplant. Außerdem werden auf der CeBIT Prototypen zu sehen sein.

CW: Was können die Lösungen, die Sie in Hannover und Las Vegas vorstellen?

MATTES: Wir werden zeigen, wie eine IP-basierte, verteilte Architektur funktioniert. Dazu zählen die Elemente aus den Hicom- und Hinet-Reihen, außerdem Applikationen unter Einbeziehung von Fax, Mail und Voice over IP. Darüber hinaus wird ein Prototyp zu sehen sein, mit dem wir demonstrieren, dass sich die Leistungsfülle einer Hicom auch morgen mit einem IP-basierten, verteilten System erreichen läßt. Diese Kommunikationsplattform wird einen nicht-proprietären Server haben, der Switching im Netz benutzt.

CW: Werden das komplett neu entwickelte Lösungen sein?

MATTES: Die Architektur integriert das Beste aus Hicom und Hinet plus Neuentwicklungen. Hipath zielt darauf ab, die gesamten Leistungsmerkmale aus der Sprach- und Datenwelt zu kombinieren.

CW: Versprechen Sie dem Kunden da nicht zu viel?

MATTES: Natürlich verwendet kaum jemand alle Leistungsmerkmale. Jeder braucht aber eine bestimmte Kombination, die für sein Business wichtig ist. Wir wollen unseren Kunden die Leistungen, die sie von ihrer Hicom oder Hinet RC 3000 kennen, in einer verteilten Architektur auf Basis von IP über alle Infrastrukturen zur Verfügung stellen.

CW: Können Sie ein Beispiel nennen?

MATTES: Ja, Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit, ein Voice-Mail-System in einem IP-Umfeld anzuschließen. Ist die Voice-Mail deshalb neu? Nein! Ist die Kombination einer Voice-Mail mit einem Soft-Client neu? Ja! Das können Sie nämlich in einer Standard-IP-Anwendung nicht, zumindest nicht mit den gewohnten Merkmalen und Benutzer-Schnittstellen.

CW: Wenn die Funktionen der Siemens-Anlagen aber über die in den Standards definierten Merkmale hinausreichen, kommen dann auf den Nutzer nicht proprietäre Lösungen zu?

MATTES: Nein. Siemens tunnelt die Lösung über IP. Das heißt, was über den Standard hinausreicht, verpacken wir so, dass es im Netz nutzbar ist. So gesehen ist es nicht proprietär, sondern funktioniert auf jeder IP-Plattform, egal von welchem Hersteller die Router oder Switches stammen.

CW: Der Anwender kann seine installierte Basis weiter nutzen?

MATTES: Ja, denn wir bekennen uns zu offenen Standards. Daher funktioniert Hipath mit sämtlichen LAN-Komponenten der führenden Anbieter sowie mit allen TK-Anlagen unserer Mitbewerber, solange sie eine Q.Sig-Schnittstelle unterstützen. Wo Standards vorhanden sind, können sie genutzt werden.

CW: Und das gilt unabhängig von LAN oder WAN?

MATTES: Ja, wobei natürlich die Qualität der Netze immer einen limitierenden Faktor darstellt. So stehen und fallen die verfügbaren Leistungsmerkmale mit der Eigenschaft der Infrastruktur. Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit werden dadurch beeinflusst.

CW: Bedeutet das nicht ein hohes Risiko für den Anwender?

MATTES: Das Risiko reduzieren wir durch im Netz verteilte Access Points. Einen ersten Prototypen dazu stellen wir auf der CeBIT vor. So kann der Anwender frei entscheiden, ob er eine IP-, ATM- oder TDM-Basis möchte. Er hat sowohl zum Zeitpunkt der Grundsatzentscheidung als auch im aktiven Betrieb die freie Wahl, die Infrastruktur zu wechseln, wenn dies etwa aus Tarifgründen von Vorteil ist.

CW: Die Infrastruktur ist das eine, aber wie integriert Hipath Sprache und Daten im Bezug auf Anwendungen?

MATTES: Der Kunde kann die installierte Basis der heutigen Welt samt allen Anwendungen in die IP-Welt von morgen mitnehmen. Außerdem bietet Hipath die Möglichkeit, neue Felder zu besetzen, indem der Kunde in Bereiche wie E-Business, Logistik oder Supply-Chain-Management einsteigt und dabei alles nutzt, was er heute in Sachen Hicom oder Hinet RC 3000 verwendet.

CW: Wie hat sich der Anwender diese Integration vorzustellen?

MATTES: Es werden Anwendungen auf dem Communication-Server laufen, zum Beispiel solche, die an die Call-Controls angegliedert sind. Über Programmier-Schnittstellen können Kunden mit einem Application Composer individuelle Anpassungen vornehmen. Dies setzt jedoch eine zentrale Datenbank voraus, in der zum Beispiel E-Mail-Adressen, Telefonverzeichnisse und Routing-Informationen vorgehalten werden, wie sie Hipath vorsieht. Dann kann entweder der Kunde selbst oder ein Systementwickler die Applikation an die Arbeitsprozesse anpassen.

CW: Wird Siemens Lösungen von der Stange anbieten?

MATTES: Ja, wir werden dazu Standardpakete liefern, aber auch speziell angepasste Lösungen, die sowohl aus der eigenen Produktschmiede als auch von Partnerunternehmen kommen können.

CW: Gegenwärtig sind die Systeme für Voice-over-IP in ihrer Leistungsfähigkeit nur für Kleinbetriebe ausgelegt und das Marktvolumen noch verschwindend klein. Für welche Unternehmensgrößen werden Sie Hipath-Lösungen anbieten?

MATTES: Hipath ist als Roadmap für Unternehmen bis zu 12000 Teilnehmern ausgelegt.

CW: Wie passt das Hipath-Konzept zu der bisherigen Organisationsstruktur mit den getrennten Bereichen Hicom und Hinet? Gibt es keinen Kannibalisierungseffekt?

MATTES: Hipath ist keine Strategie eines bestimmten Geschäftsbereichs, sondern gilt für alle Siemens Enterprise Divisionen. Hicom und Hinet sind wesentliche Komponenten dieser Architektur, die sich ergänzen. Für die Enterprise-Kunden ist es wichtig, zu wissen, wo bei Siemens die Reise hingeht.