Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.12.1988

Hier schimpft der Chef selbst

Einem Geschäftsbereichsleiter "Unternehmensverbindungen" überließen die großen Industrieunternehmen bisher das "Trommeln" in politischen Zirkeln. Die Lobbyisten waren meist nur Abgesandte vom großen Boß, die aber über gute Drähte zu Parteien und Verwaltung verfügten. Immer häufiger schalten sich nun hochrangige Manager der DV-Industrie selbst in die politische Debatte ein.

So hat einer der Vorreiter bei der neuen Fensterrede-Kultur, Hans-Olaf Henkel (IBM Deutschland), den Medien wieder einmal ungefragt wohlfeile Worte zum Thema "deutsche Krankheit" geliefert: Mit einem weiteren Anstieg des negativen Handelssaldos sei angesichts der Nachteile des Standorts Bundesrepublik zu rechnen, sagte Henkel der Agentur vwd in München, um gleich wieder die Europaverbundenheit des US-Riesen zu rühmen - über 90 Prozent der in der Bundesrepublik verkauften IBM-Anlagen würden in den europäischen Werken hergestellt.

Nixdorfs Schatzmeister Sven Kado schlug auf einem Kolloquium in Frankfurt energischer zu: Er will als ärgerlich empfundene Steuern loswerden - zuvörderst die Gewerbekapitalsteuer. Die Gewerbeertragssteuer solle auf andere Ertragssteuern angerechnet werden. Doch mit diesen öffentlichen Ratschlägen an Stoltenbergs Gesetzestexter war es ihm nicht genug: Kado bezeichnete die Vermögensteuer als "organisierten Raub", und endlich müsse auch die Börsenumsatzsteuer abgeschafft werden.

ICL-Chef Peter Bonfield schließlich brach eine Lanze für das "Europa der Konzerne", wie es die Grünen an die Wand malen. In Fürth forderte der Brite laut vwd "politische Impulse", die die Informationsindustrie ermutigten, "echte Europaunternehmen" zu bilden, um im globalen Wettbewerb mit der japanischen und amerikanischen Konkurrenz bestehen zu können. Bonfield polemisierte, der Bau einer Dorfschule an jedem Platz innerhalb der EG müsse bald europaweit ausgeschrieben werden, aber ansonsten herrsche Kleinstaaterei. In den meisten Ländern der EG behindere das nationale Kartellrecht Fusionen größeren Stils, mancherorts sogar die Bildung einfacher Kooperationen.

Wenn die Übernahme von Plessey durch die Kooperanden Siemens und GEC funktioniert, müßte Bonfield demnach jubeln. (ujf)