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12.04.1979

"Hier stimmt die Relation SoftwareHardware nicht"

Mit Klaus Sabirowsky, Geschäftsführer der OSP Unternehmensberatung GmbH, Essen Herr Sabirowsky, einige Softwarehäuser meinen derzeit, einen Trend zum Mikrocomputer zu sehen. Wo sollen denn die Winzlinge als echte Rechner - wohlgemerkt nicht als Elektronik-Komponenten - eingesetzt werden?

Ich sehe zumindest eine logische Tendenz in der Ablösung bisheriger Taschenrechner - wenn die Preise weiter sinken.

Taschenrechner?

Ja. Denken Sie doch daran, daß Taschenrechner noch vor sechs, sieben Jahren um 1300 Mark herum gekostet haben. Heute kriegen Sie einen Mikrocomputer für 2100 Mark. Da ist ein Bildschirm, da ist eine Tastatur drin. Das Ding hat 32 KB; Sie können weitere vier Terminals anschließen. Also, so weit sind wir von dieser Ablösung nicht mehr entfernt.

Sie sehen die Ablösung ganz unten, ich vermute, daß die Mikrocomputer eher die Minis und kleinere MDT-Anlagen anknabbern.

Daran glaube ich nicht. Weil die Software-Produktion für solche Dinger ein Vielfaches der Hardware kostet. Wir stellen fest, daß wir einem kleinen Anwender ohne Schwierigkeiten heute einen Rechner für 100 000 Mark verkaufen können - plus 50 000 bis 80 000 Mark Software. Das funktioniert. In dem Moment, in dem wir aber einen 25 000-Mark-Rechner haben, können wir ihm, nicht mal mehr für 10 000 Mark Software verkaufen.

Was dürfte Mikrocomputer-Software Ihrer Meinung nach höchstens kosten?

Das ist schwer zu beantworten. Nur: Ich glaube einfach nicht daran, daß auf dem Mikro-Softwaresektor eine Bandbreite entsteht, bei der wir Programme für 100, 200, 500 oder 800 Mark verkaufen.

Was spricht dagegen?

Wenn der Anwender sich nicht ganz hart mit dem Gerät beschäftigt, dann kann er weder Programme laden noch sonst was. Er braucht Unterstützung. Und der Beratungstag kostet zwischen 600 und 1000 Mark. Wenn der Benutzer also fünf Programme installieren will, dann zahlt er allein für die Installation 5000 bis 8000 Mark - dazu kommen noch die Kosten für die Programme. Und wenn er Änderungen haben will, dann kommt er auf eine ganz andere Größenordnung. Hier stimmen die Relationen zwischen Hardware und Software einfach nicht mehr.

Heißt das, daß Sie dem Mikrocomputer als kleinem, preiswertem Universalrechner keine Chance geben?

Der industrielle Anwender wird sich sicherlich mit Mikros - besonders im Bereich der Fertigung - auseinanderzusetzen haben, aber immer nur im Zusammenhang mit größeren Systemen - und immer auch im Zusammenhang mit dem Kostenvolumen, das er kalkuliert hat.

Herr Sabirowsky, Sie haben gerade das Schnittstellenproblem bei der Verwendung von Mikros in einem Rechnerverbund angesprochen. Das kann der Anwender doch wohl nicht selbst anpakken, dazu braucht er Spezialisten. Und da gibt's nun etliche Beratungsfirmen, die sich auf dieses Gebiet gestürzt haben.

Das ist richtig. Aber wir stürzen uns nicht darauf. Dafür ist vielleicht noch ein anderer Grund zu nennen: Die OSP hängt im wesentlichen in der kommerziellen Beratung für Großsysteme drin, und was wir im Augenblick an Software anbieten, das betrifft zwar beispielsweise auch die IBM 5110 - aber das ist kein Schnittstellenrechner, und als solchen

wollen wir ihn auch nicht dargestellt sehen.

Wenn Sie nicht an derartigen Aufträgen interessiert sind, wie wollen Sie dann die Vor- und Nachteile der Mikrocomputer beurteilen?

Ich darf hier auf den Bereich der Fertigungsplanung verweisen, in dem wir sehr wohl tätig sind. Hier arbeiten wir im Augenblick mit einem großen Konzern zusammen, und da haben wir festgestellt, daß die sich eben nicht für Mikrocomputer entschieden haben.

Aber dringen die Mikros nicht dennoch unaufhaltsam in die kommerzielle Datenverarbeitung vor? Und müssen Sie sich als Berater nicht schon deshalb mit den Mikros beschäftigen, weil die Programmierung dieser Einplatinen-Rechner intime Hardwarekenntnisse voraussetzt?

Das ist völlig richtig. Wir haben auch so'n "Personal-Computer" bei uns installiert - davon abgesehen. Aber wir sind doch der Meinung, daß das für uns nichts ist.

Stichwort "Personal-Computer": Die Mikrocomputer-Industrie sähe es natürlich am liebsten, wenn jeder seine persönlichen kleine Rechner hätte - auch oder gerade im Betrieb.

Wenn so etwas kommt, dann haben wir mit Sichercheit - das habe ich in den Diskussionen bischer immer vermißt - die Gewerkschaften auf der Matte stehen. Da macht sich die Mikrocomputer-Industrie völlig falsche Vorstellungen von ihren Marktmöglichkeiten. Die meisten Betriebe werden zwar nicht auf Rationalisierung verzichten, aber genausowenig werden sie jeden einzelnen Arbeitsplatz mit Mikrocomputern ausstatten. Außerdem glaube ich, daß die Mikrocomputer-Verkäufer über den Fertigungsbereich sehr schlecht Bescheid wissen, sonst würden sie nicht auf die Idee kommen, das überhaupt vorzuschlagen.

Schlecht Bescheid wissen?

Vor zehn oder zwölf Jahren hat die IBM schon mal angefangen, in ähnlicher Form vorzugehen - mit tragbaren Geräten zur Betriebsdatenerfassung. Das ist alles gestorben. Der Grund lag einfach im überproportional hohen Aufwand im Verhältnis zum geringen Rationalisierungs-Erfolg. Das sagt aber nicht, daß sich auf diesem Gebiet gar nichts tut, so will ich das nicht verstanden wissen.

Tut sich nun was, oder tut sich nichts?

Bleiben wir doch bei den Tatsachen. Daß sich Handwerksbetriebe einen Mikrocomputer hinstellen, halte ich für ein Gerücht. Zum großen Teil sind die Leute mit großen Rechenzentren zusammengeschlossen - die arbeiten über die Datev und was weiß ich. Da fällt schon ein dichter Pulk aus. Ich bin also nicht sicher, ob da so ein Riesen-Markt ist. Ich sehe den Riesen-Markt vielmehr im Spieltrieb der Leute. Ich sehe das an unseren eigenen Mitrabeitern.

Welche Zukunft sagen Sie nun dem Mikrocomputer voraus?

Zusammengefaßt: Wir sind nicht der Auffassung, daß das tatsächlich ein großer Erfolg werden wird, weil einfach die Kosten und das soziale Verhalten dagegenstehen.