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03.06.1988 - 

Im Zeitalter der Informationsverarbeitung ist Flexibilität gefragt:

Hierarchische Systeme sind langfristig nicht mehr tragbar

Seit rund drei Jahren gilt das relationale Datenbankkonzept als propagierter State of the Art. Wohlgemerkt als propagierter, nicht als realisierter; denn relationale Systeme nehmen bei den Anwendern noch immer eine Außenseiterposition ein. Auch als die IBM gegen Ende der siebziger Jahre mit SQL/DS dem Markt Zeichen setzte, gelang der Durchbruch der relationalen Technologie nicht. Für operationale Anwendungen wurden und werden auch heute in starkem Maße hierarchische Systeme eingesetzt. Die Nachteile sind allerdings bekannt: Mit herkömmlichen Mitteln ist ein sporadisch auftretender Informationsbedarf nicht mehr zu bewältigen. Auch kann ein einmal implementiertes Design kaum mehr geändert werden, da dies eine Fülle von unproduktiven Programmänderungen nach sich zieht. Trotzdem herrscht bis heute die Meinung vor, daß die verfügbare Hardware den vollen Einsatz einer relationalen Datenbank nicht zulasse.

Bei hierarchisch strukturierten Datenbanksystemen wie IMS sind alle Beziehungen der Daten untereinander festgelegt, und sie stehen auch in Relation zu den Programmen. In relationalen Datenbanken wie DB2 sind Daten und Programme unabhängig voneinander, was diese Datenbanken wesentlich flexibler, änderungsfreundlicher macht. Das ist gleichzeitig die Voraussetzung für anwendungsübergreifende, unternehmensweite Datenbanken. Erst bei Abfragen werden die Beziehungen zwischen den Daten dynamisch aufgebaut. "Das relationale Konzept ist daher wesentlich aufwendiger in der Performance", stellt Marlies Lendzian, Geschäftsführerin der Plenum Systeme GmbH, fest. "Aber man ist auch wesentlich flexibler, um lnformationsmodelle, die für das gesamte Unternehmen gültig sind, zu realisieren", beschreibt sie die andere Seite der Medaille.

Voraussetzung dafür ist die Analyse aller Datenströme und ihre Darstellung in einem logischen Datenmodell. Auch die nicht-prozeduralen Sprachen der Vierten Generation, die Daten in beliebige Beziehung zueinander setzen, tragen zu einem Umdenken in der Informationsverarbeitung bei: Entwickler und Anwender müssen sich nur noch um die Datenlogik, nicht aber mehr um die physische Speicherung der Daten kümmern

Doch hier entsteht der Vorwurf "CPU-Fresser" an die Adresse des relationalen Datenbankkonzepts: Die Verarbeitungszeiten schnellen in die Höhe, sobald Massendaten ohne Beachtung der Hardware-Gegebenheiten, der physischen Speicherung, in einem relationalen System gehalten werden.

In der Praxis sieht es daher so aus: Hierarchisch strukturierte Datenbanken finden weiterhin Einsatz, und zwar schwerpunkmäßig in der operativen Transaktionsverarbeitung, zum Beispiel in Produktionsumgebungen oder bei Massendaten, während sich relationale Systeme am besten für das "unternehmensweite Informations-Center" eignen.

"Es gibt generell zwei Richtungen", bekräftigt Manfred George, Leiter des Rechenzentrums der Albingia Lebensversicherung in Hamburg. "Das gute alte hierarchische System für die Produktionsanwendung und für schnelle Antwortzeiten und daneben ein System wie DB2, wenn eine gewisse Flexibilität benötigt wird beziehungsweise neue Datenfelder hinzukommen oder neue Datenpfade gewünscht werden. "

Was hier nach einem Nebeneinander zweier Datenbankkonzepte in einem Unternehmen aussieht, scheint in der Tat auf lange Sicht bei den Anwendern Wirklichkeit zu werden. "Die beiden Systeme werden zunächst nebeneinander bestehen bleiben", meint Marlies Lendzian, "und irgendwann werden die alten Anwendungen auf IMS auslaufen. DB2 wird in Zukunft sicherlich durchbrechen. "

So auch die Sicht der Dinge bei der Esso AG in Hamburg. Willhelm Hachmann, Systemprogrammierer und verantwortlich für IMS und DB2 in der DB/DC-Gruppe, gibt noch einen anderen Aspekt bei der Zeitenwende in der Datenbankwelt zu bedenken: "Wir setzen DB2 seit 1983 und IMS seit 1971 ein. Die Investitionen, die wir 15 Jahre lang im IMS-Bereich getätigt haben, können nicht einfach wegfallen. Aber alles, was mit Neuentwicklungen zu betiteln ist, wird mit DB2 gemacht, oder es wird zumindest untersucht, ob es mit DB2 zu machen ist."

An eine Konvertierung der IMS-Anwendungen in die DB2-Welt denkt bei Esso niemand ernsthaft, denn zum einen gibt es keine entsprechenden Tools, zum anderen käme das vom Aufwand her einer Neuprogrammierung aller Anwendungen gleich. Ein Redesign gewachsener Systeme wäre jedoch ein Aufwand, der gemieden wird.

Doch wie meistern Anwender das Nebeneinander beider Datenbankwelten und die damit verbundenen Redundanzen? Auch die Commerzbank Frankfurt verfolgt die "duale Strategie", und - so der Leiter der Datenbankgruppe, Roland Schneider - "wir stellen nichts um. Was heute IMS ist, bleibt auch IMS. Und wenn neue Anwendungen kommen, überprüfen wir, ob sie für DB2 geeignet sind."

Das operative Geschäft und das Informations-Center - das Tagesgeschäft - der Bank laufen getrennt voneinander unter IMS/DC und TSO auf unterschiedlicher Hardware. "Periodisch ziehen wir Daten aus der Produktionsdatenbank ab und übertragen sie täglich oder wöchentlich in das Informations-Center . "

Auf die gleiche Weise verfährt Esso in Hamburg." Für die Probleme bei der Übertragung großer Datenbestände haben wir gewisse Techniken gefunden, die den Datentransport reibungslos unterstützen", verteidigt auch Willhelm Hachmann diese Strategie des Copy-Managements - selbst in Hinblick auf Schwierigkeiten und Engpässe, die große Datenvolumina und die "Vortagsaktualität" der DB2-Daten mit sich bringen.

Die Albingia in Hamburg sieht in den Redundanzen beim Betrieb beider Datenbanksysteme noch das kleinere Übel: "Wir ziehen aus der Produktionsdatenbank eben Daten ab und übertragen sie auf die relationale Auswertungsdatenbank, weil die flexibler ist für individuelle Datenverarbeitungsaufgaben. Den Redundanzen, die wir damit in Kauf nehmen, stünden bei uns die Umstellung von knapp 100 IMS-Datenbanken mit 400 Online- und 1500 Batch-Anwendungen gegenüber."

Dennoch geht an relationalen Systemen kein Weg mehr vorbei. Verläuft der Übergang stufenlos, ist auch der Umstellungsaufwand kalkulierbar. "Die Anforderungen an Datenbanksysteme können in Zukunft nur noch mit relationalen Systemen abgedeckt werden, sowohl im Produktionsals auch im Informationscenter-Bereich", ist die übereinstimmende Aussage der befragten Anwender. Mit der Zeit werde der Einsatz zweier getrennter Datenbanken immer seltener.