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12.12.1986 - 

Teleport-Projekte faszinieren Fachwelt, Bauwirtschaft und Politiker (Teil 1):

High-Tech-Cities ökonomisch und ökologisch attraktiv

Utopia hat tausend Namen. Immer neue kommen hinzu. Von "Teleport" über "Telematic City" bis zur "Metropolitan Area" oder "Landtronics" etc. reichen die neuen Termini, Schlag- und Nachschlagworte, die beginnen, sich in den einschlägigen Veröffentlichungen, auf Kongressen und in den unterschiedlichen Ebenen der kleinen und großen Politik durchzusetzen. Während die einen bereits den "Tele-GAU" geradezu herbeiwünschen, feilen die anderen schon jetzt an den Konzepten künftiger Tele-Städte und -Dörfer, diskutieren die Rechtsformen neuer, gigantischer Gesellschaften, die die künftigen Großprojekte aus dem Boden stampfen sollen. Mit dem folgenden Text beginnt eine Serie von Dieter Lazak*.

Nationale und vor allem internationale Organisationen sehen sich zunehmend vor die Notwendigkeit gestellt, ein einheitliches Konzept für ihre Kommunikationsnetze in Forschung und Entwicklung, Marketing, Vertrieb, Produktion und Lagerhaltung, Finanz- und Rechnungswesen, Personalwesen, Statistik und Public-Relations einzusetzen. Diese Notwendigkeit resultiert vor allem aus wirtschaftlichen Zwängen, die es nicht zulassen, einen beliebigen Zoo von verschiedenen Telekommunikationssystemen und den zugehörigen Betriebs- und Wartungmannschaften zu installieren.

Das Teleportsystem löst diese Probleme auf der Basis des stufenweisen und koordinierten Überganges von bestehenden schmalbandigen analogen und digitalen Kommunikationsnetzen hin zunächst zum sogenannten Schmalband-ISDN mit den zugehörigen intelligenten Vermittlungs- und Verteileinrichtungen und in einem weiteren Schritt zum Breitband-ISDN beziehungsweise dem Integrated Broadband Communications Network (IBCN), dessen integrierte Vermittlungs- und Verteilknoten eben die Teleports darstellen. Im Rahmen der CCITT-Überlegungen, weltweit zu digitalen Telekommunikationsnetzen unter der sogenannten PCM-Hierarchie überzugehen und unter gleichzeitiger Beachtung der ISO-OSI-Protokollarchitektur entsteht ein telematisches Gesamtkonzept, das allen Anforderungen an physikalische Kommunikationssysteme gerecht wird. Hier entsteht ein weltweites Kommunikationssystem, das hinsichtlich Universalität und Flexibilität keine Wünsche mehr offenläßt.

Wirkungen im Makroökonomischen Bereich

Gleichzeitig ist diese Entwicklung von sehr vielen positiven ökonomischen Effekten begleitet, die auf der schnelleren und kostengünstigeren Reagibilität der diese Technologie benutzenden Organisationen beruht. Gleichzeitig wird das mikro- und makroökonomisch orientierte Sozialsystem auf vielfältige Weise dadurch gefördert, daß eine Fülle von konventionellen Industriezweigen (zum Beispiel Bau und Elektrotechnik) und dienstleistungsorientierten Branchen (wie Information Providers, Consultants, Engineering) wesentliche neue Impulse erhalten und über volkswirtschaftliche Multiplikatoren weitere Wirkungen in den gesamten makroökonomischen Bereich erzielen. Ein weiterer positiver Effekt ist die ökologische Positivorientierung dieser Technologie durch die mögliche Verbrauchsminimierung von Energie und Rohstoffen sowie der Verkleinerung und ökologisch sinnvollen Verteilung von produktiven Subsystemen.

Übergangsphase bis 2020

Die Entwicklung von preiswerten Bausteinen der Mikroelektronik macht die Digitalisierung von Signalen besonders wirtschaftlich, das heißt bestehende Übertragungskanäle werden wesentlich besser genutzt. Aus diesem Grund sind öffentliche und private Fernmeldeorganisationen zunehmend bestrebt, diese Technik einzuführen. Der Übergang zum Schmalband-ISDN, später zum IBCN (Integrated

Communication Network), kann wegen der Größe der technischen Aufgabe nicht "schlagartig" erfolgen, sondern erfordert eine Übergangsphase, die beispielsweise für die Bundesrepublik bis zum Jahr 2020 dauern wird. Dies bedeutet während dieser Übergangsphase die zunächst schwerpunktmäßige Versorgung von sogenannten "metropolitan areas mit schmal- und breitbandigen ISDN-Telekommunikationseinrichtungen, da Kosten für die Errichtung derartiger Systeme letztendlich durch die vom Nutzer zu zahlenden Gebühren getragen werden müssen, und eben diese Nutzer vorwiegend in diesen Ballungsräumen anzutreffen sind. Diese Schwerpunktversorgung in Ballungsräumen, die aus einem möglichst frühzeitig zu erwirtschaftenden "return on investments" (ROI) resultiert, erzwingt die technische Struktur von Teleports, da Vermittlungs-, Verteil-, Zugangs-, Service-, Information Provider- und Entwicklungsknoten in vorwiegend lokal konzentrierten Gebäuden zu dieser Schwerpunktversorgung notwendig sind.

Darüber hinaus erzwingt das ROI-Argument eine lücken- und reibungslose nationale und internationale Kommunikation zwischen diesen Teleports, da nur dann das notwendige Transaktions- und Tarifvolumen zur Finanzierung dieser Einrichtungen erzielt werden kann. Aus diesem Grund bildet das System der Teleports den natürlichen Kristallisationspunkt eines internationalen Overlaynetzes für das IBCN unter einer PCM-Hierarchie.

Wegen ihrer regionalen und überregionalen Verteil-, Vermittlungs- und Netzzugangsfunktionen unterliegt das Teleport-Overlay-Network denselben hierarchischen Strukturen wie die bisherigen aus dem Fernsprechnetz bekannten Hierarchien der Vermittlungsknoten. Das heißt in derselben Form, wie es im System der Fernsprechvermittlung die

- private Nebenstellenanlage (PABX),

- Ortsvermittlungsstelle,

- Fernvermittlungsstelle,

- nationale Netzzugangsknoten gibt, so kann diese Netzhierarchie auch auf das Teleport-Overlay-Network übertragen:

- private teleport,

- local teleport,

- regional teleport,

- national teleport access mode.

Es sind sogar multifunktionale Workstations denkbar, denen "Terminal Teleport-Platinen" integriert werden, um die Telematikfunktionen dieser Workstations sinngerecht in das Teleport-Overlay-Network einzuschalten (automatic switching of telematic services, ASTES). Mit ASTS und der obengenannten Teleporthierarchie ist automatisch der gesamte Bereich der sogenannten Office Automation (OA) und der Produktions Planung und Steuerung (PPS) in die Teleportfunktionen integriert.

Dieser Tatbestand lieferte auf den ersten Blick überraschend erscheinende Ansatzpunkte für die Teleporterrichtung aus zunächst völlig wesensfremd erscheinenden Wirtschaftssektoren:

Erstens, der Hafenverwaltung und -steuerung und zweitens, der Stadtentwicklungsplanung.

Zu Punkt I: Hafenverwaltungen - allen voran die port authority of New York - stehen vielfach vor dem Problem, die auf ihrem Territorium angesiedelten Hafenbetriebe (vielfach weit über 1000) mit den notwendigen Telekommunikationseinrichtungen zu versorgen, die ein weltumspannendes Verfolgen der Güterströme und der zugehörigen Logistik-Märkte zeitgerecht und preiswert gestatten. Hierfür wurden unter besonderer Nutzung der weltumspannenden Kommunikationssatellitennetzwerke hafenspezifische Netzbündelungen unter einer gesonderten Teleportadministration vorgesehen. Diese Versorgung von Hafenbetrieben mit den geballten Möglichkeiten von Telematikdiensten führte, historisch gesehen, dazu, daß auch andere, nicht unbedingt hafengebundene Organisationen, sich dieses Teleportservices bedienen wollten und demgemäß angeschlossen werden wollten.

Zu Punkt II: Die unter genannte Anschlußwilligkeit nicht hafengebundener Organisationen führte zu der häufig anzutreffenden Schwierigkeit, daß die baulichen Voraussetzungen für derartige "Verkabelungsvorhaben" bei diesen -Organisationen nicht gegeben waren. Das heißt es mußten um die Teleports herum neue Verwaltungs- und Produktionsgebäude errichtet werden, die über bereits eingebaute Kommunikationskanäle die obengenannten Telematikdienste zur Verfügung stellen können. Teleports setzten und setzen daher städtebauliche Entwicklungen in Gang, die insbesondere in den darniederliegenden hafennahen Werftgebieten zu prosperierenden neuen Stadtentwicklungen führen. Dieses Phänomen (landtronics) wurde in den letzten Jahren in zunehmendem Maße umgekehrt von der Stadtentwicklungsplanung selbst aufgegriffen, um Stadt- und Regionen-Sanierungen sowie wirtschaftliche profitable Entwicklungen herbeizuführen. Das heißt die Immobilienbranche beginnt Teleports als lohnende Investitionsobjekte zu erkennen und wird dabei von Wirtschaftsverbänden und staatlichen Einrichtungen gefördert, denn mit der Errichtung von Teleports werden nicht nur die "High-Tech"-orientierten Wirtschaftssektoren gefördert sondern darüber hinaus die in vielen Ländern und Regionen krankende Bauindustrie und in deren Gefolge über volkswirtschaftliche Multiplikatoreneffekte alle nachgelagerten Industrien. Teleports sind Wirtschaftsförderungsmaßnahmen ersten Ranges. Bezeichnet man die regionalen, nationalen und internationalen Verbindungskanäle zwischen den Teleports als "electronic highways", so ist es wohl nicht zu hoch gegriffen, die Wirtschaftswirksamkeit von Teleportprojekten mit den bekannten ökonomischen Wirkungen des Autobahnbaues in den 30er Jahren zu vergleichen.

Wirtschaftliche Überlegungen

Ausgangspunkte der ISDN-Technik im fernmeldetechnischen Bereich sind eine Reihe von technischen und mikroökonomischen Effekten, die eng miteinander verzahnt sind. Diese Effekte lassen sich wie folgt darstellen:

- Durch die Entwicklung der Mikroelektronik ist es möglich gewesen, zu niedrigen Investitionskosten analoge Sprachsignale, die bislang über das weltumspannende Telefonnetz mit zirka 628 Millionen Sprechstellen übertragen wurden, zu digitalisieren.

- Die Digitalisierung macht es möglich, über das Fernsprechnetz Daten mit wesentlich höherer Geschwindigkeit zu übertragen als bei modemgebundener Analogübertragung. Statt bisher im analogen Übertragungsmodus mit 1200 Bit/s über Kupferdraht-verbindung zu arbeiten in digitalen Übertragungsverfahren über denselben Cu-Draht 250000 Bit/s übertragen werden. Im Rahmen der CCITT gestützten ISDN-Normierung benutzt man von dieser auf Cu-Draht möglichen Übertragungskapazität aber nur 144 KBit/s, sich aus zwei Basiskanälen (B-Kanälen) muß jeweils 64 KBit/S und einem Steuerkanal (D-Kanal) mit 16 KBit/s zusammensetzen. Vergleicht man die obengenannten 4,8 KBit/s

mit den in den zwei B-Kanälen möglichen Übertragungsgeschwindigkeiten von zusammen 128 KBit/s, so erkennt man eine Geschwindigkeitserhöhung um den Faktor 26.

- Die genannte Erhöhung der Übertragungskapazität auf dem bestehenden Fernsprechübertragungsnetz hat für die Postverwaltungen und andere Fernmeldeträger entscheidende wirtschaftliche Konsequenzen die aus einem erhöhten Gebührengesamtvolumen durch den digitalisierten Übertragungsmodus auf bestehenden Fernübertragungsnetzen - insbesondere dem Fernsprechnetz - resultieren. Da man einen Faktor 26 in der Übertragungskapazität gewinnt, würde man bei gleichbleibender Gebührenstruktur und tatsächlicher Nutzung dieses Kapazitätszuwachses auch theoretisch das 26fache Gebührenaufkommen erwarten können. Da jedoch mit der Einführung des ISDN eine neue Gebührenordnung für diesen Dienst entsteht, die im wesentlichen auf eine Verdopplung der bisherigen monatlichen Grundgebühr für den digitalen Telefonanschluß bei gleichbleibenden Zeittakten hinausläuft fallen die Kosten pro übertragene Datenmenge zum Beispiel für 1 MBit um zirka den Faktor 10 gegenüber den herkömmlichen Datenfernübertragungsdiensten, vergleiche Bild 1. Das heißt die Einführung der ISDN-Technik führt zu der auf den ersten Blick paradox erscheinenden Situation, daß die Gebühreneinnahmen bei Fernmeldeträgern steigen, obwohl die Kosten für die Übertragung einer bestimmten Datenmenge für den Nutzer sinken.

- Kosteneinsparungen für den Nutzer von digitalen Kommunikationssystemen ergeben sich nicht nur aus den genannten Effekten der sinkenden Übertragungsgebühren pro übertragene Bitmenge sondern auch aus sinkenden Hardwarekosten pro Terminalfunktion durch den Einsatz multifunktionaler Endgeräte, die sich aus der Zeitmultiplextechnik ( = Time Division Multiplexing, TDM) von digitalen Übertragungssystemen ergeben (Bild 2).

Weitere Kosteneinsparungen für den Nutzer ergeben sich aus der Tatsache des 26fachen Leistungsdurchsatzes seiner Nebenstellenanlage bei etwa gleichen Investitionskosten für diese Einrichtungen.

- Zukunftssicherheit dieses Telekommunikationstechnik, da diese unabhängig vom Übertragungsmedium, ob Cu-Draht, Koax-Kabel, Glasfaser, Richtfunk oder Satellitenkommunikation eingesetzt werden kann.

Eine ISDN-gestützte Teleport-Technik hat nahezu unbeschränkte Ausbaumöglichkeiten hinsichtlich Zahl und Übertragungsgeschwindigkeit der einzelnen Teilnehmeranschlüsse. (wird fortgesetzt)

*Dieter Lazak ist Mitarbeiter der Siemens AG München, für Sonderprojekte im Unternehmensbereich DV