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10.11.2000 - 

Erst die Strategie, dann die Software

Hilfestellung bei der Auswahl von EAI-Produkten

MÜNCHEN (CW) - Kaum ist ein Markt für Tools und Standardsoftware zur unternehmensweiten Anwendungsintegration entstanden, gibt es bereits so viele Lösungsansätze, dass selbst Spezialisten den Überblick verlieren. Sieben allgemeine Kriterien helfen aber, die Produkte zur Enterprise Application Integration (EAI) zumindest grob vorzusortieren.

Fast jeder Anbieter klassischer Middleware, von Workflow-Produkten, Datenbanken, Applikations-Server oder Entwicklungsumgebungen empfiehlt sich heute als Lieferant von Infrastrukturtechnik für das E-Business und neuerdings EAI. Kein Wunder - soll doch der Markt laut der Giga Group schon dieses Jahr ein Volumen von 2,1 Milliarden Dollar haben. Dabei gehen EAI-Konzepte ursprünglich über den Leistungsumfang der genannten Technologien hinaus, indem betriebswirtschaftliche Funktionen in den Produkten gleich mitgeliefert werden. Damit ist ausschließlich die Fähigkeit gemeint, beim Datentransport Transformationen anhand vordefinierter Regeln zu bewerkstelligen.

Vor der Produktauswahl müssen Anwender eine generelle Integrationsstrategie definieren: Im ersten Schritt ist dabei zu klären, welche Form der Kommunikation zwischen Anwendungen gewünscht ist, dann sollten die möglichen Architekturen untersucht und zu guter Letzt erst die technischen Lösungen auf Basis firmenspezifischer Anforderungen ausgewählt werden. Damit Interessenten nicht völlig die Übersicht verlieren, hat die Giga Group sieben Kriterien zusammengestellt, die als kleine Hilfestellung zu verstehen sind, um die sehr unterschiedlichen Produkte besser einzuordnen.

Ein erstes Kriterium bildet nach Ansicht der Analysten die Auswahl an Adaptern und Connectoren, die normalerweise Teil von EAI-Paketen sind. Hier sollte der Anwender prüfen, ob sich mit diesen Standard-Schnittstellen die gewünschte Kopplung zwischen den Anwendungen zügig (Time to Market) und ohne großen Programmieraufwand bewerkstelligen lässt. Empfehlenswert ist es laut Giga, Metadaten-gestützte Adapter zu wählen, da sich mit ihnen die meist individuell angepassten und/oder sich laufend ändernden Schnittstellen zu den beteiligten Anwendungen besser verwalten lassen.

Welche Bedeutung dieser Aspekt hat, zeigt sich laut Giga beispielsweise daran, dass in der Finanzbranche bei der Installation eines ERP-Systems durchschnittlich rund 50 Prozent der Arbeiten auf die Bearbeitung der Schnittstellen entfallen. Insbesondere diesen Aufwand versprechen nun EAI-Produkte zu reduzieren. Daher sollte als zweites Auswahlkriterium auf die Qualität der angebotenen Entwicklungswerkzeuge für die individuelle Schnittstellen-Bearbeitung geachtet werden. So bieten manche Tools deklarative, auf Business-Rules basierende Ansätze, andere ein GUI mit Drag-and-Drop-Funktionen oder 4GL-ähnliche Programmiersprachen. Zusätzlich kann der potenzielle Benutzer prüfen, wie das Tool beispielsweise eine One-to-many-Architektur abbildet: nach dem einfacheren Publish-and-Subscribe-Prinzip oder per aufwändiger zu konfigurierender Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.

Kriterium Nummer drei umfasst grundsätzliche Fragen zur Skalierbarkeit und Leistungsfähigkeit der Laufzeitumgebung. Unternehmen sollten nicht nur auf die Qualität und Vielzahl der Adapter schauen, sondern Informationen darüber sammeln, wie gut diese Schnittstellen mit dem EAI-System gekoppelt sind (Quality of Service). Hinweise liefern hier die Antwortzeiten oder der gemessene Datendurchsatz. Kriterium Nummer vier hängt unmittelbar mit dieser Thematik zusammen und fragt, ob die Architektur der Runtime überhaupt zu den Systemanforderungen passt.

War es bisher so, dass in der Praxis je nach Anwendung meist ein Mix aus diversen Middleware-Produkten die IT-Landschaft prägte, so geht EAI einen anderen Weg: Immer mehr Produkte entwickeln sich zu einer zentralen, funktional mächtigen EAI-Plattform (Processware) die insbesondere dann vorteilhaft ist, wenn bestehende und neue Softwarekomponenten integriert werden können (Corba, DCOM-Objekte). Sie ist immer öfter XML-basiert und bietet unter anderem eine Hub-und Spoke-Architektur, automatisierte Workflows, Rules-based Engines, Datentransformation, Event-Schnittstelle und Adapter sowie fertige Integrations-Funktionen für häufige Anforderungen.

Andere Produkte werden als Message Broker bezeichnet und funktionieren nach dem Publish-and-Subscribe-Prinzip, das eine einfache Verteilung von Informationen erlauben soll. Damit laufen nicht alle Datenströme über eine zentrale Komponente, sondern sind verteilbar auf mehrere parallele Softwarekomponenten. Außerdem gibt es erweiterte Lösungen bisheriger Messaging-Middleware-Produkte, die funktional etwa für die ERP-Integration ergänzt wurden, sowie schließlich Produkte zur Integration via Datenbanken, die den Transport und die Umformung der Daten durch entsprechende Regeln steuern.

Für die allgemeine Beurteilung der EAI-Produkte kann es zudem nützlich sein, neben den diversen Architekturen als fünftes Auswahlkriterium nach einer Unterstützung für die Geschäftsprozessmodellierung zu fragen. Diese ist allerdings nicht für jedes Integrationsszenario notwendig. Manche Produkte bieten hier vorkonfigurierte Prozesse, die gegebenfalls zusammen mit den Adaptern, Connectoren und anderen Anwendungskomponenten als eigenes Produkt vermarktet werden.

Neben allen technischen Kriterien spielt auch das Dienstleistungsangebot des Herstellers eine immer größere, manchmal vielleicht auch entscheidende Rolle bei der Wahl eines EAI-Produktes. Kunden sollten verlangen, dass der Anbieter bei Bedarf qualifizierte Berater und Integratoren für das Projekt abstellen kann, um etwa zu helfen, zeitliche Vorgaben einhalten zu können. Als siebentes Kriterium sollte sich der Anwender schließlich ausführlich mit den Lizenzpreisen beschäftigen, die sehr stark differieren. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass sich die hohen Kosten zum Teil aus dem hohen strategischen Nutzen solcher Produkte ableiten. Allerdings, so abschließend die Analysten, ist zu beobachten, dass Kunden, insbesondere aus der öffentlichen Verwaltung, sehr wohl nach dem Preis entscheiden müssen. Zudem werden sich die EAI-Lösungen immer ähnlicher, so dass sich Preisunterschiede künftig nicht mehr allein durch bestimmte Features rechtfertigen lassen.

Abb: Der weltweite Markt für EAI-Produkte ist stark zersplittert. Die Übersicht stellt laut der Giga Group Firmen oder Unternehmensbereiche zusammen, die sich am eindeutigsten in diese Kategorie einordnen lassen. Anbieter von Integrationslösungen für den B-to-B-Markt wurden nicht berücksichtigt. Die Umsatzprognosen leitete Giga aus dem Vergleich des vierten Quartals 1999 mit dem ersten Quartal 2000 ab. Ein Plus nach der Prozentzahl deutet auf eine größeres Marktpotenzial hin. Quelle: Giga Group