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12.12.1986 - 

US-Regeltechnikkonzern stößt verlustträchtige Information-Systems-Tochter ab

HIS an Bull/NEC: Honeywell auf Rückzugskurs

PARIS/MINNEAPOLIS/TOKIO (bk) - Eine neue multinationale Computergesellschaft 80 im kommenden Jahr die amerikanische DV-Szene bereichern. Dieses soll aus der Honeywell-Tochter Honeywell Information Systems (HIS) hervorgehen (siehe auch Kolumne, Seite 9).

Der US-Konzern Honeywell unterzeichnete Anfang Dezember mit der japanischen NEC Corp. und der französischen Bull S.A. einen Vorvertrag zur Gründung eines gemeinsamen DV-Unternehmens.

Bereits im September hatte Honeywell angekündigt, seine DV-Aktivitäten zurückschrauben zu wollen. Durch die anhaltende Computer-Absatzschwäche in den USA hatte das Unternehmen im DV-Geschäft gehörig an Boden verloren. So unterbreiteten die Amerikaner dem französischen DV-Konzern Bull und der japanischen NEC Corp. ein Angebot, sich an dem Bereich Informationssysteme zu beteiligen. Mit beiden Unternehmen verbindet Honeywell schon seit Jahren eine enge Zusammenarbeit.

Nach achtwöchiger Verhandlungsdauer sind die drei Konzerne nun handelseinig geworden. Honeywell, Bull und NEC unterzeichneten Anfang Dezember einen Vorvertrag über die "partnerschaftliche Beteiligung an einem Unternehmen der Spitzentechnologie". Die neu zu bildende Gesellschaft soll aus der 1970 von Honeywell und General Electric gegründeten Honeywell Information Systems (HIS) hervorgehen und die Belegschaft, die Kundenbasis, Produktionsstätten sowie Forschungs- und Entwicklungszentren von HIS umfassen. Aufgabe des noch namenlosen Unternehmens soll sein, neben der - kompletten HIS-Produktpalette (Universalrechner, Mini- und Mikrocomputer sowie Software und Dienstleistungen) auch die Bull- und NEC-Produkte in den USA sowie in den übrigen internationalen HIS-Märkten zu vertreiben.

Über die Beteiligungsverhältnisse verlautete, daß Bull und Honeywell Anteile von 42,5 Prozent an dem neuen Unternehmen halten werden, während NEC sich mit 15 Prozent begnügt. Darüber hinaus, so berichtete die französische Zeitung "Le Monde", erhalte Bull die Mehrheit im Verwaltungsrat. Damit übernehmen die Franzosen jetzt schon die Kontrolle über ein Unternehmen, das vor allem in den siebziger Jahren anfangs mit 66 Prozent und ab 1976 mit 47 Prozent die Bull-Geschicke entscheidend mitbestimmte. Erst mit der Nationalisierung des französischen DV-Multis reduzierte das HIS-Mutterhaus Honeywell seine Beteiligung an Bull auf ein Minimum von zwei Prozent.

Skeptisch reagierten amerikanische Marktforscher auf die Entscheidung der drei Unternehmen. So gibt Brian Jeffery, Manager des kalifornischen Marktforschungsunternehmens International Technology Group, der neuen Computergesellschaft nur wenig Chancen. HIS, Bull und NEC seien weit davon entfernt, sich auf dem Produktsektor als Partner zu ergänzen.

Auch glaube er, daß das neue Unternehmen nur die sich häufenden Schwierigkeiten von HIS und Bull übernehmen werde, die beide mit Verlusten von Marktanteilen und rückläufigen Gewinnen zu kämpfen hätten. Darüber hinaus, so Jeffery, verfügten beide Unternehmen über zu wenig Ressoursen, um die neue Firma zu einem ernsthaften Konkurrenten der bereits etablierten Hardware-Anbieter zu machen.

Als einzig potenten Partner in diesem Dreierbündnis bezeichnet der amerikanische Marktforscher die japanische NEC Corp. Doch sei der Einfluß des Unternehmens relativ begrenzt. Die Japaner versuchten durch ihr Mitwirken in der neuen Gesellschaft in erster Linie, ihre eigenen Vertriebswege zu schützen. Nur gering dagegen, so Jeffery weiter, sei NECs Interesse, mit Bull und Honeywell ihre eigenen Technologien weiterzuentwickeln.

Vor allem aber warnte der amerikanische Marktkenner davor, Bull die Kontrolle über den Konzern zu geben. Schließlich sei der französische DV-Multi immer noch in staatlichem Besitz. Die französische Regierung jedoch sei unberechenbar, was das Nationalisierungs- beziehungsweise Privatisierungs-Verwirrspiel der vergangenen Jahre gerade im Fall Bull deutlich gezeigt habe. Jeffery hält es deshalb für denkbar, daß die neugegründete Gesellschaft bei einer Mehrheit von Bull nur zu empfänglich für Einflüsse der französischen Regierung ist.

Perfekt wäre das Desaster nach Ansicht des Marktanalysten schließlich, wenn Honeywell seine profitträchtige Abteilung, die Federal Systems Division (FDS), nicht in das Abkommen einbringe. Das neue Unternehmen hätte dann nur über diese allein von Honeywell kontrollierte Abteilung Zugang zu den amerikanischen Behörden.

Vorerst keine Auswirkungen für ihre DV-Aktivitäten sieht die deutsche Bull-Tochter durch die Gründung der neuen Computergesellschaft in den USA. Ganz sicher jedoch, so Pressesprecher Jörg M. Pläsker, könne man auch in Deutschland von den Synergieeffekten profitieren, die sich aus einer solchen Verbindung zwangsläufig ergäben. Dennoch müsse man jetzt erst einmal abwarten, wie sich die Zusammenarbeit der drei Partner gestalte und wie sich das Unternehmen auf dem amerikanischen Markt bewähre.

Die endgültige Vereinbarung zur Gründung der Gesellschaft, die damit erstmals aus einem französischen, einem japanischen und einem amerikanischen Partner bestünde wollen Bull, NEC und Honeywell im März 1987 unterzeichnen.

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