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Applikationen praegen die zum Einsatz kommende Technik


05.02.1993 - 

Hochgeschwindigkeits-Netze sind aus Anwendersicht unumgaenglich

Industrieunternehmen, Dienstleister und oeffentliche Verwaltungen leben heute unter anderem von der Sprach- und Datenkommunikation. Datenkommunikation findet dabei zu 84 Prozent innerhalb eines Unternehmens statt, waehrend die Sprachkommunikation immerhin zu 27 Prozent externe Partner betrifft (siehe Abbildung 1). Eine Betrachtung der Anzahl der Kommunikationspunkte fuer die Datenkommunikation ergibt, dass sich in der Bundesrepublik unternehmensinterne Kommunikation hauptsaechlich im Umkreis von 20 Kilometern abspielt und deutlich hoehere Uebertragungsbandbreiten (mehr als 64 Kbit/s) benoetigt, waehrend die externe Kommunikation weitflaechiger verteilt und im wesentlichen auf Geschwindigkeiten unter 64 Kbit/s beschraenkt ist.

Standortnahe Kommunikation besitzt hoeheren Stellenwert

Die Anwender wollen ihre unternehmensweite Kommunikationsstruktur mit High-Speed-Uebertragungssystemen realisieren, wobei der standortnahen Kommunikation innerhalb begrenzter Umkreise eine deutlich hoehere Bedeutung zukommt. Die Nachfrage nach Hochgeschwindigkeits-Kommunikation wird dabei durch die verfuegbaren Applikationen bestimmt, die sehr geringe Reaktionszeiten (eine bis fuenf Sekunden) benoetigen beziehungsweise Echtzeitverarbeitung ermoeglichen. Zu solchen Anwendungen zaehlen beispielsweise die Vernetzung von lokalen Hochgeschwindigkeits- Netzen, Datenbank-Backup, Simulationsrechnungen, medizinische Bildverarbeitung, Multimedia-Anwendungen, Ressourcen-Sharing (zum Beispiel von Vektorrechnern), CAD-CAM-Kopplungen (Real-Time- Steuerungen) und Video-Conferencing.

Die heute verfuegbaren Anwendungen wie CAD-CAM,

Joint Editing, Medical Imaging und auch die LAN-Kopplung sind jedoch im wesentlichen Nischenanwendungen, da entweder der Kreis der zu vernetzenden Anschlusspunkte oder das Abnehmerpotential gering sind. Der Markt fuer Hochgeschwindigkeits-Kommunikation wird aber in Zukunft vor allem durch Applikationen bestimmt, die einem grossen Anwenderkreis zugaenglich sind. Breitenwirksame HS- Applikationen wie Multimedia-Anwendungen, High-SpeedFax oder EDI stehen hingegen erst am Beginn einer kommerziellen Vermarktung oder stecken noch in den Kinderschuhen.

Allein die Verfuegbarkeit einer Loesung ist jedoch fuer den High- Speed-Bedarf eines Unternehmens nicht entscheidend, vielmehr wird dieser durch den konkret geplanten Einsatz von Anwendungen bestimmt (Abbildung 2 gibt einen Ueberblick darueber, welche Applikationen von den Unternehmen eingesetzt werden beziehungsweise in den naechsten drei Jahren eingesetzt werden sollen).

Dabei ist zum einen festzustellen, dass es sich in der Regel um praezise Ziele wie LAN-Kopplung, Backup, File-Transfer handelt, die die Unternehmen heute bereits erreichen wollen.

Zum anderen ist aber teilweise der Bedarf noch unspezifiziert und lediglich latent vorhanden (Beispiele: interaktives Konstruieren, Bewegtbild-Uebertragung, Sprachanbindung), da sich die entsprechenden Anwendungen noch in der Entwicklung befinden. Ferner gibt es Applikationen, die trotz ihrer bereits erfolgreichen Markteinfuehrung den High-Speed-Bedarf nur in geringem Mass (bei wenigen Unternehmen) bestimmen. Hierzu zaehlen in erster Linie die Bereiche Medical Imaging, Simulationen und CAD/CAM-Anwendungen.

Bei der Realisierung standortuebergreifender Netze bestand fuer die Unternehmen bisher die Moeglichkeit, auf Mietleitungen, Waehlverbindungen, private Festnetze oder oeffentliche Vermittlungsnetze zurueckzugreifen. Dabei werden parallel asynchrone oder isochrone Uebermittlungsverfahren eingesetzt. Auf der Seite der Anwender waechst jedoch gleichzeitig im Bereich der Sprach-, Daten- und Bildkommunikation der Wunsch nach qualitativ hochwertigen (digitalen) und vor allem zeitgerechten Uebertragungsverfahren.

Hier lassen sich vor allem aufgrund der geplanten Einsaetze von Applikationen zunehmende Beduerfnisse nach Integration der bis dato getrennten Kommunikationsarten Daten, Sprache und Video erkennen. Diese Forderung schliesst aber gleichzeitig die Notwendigkeit ein, dass fuer die unterschiedlichen Kommunikationsarten bei erfolgter Digitalisierung nicht mehr unterschiedliche Spezialnetze benoetigt werden, sondern ein einheitliches Uebertragungssystem fuer alle Kommunikationsarten ausreicht.

Aus heutiger Sicht der Anwender scheint also die Kopplung von Daten und Sprache in einem Netz noch nicht zwangslaeufig notwendig zu sein. Die Gruende hierfuer liegen zum einen in den noch fehlenden, kommerziell einsetzbaren Applikationen, zum anderen in der bisher getrennten Behandlung der Kommunikationsarten in den Unternehmen. Unabhaengig davon waechst der Anteil der

befragten Unternehmen, die integrierende Loesungen anstreben, von rund 35 Prozent im Jahr 1991 bis 1995 auf etwa 70 Prozent und wird Ende dieses Jahrhunderts alle Unternehmen umfassen.

Dieses wachsende Interesse betrifft vor allem die Entwicklung und Einfuehrung neuer Applikationen, etwa aus dem Multimedia-Bereich sowie die heute bereits gegebene Moeglichkeit der Kostenreduktion durch Integration der Kommunikationsarten in einem unternehmensweiten Netz. Integration von Daten und Sprache in der Kommunikation mit externen Partnern wird dagegen heute nur noch selten als sinnvoll erachtet.

Als echte Hochgeschwindigkeits-Loesungen, die zur grundsaetzlichen Deckung der wachsenden Kundenbeduerfnisse in Betracht zu ziehen sind, koennen aber nur FDDI, DQDB sowie Frame Relay und ATM angesehen werden. Ein wichtiger Vorteil dieser Netze und Uebertragungsverfahren ist, dass sie sowohl als Inhouse-Backbone fungieren koennen als auch die Moeglichkeit einer standortuebergreifenden Ausdehnung - zumindest als MAN - gewaehrleisten. Fuer alle genannten Techniken gilt, dass sie starken Standardisierungsbemuehungen - allerdings in jeweils unterschiedlichen Gremien - unterliegen beziehungsweise der Standardisierungsprozess bereits abgeschlossen ist.

Im Gegensatz zu Frame Relay ist das DQDB-Protokoll wegen der ATM- kompatiblen Feldstruktur zukunftssicher an alle Breitbandnetze koppelbar. DQDB-Netze koennen zudem im Hinblick auf den Migrationspfad Breitband-ISDN die Funktion von Konzentratorzugaengen uebernehmen. In einer weiteren Ausbaustufe von Frame Relay ist geplant, das D-Kanal-Protokoll (Q.931) zur Verbindungssteuerung zu nutzen. Von daher ist auch eine weitergehende Integration von Frame Relay in DQDB und ueber DQDB in Breitband-ISDN moeglich.

Im Gegensatz dazu gibt es fuer FDDI nur einen begrenzten Evolutionspfad, da die zum Teil inkompatible FDDI-II-Entwicklung gestoppt wurde. FDDI wird somit nur auf einem isochronen Uebertragungsverfahren aufbauen, wodurch auch in Zukunft keine Sprachuebertragung moeglich sein wird. Zudem ist im Zuge staendig wachsender Uebertragungsbeduerfnisse innerhalb der Unternehmen und aufgrund der Anforderungen, die zukuenftige Applikationen an unternehmensinterne Netze stellen werden, FDDI bereits heute vielerorts als Nachfolgeloesung entsprechender Ethernet-Topologien im Gespraech. Problematisch ist an FDDI darueber hinaus seine nur bedingte Kompatibilitaet zu den derzeitigen, in oeffentlichen Netzen eingesetzten Diensten.

Im Bereich unternehmensinterner Kommunikation besitzen FDDI (hausintern und am Standort) sowie DQDB und

Frame Relay (am Standort und standortuebergreifend) aus Sicht der Anwender in puncto Einsatzfaehigkeit grosse Vorteile. Insbesondere bei der externen Kommunikation, die Unternehmen ueber oeffentliche Systembetreiber abwickeln, werden relativ verbreitete und kostenguenstigere Technologien wie X.25 (Datex-P) und ISDN bevorzugt, da beispielsweise mit Hilfe von X.25 alle Laender, auch die mit nicht so gut erschlossener Infrastruktur, erreicht werden koennen. Zwar handelt es sich hier nicht um Hochgeschwindigkeits- Kommunikationssysteme, dennoch besteht auch hier eine Konkurrenzsituation, beispielsweise zu DQDB.

Zusammenfassend laesst sich somit feststellen: Die Unternehmen zeigen gegenwaertig einen staendig wachsenden Bedarf an LANs sowie privaten Nebenstellenanlagen (PABX). Mit dem steigenden Grad der Vernetzung erhoeht sich auch die Nachfrage der Anwender nach einer Verbindung der als Inseln entstandenen Netze. Dabei erscheint insbesondere der Zusammenschluss bisher raeumlich voneinander getrennter Netze sinnvoll, da sich in diesem Be-reich neben strategischen Chancen auch Rationalisierungspotentiale in kosten- und in personalwirtschaftlicher Hinsicht ergeben.

Die Erreichung des Unternehmensziels "Wettbewerbsvorteile durch Information" muss sich dabei an den Moeglichkeiten der verfuegbaren beziehungsweise in absehbarer Zeit erhaeltlichen Technologien und Anwendungen sowie den angebotenen Kommunikationsdiensten orientieren. Dabei kommt aus heutiger Sicht - gerade auch im Hinblick auf den zunehmenden Wunsch nach Integration und die Interoperabilitaet zukuenftiger Loesungen - einer Technologie wie DQDB und den darauf aufsetzenden Diensten ein besonderer Stellenwert zu.

*Professor Klaus Backhaus ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Institutes fuer Anlagen und Systemtechnologien (IAS) an der Westfaelischen Wilhelms- Universitaet, Muenster, und Partner der W.B. Industrie Consult GmbH, Muenster. Diplom Kaufmann Georg-Michael Spaeth ist Mitarbeiter am IAS.

Abb. 1: Fuer die Kommunikation mit externen Partnern ist Sprache wichtiger als Daten.

Abb. 2: Eingesetzte und fuer die kommenden drei Jahre geplante Applikationen.