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25.01.1991 - 

Der Produktivfaktor Information zwingt zur Vernetzung

Hochgeschwindigkeitsnetze als strategische Komponente

Ständiger Zugriff auf relevante Informationen aus allen Bereichen des Betriebs und des Marktes ist die Grundlage für rechtzeitiges und richtiges Erkennen sowohl von Fehlentwicklungen als auch von strategischen Chancen. In letzter Zeit hat sich das Informationsprofil, wie es das Management benötigt, von isolierten Einzeldaten hin zu komplexen analytischen Auswertungen der vorhandenen Informationsbasis gewandelt. Komplexe Softwarewerkzeuge für Recherche und Bewertung der gesammelten Informationen leisten entscheidende Hilfe dazu.

Dieses komplexere Informationsprofil, das die geforderte höhere Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen beispielsweise des Marktes ermöglicht, verlangt eine kommunikationstechnische Vernetzung aller betrieblichen Funktionen. Die Konsequenz daraus ist das Entstehen unternehmensweiter Netzlösungen, die gleichzeitig Grundlage für die Entwicklung moderner informationstechnischer Anwendungen des Distributed Processing und für die Office Automation sind.

Bedarf an Backbone-Netzkonzepten

Für diese Vernetzung ist eine Reihe qualifizierter Anforderungen maßgebend, so zum Beispiel:

- ein rasch wachsendes Kommunikationsaufkommen,

- heterogene System- beziehungsweise Geräteumgebung,

- die Ausbreitung systemgestützter Verfahren,

- neue (integrierte) Anwendungen, zum Beispiel für die Bürokommunikation,

- höhere Verfügbarkeits- und Sicherheitsanforderungen,

- erhöhtes Investitionsrisiko und

- hoher Administrationsbedarf.

Diesen Vernetzungsanforderungen liegt eine Infrastruktur zugrunde, die geprägt ist durch die Arbeitsteilung zwischen intelligenten Endeinrichtungen (Workstations), Servereinrichtungen, dezentralen Subsystemen und zentralen Hintergrundsystemen, wobei die Forderung nach einer einheitlichen Benutzeroberfläche besteht.

Eine solche Infrastruktur ist Voraussetzung für das Entstehen integrierter Anwendungsformen, wie zum Beispiel Programm-zu-Programm-Kommunikation, CIM-Applikationen, Übermittlung und Archivierung von Compound-Documents, Image-Processing, integrierte Sprachverarbeitung und -kommunikation, sowie für den Aufbau verteilter Datenstrukturen.

Vor diesem Hintergrund des Anwendungs- und Systemszenarios wird der Bedarf nach Backbone-Netzkonzepten sichtbar.

Naturgemäß gelten für Aufbau und Betrieb solcher Netzlösungen erweiterte Anforderungen hinsichtlich Verfügbarkeit, Sicherheit und Administration. Auf der Grundlage bereits heute verfügbarer Technik im LAN-Bereich ist es möglich, standortweite Vernetzungen mit Hilfe einer Arbeitsteilung zwischen Subnetzen und dem Backbone-Netz zu erreichen. Abbildung 1 gibt eine mögliche Gesamtstruktur für eine solche Vernetzung wieder.

Kernstück moderner Backbone-Strukturen im LAN-Bereich ist FDDI (Fiber Distributed Data Interface). FDDI beschreibt ein auf optischer Übertragungstechnologie basierenden lokales Hochgeschwindigkeitsnetz mit einer Bandbreite von 100 Mbit/s. Als Medienzugriffsverfahren dient ein Token-Passing-Verfahren nach dem sogenannten Multiple-Token-Prinzip auf einer physikalischen Ringstruktur.

Die FDDI-Topologie besteht hierbei aus einem sogenannten Trunk- und einem Tree-Bereich. Im Trunk-Bereich sind die FDDI-Stationen an zwei gegenläufig operierenden Ringen angeschlossen ("Dual-Attached"-Stationen). Solche Stationen verfügen in der Regel über eine

optische Bypass-Vorrichtung, die im Falle einer Störung eine passive Überbrückung innerhalb der Station erlaubt.

Mit Hilfe sogenannter FDDI-Konzentratoren können sogenannte "Single-Attached"-Stationen angeschlossen werden, die lediglich einen Zugang zum Primärring erhalten sollen. Da gemäß FDDI-Standard eine Kaskadierung von Konzentratoren möglich ist, entsteht so eine logische Stern- beziehungsweise Baum-Topologie (Tree-Bereich). Auf diese Weise lassen sich Backbone-Strukturen für den Campus-Bereich (primär), einen Gebäudebereich (sekundär) und für den Etagen- beziehungsweise Hallenbereich (tertiär) gestalten.

Mit Hilfe geeigneter Bridges beziehungsweise Router können IEEE-802.3- beziehungsweise IEEE-802.5-Subnetze an das FDDI-Backbone-Netz angeschlossen werden. Für die Anbindung von SNA-Hosts gibt es bereits FDDI-Kanaleinheiten. Endgeräte (Workstations, Minis etc.) werden in aller Regel über Single Attached Interfaces an FDDI-Konzentratoren angeschlossen.

Eine logische Weiterentwicklung solcher Netzstrukturen ergibt sich für den "Metropolitan-Area-Network"-Bereich (MAN). Abbildung 2 zeigt eine funktionale Struktur, wie sie zukünftig für unternehmensweite Netzkonzepte vorstellbar ist. Bei dieser Struktur werden fünf Funktionsbereiche unterschieden:

- der Arbeitsbereich mit multifunktionalen Endgeräten beziehungsweise Workstations,

- der Subnetz- beziehungsweise Subsystem-Bereich für die Versorgung eines bestimmten Benutzerumfelds beziehungsweise für den Betrieb Host-gestützter Applikationen,

- die standortbezogene Backbone-Vernetzung (zum Beispiel auf LAN-Basis oder bereits als "Metropolitan Area Network" oder auf der Grundlage untereinander vernetzter TK-Anlagen),

- der nationale beziehungsweise internationale Wide-Area-Network-Bereich, für den sich Lösungen auf der Grundlage des sogenannten Asynchronous Transfer Modes als Breitband-ISDN abzeichnen.

Auf Expertenebene wird derzeit um den geeigneten Standard für MAN-Netze gerungen. Zwei Standards, FDDI-II von ANSI und DQDB (Distributed Queue Dual Bus) von IEEE (802.6) sind derzeit in einer parallelen Entwicklung. DQDB ist hierbei wesentlich weiter fortgeschritten als FDDI-II. Beiden Verfahren ist das Ziel gemeinsam, sowohl Burst-orientierte Kommunikation wie auch die Bereitstellung synchroner Übertragungskanäle für die Sprachkommunikation in einem integrierten Netz zu unterstützen. Die Diskussion konzentriert sich derzeit vor allem auf die Verhaltensweise der Standards im Hochlastbereich. Hier geht es darum, wie die Majorisierung des Zugriffs durch einen intensiven Sender verhindert werden kann und somit "Fairneß" des Zugriffsverfahrens gewährleistet bleibt.

Für DQDB sprechen heute der fortgeschrittene Entwicklungsstand dieses Standards und die Möglichkeit erster Pilotimplementierungen (zum Beispiel auch durch die Telekom) sowie die Affinität dieses Standards zum Transfer Mode (ATM) für zukünftige Breitband-ISDN-Netze. Dennoch ist eine endgültige Aussage über die zukünftige Akzeptanz der einzelnen Standards noch nicht möglich.

Man kann aber davon ausgehen, daß die in Bild 2 gezeigten Netzstrukturen rasch an Bedeutung gewinnen werden.

Es ist daher für den Anwender von Vorteil, sich bereits heute mit diesen technischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und sie unter Berücksichtigung der Randbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene in die eigenen Planungen einzubeziehen.

Die erfolgreiche Realisierung eines solchen Netzkonzeptes erfordert aber nicht nur die Auswahl der richtigen netztechnischen Verfahren, sondern hat darüber hinaus eine Reihe wichtiger innerbetrieblicher Voraussetzungen. Hierzu zählen

- die Definition einer konzeptionellen Strategie für das Informationswesen,

- das Primat der Organisation vor der Festlegung technischer Verfahren,

- die prozeßorientierte Analyse der Abläufe als Vorgabe für die Entwicklung systemgestützter Verfahren,

- eine geeignete Organisationsstruktur für ein integriertes Informations-Management und

- nicht zuletzt eine Qualifizierungsstrategie für die jeweiligen Mitarbeiter.

Nur das Zusammenwirken dieser Faktoren im Rahmen einer unternehmensweiten Netzkonzeption führt zum Erfolg und rechtfertigt somit den Einsatz der sicher nicht unbeträchtlichen Investitionen für Backbone-Netzlösungen.