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08.03.1985

Hochsprachenintegration sollte Schritt für Schritt erfolgen Organisation muß mit Anwendung wachsen

Sprachen der vierten Generation finden in der DV-Welt immer stärkere Beachtung. Dennoch reicht es in der täglichen Arbeit nicht aus, sich lediglich für eine sogenannte "4GL"

zu entscheiden und auf ein Wunder zu hoffen. Auch das organisatorische Umfeld muß in die Überlegungen miteinbezogen werden.

Nur schwer läßt sich voraussagen, ob das Kürzel "4GL" jemals in die deutsche Sprache integriert werden wird - oder auch nur in die DV-Fachsprache Gewisse Chancen mag man dieser aus den USA stammenden EDV-Hieroglyphe durchaus einräumen, bringt sie doch komprimiert zum Ausdruck, was als "fourth generation language" schon recht langatmig klingt und im Deutschen als "Anwendungsentwicklungssystem der vierten Generation" ein gänzlich untaugliches Wortgebilde darstellt. Lassen wir den Gang der Dinge darüber entscheiden, ob 4GL im Zuge der immer weiter steigenden Bedeutung der Anwendungsentwicklungssysteme und Hochsprachen auch ein bei uns geläufiger Ausdruck werden wird. Was wir dagegen nicht abzuwarten brauchen, weil es mit tödlicher Sicherheit eintreten wird, ist: Wer bei der Auswahl seiner Hochsprache dem Integrationsaspekt keine Beachtung schenkt, findet sich - salopp gesagt - sehr bald im Wald wieder

"Schwarz-Weiß-Philosophie" präsentiert Bild des Jammers

Die Integration, von der hier die Rede sein soll, ist nicht die sattsam bekannte Produktintegration, mit der ein Hersteller seine Kunden bei der Stange zu halten sucht. Es ist auch nur bedingt die Integration, die seit einiger Zeit als die Vision einer allumfassenden betrieblichen Informationsverarbeitung gehandelt wird. Hier wird Integration verstanden als die Verknüpfung von neuen mit bestehenden DV-Systemen, als reibungslose und produktivitätssteigernde Kommunikation zwischen einer neu implementierten Hochsprache und einer überkommenen DV-Umgebung einschließlich der gesamten Unternehmensdaten und des Data Dictionary eines Unternehmens.

Ein besonders drastisches (und damit der weiteren Klärung dienendes) Gegenbeispiel zu integrativer DV-Politik eines Anwenders liefert die gar nicht so selten verfolgte "Schwarz-Weiß-Philosophie" Sie läuft darauf hinaus, daß der Anwender sich anstelle ständiger Nachbesserungs- und Anpassungsbemühungen um seine EDV darauf verlegt, sein Informationswesen radikal auszumerzen und durch ein komplett neues zu ersetzen. Dies tut er immer dann, wenn seine EDV derart fehlerhaft und unzulänglich arbeitet, daß ein Weiterbetreiben nicht mehr wirtschaftlich oder zumutbar ist.

Im ersten Hinsehen mag eine solche Vorgehensweise noch einen Hauch von Entschlossenheit und Kompromißlosigkeit vermitteln, doch aus der Nähe betrachtet, präsentiert sich nur noch ein Bild des Jammers: Der Anwender hat sich von seinem veralteten statischen System getrennt und statt dessen ein neues, anspruchsvolleres und teureres, ebenfalls statisches System implementiert. Diesen Zyklus muß er in immer kürzeren Zeitabständen - und wahrscheinlich mit zunehmender Kostenbelastung -wiederholen Grund: Das Umfeld, in dem wir arbeiten, die Welt, in der wir leben, ändert sich fortwährend und immer schneller; immer neue Datenkonstellationen gilt es zu berücksichtigen. Statische Systeme sind hier mit ihrem Latein schnell am Ende.

Wenn die Politik der Radikaloperationen mithin nicht empfohlen werden kann, bleibt nur noch der Weg der kontinuierlichen Angleichung eines Systems an seine Umwelt. Dieses Verfahren aber ist keineswegs neu, und jeder weiß, wie Sinderungsaufwand und Programmpflege uns in die Softwarekrise getrieben haben. Neu dagegen sind die Hilfsmittel, die dem Anwender zur Behebung und Vermeidung der Softwarekrise zur Verfügung stehen, die also ein rechtzeitiges (und komfortables) Anpassen an eingetretene Änderungen erlauben. Es sind die Hochsprachen der vierten Generation, die mittlerweile das Erbe der höheren Programmiersprachen anzutreten beginnen.

Exakt hier ist die Stelle erreicht, an der vor Euphorie gewarnt werden muß. Nicht jede Hochsprache, die mehr oder minder zu Recht der vierten Generation zugerechnet wird, stellt automatisch eine Eintrittskarte ins Land der problemarmen Informationsverarbeitung dar. Warum das so ist, läßt sich plausibel belegen. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, daß ein Anwender sich mit dem Betreten der Hochsprachenebene von seinem bisherigen DV-Umfeld fortbewegt. Entscheidend dafür, ob ihm der Schritt nach oben gut bekommt, ist die Frage, ob er eine gut funktionierende Verbindung zu seinem "Basissystem" aufrechterhalten kann, oder ob er zwar hoch, aber freischwebend agiert. Damit ist die Frage nach der Integrationsfähigkeit einer Hochsprache gestellt, und jeder Anwender muß sie - wie noch zu zeigen sein wird - individuell für sich beantworten.

Hochsprache muß sich mit Alt-DV arrangieren

Drei zentrale Kriterien liefern einen Beurteilungsmaßstab für das anstehende Thema: Arbeitet die fragliche Hochsprache integriert mit den bereits vorhandenen Unternehmensdaten, mit dem verwendeten Data Dictionary und mit dem übrigen (konventionellen) DV-Umfeld? Was die Integration zu den vorhandenen Unternehmensdaten betrifft, so ist von sehr vielen Anwendern bekannt, daß sie eine Hochsprache nur dann einsetzen wollen, wenn diese mit den in der existierenden Datenbank und den übrigen Dateien abgelegten Daten arbeiten kann. Da diese Anwender meist mehrere Formen der Datenorganisation praktizieren, müssen sie von der Hochsprache verlangen, daß sie entsprechend flexibel integrierbar ist. Wo immer die Daten gespeichert sind und aus welchen Gründen auch immer - die Hochsprache muß über die notwendigen Zugriffsroutinen verfügen. Der Anwender sollte nicht akzeptieren, daß der Ort der Datenspeicherung sich

nach der verwendeten Hochsprache richtet.

Ähnlich verhält es sich im Falle der Integration mit einem Data Dictionary. Viele Anwender haben sich ein solches Softwaresystem aufgebaut, da die zentrale Beschreibung der betrieblichen Daten und ihrer Verknüpfungen große Vorteile mit sich bringt. Für eine Hochsprache ist die Unterstützung durch ein Data Dictionary geradezu unverzichtbar, repräsentiert es doch die (sich dauernd ändernde) Systemumgebung.

Auf die Anwender kommen also Fragen zu: Sollen sie sich für eine bestimmte Hochsprache entscheiden und das vom selben Hersteller angebotene - und überhaupt einzig verwendbare - Data Dictionary dazunehmen? Sollen sie ihr bewährtes, aber leider inkompatibles Data Dictionary in den Schornstein schreiben oder sich eine Doppelausstattung mit Data Dictionaries leisten? Was passiert, wenn Hochsprache oder Data Dictionary eines Tages ausgetauscht werden müssen, oder wenn man sich mit der DV-Abteilung einer neu hinzugekommenen Konzerntochter zusammenraufen muß?

Eine Hochsprache darf aber auch nicht mit einer überkommenen DV-Umgebung auf Kriegsfuß stehen. Es ist wenig wahrscheinlich, daß ein Anwender vom Tag der Implementierung seiner Hochsprache an sämtliche bisherige und sämtliche neu zu entwickelnde Software auf den Level der vierten Generation hieven wird. Es ist unwahrscheinlich, daß er keinerlei externe Software erwerben wird, die ja in der Regel in Cobol, Assembler oder ähnlichem geschrieben ist. Diese Erwägungen dürften ausreichend verdeutlichen, warum es zwischen der Hochsprache und der konventionellen Software eine Brücke geben muß. Eine solche Brücke ist die unverzichtbare Bedingung dafür, daß dem Anwender die evolutionäre Fortentwicklung seines Informationswesens gelingt. Der generelle Trend wird dabei sein, daß die ursprünglich aus traditionellem Code bestehenden Programme zunächst in geringem Umfang und später immer stärker zunehmend um Hochsprachenmodulen angereichert werden, bis letzlich nur noch Hochsprachen-Code existieren wird.

*Johannes Thurner ist Gesamtvertriebsleiter der Oxford Software GmbH 4052 Korschenbroich.