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22.05.1998 - 

Trotz vieler Fragezeichen

Hochzeit von Compaq und DEC verunsichert Anwender

Die Analysten der Meta Group haben sechs Aktivposten ausgelotet, die Compaq durch die Fusion verbuchen könne:

-Zuvörderst natürlich die Kontrolle über Digitals 25000 Mann starken Multivendor Customer Service (MCS), Spezialisten also für die Integration von heterogenen Rechnerwelten.

-Die internationale Präsenz des PC-und PC-Server-Primus erhöhe sich erheblich, da DEC im wesentlichen global ausgerichtet sei. Aus dem weltweiten Geschäft erwirtschafte das Unternehmen 60 Prozent seiner Umsätze.

-Von großem Interesse sei für Compaq ferner die Basis der VMS- und Open-VMS-Anwender. Meta schätzt, daß weltweit insgesamt 400000 dieser Systeme im Einsatz sind - 250000 davon große Minirechner oder Server. Compaq könne mit seinem eigenen Angebot an NT-basierten Maschinen in diesem Reservoir aasen, um dessen Anwender in den kommenden fünf Jahren auf die NT-Plattform zu migrieren.

-Zudem erben die Texaner rund 70000 Open-VMS-Cluster-Installationen - auch dies eine lohnenswerte Beute für die sich erst entwickelnde NT-Cluster-Umgebung.

-Ein Kleinod erwirbt Compaq zudem mit Digitals Massenspeicher-Produkten der "Storageworks"-Linie. Als Anbieter unternehmensweiter DV-Lösungen muß Compaq auch zu Problemen der Datenhaltung Antworten parat haben. Bislang herrschte diesbezügliche Funkstille.

-Letztlich kaufe sich Compaq mit Digitals auf rund 2,6 Milliarden Dollar geschätzten Aktivitäten im Wintel-Umfeld (PCs, Server) noch mehr Status als dominierender Anbieter dieser Betriebssystem- und Prozessorwelt.

Doch so viel Positives hat seinen Preis. Eine wichtige Anforderung an die "Transitions-Mannschaft" um Firmenchef Eckhard Pfeiffer verbirgt sich in dem im Englischen so herrlich zweideutigen Wort "execution". Er beschreibt zum einen den Prozeß der Verschmelzung, der dem Konglomerat eine glückliche Wendung geben soll. Zum anderen sagt der Begriff deutlich, daß im Wege der Fusion nicht nur Überlebende zu verzeichnen sein werden.

Die Meta-Experten gehen davon aus, daß die Zusammenführung der 31000 (Compaq-Tandem) und 53000 Mitarbeiter (DEC) mindestens 18 bis 24 Monate in Anspruch nehmen wird. Die vorgeblich geräuschlose Eingliederung von Tandem sollte keinesfalls als Indikator für eine ebenfalls vergleichsweise geschmeidige Integration der beiden Großunternehmen verstanden werden.

Um die - zumindest bis Ende 1997 - gewohnten Profitmargen und die Gewinnanteile pro Aktie zu halten, muß Compaq unter anderem die in vielen Bereichen doppelt besetzten Vertriebsmannschaften und die Marketing- und Administrationsabteilungen schnell vereinigen und Personal abbauen, um möglichst bald nach außen als monolithisch agierendes Unternehmen zu erscheinen.

Ein Balanceakt wird zudem die Harmonisierung der Distributionskanäle und der Partner von DEC und Compaq, die bislang ja teilweise miteinander konkurrieren. Mit Digitals MCS-Divisionen kauft sich der PC-Primus ein Dienstleistungsheer, dessen Ziele denen vieler Compaq-Partner aus dem Bereich der Wiederverkäufer in die Quere kommen. Diese haben nämlich ebenfalls ihre Claims im Servicegeschäft bei Anwendern von heterogenen Rechnerumgebungen abgesteckt. Digitals MCS-Truppe deckt jedoch bereits über ein Viertel dieses Marktes ab. Mit Compaq als oberstem Dienstherrn könnten sich übrigens einige MCS-Kunden nach anderen Diensteanbietern wie Unisys, Wang, NCR etc. umsehen.

Darüber hinaus muß Compaq den verunsicherten Digital-Anwendern relativ zügig Perspektiven für die Zukunft aufzeigen. Zwar glauben die Meta-Group-Analysten, daß das neureiche PC-Unternehmen keine bedeutsamen Produktentscheidungen treffen wird, bevor nicht die betriebliche Reorganisation erledigt ist. Und mit der kompletten Zusammenführung der beiden Firmen sei nicht vor dem Jahr 2002 zu rechnen.

Das Rennen kann Alpha nicht gewinnen

Sie wagen sich jedoch trotzdem an Wahrscheinlichkeitsrechnungen: Zu den größeren Schwierigkeiten Compaqs gehöre es, im Intel-Markt die Überlappungen der PC-Linien, der Cluster-Technologien und der Hochleistungs-Server zu bereinigen, ohne daß gleichzeitig die Umsätze in diesen Produktsparten zusammenbrechen. Wenn die Vertriebsmannschaften nicht schnell und effizient arbeiten, dürfte ein großer Teil von Digitals PC-Geschäft an Konkurrenten verlorengehen.

Die rasanten Technologieentwicklungen im PC-Bereich seien hilfreich für einen schnellen Übergang von DECs Produktspektrum auf Compaqs "Deskpro"- und "Armada"-Systeme. DEC-PC-Anwender könnten sich ab sofort Gedanken über eine Migration auf PCs von Compaq oder anderer Hersteller machen. Digitals Intel-Server wiederum werden nach Meinung der Meta-Group-Analysten von der "Proliant"-Familie absorbiert. Jetzt schon extrem erfolgreich im Geschäft mit Intel-basierten Workstations, dürften darüber hinaus DECs Intel- sowie Alpha-Workstations zugunsten von Compaqs Workstation-Portfolio abgewickelt werden.

Digital Unix gehört, so das weitere Urteil, in vier bis fünf Jahren nicht mehr zu den drei führenden Unix-Derivaten. Die Aussicht auf ein "Compaq Unix" könnte übrigens potentielle Systempartner in die Arme der "Unixware"- und "Solaris"-Anbieter treiben. Das größte Ungemach droht Digitals Open-VMS-Anwendern. Diese Klientel solle sich darauf vorbereiten, nach dem Jahr 2000 auf NT oder Unix umgesetzt zu werden.

Und Alpha? Meta glaubt, daß Compaq weiter am Design dieser RISC-Architektur feilt, allerdings nicht mit der gleichen Unbedingtheit, die DECs Liebe zu dem eigenen Kind immer charakterisierte. Anwender von DECs RISC-Plattform sollten für ihre DV-Planungen nicht mehr mit größeren Alpha-Initiativen rechnen. Die Technologie werde hinter die überlebensgroße 64-Bit-Konkurrenz von Intel zurückfallen. Die Kooperation mit Sun (Implementation von "Solaris" auf Intels "Merced"-Chip) erweise sich als zusätzlicher Hemmschuh für die Alpha-Technologie. Das "Wall Street Journal" zitiert deshalb Analysten, die glauben, dieses Rennen sei für Alpha nicht zu gewinnen.