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27.03.1998 - 

Wann kommt der Dämpfer?

Höhenflug der Mobilcom-Aktie heizt Neuen Markt zusätzlich an

Der Start für den Neuen Markt hätte - rückwirkend betrachtet - im März vergangenen Jahres kaum bessere Rahmenbedingungen vorfinden können. Die (immer noch) aktuelle Hausse kam seinerzeit gerade richtig in Schwung, die Anlageform Aktie war durch die Plazierungskampagne der Deutschen Telekom in Sachen "T-Aktie" den Privatanlegern wieder ins Gedächtnis gerufen worden, als Mobilcom den Startschuß für das neue, auf High-Tech-Wachstumswerte ausgerichtete Handelssegment an der Frankfurter Wertpapierbörse gab. Die Idee, die sich hinter den "Spielregeln" für den Neuen Markt verbirgt, war und ist einfach: Niedrigere organisatorische und bilanzielle Emissionshürden im Tausch gegen mehr Transparenz und Offenheit im Berichtswesen.

Der von der Deutschen Börse AG inszenierte Rummel um den Neuen Markt brachte eine weit überdimensionierte Präsenz in den Medien. Aber auch das Geschehen auf dem Börsenparkett trug nachhaltig zur Publicity bei. So waren so gut wie alle Neuemissionen um ein Vielfaches, in der Spitze sogar bis zu 100fach überzeichnet. Insbesondere besagte Nachfrage von Privatanlegern sorgte für hohe Volatilität und Kursexplosionen. Der Debütwert Mobilcom bescherte beispielsweise den Erstzeichnern einen Kursgewinn von über 2000 Prozent. Nach der Emission zu 62,50 Mark notiert die Aktie der in Schleswig ansässigen Telefongesellschaft derzeit bei rund 1300 Mark (siehe Abbildung). Nur um die Relationen zu verdeutlichen: Der Jahresumsatz des Unternehmens deckt derzeit nur knapp zehn Prozent der Marktkapitalisierung; eine Kennzahl, die deutlich macht, daß es in der momentanen Euphorie um den Neuen Markt keine Bewertungsgrenzen mehr zu geben scheint.

Derzeit sind 18 Unternehmen am "High-Tech"-Ableger der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Geplant oder zumindest angekündigt sind in den kommenden Jahren mehrere hundert Neuemissionen. Von besagten 18 "Pionieren" lassen sich sieben im weitesten Sinne dem IT- beziehungsweise TK-Bereich zuordnen. Ebenfalls sehr positiv entwickelt hat sich zum Beispiel auch die Aktie der Aachener Aixtron AG. Der Weltmarktführer bei Anlagen zur Fertigung von Verbindungshalbleitern auf Gallium-/Arsenit-Basis, performte mit 281 Prozent Kurssteigerung weit überdurchschnittlich (siehe Abbildung). Auch der Titel des bayerischen Value-Added-Distributors von CAD-Lösungen, Mensch und Maschine (MuM), konnte seit seiner Premiere auf dem Börsenparkett um immerhin rund 100 Prozent zulegen.

Dem Spezialisten für Dokumenten-Management- und Workflow-Lösungen, die SER Systems AG, im Juli 1997 zu 51 Mark emittiert, gelang es, den Wert der Aktie seit der Emission mehr als zu versechsfachen. Nachdem es im Herbst vergangenen Jahres zu einem Kurseinbruch gekommen war, kletterte die Aktie im ersten Quartal 1998 auf 345 Mark. Einer ersten nachhaltigen Korrektur sah sich indes die Aktie der Beta Systems Software ausgesetzt. Nach einem Wert in die Spitze von 215 rutschte der Kurs zuletzt auf rund 150 Mark ab. Die Aktie der auf Kundenabrechnungs-Software für TK-Netzbetreiber fokussierten LHS Group, die auch an der US-Computerbörse Nasdaq gehandelt wird, blieb zuletzt mit knapp 169 Mark weitgehend stabil. Ähnliches gilt für SCM Microsystems, einem Anbieter von Produkten zur Sicherheits- und Zugriffskontrolle in Netzwerken.

Die exorbitanten Kurssteigerungen haben - auf der Basis der Prognosen für 1998 - zu einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis aller am Neuen Markt notierten Aktientitel von 71 geführt. Zum Vergleich: Der DAX notiert derzeit mit dem 20fachen des erwarteten Gewinns, was in etwa die Rendite des Anleihemarktes von fünf Prozent widerspiegelt. Die hohe Bewertungsbasis erklärt wiederum die ungebrochenen Attraktivität dieses neuen Handelssegments für junge Wachsstumsunternehmen - eine Art Teufelskreis, im (noch) positiven Sinne wohlgemerkt.

Was andererseits nichts daran ändert, daß immer mehr Kritiker die Tatsache bemängeln, daß der Bekanntheitsgrad einiger Marktneulinge durch den Rummel, der um die "deutsche Nasdaq" gemacht wird, in keinem vernünftigen Verhältnis zur Marktkapitalisierung der angebotenen Aktien steht. Diese "Marktenge" sei es auch, die im wesentlichen zu der hohen Bewertung beigetragen habe, heißt es.

Andererseits muß man auch sagen: Noch vor zwei Jahren wäre ein Handelssegment wie der Neue Markt aufgrund der eher provinziellen deutschen Börsentradition noch nicht realisierbar gewesen. Allen Anlegern kann jedoch nur empfohlen werden, in diesem hoch volatilen Markt diszipliniert, daß heißt unter Umständen auch mit Kauf- und Verkauflimits zu arbeiten. Für die Firmen, die sich auf dieses Börsenparkett trau(t)en, gilt indes: Sie sollten bedenken, daß sie aufgrund der von Anfang an hoch gesteckten Erwartungen in puncto Wachstum und Ertragskraft Hoffnungen bei den Anlegern wecken, die sie anschließend nicht nur erfüllen, sondern nach Möglichkeit sogar noch übertreffen müssen. Bei Beta Systems genügte, wie schon angedeutet, sogar ein Gewinnwachstum von 56 Prozent vor Steuern nach den zu optimistischen Prognosen nicht, um die Aktie in der Nähe ihrer ersten Kurse von 215 Mark zu halten.

Je höher die Kurse am Neuen Markt steigen, desto wahrscheinlicher dürfte ein weiteres aggressives Ausnutzen dieses Marktsegments durch Neuemittenten oder auch eine Kapitalerhöhung bereits notierter Unternehmen sein - der ebenfalls schon erwähnte Teufelskreis eben. So kündigte beispielsweise MuM einen weiteren Kapitalschritt an. Damit wird das Angebot an börsennotierten Wachstumstiteln weiter zunehmen, so daß potentielle Investoren in Zukunft mehr Auswahlmöglichkeit haben. Auch deswegen dürfte sich mittelfristig eine Korrektur der derzeit sehr hohen Bewertungen einstellen.

*Arnd Wolpers ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft CMW GmbH in München. Die hier veröffentlichten Informationen beruhen auf Quellen, die wir für vertrauenswürdig halten. Trotz sorgfältiger Quellenauswahl und -auswertung können wir für Vollständigkeit, Genauigkeit und inhaltliche Richtigkeit der Angaben eine Haftung nur insoweit übernehmen, als grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz Haftung begründen. Jede darüberhinausgehende Haftung wird ausgeschlossen. Für Angaben Dritter übernehmen wir kein Obligo, Aktienanlagen sind durch stärkere kursschwankungen gekennzeichnet.