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10.02.1995

Hoehepunkte auf der Lotusphere Lotus ruestet Groupware fuer den Wettbewerb mit Microsoft

ORLANDO (IDG) - Groupware- und Communications-Produkte haben sich als einzig ertragreiches Geschaeftsfeld bei Lotus herauskristallisiert. Um den Erfolg dieses Segments weiter auszubauen, musste sich der Smartsuite- und Notes-Spezialist fuer die Lotusphere in Orlando, Florida, etwas einfallen lassen: Zu den Highlights der jaehrlichen Messe fuer Notes- und cc:Mail-Anwender zaehlten neue Partnerschaften und die Ankuendigung eines weiteren, preisguenstigen Notes-Clients.

Verluste in Hoehe von 20 Millionen Dollar im Geschaeftsjahr 1994 haben Lotus reichlich unter Druck gesetzt. Die Umsatzeinbussen waren hauptsaechlich auf das schlechte Ergebnis der Desktop- Division zurueckzufuehren. Entfielen im vierten Quartal 1993 noch 211 Millionen Dollar auf die PC-Produkte und nur 68 Millionen Dollar auf Notes, so waren die Einnahmen bereits im gleichen Quartal des vergangenen Jahres mit jeweils rund 130 Millionen Dollar nahezu ausgeglichen.

Es besteht also Handlungsbedarf, um zumindest den profitablen Geschaeftsbereich zu staerken, vor allem unter dem Aspekt, dass die Konkurrenz bereits im Nacken sitzt: Der unter Insidern auch als Notes-Killer bezeichnete "Exchange Server" von Microsoft durchlaeuft derzeit die letzte Betaphase und soll noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Lotus bleibt noch eine mehrmonatige Schonfrist, um das eigene Groupware-Produkt breiter am Markt zu streuen.

Manzi geht von einem Notes-Boom aus

Auf der Lotusphere griff das in Cambridge, Massachusetts, ansaessige Unternehmen zu bewaehrten Rezepten: Low-cost-Versionen, Preisnachlaesse, Bundlings und Kooperationen sollen fuer eine Verbreitung der Kommunikationsplattform ueber eine nicht bezifferte kritische Masse hinaus sorgen. Derzeit zaehlt man weltweit mehr als 1,3 Millionen Lizenzen, bis zum Jahresende rechnet Lotus-Chef Jim Manzi, sofern seine Strategie aufgeht, mit knapp drei Millionen verkauften Kopien. An Optimismus fehlt es nicht: 20 Millionen Notes-Kunden bis Anfang 1998, so die Hochrechnung, koennten einen Ausweg aus der finanziellen Misere bedeuten.

Den Weg zu diesem Ziel soll vor allem ein preisguenstigeres und breiter gestreutes Notes-Client-Spektrum bereiten. Als ein Hoehepunkt der Messe galt deshalb die Ankuendigung von "Notes Desktop", einem Runtime-Client, der zum Preis von 155 Dollar allerdings keine Entwicklungs- und Administrations-Tools bereitstellt. Ansonsten verfuegt das Produkt ueber Verwaltungsfunktionen fuer Verbunddokumente sowie Replikations- und Sicherheitsmechanismen.

Notes Desktop kann als Bindeglied zwischen der von 330 auf 275 Dollar verbilligten Vollversion 3.30 und "Notes Express" angesehen werden, das fuer 99 Dollar lediglich Funktionen zur Auswahl und Anzeige von Dokumenten sowie vier vorgefertigte Applikationen bietet. Alle drei Varianten sollen noch im ersten Quartal dieses Jahres verfuegbar sein und werden kuenftig eine Runtime-Version des Entwicklungs-Tools

"ViP" (Visual Programmer) enthalten, mit dem sich kundenspezifische Oberflaechen oder Anwendungen aufbauen und grafisch gestalten lassen.

Besucher der Hausmesse begruessten die neue Lotus-Strategie: Man habe jetzt nicht nur die Auswahl bei den Plattformen - Notes unterstuetzt derzeit OS/2, Windows, Windows NT, Macintosh, Netware sowie vier Unix-Varianten -, sondern auch bei den Clients. Der hohe Preis fuer einen Notes-Client habe bislang nur einen punktuellen Einsatz zugelassen, nun sei die unternehmensweite Installation einschliesslich der Filialen erschwinglich geworden, so der Tenor auf der Messe.

Analysten des "Wall Street Journal" gehen ebenfalls davon aus, dass ein neues Preisgefuege die Nachfrage nach Clients und letztlich auch nach Notes-Servern steigern koennte. Die Gewinnmarge fuer Lotus wuerde zwar vorerst schrumpfen, sollten jedoch die angestrebten Installationsziele bis zum Erscheinen von Microsofts Exchange Server erreicht werden, dann waere der Markt so gut wie gesichert.

Dazu beitragen sollen die auf der Lotusphere angekuendigten Bundlings von Notes Express mit IBMs OS/2 Warp sowie mit Apples Power-Mac- und Powerbook-Rechnern. Allein aus dem Macintosh-Deal, der noch im zweiten Quartal dieses Jahres wirksam wird, errechnen Analysten der Meta Group einen moeglichen Absatz von einer Million Notes-Kopien.

Interesse an Notes soll auch ein erster Blick auf Version 4 wecken, die fuer das zweite Quartal 1995 angesetzt wurde. Das Update kommt mit einer verbesserten Performance, indem sich die neuen Replikationsfunktionen ausschliesslich auf die geaenderten Teile eines Dokuments beschraenken und nicht mehr die komplette Datei durch das LAN schleusen.

Bei Dokumenten mit grossvolumigen Multimedia-Objekten fuehrte dies bislang zu erheblichen Netzbelastungen. Release 4 unterstuetzt netzweit OLE 2.0, so dass auch Remote-Anwendungen aufgerufen werden koennen. Dem Benutzer praesentiert sich die neue Oberflaeche mit einem Dokumentenvorschau-Fenster sowie einem integrierten Client fuer das World Wide Web.

Die Plaene in Richtung Internet gehen allerdings sehr viel weiter: Bis zur Jahresmitte will Lotus fuer 7500 Dollar einen "Internotes Web Publisher" verkaufen. Notes-Anwender koennen damit ihre Datenbanken einschliesslich Bildern (Bitmaps) in das Hypertext- Markup-Language-(HTML-)Format konvertieren und als Homepages im World Wide Web bereitstellen.

Noch unklar ist, ob unter der Bezeichnung "Notes Flow" eine neue Workgroup-Technik in Release 4.0 integriert wird. Das Tool bietet Insidern zufolge spezielle Vorlagen (Formulare) fuer Gruppenarbeiten beziehungsweise Prozesse und koppelt diese mit Server-basierten Agents. Der Aufruf von Routinen, um beispielsweise Dokumente innerhalb des Unternehmens weiterzuleiten, wird dadurch weitgehend automatisiert. Bislang muessen sich Notes-User fuer solche Aufgaben mit komplexen Makroaufrufen herumschlagen oder auf Angebote von Drittanbietern zurueckgreifen (siehe auch Kasten: Notes-Add-ons auf der Lotusphere).

Zu den Neuerscheinungen im Umfeld der Groupware gehoeren ausserdem das grafische Werkzeug "Notes View" fuer die Administration von bis zu 150 Notes-Servern sowie "Video for Notes", mit dem sich digitale Bildsequenzen bearbeiten und fuer die Verteilung im Netz (einschliesslich Wide Area Networks) vorbereiten lassen.

Interessantes war auf der Lotus-Hausmesse auch in Sachen API- Strategie zu vernehmen: Unter dem Sammelbegriff "Hitest" wird den Anwendungsentwicklern kuenftig eine neue Schnittstellen-Technik mit integriertem Objektmodell angeboten, so dass die Zahl der bislang benoetigten Programmaufrufe deutlich reduziert wird. Als erstes kommt bis zum Sommer ein Toolset fuer Visual Basic auf den Markt, in dem eine Sammlung von Custom Controls bereitgestellt wird, um Notes-Dienste von Visual Basic aus ansprechen zu koennen.

Voellig neue Anwendungsbereiche fuer Notes will sich Lotus ueber Partnerschaften mit AT&T und Motorola erschliessen. Das Entwicklungsabkommen mit AT&T zielt auf Software-Erweiterungen, die Notes-User in den Genuss von Voice-Mail kommen lassen. Zusammen mit Motorola will man eine Technik fuer den kabellosen Betrieb von cc:Mail und Notes in zellularen Netzwerken erarbeiten.