Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.07.1990 - 

Syntax und Semantik vergleichbar zum grafischen Datenstrom von 3270

Höhere Druckqualität m der IBM-Welt dank IPDS-Systeme

06.07.1990

Ein noch kleiner, aber dennoch wachsender Markt ist der der IPDS-Druckersysteme. IPDS bedeutet Intelligent Printer Data Stream und ist ein Element der Rasterpunkt-Architektur (RPA). IBM ist hier mit einem ganzen Spektrum von Produkten vertreten. Rainer Schümmelfeder* hat im folgenden diese Produkte beschrieben und sich zu deren strategischer Bedeutung innerhalb der IBM-Welt geäußert.

Die ungebremste Nachfrage nach typografischer Textgestaltung im Verbund mit qualitativ hochwertiger Präsentationsgrafik, elektronischen Formularen und der Wiedergabe von Rasterbildern beschert dem Seitendrucker-Markt weiterhin steigende Verkaufszahlen. Seitenbeschreibungs-Sprachen wie PCL von Hewlett-Packard und Postscript von Adobe haben sich seit langem als Standard im PC-Bereich etabliert. Damit steigen selbstverständlich die Erwartungen an Druckausgaben im Mainframe-Bereich. IBM begegnete diesem Trend frühzeitig mit dem Intelligent Printer Data Stream (IPDS). Heute stellt dieser Datenstrom ein Element in der umfassenden Rasterpunkt-Architektur dar (Advanced Function Printing, AFP). In diesem durchgängigen Konzept können AFP-Anwendungen auf großen und mittleren Systemen über IPI)S mit Druckern unterschiedlicher Leistungsklassen zusammenwirken.

Druckerdaten für Text, Vektorgrafik und Barcode

IPDS beschreibt Formate und Protokolle zur Steuerung von Druckern, bei denen alle Punkte einer Druckseite frei ansprechbar sind (All Points Addressable, APA). IPDS transportiert als Datenstrom Druckdaten für Text, Rasterbilder (Image), Vektorgrafik und Barcode zur vermischten Ausgabe auf einer Druckseite (Verbunddokument).

Für jede dieser Objektklassen sieht IPDS eine Menge von vielseitig parametrierbaren Kommandos vor (Function Set), mit denen Eigenschaften, Positionierung und Inhalt von Druckobjekten beschrieben und zum Drucker übertragen werden können. Neben den Kommandos für eine aktuelle Druckseite bietet IPDS weitere Funktionsgruppen zum Laden von Fonts, Page-Segmenten und Overlays, die der Drucker als Ressourcen speichert.

Bei Page-Segmenten handelt es sich um eine Zusammenfassung beliebiger Druckdaten, die später in den Ausdruck einer aktuellen Seite eingefügt werden können. Dabei gelten die Druckeigenschaften der aktuellen Seite auch für die Segmentdaten. Segmente eignen sich zum Beispiel zum Einblenden von Logos oder komplett Briefköpfen. Im Gegensatz dazu versteht IPDS unter einem Overlay die Zusammenfassung beliebiger Druckdaten mit ihren eigenen Druckeigenschaften, die später an beliebiger Stelle den Ausdruck einer aktuellen Seite überlagern können. Somit eignen sich Overlays insbesondere zur Realisierung elektronischer Formulare.

Der IPDS-Drucker übernimmt also die Umsetzung codierter Barcode- und Vektorgrafik-Daten und die Zusammenführung von IPDS-Ressourcen mit aktuellen Druckdaten. Dadurch entlastet er den Mainframe und die Systemverbindung.

IPDS arbeitet zwar seitenorientiert, ist aber keine Seitenbeschreibungs-Sprache wie Postscript. IPDS stellt einen Datenstrom dar, der in die SNA-Protokolle oder das 1370-Kanalprotokoll eingebettet ist.

Die Druckersteuerung im Mainframe steht in einem ständigen Dialog mit dem IPDS Drucker. Die IPDS-Kommandos und Rückmeldungen bieten die Möglichkeit, Fehlerinformationen an das Druckprogramm im Mainframe zu schicken, Aktionen zur Fehlerbehebung abzuwickeln und auf Anforderung Informationen über Zustand und Eigenschaften des Druckers und der von ihm verwalteten Ressourcen zu liefern.

IBM deckt mit seinen IPDS-fähigen Druckern ein breites Leistungsspektrum ab. In der unteren Klasse sind die Seitendrucker IBM 3812 (zwölf Seiten pro Minute) und IBM 3816 (24 Seiten pro Minute) angesiedelt. Sie werden dezentral eingesetzt, angeschlossen an Steuereinheiten IBM 3174 (Coax) und in der Twinax-Umgebung an die /3x und AS/400. Diese Drucker weisen den bislang größten IPDS-Funktionsumfang auf, sie verfügen zudem über Fonts, die von der Diskette geladen werden können.

Für die gleiche Einsatzumgebung bietet IBM den Matrixdrucker IBM 4224 mit bis zu 600 cps und Farbdruck an sowie den Stahlband-Matrixdrucker IBM 4234, der bis zu 800 ips leistet. Ihr IPDS-Funktionsumfang ist eingeschränkt. Es entfallen die Font-Mechanismen und die Manipulierbarkeit von Rasterbildern (Images).

IPDS-Drucker werden im Non-SNA-Mode betrieben

Eine Sonderstellung nimmt der Seitendrucker IBM 3820 ein (bis zu 20 Seiten pro Minute). Er wird in der Spool-Umgebung eingesetzt und ist an den Mainframe sowohl remote über SNA/SDLC als auch direkt an den 1370-Kanal anschließbar. In jedem Fall bedient er sich der SNA/LU6.2-Protokolle.

Die hochleistungsfähigen IPDS-Drucker werden in der Regel am 1370-Kanal über das Spool-System im Non-SNA-Mode betrieben. Dazu gehören die Drucker IBM 3825 (bis zu 58 Seiten pro Minute), IBM 3827 (bis zu 92 Seiten pro Minute) und IBM 3835 (bis zu 88 Seiten pro Minute, Endlospapier).

Obwohl sie keine reinen IPDS-Drucker sind, sollten die Drucker der IBM-3800-Serie hier nicht fehlen. Sie arbeiten mit einer IPDS-Vorstufe, dem Advanced Function Printing Data Stream (AFPDS), und verfügen mit bis zu 134 Seiten pro Minute beziehungsweise 215 Seiten pro Minute (Endlospapier) über die höchste Seitenleistung.

Die an den /370-Kanal anschließbaren Drucker verfügen nicht über grafische IPDS-Funktionen. Vektorgrafiken werden für diese Druckerklasse bereits im Mainframe umgesetzt und als Rasterdaten übertragen.

Mit dem Remote Print Manager (RPM) kann man die IPDS-Kanaldrucker IBM 3820 und IBM 3825/27/35 auch dezentral über einen remote angeschlossenen PC (SNA/SDLC oder Token-Ring) betreiben. Dazu wird der PC mit einer SDLC-Karte beziehungsweise einem Token-Ring-Adapter sowie einer /370-Channel-Emulator-Card ausgestattet. Das RPM-Programm stellt eine SNA/LU6.2-Anwendung dar. Neben der Umsetzung Der Schnittstellen bietet es eine lokale Ressourcenverwaltung und kann gleichzeitig (ab Version 3) als lokaler Spool für die IPDS-Anbindung und als Print-Server im LAN dienen.

Die AFP-Produkte auf MVS- und VM-Systemen kann man in drei Klassen gliedern. Mit Produkten wie zum Beispiel Overlay Generation Language (OGL), Font Library Services Facility (FLSF), Graphical Data Display Manager (GDDM) werden Ressourcen erzeugt. Eigenschaften einer Druckseite legen Produkte wie zum Beispiel Page Printer Formatting Aid (PPFA) und Print Management Facility (PMF) fest.

Der Definition einer Druckseite dient zum Beispiel das Produkt Document Composition Facility (DCF). Dabei können vordefinierte Ressourcen referiert werden.

Intern arbeiten die AFP-Produkte mit der druckerunabhängigen Datenrepräsentation AFPDS. Die Umsetzung des AFPDS-Datenstroms in den druckerspezifischen IPDS-Datenstrom erledigt das Print Services Facility (PSF). Dieser Treiber sorgt auch für die Bereitstellung der angeforderten Ressourcen.

Auf /36-Systemen gibt es mit Business Graphics Utilities und auf AS/400-Systemen mit AS/400-Büro eingeschränkte Möglichkeiten, IPDS-Ausgaben zu erzeugen. Auf der AS/400 ist das Erzeugen von Verbunddokumenten und deren Ausdruck mittels IPDS integraler Bestandteil des Bürokommunikations-Systems Office Vision.

Die strategische Bedeutung des IPDS

Das Personal System 12, das Anwendungssystem AS/400 und die Systeme der 1370-Architektur stellen zur Zeit die wichtigster IBM-Hardware-Architekturen mit der größten Installationsbasis dar. IBM strebt für diese Systeme die einheitliche System-Anwendungs-Architektur (SAA) an, die sich in immer mehr Produkten manifestiert. Als Datenstrom im Common Communications Support ist IPDS erklärtermaßen strategischer Bestandteil von SAA.

Syntax und Semantik von IPDS ist vergleichbar zum grafischen Datenstrom von 3270, wie er für die Sichtgeräte IBM 3179G, IBM 3192G und IBM 3472G genutzt wird, und zu den neueren Konzepten der Object Content Architecture (OCA). Dies macht deutlich, daß IPDS nur eine druckerspezifische Ausprägung einer umfassenderen Architektur darstellt.

OCA dient allgemein dem Austausch von unterschiedlichen Datenklassen (Objects) zwischen Anwendungen untereinander und mit Endgeräten. OCA definiert Datenstrom-Elemente für Presentation Text (PTOCA), Image (IOCA), Graphics (GOCA) sowie Fonts (FOCA) und faßt sie in einem geräterunabhängigen Datenstrom zusammen. Auf dieser Basis arbeiten SAA-konforme Anwendungen wie zum Beispiel Office Vision.

Die Anzahl der bislang installierten IPDS-Drucker ist gering und bleibt noch hinter den Prognosen der vergangenen Jahre zurück. Dies resultiert mit Sicherheit aus dem hohen Preis der IPDS-fähigen IBM-Drucker. Zu bedenken ist auch, daß IPDS-Drucker für den dezentralen Einsatz zusätzlich zu den bereits am PC-Arbeitsplatz vorhandenen Druckern anzuschaffen sind.

Außerdem liegen die IPDS-Drucker mit nur 240 dpi weit hinter der verbreiteten Auflösung von 300 dpi zurück. Dies zeigt sich insbesondere bei der Qualität der ladbaren Fonts, die zudem nur als Rasterfonts verfügbar sind. Der IBM 3825 gleicht diesen Mangel mit einem Halbton-Verfahren aus.

Die Installation einer produktiv nutzbaren AFP-Umgebung stellt zusammen mit der eventuell notwendigen Aufrüstung des Systems, der Erstellung beziehungsweise Umstellung von Druckanwendungen sowie der Einarbeitung und Schulung eine erhebliche Investition dar. Trotzdem ist in naher Zukunft mit einer deutlich steigenden Verbreitung von IPDS-Druckern zu rechnen.

IBMs weitere Strategie erscheint unklar

Die eingangs umrissene Erwartungshaltung der Anwender wird weiter wachsen. Dem Kostenfaktor bei der IPDS-Einführung stehen die Einsparungen gegenüber, die sich langfristig aus dem Umstieg auf elektronische Formulare und typografische Schriften ergeben.

IBM verfolgt konsequent das Ziel, durch Neuentwicklung oder Anpassung weitere SAA-konforme AFP-Produkte bereitzustellen. Mit der systemübergreifenden Verbreitung überschaubarer, in sich geschlossener Anwendungssysteme, wie zum Beispiel Office Vision, wird die Akzeptanz erheblich steigen.

Mit RPM ergibt sich zumindest teilweise die Möglichkeit, IPDS-Drucker effizienter zu nutzen, indem sie parallel für IPDS-Systemdruck und als Drucker im LAN betrieben werden.

Unklar erscheint dagegen IBMs weitere Strategie. Tatsächlich stehen sich IPDS im Mainframe-Bereich und Postscript im PC-Sektor gegenüber. Wird die RPM-Brücke zu einer echten Symbiose führen? Und wird IBM mit dem Bekenntnis zu Adobes Type-1-Font-Mechanismen für SAA auch den IPDS-Druckern zu Outline Fonts verhelfen?

Ein gewichtiges Argument für eine spürbare Veränderung des IPDS-Marktes ist die zunehmende Zahl kompatibler Systeme. Die diesjährige CeBIT zeigte bereits eine beeindruckende Vielfalt alternativen Lösungen, zumindest für den dezentralen Bereich. IBM-3812-kompatible Systeme werden teilweise zu günstigeren Preisen oder mit besserer oder zusätzlicher Leistung angeboten. Herstellerunabhängige Softwarehäuser und Interface-Hersteller haben für einzelne Drucker integrierte Lösungen realisiert oder universelle Konverterboxen entwickelt, die eine Auswahl marktgängiger Seitendrucker unterstützen.

Der Aufwand ist beachtlich

Viele Druckerhersteller sind sich ebenfalls der Herausforderung bewußt und versuchen, IPSS-Lösungen über OEM-Verträge für ihre Druckerserie zu sichern. Der Aufwand für die selbständige Neuentwicklung einer IPDS-Emulation ist beachtlich. Anbieter nennen Zahlen zwischen zehn und 20 Mannjahren. Es handelt sich dabei nicht nur um eine weitere Variante eines Protokollkonverters.

Es müssen vielmehr Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen zusammengebracht werden, zum Beispiel über SNA-Protokolle und -Datenströme, insbesondere über SNA/LU6.2 für Emulationen des IBM 3820 und über /370-Kanalanschaltungen für die zentralen Drucker.

Besondere Anforderungen ergeben sich bei der Auflösungsanpassung von den 240 dpi der IBM-Seitendrucker auf die 300 dpi potentieller Zieldrucker sowie bei der Bereitstellung lokaler Fonts für eine 3812/3816-Emulation.

Nicht zuletzt deshalb ist man gut beraten, die Kompatibilitätsaussagen kritisch zu überprüfen. Zumindest sollten Emulationssysteme zum Laden von Fonts und Updates und zum Schreiben von Diagnosedaten mit einem Floppy-Laufwerk ausgerüstet sein.

Der Markt ist vielversprechend

Für die zentralen IPDS-Drukker am 1370-Kanal gibt es noch kaum Emulationen. Mit Sicherheit wird aber mit Eifer daran gearbeitet. Die Zahl der Hersteller von geeigneten Drucksystemen ist zwar vergleichsweise klein, der Markt aber vielversprechend. Zukünftige Ansatzpunkte für kompatible Systeme bilden ebenso der Einsatz von IPDS-fähigen Druckern am PC oder im Token-Ring-LAN, und damit der Ersatz von RPM-Funktionen.

Die hier aufgezeigten Tendenzen versprechen auf jeden Fall eine interessante und sich beschleunigende Entwicklung des IPDS-Marktes.