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20.03.1981 - 

Praktische Erfahrungen mit Datex-P-Anwendungen:

Höhere Flexibilität durch virtuelle Kanäle

Über die technischen Eigenschaften und die Funktion des Datex-P-Netzes ist in der Vergangenheit ausführlich berichtet worden. Seit August 1980 hat der offizielle Probebetrieb des Netzes begonnen, und von einigen Anwendern liegen bereits erste Erfahrungen vor. In diesem Artikel soll versucht werden, aufgrund von Erfahrungen Hinweise zu geben, die für eine praktische Nutzung des Datex-P hilfreich sind und für eine Entscheidung beachtet werden sollten.

Das Datex-P-Netz liefert in zwei Hinsichten interessante Aspekte, die eine Nutzung sinnvoll machen. Das sind einmal die möglichen Kosteneinsparungen gegenüber den herkömmlichen Leitungen, und zum zweiten werden neue Anwendungen möglich, die bisher an übertragungstechnischen Problemen scheiterten.

Vor der Einführung der Datenpaketvermittlung standen dem Anwender die Möglichkeiten der leitungsvermittelten Netze zur Verfügung. Diese Netzformen boten dem Anwender im weitesten Sinn "nur" einen Draht, den Verbindungsweg für seine Datenübertragung, an. Er hatte selbst für ein Übertragungsprotokoll zu sorgen, das die Sicherheit seiner Übertragung und Erweiterung seiner Terminalkonfigurationen ermöglichte.

Vor diesem Hintergrund haben sich in der Vergangenheit Übertragungsprotokolle entwickelt, die den unterschiedlichsten Anwendungen gerecht werden: MSV1, MSV2, 3270, 3780, SNA, Uniscope, U 200 etc. Alle diese Protokolle sind bereits Bestandteil von Betriebssystemen und funktionieren zuverlässig.

Plant man für diese Anwendungen die Benutzung des Datex-P-Netzes, so ist allein ein Kostenvorteil gegenüber den bestehenden leitungsvermittelten Netzen ein Anreiz für den Anwender.

Dabei erwartet der Anwender normalerweise, daß bei seiner vorhandenen Hardware- und Software-Konfiguration möglichst nichts geändert wird. Seine Anwendung sollte so wie vorher weiterbetrieben werden können.

Als Entscheidungskriterium für die Benutzung des Datex-P-Netzes dient hier die tatsächliche Datenmenge, die in der bestehenden Anwendung vorhanden ist. Das Datex-P-Netz benutzt als Grundlage für die Verkehrsgebühren hauptsächlich die tatsächlich übertragene Datenmenge. Aus diesem Grunde sollte der Anwender vor seiner Entscheidung diese Werte ermitteln und auch die Antwortzeiten in seinem System kennen, damit er beurteilen kann, ob er die technisch bedingten Netzlaufzeiten bei der Paketvermittlung akzeptieren kann.

Die Bestimmung dieser Werte hat sich in der Vergangenheit als problematisch erwiesen. Im Rahmen der Beratungstätigkeit der Transfer Data Test (TDT) GmbH, Landshut, für die Nutzung des Datex-P-Netzes konnten interessierten Anwendern mit einem kleinen, leistungsfähigen Analysator wertvolle Hinweise gegeben werden. Im Bild 1 ist eine einfache Kundenkonfiguration dargestellt, in der eine aufschlußreiche Meßreihe durchgeführt wurde. Die typischen 3270-Werte wurden über einen längeren Zeitraum im Abstand von 30 Minuten in dem abgebildeten Report (Bild 1a) ausgedruckt. Diese Werte sind die Grundlage für die Verteilung der Datenmengen und der Antwortzeiten über Tage und Wochen.

Umstellung nur mit Anpassungsgeräten

Gemessen wurde an einem Hauptanschluß für Direktwahl (HfD) mit 2400 Bit/sec. Die Datenmengen vom Rechner zum Terminal sind in Spalte 19 angegeben, die Werte vom Terminal zum Rechner in Spalte 20. Die Antwortzeiten des Rechners auf ein Request vom Terminal befinden sich in Spalte 7. Die weiteren Werte geben detaillierte Auskunft über das Systemverhalten. Wesentlich bei diesem Meßverfahren ist, daß das externe, passive Gerät die Anwendung nicht beeinflußt.

Die Umstellung bestehender Anwendungen auf das Datex-P-Netz ohne Änderungen an bestehender Hard- und Software ist nur mit Anpassungsgeräten möglich. Eine direkte Implementation einer X.25-Schnittstelle im System selbst ist zwangsläufig mit umfangreichen Betriebssystem-Umstellungen und neuer HDLC-fähiger Hardware verbunden. Ein Konfigurationsbeispiel mit den MPAC-Systemen von TDT ist in Bild 2 dargestellt.

In der Kosten-Ermittlung für den Datex-P-Zugang müssen diese Anpassungen mit insgesamt 30 000 Mark (Rechner- und Terminal-Anpassung) oder 1 200 Mark Miete im Monat berücksichtigt werden. Allerdings muß auch eine mögliche Kosteneinsparung durch den Wegfall der oft recht teuren Modems für den Betrieb der Anwendung am HfD gesehen werden.

Ein zusätzlicher Gesichtspunkt, der nicht von den Kosten berührt wird, ist die höhere Flexibilität des Datex-P-Netzes, wenn die Funktion der gewählten virtuellen Kanäle in die Planung der Anwendung miteinbezogen wird. Hiermit ist nämlich von verschiedenen Orten der Zugang zum System und an verschiedene Anwendungen im System möglich.

Diese Nutzung des Datex-P-Netzes betrifft hauptsächlich die Anwender von Mini und MDT-Systemen. Diese Benutzer mit Terminalsystemen ohne Übertragungsprotokolle waren in ihrer Anwendung durch Übertragungsprobleme eingeschränkt. Hierzu ist relevant, daß TTY-orientierte, asynchrone Geräte nicht in der Lage sind, ein gesichertes Übertragungsprotokoll oder gar einen Mehrpunktbetrieb zu realisieren.

Das Datex-P-Netz mit dem X.25-Zugang ermöglicht sowohl eine gesicherte Übertragung als auch den Mehrpunktbetrieb auf der Basis der logischen Kanäle. Im Bild 3 ist eine realisierte Anwendung für den Zugang zu einem Datenbanksystem in einem DEC-Rechner dargestellt. Diese Anwendung wurde durch den Einsatz von Anpassungsgeräten möglich, denn im Bereich der Kleincomputer ist die Implementierung von X.25-Software sicherlich schwieriger als in größeren Systemen.

International über Gateways

Die Möglichkeit des Einzelanschlußes dieser einfachen Terminals an einen Datex-P1O-Zugang gewinnt an Bedeutung. Dies wurde bereits von einigen Terminal-Herstellern erkannt. Auf dem Markt werden bereits Terminals mit diesen Eigenschaften angeboten.

Vom Systemkonzept her sind Anwendungen dieser Art sehr einfach, außerdem nutzen sie die angebotenen Eigenschaften der Dienstleistung des Datex-P-Netzes für ihre Belange voll aus. Da die Postverwaltungen in nächster Zeit die Kopplung der Datenpaketvermittlungsnetze über Gateways vornehmen, sind auch internationale Verbindungen preiswert möglich.

Fazit: Die praktische Nutzung des Datex-P-Netzes sollte unter zwei Gesichtspunkten betrachtet werden: reine Kostenersparnis bei bestehenden Anwendungen und Übertragungsmedium für Mini-, MDT- und Terminal-Anwender. Im ersten Fall ist eine genaue Analyse nötig, im zweiten Fall eröffnen sich umfangreiche neue Möglichkeiten.

Jürgen Schneider ist Mitarbeiter der Transfer Data Test in Landshut