Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.12.1981

Höhere Protokolle

Protokoll, das war früher einmal die abgezirkelte Umgangsform der höheren Chargen im Dunstkreis der Macht, zum Beispiel der Diplomaten und Minister. Wer die Regeln des Protokolls nicht kannte, mochte er noch so schön, jung und begabt sein, wurde der höheren gesellschaftlichen Weihen niemals teilhaftig.

In einer offenen Gesellschaft, einem pluralistischen System, ist das selbstverständlich ganz anders. Derlei Zöpfe sind abgeschafft.

Wenn es aber richtig ist, daß Medien die "Spieglein an der Wand" der Gesellschaft sind, dann muß es nachdenklich stimmen, daß im Vorfeld der "offenen Kommunikationssysteme" ein Kampf entbrannt ist. Es geht - wie immer - um eine gute Sache, nämlich die "Demokratisierung der Information". Da scheint es ein Widerspruch zu sein, daß die Waffen in diesem Gerangel sogenannte "höhere Protokolle" sind .

Doch nur auf den ersten Blick: Das "neue Medium" Bildschirmtext - als prominentestes Produkt der Medienmacher - soll auch einmal die Dienstleistung Datenverarbeitung für Herrn und Frau Jedermann konsumierbar machen. Und dies wird ohne Absprachen über "höhere Protokolle" nicht gehen.

Nichts gegen gute Umgangsformen. Nur, wer sagt denn, was als "Verkehrston" zu gelten hat und was nicht? Da tagen sie, die nationalen und internationalen Telekommunikationsgremien, bauen Stufenmodelle, ersinnen Prozeduren, sprechen Empfehlungen aus und versuchen, die Btx-Lobbyisten aller Länder unter einen Hut zu komplementieren. Und was passiert schließlich? Es siegt die normative Kraft des Faktischen, die sich mit I, B und M buchstabiert.

Denn der große Spielmacher IBM hatte seine Minister und Botschafter schon über Land geschickt, sich dem Volke und seinen Rädelsführern angenehm zu machen. Das sind die Spielregeln, respektive "höheren Protokolle" - was die Auftragsvergabe der Bundespost über die Lieferung der Bildschirmtext-Zentralen einmal mehr beweist.

Zwar gehe es dabei, so die Post, nur um Hardware- und Software-Pakete und nicht um Prozedur-Pappritz. Aber wer garantiert, daß der Mainframe-Marktführer nicht doch seine SNA-Spielregeln durch die kalte Küche ins Protokoll einschleust?