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09.05.1980

Hoffnungen und Grenzen der Informationsverarbeitung

Folge 2

Wir könnten uns also zur Hoffnung berechtigt fühlen, daß dem Computer allmählich alles zur automatischen Abwicklung anvertraut werden darf, was sich in Zeichen ausdrucken läßt, und das wäre fast alles, weil wir mittels unserer Sprache ja so gut wie alles ausdrucken können.

Eine derartige Universalhoffnung ist aber keineswegs berechtigt, und daher ist auch die Universalangst unbegründet, daß uns der Computer alles Arbeiten und Denken abnehmen wird. Der Computer ist ein Automat mit subtilen Grenzen, die sich nicht leicht zeigen, Sie müssen schrittweise ans Licht gebracht werden; wir werden daher zuerst schrittweise die Hoffnungen darlegen, die erfüllten Hoffnungen der Halbleitertechnologie und die noch in Erfüllung begriffenen der Ein- und Ausgabe, der Programmierung und der Anwendung. Etliche Grenzen können gleich im Zusammenhang diskutiert werden, andere bedürfen der Sonderbehandlung. Eine Betrachtung der Schwächen, Gefahren und Rückwirkungen des Computers wird dann den zweiten Teil der Ausführungen bilden.

Die erfüllten Hoffnungen der Halbleitertechnologie

Die ersten Computer benutzten mechanische und elektromechanische Bauteile und dann folgte mit der Vakuumröhrentechnologie der Durchbruch zur Hochgeschwindigkeit. Der Übergang auf Halbleiter, der zunächst mit einer Reduktion der Rechengeschwindigkeit verbunden schien, erfolgte nur zögernd. Dann aber begann man sich große Hoffnungen zu machen, und heute kann man feststellen, daß diese Hoffnungen geradezu märchenhaft erfüllt wurden: Man bekommt heute im Vergleich zu 1950 ein Gerät gleichen Preises und gleicher räumlicher Größe, aber um einen Faktor eine Million schneller und mit einem um den Faktor eine Million größeren Speicher. Darüber hinaus ist aber auch, was keineswegs selbst, erständlich ist und bis vor wenigen Jahren auch nicht möglich war, das Gerät annähernd gleicher Leistungsfähigkeit um einen Faktor eine Million kleiner und eine Million billiger vor der Tür: Wir sind in die Zeitperiode der Miniprozessoren eingetreten.

Wir wurden unsere Geschichte aber falsch schreiben, wenn wir nur das zentrale Rechengerät und nur die Schaltkreistechnik - die Hardware, wie man heute nicht viel schöner und nicht viel kurzer sagt betrachten wurden. Denn aus dem Einzelkasten, der nur viel zu groß war um uns seinen funktionellen Punktcharakter deutlich zu machen, ist in vierzig Jahren der Entwicklung im doppelten Sinn ein Netzwerk geworden. Funktionell hätte die einzelne Rechenanlage der Pionierzeit ein Stecknadelkopf sein können, mit zwei Eingabedrähten für Daten und Programm und mit einem Ausgabedraht für die Resultate. Die heutige Anlage hingegen baut sich aus zahlreichen Systemelementen auf, die der vielfältigen Eingabe, Speicherung und Ausgabe dienen und fast immer eine Vielzahl von Technologien vertreten. Selbst die zentrale Recheneinheit ist dabei durch ein Netzwerk von Recheneinheiten ersetzt zu werden, wobei die Zusammenschaltung des Netzwerks je nach Aufgabenstellung und Andrang ständig geändert werden kann. Und im zweiten Sinn gehen immer mehr Anwendungen dazu über, einzelne Anlagen mit beliebigen räumlichen Distanzen zu Netzwerken zusammenzuhängen. Damit geht die Unterscheidung zwischen Informationsverarbeitung und Nachrichtentechnik allmählich verloren, Es gibt kaum mehr Informationsverarbeitung ohne Fernübertragungstechnik und kaum mehr Nachrichtentechnik ohne merkliche Computerfunktionen.

Ein- und Ausgabetechnologie

Die Betrachtung der Schaltkreistechnik muß auf die Betrachtung der Ein- und Ausgabetechnologie erweitert werden und von der Fernübertragungs- und Vermittlungstechnologie müssen mindestens jene Anteile mit einbezogen werden, die für den Computerbetrieb merkbar werden.

Die Dateneingabe wird heute von der Tastatur bewältigt. Man muß sich die Entwicklung von der Morsetaste über die vom Klavier inspirierten frühen Druckteleqraphentastaturen und die Schreibmaschinentastaturen zu den Computertastaturen von heute vor Augen halten, um die Mächtigkeit und Flexibilität des Erreichten voll zu ermessen Zugleich ist aber auch ein Trend zur Flüchtigkeit nicht zu

übersehen, Der Übergang vom Papier zum Leuchtschirm bedeutet zwar eine Vervielfachung der bewegten, beherrschten und verarbeiteten Zeichen, aber man hat sie nicht mehr so untragbar in der Hand wie am beschriebenen Papier. Die Abstraktion hat ihre Vorteile, aber auch ihren Preis, und sie ruft Grenzen hervor, die uns nicht sehr vertraut sind.

Die Drucktechnik mag im vergangenen Jahrzehnt von Benutzern und Herstellern ein wenig stiefmütterlich behandelt worden sein - die nächste Zukunft wird erheblichen Wandel bringen. Wir sehen dicht vor dem Zeitalter, wo der Computerdruck jede gewünschte Qualität des Buchdrucks erreichen und übertreffen kann, wo ein Buchdruck ohne Computertechnik zur teuren Extravaganz gehören wird.

Grundsätzlich wird das Schirmbild den Druck nicht zum Aussterben bringen. Sondern es wird die Regel gelten, daß die flüchtige Information, die unbeständige und kurzlebige Information, die Information mit Sekunden- und Tagescharakter, in das schnelle Nachschauen auf den Bildschirm übergehen wird, während die stabile, zusammenhängende Information, die Information in Endform beim Buch

bleiben wird. Der Computer wird die unnötige Papierflut abstellen und er könnte darin schon mehr erreicht haben, wenn wir uns nicht so willig der Täuschung hingeben würden, daß viel Information auf dem Tisch und im Schrank zeitgemäß und ein Merkmal der gestiegenen Einsicht und Intelligenz sei. In Wirklichkeit ist die Stärke des Computers seine Fähigkeit, die Quantität der Information auf relevantes Ausmaß zu reduzieren. Man möchte das nicht glauben, wenn man die Papierberge sieht, die um alle Computer herum bewegt werden, wenn man sich die Redundanz vorstellt, zu deren Herstellung der Computer auf der ganzen Welt mißbraucht wird.

Trotzdem droht der Computer nicht, das Buch abzuschaffen. Nicht weil das technisch unmöglich wäre. Rein technisch spricht sogar vieles für ein Ende des Buchzeitalters. Sondern weil das Buch eine dem Menschen angepaßte Informationsform ist, deren Ablöse, wenn überhaupt, nur sehr langsam und in weiter Zukunft stattfinden könnte. Der Mensch als stabilisierender Faktor der technischen Entwicklung und ganz besonders der Informationstechnik wird in den kommenden Jahrzehnten von steigender Bedeutung sein. Es kann nur nützlich sein, diese Funktion früh zu erkennen und sowohl technisch wie ökonomisch zu respektieren.

Fortsetzung folgt