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20.06.1980 - 

Folge 8

Hoffnungen und Grenzen der Informationsverarbeitung

20.06.1980

Wir haben eine starke Neigung, an unsere Perfektion zu glauben, an die Fehlerfreiheit unserer Konzepte, Lösungen und Anwendungen, an unsere Fähigkeit, alles vorauszusehen, was passieren wird und kann. Dadurch sind wir nicht immer optimal ausgerüstet, mit den Imperfektionen des Geschaffenen manierlich fertig zu werden, wenn sie dann überraschend auftreten.

Der Mensch ist ein fehlermachendes Wesen. Das hängt nicht zuletzt mit seiner Schöpferkraft zusammen. Wäre er perfekt, wurde er keine Fehler machen, aber es fiele ihm auch nichts ein, er wäre nichts als ein Axiomensystem samt allen korrekten Ableitungen.

Daher kann es nicht um die Abschaffung der Fehler gehen, sondern nur um das Leben mit den Fehlern, erschwert durch den Computer, der sich über die menschlichen Fehler zwar nicht ärgert, ihnen aber nur jene Korrektur entgegensetzt, die vorausbedacht und eingebaut ist, und das geht natürlich nur für bestimmte Kategorien von Fehlern. Alle andern macht der Computer, perfekt emotionslos, einfach mit. Die weitverbreitete Computergläubigkeit beruht auf dem Unwissen oder dem Überspielen dieser einfachen Tatsache.

Eine erste Einteilung der Fehler könnte Detailfehler, Konzeptfehler und schicksalhafte Fehler unterscheiden. Die Detailfehler sind vor allem die Hardware-Fehler - wenn etwas bricht, durchbrennt oder sonst die Funktion aufgibt; die ganz üblen unter ihnen treten nur zeitweilig auf. In der Software sind es vor allem jene ärgerlichen Dummheiten, die man beim ersten Blick entdecken würde, hätte man ihn nur auf die rechte Stelle gerichtet. Aber man sieht ja so gerne das, was sein sollte, und nicht das, was da ist. Ein Gebilde wie der Computer, aus tausenden von Teilen bestehend und durch tausende von Zeichen animiert, konnte erst stabil werden, als man Prüf-, Kontroll- und dann Herstellungsverfahren zuwege brachte, die mit der Majorität solcher Fehler fertig werden. Mit dem Rest kämpfen wir weiter, immer neue Verfahren ersinnend, immer mehr Fehler vermeidend.

Konzeptfehler sind schon weit unangenehmer. Wo ein System falsch angelegt ist, läßt sich hinterher nur wenig machen; erst das nächste Konzept kann dann besser sein. Erschwerend kommt hinzu, daß manche einmal eingeführte Konzepte nur um einen hohen Preis geändert werden können. In falsche Konzepte investiertes Geld bleibt dort gerne liegen und kostet weiter Geld. Ich verstehe nicht, wie man nicht an die Erbsünde glauben kann, wo man ihre technischen Aquivelente doch an jeder Ecke antreffen kann. Gegen Konzeptfehler hilft die architektonische Gestaltung der Systeme, der Entwurf nach klaren Pnnzipien. Mit der Architektur beschäftigt sich gegenwärtig meine persönliche Forschungsarbeit, und ich muß sie "Abstrakte Architektur" nennen, um sie vor Assoziationen mit der existierenden Architektur von Computern und Gebäuden ein wenig zu schützen. Ich wäre natürlich sehr geneigt, über dieses Thema ausführlich zu reden, aber ich müßte dazu sehr weit ausholen, und dafür ist hier kein Raum. Selbstverständlich bin ich auf diesem Gebiet nicht allein; der Systematisierung des Entwurfs und der Entwicklung wird an vielen Stellen Augenmerk und Anstrengung gewidmet. Der Computer wirkt darin als Zugpferd und ist sehr wohl geeignet, auch allen Anwendungssystemen, in denen er wirkt, eine bessere Architektur zu vermitteln.

Die schicksalhaften Fehler schließlich sind unvermeidbar und unbehebbar. Sie resultieren nämlich aus der unbehebbaren Unterinformation des Menschen. Es mag nicht modern sein, dies zu sagen, aber es gibt eben undurchschaubare Verhältnisse. Für eine Lokomotive ist eine solche Behauptung irrelevant, für den Computer nicht. Denn das Computersystem ist auf das Intimste mit undurchschaubaren Supersystemen verküpft, mit Firmen und Amtern, Instituten und Institutionen, hinter deren klaren Funktionsgliederungen völlig dunkle Bereiche verborgen sind, die kein Systemplaner miteinbeziehen konnte und kann. Die Fehler die dem Computersystem aus diesem Grund anhaften, kann man niemandem vorwerfen und von niemandem verbessern lassen. Man muß mit ihnen leben. Man würde nicht reden von ihnen, wäre es nicht der Computer, an dem sie sich bemerkbar machen, an den man eben höchste Ansprüche stellt - zurecht, denn umgekehrt ist ja auch der Computer das anspruchsvollste Gebilde der Technik. Nur muß man rechtzeitig Milde walten lassen. Denn durch die Fastperfektion der Schaltkreistechnik erweisen sich die meisten der heute auftretenden Fehler als Folgen und Widerspiegelungen der menschlichen Imperfektion. Die Milde gebührt im übrigen der Technologie, die besser ist, als sie wirkt. Wie man die Fehler der Mannschaften um die Computer herum reduziert und unter Kontrolle bekommt, ist eine Frage der Ausbildung und der Arbeitsmoral.

Damit ist der Übergang von den Schwächen des Computers, hervorgerufen durch Imperfektion des Einzelnen, zu den Gefahren des Computers, hervorgerufen durch die Imperfektion der menschlichen Gesellschaft, erreicht und wir wenden uns nun der Diskussion dieser Gefahren zu.

Gefahren des Computers durch die Imperfection der Gesellschaft

Ein Gebilde von der ökonomischen und arbeitstechnischen Bedeutung des Computers kann nicht ohne soziale Auswirkungen bleiben. Hunderte von Berufen sind neu entstanden, Hunderttausende wirken in diesen Berufen. Sie alle haben ihre Hoffnung auf ihn gesetzt, Erfolg und Wohlstand zu erreichen, und niemand kann abstreiten, daß der Computer bisher derartige Hoffnungen glänzend erfüllt hat, die unvermeidlichen Fehlschläge und Niederlagen sind bisher erfreulich gering geblieben.

Dennoch kann nicht geleugnet werden, daß mit der Ausbreitung des Computers auch Gefahren verbunden sind. Es kann kein mächtiges Instrument geben, das nicht mit Gefahr verbunden ist. Beim Computer, einem Werkzeug auf Minimal-Energie-Basis, sind diese Gefahren indirekt und abstrakt. Jene am Arbeitsmarkt sind vielleicht nicht die ärgsten, aber sie sind in letzter Zeit hochgespielt worden, besonders den Miniprozessor hat man als "Jobkiller" denunziert, als Gefahr für den konventionellen Arbeiter sowohl in der Produktion wie auch in den Dienstleistungen.

Die schärfste Formulierung, die ich kenne, stammt vom Präsidenten eines in Wien ansässigen internationalen Koordinationsausschusses und wurde 1979 auf einem Kongreß in Los Angeles vorgetragen. Es ist eine ungewöhnliche Kombination von Hoffnung und Angst. Als Folge der Einführung des Miniprozessors sagte der Vortragende einen unvermeidbaren Triumph der Technik voraus: die vollständige Automation sowohl die Produktion als auch der Dienstleistung binnen 30, ja vielleicht schon 20 Jahren, zumindest in den industrialisierten Ländern. Mit diesem Triumph sei das unwiderrufliche Ende der Arbeit im Schweiß des Angesichts und der Arbeit im herkömmlichen Sinn überhaupt verbunden. Dies aber sei identisch mit einer Totalarbeitslosigkeit und mit dem Ende von Ziel und Zweck des menschlichen Lebens, wie wir es kennen.

Diese nicht einfach überspitzte, sondern in wesentlichen Punkten falsche Voraussage ist nicht nur aus der Verwendung eines verengten Begriffes der Arbeit zu erklären eines marxistischen Begriffs der Arbeit, der sich am Kilogramm Produktion orientiert und etwa die Programmierung nur widerwillig zu den produktiven Tätigkeiten rechnet- sondern auch aus einer statischen Weltauffassung.

Wer Motoren ein- und ausschaltet oder am Bildschirm Tasten drückt, dem treten keine Schweißperlen auf die Stirn. Daß aber der abstrakte Ersatz des Schweißes nämlich der Streß, für den einzelnen angenehmer und für die Volksgesundheit zuträglicher ist, wird sich schwer beweisen lassen. Weder Kraft- noch Rechenmaschinen machen die Arbeit zum ungetrübten Vergnügen oder gar unnötig. Wird fortgesetzt