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27.06.1980

Hoffnungen und Grenzen der Informationsverarbeitung

Folge 9

Wer Motoren ein- und ausschaltet oder am Bildschirm Tasten drückt, dem treten keine Schweißperlen auf die Stirn. Daß aber der abstrakte Ersatz des Schweißes nämlich der Streß, für den einzelnen angenehmer und für die Volksgesundheit zuträglicher ist, wird sich schwer beweisen lassen. Weder Kraft- noch Rechenmaschinen machen die Arbeit zum ungetrübten Vergnügen oder gar unnötig Keine wie immer geartete Automatisierung läuft von ihrer Installation ab völlig ohne menschliches Hinzutun, und die Idee daß die Installation der Totalautomation binnen 20 oder auch 30 Jahren abgeschlossen sein könnte ist weltfremd.

Es ist ein Hauptdenkfehler, die gebrauchte Arbeitsmenge für statisch anzusehen. Der Bedarf an Schreibmaschinen kann nicht von der Jahresschreibleistung der Mönche aus dem 14. Jahrhundert abgeleitet werden, und der Bedarf an Computern nicht aus der Zahl der im 19. Jahrhundert durchgeführten Additionen. Das 20. Jahrhundert hat aus tausend Gründen eine Rechenatmosphäre und dazu kommt dann der Grund 1001, noch mehr zu rechnen: daß es den Computer ja gibt. Der Bedarf ist eine dynamische Größe, die von Rückkopplungskräften erhöht und erniedrigt wird. Wenn man nicht alle Gründe für Veränderungen abgeprüft hat, kann man wenig aussagen und noch weniger voraussagen.

Die Vorstellung schließlich von einer totalen Automation ist absurd. Denn vollständige Automatisierung wäre mit einem vollständigen Algorithmus für die menschliche Gesamtarbeit identisch, mit einem Computerprogramm, das niemals gestörte Maschinen aller Art betreibt, alle jemals entstehenden Situationen voraussieht und mit ihnen fertig wird. Es gibt nicht einmal ein Teilgebiet, auf welchem solches denkbar wäre. Der Erzeuger eines solchen Gedankens kann niemals mit einer jener Handwerkerlawinen konfrontiert gewesen sein, die von so mancher zunächst harmlos aussehenden Reparatur ausgelöst werden.

Der Miniprozessor wird sich von einem derartigen Glauben an seine Allmacht geschmeichelt fühlen müssen, aber die Wirklichkeit wird sehr anders aussehen. Eine Welt der Technik ist eine Welt der Wandlung, und jede Wandlung führt zum Guten und zum Schlechten. Meist läßt sich das Gute besser voraussehen, während uns das Schlechte eher als Überraschung überfällt. Super- wie Minicomputer sind darin nicht anders. Ihre Stärke macht sie gefährlich, aber ihre Gefährlichkeit wird durch eine gute Eigenschaft ausgeglichen, und das ist ihre Eignung für die Planung, sie zwingen den Menschen mehr zur Planung als jedes technische Gerät bisher.

Planung wieder ist phantasieanregend und bei vielen Planungen ist die Stärkung der Vorstellungskraft aller oder vieler Beteiligter wertvoller als vom Computer ausgedruckte Planungszahlen.

Gerade auf dem Gebiet der sozialen Auswirkungen der Informationsverarbeitung zeigt sich, daß diese Technologie um ihre Gefahren mehr und besser besorgt ist als die meisten anderen Technologien. In den letzten Jahren ist immer mehr geschehen. Wer einen repräsentativen Querschnitt der professionellen Veranstaltungen des Jahres 1979 analysiert, wird vom Anteil an sozialen und auch ethischen Fragestellungen in den Vorträgen und sogar in den Veranstaltungshauptthemen beeindruckt sein. Der Computer, dieser Ausbund an Perfektion, macht die Imperfektion seiner Hersteller, seiner Benutzer und seiner Umgebung auf natürliche Weise überdeutlich. Wir sind gewarnt und es ist uns klar gemacht, wo mit Gegenaktionen begonnen werden könnte. Was uns der Computer freilich nicht abnimmt, ist das Beginnen und das Durchziehen zweckentsprechender Maßnahmen.

Wer das Ende der Arbeit voraussagt, feuert nicht gerade zu solchen Maßnahmen an. Wenn der Mensch nicht mehr zu arbeiten braucht, dann braucht er auch nichts mehr zu lernen oder höchstens etwas für die sogenannte kreative Freizeitbeschäftigung. In Wahrheit aber verlangen die Miniprozessoren genau wie die Großcomputer Leute, die etwas Besonderes gelernt haben. Die Computerindustrie ist personalintensiv, 90% ihrer Kosten sind Personalkosten. Es ist daher ein grundlegender Irrtum, der amerikanischen Hardware-Industrie eine lokale Hardware-Kapazität entgegenzusetzen und aus dieser Maßnahme ein Gleichziehen mit dem amerikanischen Informationsverarbeitungsniveau zu erwarten. Die amerikanische Überlegenheit besteht vielmehr in der ungeheuer zahlreichen Mannschaft, die an seinen Computern arbeitet. Nur wer die schwierige und kostspielige Investition der Ausbildung einer entsprechenden lokalen Mannschaft auf sich nimmt, ergreift die richtige Chance, eine erfolgreiche und wohlstandbringende Informationsverarbeitungsindustrie aufzubauen. Wenn die Infrastruktur der sachverständigen Leute aller Schichten einmal vorhanden ist, lösen sich die Hardware-Fragen auf natürliche Weise und quasi von selbst. Wohlgemerkt, es geht nicht um die theoretische Informatik bei dieser Ausbildung, sondern um die angewandte Informatik und um die gesamte Pyramide bis zu den einfachsten Mitarbeitern und Computerbenutzern. In Amerika wird damit gerechnet, daß 1990 13% des Bruttonationaleinkommens für die Datenverarbeitung aufgewendet werden wird. Ein Entwicklungsland wird von einer solchen Zahl besser nicht träumen für ein Land wie Österreich aber bedeutet diese Zahl eine ungeheure Chance.

Der Computer ist, wie die sachliche Betrachtung ergibt, nicht eine Gefahr für den Arbeitsmarkt. Von einem "Jobkiller" kann bei ihm nur die Rede sein, wenn man auf das falsche Pferd setzt oder wenn Notwendigkeiten verschlafen werden.

Umgekehrt darf die Schwierigkeit nicht verniedlicht werden, die aus computerverursachten Berufsumschichtungen entstehen kann. Statistische Mittelwerte trösten einen Betroffenen wenig, wenn er auf einen plötzlich erzwungenen Berufswechsel nicht vorbereitet ist. Die Ausbildungsanstrengung darf sich nicht auf den Nachwuchs beschränken, auch die älteren Jahrgänge müssen berücksichtigt werden.

Wieder darf man feststellen, daß der Computer die Schwierigkeiten, die durch ihn drohen könnten, auch vorherzusehen und abzuwenden hilft. Bei keinem andern Produkt der Technik sind die sozialen Gefahren so früh in der Entwicklung und so ausführlich und offen diskutiert worden als beim Computer. Und Österreich darf als führendes Land in der Anstrengung zur Abwendung sozialer Nachteile des Computerzeitalters bezeichnet werden.

Wird fortgesetzt