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06.06.1980

Hoffnungen und Grenzen der Informationsverarbeitung:\Folge 6

Einen besonderen Aspekt darf man in einer solchen Überschau nicht zu kurz kommen lassen: den Zusammenhang zwischen den vom Computer prozessierten Zeichen und der Bedeutung, die sie mit sich führen. Die Grundbegriffe dieses Zusammenhangs sind bereits erwähnt worden: Syntax und Semantik. Sie kommen aus der naturwissenschaftlichen Theorie der Sprache und sind für die Anwendung auf Computerfragen sehr gut vorbereitet worden, von der Sprachphilosophie und von der mit ihr verwandten Philosophie Wittgensteins und des Wiener Kreises.

Jedes Wort - wir können das Wort "Wort" selbst als Beispiel heranziehen, im geschriebenen Text erscheint nun Wort einmal ohne und einmal mit Anführungszeichen - jedes Wort hat zwei Aspekte seiner Erscheinung. Das Wort "Wort" hat vier Buchstaben und für den Computer sind diese vier Zeichen Haupterscheinungsformen. Was diese vier Zeichen aber bedeuten wozu das Wort "Wort" in der menschlichen Sprache verwendet werden kann, ist eine ganz andere Frage, die im Computer nur durch sehr umfangreiche Programme und auch dann nur unzulänglich gestellt oder behandelt werden könnte. Denn mit vier Zeichen können ungeheure Welten des Geistes verknüpft sein, und das Wort "Wort" ist in der Tat von dieser Art, man braucht das bloß in Goethes Faust nachlesen. Das Prozessieren von Zeichen ist eine Angelegenheit, das Prozessieren der mit den Zeichen verknüpften Bedeutung eine ganz andere. Man kann sich die Bedeutung fast wie eine Wolke um die Zeichen des Textes vorstellen, ein Etwas, das aus verschiedenen Richtungen verschieden aussieht und zu sehr verschiedenen Schlußfolgerungen führen kann.

Es ist die Formalisierung, die hier Ordnung schafft, am einfachsten am Zahlenrechnen zu erkennen. Die Bedeutung, die eine Zahl wie etwa "vier" haben kann, bildet auch eine Wolke, vielleicht sogar eine besonders große. Aber die Abstaktion auf den Zahlenwert und die Festsetzung der Rechenregeln machen die numerische Zahl "vier" von dieser Wolke unabhängig. Man kann ohne weiteres Nachdenken mit ihr rechnen, und man darf sie daher ohne Bedenken dem Computer anvertrauen. Die gesamte numerische Mathematik fällt in die gleiche Kategorie und der Computer ist für sie ein perfektes Werkzeug. Die Physik hat sich den Vorteil der numerischen Berechnung zunutze gemacht und mit Hilfe des Dimensionsbegriffes hat sie sich auch eine perfekte Ordnung in der Relation zwischen Zahlenwert und physikalischem Phänomen geschaffen. Bei einer physikalischen Gleichung muß links und rechts vom Gleichheitszeichen die gleiche Dimension stehen - dann gibt es keine Schwierigkeiten mit der Bedeutung wie in der reinen Mathematik ohne Bedenken dem Computer anvertrauen.

Nun kann man aber im Computer Buchstaben ebenso leicht verschlüsseln, einlesen und ausdrücken wie Ziffern. Da Buchstaben in der Mathematik gerne und erfolgreich verwendet werden, und auch sonst sehr nützlich sind, wurden sie bald in die Computercodes einbezogen. Damit begann die Verarbeitung von Buchstaben, von der es nur ein kleiner Schritt zur Textverarbeitung ist. Solange man auf formalisierten Gebieten bleibt, besteht auch kein Unterschied zur Ziffernverarbeitung. Auch solange die Bedeutung der Buchstabenfolgen eindeutig bleibt, gibt es keine Gefahren. Aber wie lange gilt das? Solange man ein Wort wie "Arbeit" im physikalischen Sinn versteht, ist die Eindeutigkeit gewährleistet; man weiß, daß sie in Wattsekunden zu messen ist. Aber es gibt auch andere Bedeutungen und solche, bei denen die Assoziation zur Wattsekunde unangemessen ist. Dann wird es problematisch: man ist an den Grenzen der Logik und des Modells.

Grenzen der Logik und des Modells

Unsere Gewöhnung an Naturwissenschaft und Technik, begünstigt dadurch, daß ein immer größerer Prozentsatz der Menschheit in einer Umgebung lebt, in der die Zahl der technischen Objekte größer ist als die Zahl der natürlichen Objekte hat zu einer Überbewertung der Logik und des Modells geführt, zum Glauben daran, daß außerhalb der Logik und des Modells nichts existiert. Wir halten die physikalische Beschreibung und Natur der Welt für die einzige und vollständige, obwohl die Prinzipien der Naturwissenschaft eine solche Tragfähigkeit und Universalität weder versprechen noch bestätigen. Der Computer scheint mir jenes physikalische Gebilde zu sein, welches diesen Glauben rasch und überzeugend als Irrtum erweisen wird.

Wird fortgesetzt