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Compact-Discs als alternative Speichermedien

Hoffnungsvolle Zukunft für wiederbeschreibbare CDs

27.04.1990

FRAMINGHAM/MÜNCHEN (jm) - Optische Speichermedien hatten bislang den Nachteil, daß man sie nicht oder nur einmal beschreiben konnte. Das soll sich noch in diesem Jahr ändern, wenn verschiedene Firmen wiederbeschreibbare Produkte anbieten werden.

Der Bedarf an solchen Speichermedien jedenfalls scheint enorm: Ein amerikanisches Marktforschungs-Unternehmen hat herausgefunden, daß 1992 mehr als 360 000 dieser Laufwerke abgesetzt werden können. Zum Vergleich: 1988 waren es 5300, was allerdings auch mit den momentan noch sehr hohen Preisen zu tun hat.

Was CD-ROMs auszeichnet, ist ihre enorme Speicherfahigkeit. Bis zu 650 MB auf einer Scheibe, deren Größe identisch ist mit der von Musik-CDs (zwölf Zentimeter Durchmesser, 1,2 Millimeter Dicke), sind ein starkes Argument für die Discs. CD-ROMs und Audio-CDs werden auch im gleichen Verfahren hergestellt.

Sowohl die Sony Corp. als auch die Taiyo Yuden Co. haben magnetooptische Disc-Laufwerke entwickelt, die neben Musik auch Computerdaten aufzeichnen können. Nach Angaben von Sony können diese Discs bis zu eine millionmal wiederbenutzt werden. Der japanische Anbieter von Unterhaltungselektronik, Kamera-Ausrüstungen und Computern nannte aber keinen Preis für sein Speichermedium.

Bei der Entwicklung von Taiyo handelt es sich um ein sogenanntes CD-R. Mit ihm kann nur einmal aufgezeichnet, diese Speicherung aber nicht mehr gelöscht werden Auch andere Unternehmen entwickelten solche CD-R-Systeme, wobei Taiyo einen von der Yamaha Electronics Corp und der Philips Telecommunications N.V entwickelten Rekorder benutzt.

Die Tandy Corp. hatte bereits vor zwei Jahren für Aufsehen gesorgt, als man ein mit 500 Dollar Kaufpreis sehr kostengünstiges wiederbeschreibbares CD-System für 1990 ankündigte. Jetzt ist man bei Tandy mit Vorhersagen vorsichtiger geworden: "Das Tandy High-Intensity Optical Recording CD-System (Thor) wird dieses Jahr nicht auf den Markt kommen", schwächt Ed Juge, Marketing Direktor bei Tandy, hohe Erwartungen von Interessenten ab. Ein Grund, Thor stark in den Markt zu pushen, hängt mit dem "Betamax-Syndrom" zusammen. Die Videoentwicklung von Sony war zwar technisch überlegen - was übrigens auch für "Video2000" von Grundig und Philips galt -, nur nahm es die Industrie nicht als Standard an.

Industrieunterstützung ist marktentscheidend

Tandy verwendet im Unterschied zu Gegenspieler Sony nicht die Magneto-Optik-Technologie für seine CD-Speichermedien, sondern ein Dye-Polymer-Verfahren. Bei diesem muß das Unternehmen noch einiges Ingenieurwissen investieren, um existierende Bugs zu eliminieren. Allerdings, so Juge, stehe man kurz vor der Lösung dieser Probleme. Entscheidend für die Vermarktung des Produktes ist jedoch für Tandy, ob es eine breite Unterstützung von Industrieseite bekommt.

Der technische Vorteil von CDs als Speichermedien besteht darin, daß sie den zur Verfügung stehenden Platz "intelligenter" nutzen als etwa Festplatten. Bei diesen sind die Daten auf konzentrischen Kreisen - den Spuren - angeordnet. Die Spuren sind in gleich viele Sektoren eingeteilt. Da aber die äußeren Bahnen - man mag analog an diejenigen in Sportarenen denken - länger sind als die inneren, jeder Sektor jedoch eine gleiche Menge an Daten aufnimmt, wird der Speicherplatz sehr ineffektiv genutzt.

CDs speichern die Daten analog zu einer Schallplatte auf einer spiralförmigen Spur. Da hier die Sektoren an jeder Stelle gleich lang sind, wird der Speicherplatz optimal genutzt. So erklären sich auch die hohen Kapazitäten der kleinen Scheiben. Im Gegensatz zu Disketten mit momentan maximal 96 tpi (Tracks per inch) und Winchester-Festplatten mit einigen Hundert tpi beträgt die Spurdichte bei CDs 16 000 tpi. Allerdings: Die Such- oder Zugriffszeit ist erheblich länger als bei Festplattenlaufwerken.

Was die Verbreitung der CDs als Speichermedium weiter beflügelte, war die Verständigung auf einen Standard. Die High-Sierra-Konferenz Ende 1985 führte die wichtigen Hersteller von CD-ROM-Laufwerken zusammen: Philips, Hitachi, Sony, DEC und Apple etwa einigten sich auf das HSP-Format (High Sierra Proposal). Es gewährleistet unter anderem ein logisches Dateiformat, wodurch es möglich ist, unabhängig vom benutzten Betriebssystem die Daten verschiedener CD-Hersteller zu lesen. CDs, die dieses HSP- oder ISO-9660-Format unterstützen, können auf unterschiedlichen Laufwerken gelesen werden.