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15.11.1996 - 

Datev testet Teleteaching

Hohe Anforderungen an Dozenten und Lernende

CW: Aus welchen Gründen setzen Sie bei Datev CBT ein?

Eckstein: Die Mitarbeiter kommen oft mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Zielen und Erwartungen in ein Seminar, zum Beispiel zum Thema Windows 95 oder bei der objektorientierten Software-Entwicklung. Wir können mit CBT den individuellen Lernbedürfnissen besser gerecht werden. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der Zeitfaktor. Schulungen sind häufig just in time notwendig. Außerdem haben wir es mit recht großen Zielgruppen zu tun. Durch den Einsatz von CBT können wir die Präsenzphasen kürzen und haben dann im Seminar selbst mehr Zeit für Diskussionen und für die Behandlung schwieriger oder Datev-spezifischer Fragen zur Verfügung.

CW: Wie wichtig sind CBT und selbstgesteuertes Lernen im Datev-Bildungskonzept?

Eckstein: Wir sehen CBT primär nicht als Ersatz, sondern eher als Ergänzung anderer Lernformen. Im übrigen setzen wir CBT nur als eine Form selbstgesteuerten Lernens ein, das elektronische Medium steht nicht allein. Die verschiedenen Lernstrategien der Mitarbeiter müssen berücksichtigt werden: Einige lesen am liebsten, andere, die das Hören bevorzugen, sind vielleicht von der angenehmen Stimme eines Trainers angetan. Deshalb verknüpfen wir mit unserem Trainingsprogramm sowohl klassische als auch elektronische Selbstlernmedien im Sinne einer Modularisierung des Lernens.

CW: Sie legen Wert auf die Integration von CBT in Trainingsprogramme. Wie gehen Sie konkret vor?

Eckstein: Wir verwenden CBT und andere selbstgesteuerte Lernformen zur Seminarvorbereitung. Vereinzelt nutzen die Trainer Selbstlernmedien auch während des Seminars. Bei DV-Themen funktioniert dieses Modell gut. Wenn wir mit externen Trainern zusammenarbeiten, modifizieren wir gemeinsam die Seminarunterlagen, so daß CBT und andere Medien ergänzend eingesetzt werden. In die Unterlagen integrieren wir zum Beispiel Querverweise auf CBT-Programme, mit denen die Teilnehmer zusätzlich üben können. Auf der anderen Seite geben wir den Mitarbeitern mit den CBT-Programmen Empfehlungen zum selbstgesteuerten Lernen an die Hand, zum Beispiel auch Tips, in welchen Printmedien sie bei Schwierigkeiten nachschlagen können.

CW: Wie bereiten Sie die Trainer auf die Integration der neuen Selbstlernmedien vor? Stoßen Sie auf Vorbehalte?

Eckstein: Wir achten darauf, daß die Trainer frühzeitig in die Konzeption einbezogen werden. Wenn sie dennoch Zweifel äußern, dann zum Beispiel, weil die fachlichen Inhalte des CBT-Programms nicht genau zum Seminar passen, aber auch, weil sie befürchten, daß die Teilnehmer zum Kursbeginn nicht vorbereitet sind.

CW: Was machen Sie, wenn Standardlernprogramme nicht Ihren firmenspezifischen Anforderungen entsprechen?

Eckstein: Wenn ein CBT-Programm prinzipiell geeignet ist, aber in einzelnen Punkten nicht unseren inhaltlichen Qualitätsanforderungen genügt, sind wir bereit, Kompromisse zu machen. Wir warnen vor programmtechnischen Mängeln, die an bestimmten Stellen auftreten können. So beugen wir möglichem Ärger vor. Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit, inhaltliche Modifikationen durch den Anbieter vornehmen zu lassen.

CW: Was halten Sie von den verschiedenen Formen des Online-Lernens, zum Beispiel dem Telelearning?

Eckstein: Telelearning ist grundsätzlich sinnvoll, aber bis jetzt noch mit vielen Problemen verbunden. Gegenwärtig bringen Diskussionsforen im Intranet mehr. Auch im Bereich des Teleteachings und bei Videokonferenzen ist schon einiges möglich und von Vorteil, zum Beispiel durch Application-Sharing.

CW: Haben Sie schon einiges davon ausprobiert?

Eckstein: Wir experimentieren zur Zeit mit Raumkonferenzsystemen. Im Rahmen eines Pilotversuchs testen wir die Möglichkeiten des Teleteachings, unter anderem zu Winword und betriebswirtschaftlichen Themen. Bis zu sechs Teilnehmer pro Schulungsraum nehmen in Nürnberg und Düsseldorf an einem Kurs oder einer Informationsveranstaltung teil. Dabei muß eine Reihe von Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. So können während der Übungsphasen die Teilnehmer in Nürnberg besser vor Ort vom Trainer betreut werden als in Düsseldorf. Die didaktischen, aber auch die technischen Voraussetzungen sind nicht so einfach zu erfüllen, insgesamt sind die Anforderungen an Lernende und Trainer höher als bei klassischen Medien. Die Teilnehmer müssen wesentlich disziplinierter als bei anderen Lern- und Unterrichtsformen sein.

CW: Worauf kommt es beim selbstgesteuerten Lernen, sei es on- oder offline, besonders an?

Eckstein: Das Schlimmste wäre eine Überforderung der Lernenden. Die Kombination und Integration verschiedener Formen des Lernens sind wichtig. Die Mitarbeiter müssen alternative Möglichkeiten haben, sich Inhalte anzueignen. Außerdem legen wir beim selbstgesteuerten Lernen großen Wert auf Beratung und Betreuung der Teilnehmer. Nur so wird Selbstbestimmung nicht zur Farce.

Lernen am Arbeitsplatz

Computer Based Training (CBT) wird bereits seit vielen Jahren von den Datev-Mitarbeitern genutzt. Die Nürnberger kaufen vor allem Standardlernprogramme ein. Die Firma hat außerdem ein Infosystem eingerichtet, mit dem sich Mitarbeiter umfassend unter anderem über Selbstlernangebote informieren können. Das System wird wöchentlich aktualisiert.

Die Mitarbeiter können Lernprogramme direkt vom Server herunterladen, bei Bedarf also schnell darauf zugreifen. Besonders bei Themen wie Windows 95 bietet sich dieses Vorgehen an, weil es hier Sinn macht, direkt am Arbeitsplatz zu lernen. Zusätzlich soll Ende 1996 ein eigenes Lernzentrum in Nürnberg eingerichtet werden. Die Mitarbeiter können CBT-Programme auch zu Hause ausleihen. Nicht nur zur DV-Schulung wird computerunterstütztes Lernen angeboten auch Betriebswirtschaft, Telefonieren am Arbeitsplatz und Fremdsprachen stehen im Angebot.

Datev

Die Datev - Datenverarbeitungsorganisation des steuerberatenden Berufes in der Bundesrepublik Deutschland eG, bietet ihrer Klientel Datenverarbeitung, Software und Serviceleistungen rund um die Belange einer Steuerberatungskanzlei. In der Nürnberger Zentrale der Genossenschaft laufen alle Fäden und Daten zusammen zusätzliche Informationszentren in derzeit 26 Städten dienen als Standorte für die Außendienstmitarbeiter und die Betreuung der Kunden vor Ort.

*Ute Wolter ist freie Journalistin in Bensheim.