Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.06.1987 - 

Der Weg vom Schlagwort zur Wirklichkeit ist weit:

Hohe Anzahl von Projekten im frühen Stadium gescheitert

Für die "Echtzeit"-Steuerung eines Unternehmens sind die aktuellsten Betriebsdaten gerade gut genug. Denn ohne diese Informationen ist ein schlagkräftiges CIM-Konzept kaum denkbar. Bei dem Sammeln der Daten, das eine völlige Transparenz beispielsweise von Fertigungsabläufen ermöglichen soll, kommt dem Betriebsrat eine besondere Bedeutung zu. Gerhard Lotze plädiert für eine sinnvolle Zusammenarbeit.

Selbst in sehr fortschrittlich organisierten Fertigungsunternehmen trifft man häufig eine Form der Betriebsdatenerfassung an, die in krassem Widerspruch zum Automatisierungsgrad anderer Bereiche steht: Auf- der einen Seite werden Daten mit mehreren MIPS (Millionen Instruktionen -pro Sekunde) verarbeitet, für die Erfassung und Bereitstellung dieser Daten wurden zuvor aber Stunden oder Tage benötigt.

Abgesehen von dem Aufwand, der für eine mehrfache Erfassung anfällt (zunächst manueller Aufschrieb, dann Aufbereitung/Ergänzung, dann EDV-gerechte Erfassung), und abgesehen von der erhöhten Fehleranfälligkeit (Übertragungsfehler, vergessene Belege etc.) können/ dürfen solche Daten wegen mangelnder Aktualität nicht mehr für Steuerungsfaktoren herangezogen werden. Dies ist aber ein wesentlicher Bestandteil jedes CIM-Konzeptes!

In gleicher Weise stellt sich das Problem hinsichtlich der Akzeptanz: Fehlerhafte oder überholte Daten werden angezweifelt und dienen häufig nur noch dazu nachzuweisen, weshalb die Ist-Daten mit den Plan-Daten zwangsläufig nie übereinstimmen können. ..

Die unmittelbare zeitaktuelle Erfassung von Fertigungsinformationen über Zeiten, Status, Mengen, Ort etc. und die sofortige Bereitstellung zur Verknüpfung, Verarbeitung und Steuerung ist somit unabdingbar Voraussetzung für CIM. Das bedeutet: Ohne BDE ist CIM gemäß der vorher beschriebenen Interpretation undenkbar.

Nicht alleine die CIM-Diskussion, sondern beispielsweise auch die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die Notwendigkeit der optimalen Nutzung teurer Betriebsmittel, die geforderten Reaktionszeiten und der Trend zur kleineren Losgrößen machen die Bedeutung einer funktionellen Betriebsdatenerfassung deutlich.

Die Bereitschaft zur Einführung von BDE-Systemen ist seitens der Unternehmer schon seit längerer Zeit auf breiter Basis vorhanden. So wurden vielerorts BDE-Projekte initiiert und teilweise natürlich auch erfolgreich realisiert, eine beachtliche Anzahl blieb jedoch in einem frühen Projektstadium stecken: Die Einführung scheiterte am Veto des Betriebsrates, der von seinem Mitbestimmungsrecht Gebrauch machte.

Das Betriebsverfassungsgesetz (Betr.VG) von 1972 räumt dem Betriebsrat unter anderem eine "erzwingbare Mitbestimmung" in sozialen Angelegenheiten ein. In ° 87 1 BetrVG sind Fälle aufgezählt, in denen dieses Recht zum Tragen kommt.

Mitbestimmungspflichtig ist dabei unter anderem die Einführung und Anwendung sämtlicher technischer Einrichtungen, die dazu bestimmt oder geeignet sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen. Überwachen ist das Sammeln von Daten und deren Vergleich mit anderen Daten, also der Soll-Ist-Vergleich. Die Mitbestimmung besteht auch dann, wenn die Überwachung nicht der unmittelbare Zweck ist, sondern sich als Nebeneffekt ergibt.

Berücksichtigt man die bisherige Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes und betrachtet dann die am Markt angebotenen BDE-Systeme, so steht es außer Frage, daß diese mitbestimmungspflichtig sind.

Die Erfolgsaussichten einer Klage scheinen sehr gering, der einzige Lösungsansatz dürfte darin liegen, Kompromisse zu finden, die den Abschluß einer Betriebsvereinbarung erlauben. Gelingt dies nicht, ist notfalls die Einigungsstelle anzurufen. Diese hat die Modalitäten festzulegen, unter denen eine technische Kontrolleinrichtung eingesetzt werden darf. Besonders in diesem Fall ist es von großer Bedeutung, auf ein System zugreifen zu können, welches entsprechend flexibel im Design ist und Anpassungen mit vertretbarem Aufwand zuläßt.

Pro & contra BDE

Alleine schon der Begriff "technische Kontrolleinrichtung zur Überwachung des Verhaltens oder der Leistung des Arbeitnehmers weckt unangenehme Assoziationen und läßt Betriebsräte verständlicherweise mißtrauisch werden: Die angestrebte Transparenz der Daten suggeriert den "gläsernen Mitarbeiter" und Rationalisierung ist immer mit der Vorstellung des Verlustes von Arbeitsplätzen verbunden.

Man muß sich mit solchen Befürchtungen objektiv auseinandersetzen. Sie sind teilweise entstanden durch - zwar nur vereinzelt, aber dennoch bedauerlich - Mißbrauch von BDE oder Personalinformationssystemen in der Vergangenheit; überwiegend aber beruhen sie auf Vorurteilen, die es durch vertrauenbildende Maßnahmen und eine vorbehaltlose Informationspolitik abzubauen gilt.

Die sehr komplexe, schnell wachsende Technik der Mikroelektronik führt zu einer allgemeinen Verunsicherung, die Risiken sind für einen Mitarbeiter ohne fundierte EDV-Kenntnisse nicht abzuschätzen.

Diese Unsicherheit wird oft noch dadurch verstärkt, daß zum Zeitpunkt der Verhandlungen von der Unternehmensleitung keine klar definierte, überschaubare und leicht verständliche Systemkonzeption vorgelegt werden kann.

Grundsätzlich bekunden auch die Gewerkschaften eine bejahende Haltung zur technologischen Weiterentwicklung, sofern den sozialen Aspekten Rechnung getragen wird. Dies bekundet beispielsweise auch Ewald Werher als Vertreter des DGB auf der Telecom Deutschland, Köln 1983, und dies wird auch heute in Einzelgesprächen immer wieder zum Ausdruck gebracht.

Akzeptanz erhöht

Daraus ist zu schließen, daß zumindest grundsätzlich ein Konsens gefunden werden kann, und wirklich die Akzeptanz gegenüber Zeiterfassungssystemen hat sich beispielsweise spürbar erhöht. Die Flexibilität der Arbeitszeit, der Trend zum Freizeitausgleich geleisteter Überstunden oder auch das Job-sharing eröffnen den Mitarbeitern interessante, neue Möglichkeiten zur Individualisierung der Arbeitszeitgestaltung. Ohne Einsatz entsprechender EDV-Systeme wären diese wegen dem damit verbundenen administrativen Aufwand kaum nutzbar, und dem wurde offensichtlich auch seitens der Gewerkschaften Rechnung getragen.

Der Aspekt der Rationalisierung wird bei der Beurteilung von BDE-Systemen häufig falsch interpretiert. Die Erfahrungen haben gezeigt, daß durch die Einführung von solchen Systemen der Personalbedarf nicht verringert, sondern bestenfalls verlagert wird. (Eine Amortisationsrechnung für BDE-Systeme, die auf dem Abbau von Personal beruht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aufgehen.)

Der eigentliche Nutzen- und das gilt es herauszustellen - liegt in der qualitativen Verbesserung der Daten, in der schnelleren Bereitstellung der Informationen und deren Verknüpfung sowie den sich daraus ergebenden Steuerungsfunktionen.

Eine schlüssige Darlegung dieser Betrachtungsweise wird sicherlich auch durch den Betriebsrat akzeptiert.

Auch die Notwendigkeit einer zeitaktuellen Rückmeldung abgeschlossener Arbeitsgänge wird im allgemeinen anerkannt, da nur so eine exakte Produktionsplanung und Materialbereitstellung gewährleistet sind.

Wo liegen dann die Probleme?

Sie beginnen meist dann, wenn es darum geht, personenbezogene Daten, Auftragsdaten und eventuell noch Maschinendaten miteinander in Verbindung zu bringen. Die dadurch erreichte Transparenz erlaubt eine Leistungsbeurteilung des einzelnen Mitarbeiters.

Die Argumentationen gegen eine solche Verknüpfung sind außerordentlich vielseitig, der Kernpunkt wird jedoch fast nie genannt: Häufig geht es nämlich nicht darum zu verhindern, daß eine zu geringe Leistung transparent gemacht wird, sondern eine zu gute!

Kompromiß löst Interessenkollision

Die zeitaktuelle Fertigmeldung von Arbeitsgängen erlaubt es dem Mitarbeiter nicht mehr, "Vorderwasser" durch Zurückhalten und zeitversetzte Abmeldung von Lohnscheinen zu bilden und dadurch den erzielten Leistungsgrad zu beeinflussen.

Die Schlußfolgerung daraus ist einfach: Die Mitarbeiter befürchten, daß zu üppig bemessene Vorgabezeiten schneller erkannt und bei nächster Gelegenheit angepaßt werden. Sie sehen kleine Freiräume schwinden und erwarten weiteren Leistungsdruck.

Hier liegt nun eine wirkliche Interessenkollision vor. Seitens der Unternehmen ist eine größtmögliche Transparenz anzustreben, auch wenn nicht im entferntesten daran gedacht wird, diese zur Modifizierung der Vorgabezeiten zu verwenden; seitens der Arbeitnehmer ist eine tiefe Skepsis zu überwinden.

Selbst wenn es gelingt, dem Betriebsrat. die edle Absicht glaubhaft darzulegen, wird dieser Schwierigkeiten haben, die Kollegen davon zu überzeugen. Gelingt es nicht, hierüber Einigung zu erzielen, wird das BDE-Projekt an seinem Einspruch scheitern und damit der CIM-Konzeption eine elementare Grundlage entzogen - womit die Beweiskette geschlossen wäre!

In diesem Stadium ist seitens der Unternehmensleitung abzuwägen, ob es in Anbetracht der strategischen Bedeutung von CIM nicht sinnvoll ist, Kompromisse einzugehen und in Form der Betriebsvereinbarung Absicherungen vorzusehen, die geeignet sind, die Befürchtungen der Belegschaft zu entkräften.