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"Gebremster" Rechnerverbund mit "Eclipsen" von Data General bei der Esso Chemie in Köln:


27.02.1981 - 

Hohe DÜ-Kosten führen zum Mini-Telex

Der Vorteil des Distributed Processing - das Auslagern von Computerintelligenz mit dezentral benötigten Routinen und Programmen in räumlich entfernte Firmenniederlassungen - liegt nicht nur in der Entlastung des Großrechners allein. Neben einer schnellen dezentralen Datenerfassung und teilweisen direkten Verarbeitung und Fortschreibung von Aufträgen und Beständen ergeben sich oft erhebliche Einsparungen bei den Datenübertragungskosten. Wie das Anwendungsbeispiel der Esso Chemie GmbH in Köln zeigt, steigt der Zeit- und Gebührengewinn noch, wenn dezentral leistungsfähige Minicomputer auch für Telex-Kommunikation eingesetzt werden.

Die Esso Chemie GmbH, eines der mehr als 300 Unternehmen der Exxon-Gruppe, in vielen Teilen der Welt unter dem Namen Esso bekannt, betreibt seit 1977 auf einem 250-Hektar-Grundstück bei Köln einen Steamcracker mit mehreren Nachbearbeitungsanlagen.

Das Werk Köln produziert in Rohölverarbeitungsanlagen neben Rohbenzin für die Chemie, Motorenbenzin, Dieselkraftstoff, leichtes und schweres Heizöl sowie Bitumen. In den petrochemischen Anlagen entstehen Chemierohstoffe und Zwischenprodukte.

Der Vertrieb ist nach Sparten aufgeteilt. Verkauft werden chemische Rohstoffe, chemische Zwischenprodukte, Lösungsmittel, Kunstharze, Elastomere, Kunststoffe und Paramins-Additive. Nach diesen sieben Sparten ist auch die dezentrale Informationserfassung aufgegliedert.

Ein Minicomputertyp für alle Niederlassungen

Die derzeitige DV-Lösung - ein Verbund von Groß- und Minicomputern - wurde vor über vier Jahren entwickelt. Danach wurden die einzelnen Geschäftsstellen in Europa mit einer eigenen kommerziellen Anlage ausgerüstet. Diese Rechner sollten zusätzlich mit der jeweils zuständigen Esso-Zentrale verbunden sein, wo auf einem Großrechner die komplexeren Programmabläufe vorgesehen wurden.

Die Kriterien für einen auszuwählenden Minicomputer, der ausschließlich für alle Aufgaben der Orderannahme, Fakturierung und der damit zusammenhängenden kaufmännischen Arbeiten eingesetzt werden sollte, waren vor allem: schnelle Verarbeitungszeiten bei gutem Timesharing-Verhalten, Datenübertragungsfähigkeit sowie ausgereifte System-Software. Bei einer Untersuchung des Marktangebotes entschied man sich für den Minicomputer Eclipse C/330 von Data General (DG). Danach wurden alle Niederlassungen der Esso Chemie mit Rechnern dieses Typs ausgerüstet.

Bei der bundesdeutschen Gesellschaft im Kölner Stadtzentrum ist eine Eclipse C/330 mit 512-KB-Hauptspeicher installiert. Sie bedient eine Platteneinheit mit 192 MB und eine 10-MB-Platte. Angeschlossen sind weiterhin 24 Bildschirm-Terminals, davon 22 Sachbearbeiterplätze; zwei werden als Konsolen für die Steuerung der beiden verfügbaren Rechnerverarbeitungs-Ebenen benutzt. Die vorhandenen Drucker werden für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt. Für umfangreiche Listen arbeiten zwei Zeilendrucker (600 Zeilen/ Min.); an zwei der Bildschirm-Stationen sind Ausgabedrucker angeschlossen, um den Inhalt des jeweiligen Bildes auf Wunsch in Hardcopy-Ausgabe zur Verfügung zu stellen. Für mittelständische Anwendungen sind des weiteren drei Matrixdrucker angeschlossen.

Die Verbindung zum Hamburger Rechenzentrum erfolgt über eine Standleitung mit einer Übertragungsrate von 2 x 4800 Bit/Sek. beziehungsweise 1 x 9600 Bit/Sek. Anfangs wurde noch ein Teil der in Köln erfaßten Daten im Stapel-Ferneingabe-Betrieb transferiert.

Die Aufträge gelangen schriftlich, telefonisch und per Fernschreiben nach Köln. Um die Kunden schnell zu bedienen, werden die ankommenden Orders von den Sachbearbeitern direkt am Bildschirm in die DG-Minis eingegeben. Im Rechner sind alle Programme für Arbeiten wie Orderverfolgung und -verteilung, Fakturierung sowie Verwaltung der Außenstände einschließlich automatischem Mahnwesen vorhanden. Jedes einzelne Programmpaket ist wiederum unterteilt und mit anderen relevanten Abrechnungskreisen integriert. Das ist wichtig, weil die Kölner Zentrale ein unabhängiges Verarbeitungssystem, bildet, das nicht vom Hamburger Großrechner mit Programmen geladen wird.

Der Datenverkehr verläuft nur "einseitig", indem der Minicomputer periodisch Verkaufs- und Kundendaten zum Hauptbuch nach Hamburg übermittelt. Allerdings läuft dieser Rechnerverbund aus Gründen der Kostendämpfung etwas "gebremst". Schuld daran ist zweifellos das Gebührendiktat der Deutschen Bundespost.

So hat bei der Kommunikation mit den zwölf Niederlassungen der Esso Chemie in der Bundesrepublik EDV-Chef Lutz Detlef Kastens den Rotstift angesetzt: "Wir bezahlen bereits für eine 9600-Baud-Leitung-nach Hamburg im Jahr um die 72 000 Mark. Aus diesem Grund haben wir die Außenläger nicht mit Bildschirmen und direktem Anschluß an den Zentral-Mini ausgestattet."

Der Informationsaustausch ist daher über eine Unterroutine des Ordereingabe-Programms äußerst wirtschaftlich gelöst worden. Dazu Kastens: "Wir haben softwaremäßig die zu übermittelnden Informationen auf Telexcode umgestellt und adressiert." Die Lochstreifenerstellung ist computerunterstützt. Auf einem Bildschirm ist jeweils ersichtlich, welche Fernschreiben zu übermitteln sind. Die Telex-Informationsübermittlung reduziert die Datenübertragungskosten ganz beträchtlich.

Nach der Auftragseingabe werden die Ablieferungspapiere ausgedruckt und die Kundendateien aktualisiert. Anschließend erfolgt die Rechnungsschreibung mit automatischer Erstellung der Offene-Posten-Buchhaltung mit Kundenkonten. Weitere Programmteile übernehmen die Überwachung der Außenstände sowie das Mahnwesen mit Auswertungen für verschiedene Statistiken.

Umfangreich ist das Programm für das Einhalten der Zollvorschriften. Hierbei wird vom Gesetzgeber verlangt, daß zum Beispiel der Handelsweg einer zollpflichtigen Ware klar dokumentiert verfolgt werden kann. Neben den Dialogprogrammen, beispielsweise für die Datenerfassung und Detailabfrage, erhält jeder Programmkomplex zum Teil sehr aufwendige Stapelverarbeitungsprogramme, wie die Fakturierung mit ihren vielen Spezialberechnungen.

Die Eclipse C/330 läuft unter dem Betriebssystem RDOS. Alle Stapelverarbeitungsprogramme wurden von den DV-Mitarbeitern des Unternehmens in Cobol geschrieben.

Für interaktive Arbeiten wird der Echtzeit-Monitor "Idea" (Interaktive Daten-Eingabe und -Abfrage) von Data General eingesetzt. Die Dateiorganisation wird vom Programmpaket "Infos" übernommen, das speziell für die Eclipse entwickelt wurde.

Mit dieser Betriebs-Software und den Dienstprogrammen sollen nach und nach weitere Bereiche auf den Mini übernommen werden. DV-Chef Kastens sieht in seinem Konzept noch ein weiteres Plus.- "Die Preisentwicklung bei Minicomputern bewirkt eine Verschiebung der EDV-Investitionen. Wir geben aufgrund der fallenden Hardware-Preise weniger Geld für unsere Rechner aus. Diese Mittel stecken wir in die Software, so daß wir mehr Software und vor allem bessere Programme mit unserem erfahrenen Team entwickeln können."

*Klaus Rosenthal ist freier EDV-Fachjournalist.