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22.05.1992 - 

Als Schlüsseltechnologie denkbar, doch

Hohe Kosten bremsen Dominanz Japans bei Aktiv-Matrix-LCDs

MÜNCHEN (IDG/sc) - Wichtige Technologiebereiche, etwa der Halbleiter-Markt, sind fest in japanischer Hand. Bei den Aktiv-Matrix-Displays ist es nicht anders. Marktkenner befürchten daher, daß auch in der LCD-Technik eine "japanische Gefahr" droht. Noch können die Japaner aber ihre Stärke, nämlich Massenprodukte günstig herzustellen, nicht realisieren. Für den Consumer-Markt sind die Bildschirme bisher zu teuer.

Zunehmend bieten Computerhersteller Farb-Notebooks und -Laptops mit Aktiv-Matrix-LC-Displays an. Diese Bildschirm-Technologie basiert auf organischen Liquid-Crystal-Molekülen, die auf einem elektrischen Feld angeordnet werden. Zur Bilddarstellung wird ein polarisiertes Licht verwendet, das durch die LC-Moleküle sowie durch einen Farbfilter fällt.

Verglichen mit konventionellen Super-Twist-Pneumatic-Displays (STN) arbeiten die TFT-Bildschirme wesentlich schneller und bieten zudem ein schärferes Bild. Bei STN-Bildschirmen sollen die Antwortzeiten 100 bis 150 Millisekunden betragen, während TFT-Displays eine Geschwindigkeit von 30 bis 50 Millisekunden bieten. Dieser Leistungsvorteil wirkt sich nach Ansicht von Experten vor allem in Verbindung mit Windows-Applikationen aus. "Mit STN-Displays ist es schwierig, eine Maus über den Bildschirm zu jagen, während es bei TFT-Produkten kein Problem ist", erklärt Hidenor Akiyoshi, Entwicklungsdirektor bei der Display Technology Inc. (DTI), einem japanischen Joint-venture von IBM und Toshiba.

IBM und Toshiba zählen zu den Vorreitern in dieser Bildschirm-Technologie. DTI wurde von den beiden Unternehmen 1989 mit einem Anteil von je 50 Prozent gegründet, um TFT-Displays für Toshiba- und IBM-Rechner zu entwickeln und herzustellen. Den ersten Rechner mit TFT-Monitor brachte Toshiba im letzten Quartal 1991 auf den Markt. Mittlerweile sind die meisten japanischen Elektronikkonzerne dabei, Aktiv-Matrix-LCDs zu entwickeln. So zählen nun zum Beispiel Sharp, NEC, Hitachi, Mitsubishi, Sanyo Electric und Casio Computer zu den DTI-Konkurrenten. Wie die IBM-Toshiba-Tochter fertigen auch sie 10,4-Zoll-TFT-Displays, die mit einer VGA-Auflösung von 640 x 480 Pixeln arbeiten.

Momentan wird die neue Bildschirm-Technologie überwiegend für tragbare Rechner verwendet. In Zukunft sind die Displays aber auch als flache Fernsehschirme oder als große Bildschirmwände denkbar. Wie von IDG-Asien zu erfahren war, sehen die Hersteller außerdem Einsatzmöglichkeiten in der Medizintechnik oder in Navigationsgeräten für Autos, bei Flugzeugen und Schiffen.

Solche Pläne sind keineswegs Utopie. So wurden zum Beispiel auf der Internationalen Automobilausstellung IAA Nutzfahrzeuge in Hannover Komponenten eines Navigationssystems für Kraftfahrzeuge vorgestellt.

Über einen Empfänger sollen die Autofahrer Informationen über Staus und Verkehrs-Engpässe erhalten. Läßt sich das Fahrtziel besser mit der Straßenbahn erreichen, wird dem Fahrzeugführer sogar die nächste Park-and-Ride-Station mitgeteilt, berichtete die "Süddeutsche Zeitung. Wie es weiter heißt, könne das Projekt Siemens zufolge in drei bis vier Jahren anlaufen.

Hohe Stückzahlen bei niedrigen Kosten

Vergrößert sich das Einsatzgebiet der TFT-Displays über die reine PC-Technik hinaus, nimmt die Bedeutung der Technologie zu. Bisher sind die Japaner allein auf diesem Markt, der dann als strategisch wichtig gelten könnte.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, befürchtet man in den USA deswegen bereits, daß, wenn LCDs zum Massenprodukt werden, Japan bei einer weiteren Schlüsseltechnologie eine dominierende Rolle spielt - wie bereits bei den Halbleitern und in der Unterhaltungselektronik.

Die Stärke der Japaner liegt Branchenkennern zufolge oftmals weniger in der Entwicklung von Technologien, sondern vielmehr in der Produktion hoher Stückzahlen zu niedrigen Herstellungskosten. Als Beispiel führen die New Yorker Zeitungsmacher die Speicher-Chips an, die in westlichen Denkfabriken entwickelt, von den Japanern aber später in Massen auf den Markt gebracht wurden.

Wie es weiter heißt, sei es bei den TFT-LC-Displays ähnlich abgelaufen. So kamen laut IDG Asien Mitarbeiter von Westinghouse Electric und RCA Anfang der 70er Jahre auf diese Technologie.

Die Entwicklung von Aktiv Matrix LCDs hinsichtlich ihrer strategischen Bedeutung hängt jedoch davon ab, ob sich ein großer Markt bildet. Heute handelt es sich noch um Nischenprodukte, da die TFT Displays zu teuer sind, um im Preis sensitiven Comsumer-Bereich zu bestehen.

DTI zufolge liegen die Produktionskosten für den billigsten Aktiv-Matrix Bildschirm bei etwa rund 2300 Dollar. Das sei mehr, als der Preis für einen kompletten Notebook mit konventionellem LC-Monitor.

Bis 1995 rechnet Toshiba aber damit, daß TFT-Displays etwa die Hälfte des LCD-Gesamtmarkt abdecken, dessen Wert mit 7,7 Milliarden Dollar geschätzt wird. Bevor die japanischen Elektronikunternehmen ihren Herstellaufwand nicht verringern können, halten Marktbeobachter diese Prognosen für unwahrscheinlich. Rund 30 Prozent der Produktionskosten entfallen laut DTI zum Bespiel auf das Material. Ferner sei durch die schlechte Infrastruktur an Zulieferern die Verfügbarkeit oft nicht gewährleistet. Hinzu kommt, daß der noch relativ hohe Ausstoß fehlerhafter TFT-LCDs auf die Kostenseite drückt. Für die Produktion der LCDs zählt absolute Reinheit zum obersten Gebot. "Der Staub macht uns bei der Herstellung von Aktiv-Matrix-LC-Displays noch größere Schwierigkeiten als bei den Halbleitern", erklärt Akiyoshi.

Solange diese Probleme nicht gelöst sind, lassen sich TFT-Displays nicht in Massenstückzahlen absetzen, vermuten Branchenkenner.

"Selbst in vier bis fünf Jahren wird es keinen großen Markt für die Aktiv-Matrix-Displays geben", äußert Norihiko Naone, Forschungsingenieur am Nomura Research Institut, gegenüber dem Wall Street Journal. "Die Bildschirme sind schön, doch ich glaube, daß es nur wenig Leute gibt, die viel Geld dafür bezahlen wollen."

Die erste Zeit versuchten die japanischen Hersteller offenbar, die Aktiv-Matrix-LC-Displays zur Absatzförderung unter den Produktionskosten auf dem US-Markt anzubieten. Um die einheimischen Display-Hersteller davor zu schützen, erhoben das US-Handelsministerium und die International Trade Commission (ITC) bereits im letzten Jahr Antidumping-Zölle für in Japan hergestellte TFT-LCDs.

Bis 1996 hoffen die japanischen Hersteller jedoch die Produktionskosten auf rund 390 Dollar herunterschrauben zu können. Trotz aller Anstrengungen seitens der Japaner, die Probleme anzugehen, halten sich die Analysten mit Schätzungen über die Marktentwicklung zurück. Das Nomura Research Institute korrigierte die eigenen Schätzungen, daß bis 1995 15 Millionen Einheiten an TFT Displays verkauft werden, bereits wieder. Wenn die Japaner keine signifikante Verbesserung bei der Produktion erzielen, wird die Nachfrage 1995 eher bei drei Millionen Einheiten liegen, schätzt Naone.