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18.12.1992 - 

Telearbeit in Deutschland - viel Theorie und wenig Praxis

Hohe Kosten verhindern Einführung der Telearbeit

Ein Dauerbrenner, der bisher den Durchbruch nicht geschafft hat, so könnte man die Telearbeit charakterisieren. Auch heute weisen die Zeichen nicht auf revolutionäre Veränderung, sprich: massenhafte Einführung dezentraler Arbeitsformen. Zu sehr stehen für die Anwender Kostengesichtspunkte im Vordergrund. Und in den Gewerkschaften finden die Unternehmen einen Partner, der seinerseits bremst. Eines ist jedoch klar, das zeigte das CW-Gespräch zum Thema Telearbeit: Mit der abnehmenden Attraktivität der Ballungsräume, etwa wegen zu hoher Büromieten und den steigenden Verkehrsproblemen, müssen sich Unternehmen und Strukturpolitiker alternative Arbeitsformen überlegen. Denn auf lange Sicht wird nur der Arbeitgeber überleben, der auch attraktive Arbeitsplätze anzubieten hat. In diesem Zusammenhang könnte die Entscheidung für Telearbeit eine wichtige Rolle spielen.

Teilnehmer der CW-Diskussion

Gilbert Anderer ist Organisationsberater im Geschäftsbereich Umweltberatung, Schwerpunkt Management, der Integrata AG, Tübingen. Mit Telearbeit beschäftigt er sich seit seiner Zeit als Vorstandsreferent bei Professor Heilmann, als beide ein unternehmensspezifisches Konzept hierzu entwarfen.

Herwig Braun ist leitender Berater in der Stabsstelle Personal der IBM Deutschland GmbH, Stuttgart.

Ulrich Fischer arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der DAG-Beratungsstelle für Technologiefolgen und -Qualifizierung in Oldenburg. Fischer promovierte zum Thema "Teleheimarbeit und Schutz der Arbeitskraft - Zur kritischen Einschätzung einer flexiblen Beschäftigungsform".

Adolf Jändl arbeitet als Ministerialrat im bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten. Jändl ist Diplomlandwirt und war zuvor DV-Leiter im gleichen Ministerium.

Professor Rolf Kreibich leitet das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung sowie das Institut für Zukunftsforschung in Gelsenkirchen, die sich beide unter anderem mit der empirischen Aufarbeitung des Problems Telearbeit beschäftigen.

Ralf Reichwald ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der TU München und befaßt sich etwa seit 15 Jahren mit dem Thema Anwendung neuer Telekommunikationsformen.

Herbert Schambeck leitet die Direktion Technik der Telemundis GmbH in München. Sein Unternehmen beschäftigt sich mit der konkreten Umsetzung von Telematik-Projekten.

CW: Wie bewerten Sie den Stand der Diskussion zur Telearbeit vor dem Hintergrund der optimistischen Prognosen, die noch vor einigen Jahren zu diesem Thema getroffen wurden?

Kreibich: Ausgangspunkt war die Diskussion Ende der 70er Jahre über die massenhafte Einführung von Teleheimarbeit, die damals in Amerika stattfand. Wir haben in einer Studie, die wir in der Zeit von 1986 bis 1989 zu diesem Thema durchführten, festgestellt, daß das, was ursprünglich mit Teleheimarbeit bezeichnet wurde, eine Randerscheinung darstellt. Wir prognostizierten, daß in den Mischformen - also alternierenden Arbeitsorten im Unternehmen, in Filialen oder im privaten Heim - die großen Chancen liegen.

In völlig überzogenen amerikanischen Prognosen war vorausgesagt worden, daß möglicherweise 20 bis 40 Prozent der Arbeitsplätze als Teleheim-Arbeitsplätze realisiert würden. Realistischer war schon die Prognose des MIT wonach zumindest prinzipiell 70 Prozent aller Tätigkeiten in verschiedenen Telearbeitsformen, worunter die Teleheimarbeit nur eine besondere Variante darstellt, durchführbar sind.

CW: Wenn 70 Prozent der Arbeitsabläufe theoretisch via Telekommunikation zu erledigen sind, warum ist bisher so wenig passiert?

Reichwald: Wir haben heute drei Faktoren in den Unternehmen, die prinzipiell der Dezentralisierung entgegenstehen. Das ist erstens die hohe Arbeitsteiligkeit, und zwar in allen Bereichen, sowohl in der Verwaltungs- als auch in der Produktionswelt. Das zweite ist die starke technologische Vernetzung in der Leistungskette. Und drittens haben wir eine intensive Kommunikationsvernetzung in unserer Arbeitswelt, die stark auf persönliche Kommunikation ausgerichtet ist.

Das ist ein Grund, warum die ersten Prognosen über die Verlagerung von Sekretariatsarbeit in die Wohnungen völlig neben der Wirklichkeit lagen, denn gerade Sekretärinnen kommunizieren mit ihren Chefs intensiv.

CW: Für welche Tätigkeitsbereiche eignet sich Telearbeit, und welche organisatorischen Probleme tauchen auf?

Anderer: Wir haben im Laufe der 80er Jahre einen gewissen Wandel festgestellt. Gedacht hat man, als das Ganze initiiert wurde, vor allem an die Programmierer, Man strebte die dezentrale Softwareproduktion an, um Mitarbeiter zu gewinnen, aber auch um flexibel zu sein, um Projekte auch dort durchführen zu können, wo man keine Geschäftsstelle hatte.

Wir haben festgestellt, daß gegen Ende der 80er Jahre der Programmieranteil rückläufig wurde. Der Schwerpunkt der Teleaktivitäten hat sich in Richtung Beratungstätigkeit, Schulung und Vertrieb verlagert. Allgemein muß man feststellen, daß Telearbeit weniger für Einsteiger, sondern eher für Profis geeignet ist.

CW: Lohnt sich Telearbeit also nur für Hochqualifizierte?

Jändl: Wir wollen zum Beispiel mit unserem Projekt zeigen, daß erstens Landwirte in der Lage sind, sich DV-Kenntnisse anzueignen. Und zweitens wollen wir den Unternehmern beweisen, daß im ländlichen Raum ein großes Potential brachliegt. Wir wollen aber keine Konkurrenz zu Taiwan oder China werden; mit Billig-Arbeitsplätzen können wir nichts anfangen.

CW: Worauf kommt es bei Telearbeit aus Sicht der Arbeitnehmervertreter an?

Fischer: Telearbeit hat viele Gesichter. Wenn man bei den Organisationsformen beginnt - hier sind vor allem Teleheimarbeit, alternierende Telearbeit und Satellitenbüros zu unterscheiden - ist natürlich die extreme Variante der Auslagerung von Arbeit in Teleheimarbeit am bedenklichsten. Im günstigsten Fall funktioniert Teleheimarbeit auf der Basis des Arbeitnehmerstatus.

Ein ganz großes Problem ist die Abkoppelung vom Betrieb in bezug auf die Kommunikation. Die Tendenz zur sozialen Isolation ist gegeben. Der intensive Kontakt mit Familienangehörigen vermag zwar möglicherweise diese Isolation abzuschwächen, aber es können auch zusätzliche Belastungen auftreten, durch Vermischung von Arbeit, Hausfrauen- und Mutterrolle beispielsweise.

Also es besteht eine Vielzahl von Risiken, selbst unter günstigen Bedingungen. Noch problematischer wird es, wenn nicht der Arbeitnehmerstatus gewählt wird, sondern wenn die zu Hause Beschäftigten auf der Basis von Werkverträgen engagiert sind. Damit entfällt der gesamte kollektive Arbeitsschutz. Für die soziale Sicherung müssen die Beschäftigten selbst aufkommen.

Häufig mangelt es, zumindest bei geringer Qualifizierten, aufgrund des zu niedrigen Haushaltseinkommens auch an den Räumlichkeiten. Dann stehen Computer in Schlafzimmern, und die ergonomischen Bedingungen sind miserabel.

CW: Wie sehe also die Anforderungen an Telearbeitsplätze aus?

Fischer: Die Anforderungen sind vielfältiger Natur. Ein wichtiger Punkt besteht darin, daß der Arbeitnehmerstatus erhalten bleiben muß, damit der Arbeitsschutz auch gilt, Arbeitszeitregelungen, Mutterschutz, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen etc., auch für Teleheimarbeiterinnen und Teleheimarbeiter Gültigkeit haben.

Darüber hinaus muß man darauf achten, daß Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen werden, damit die zu Hause Beschäftigten ins Betriebsgeschehen so weit wie möglich integriert werden.

Wichtig ist auch, daß hinsichtlich Entgelt, Arbeitszeit und der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsumgebung, Bedingungen existieren, die denen in den Betrieben ähneln oder mit ihnen identisch sind.

Man sollte aus Sicht der Arbeitnehmer in der Betriebsvereinbarung auch ein Rückkehrrecht in den Betrieb festlegen. Falls sich nämlich nach einiger Zeit der Euphorie zeigt, daß es doch wenig Sinn macht, zu Hause zu arbeiten, sollte die Möglichkeit bestehen, wieder an den betrieblichen Arbeitsplatz zu wechseln.

Ein weiterer Punkt ist die Frage der Haftung im Falle der Beschädigung etwa des Computers, für die der Arbeitgeber aufkommen sollte. Weiterhin fallen Aufwendungen für Heizung und Strom sowie Übertragungskosten an. Wer kommt dafür auf? Das sind Fragen, die im Detail geklärt werden müssen, die man in einer Betriebsvereinbarung regeln sollte.

Generell vertrete ich die Auffassung: Teleheimarbeit sollte die Ausnahme von der Regel sein. Sozial wünschenswerter erscheinen mir die mittleren Dezentralisierungsformen.

Kreibich: Wichtig ist auch, daß man die ganze Sache sehr frühzeitig mit den Beteiligten regelt. Es hat überhaupt keinen Sinn, Modelle überzustülpen.

Braun: Wir haben alle von Herrn Fischer genannten Punkte in der IBM-Betriebsvereinbarung berücksichtigt. Eine weitere Voraussetzung für das Funktionieren von Telearbeit ist aber auch eine effiziente Unternehmenskommunikation, sowohl auf der technischen Seite als auch von der Kommunikationskultur her. Wir haben seit Mitte der 80er Jahre elektronische Post weltweit eingeführt. Über dieses System erhalten die Telearbeiter auch alle internen Informationen, angefangen bei der Datenbankabfrage über Literatur bis zur Schulung. Ein zweiter sehr wichtiger Punkt ist eine ergebnisorientierte Führung. Daß heißt, die Führungskraft vereinbart mit dem Mitarbeiter klare und meßbare Ziele, die dieser erreichen sollte.

CW: Wie beurteilen Sie Telearbeit unter Infrastruktur-Gesichtspunkten?

Jändl: Es kann doch nicht so weitergehen wie bisher, daß Pendler in Ballungsräumen täglich Fahrtzeiten von einer bis zu eineinhalb Stunden auf sich nehmen, die zum Teil auf Kosten des Arbeitnehmers gehen. Solange sich aber der Arbeitgeber nicht an den externen Kosten der Pendler beteiligt, wird sich kaum etwas ändern.

Wir haben in München 800 000 Arbeitsplätze. 400 000 der Betroffenen wohnen außerhalb der Stadt.

Daß das strukturpolitisch so nicht funktioniert, ist für mich klar. Die externen Kosten werden auf den Staat abgewälzt oder auf den Arbeitnehmer, und so wird munter die Verdichtung noch verstärkt.

Jeder, der vom Land in die Stadt zieht, kostet Geld. Kein Verdichtungsraum ist in der Lage, die Selbstkosten zu decken. Der Verkehrsverbund in München kostet den Staat 300 Millionen jährlich.

Und jeder, der vom Lande in den Verdichtungsraum wegzieht, erzeugt dort zusätzliche Kosten, die wesentlich höher liegen als die allgemeinen Kosten der Infrastruktur im ländlichen Raum.

CW: Wie sieht es mit der Ausstattung von Telearbeitsplätzen aus? Wer sorgt dafür, daß zumindest das technische Equipment in Ordnung ist?

Fischer: Nach unseren Erfahrungen weisen eine Vielzahl von Bildschirm-Arbeitsplätzen in den Unternehmen Mängel auf. Wenn schon diese Probleme in den Betrieben existieren, was meinen Sie, wie dann erst die Teleheim-Arbeitsplätze aussehen werden.

Braun: Wir zahlen selbstverständlich die Einrichtung, die ein Mitarbeiter für seine Arbeit benötigt. Nicht nur die technische Ausrüstung, sondern auch Schreibtisch, Bürostuhl etc. Wir tragen auch alle Leitungsgebühren und - wenn es die Aufgabe erfordert - übernehmen wir die Kosten für ein zweites Telefon oder Telefaxgerät.

Die Haftung ist auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt. Das gilt für den Mitarbeiter, das gilt aber auch für seine Familie und für Besucher. Der Mitarbeiter kann mit einer Ankündigungsfrist von drei Monaten zum Quartalsende ohne Angabe von Gründen seinen außerbetrieblichen Arbeitsplatz aufgeben, und er hat die Gewißheit, daß er in den Betrieb zurückkehren kann.

CW: Wie überzeugen Sie die Unternehmen von der Notwendigkeit der Einführung von Telearbeit?

Schambeck: Es ist schwer, die Unternehmen von der reinen Kostenseite zu gewinnen.

Schon die DV-Branche hat versucht vorzurechnen, daß ein Dokument mit Textverarbeitung billiger herzustellen ist als mit einer Schreibmaschine. Man muß die Unternehmer mit anderen Argumenten überzeugen. Da sind nach meiner Meinung die Pilotprojekte sehr hilfreich. Seit IBM hier vorgeprescht ist, fällt es wesentlich leichter, Aufklärungsarbeit zu leisten.

CW: Welche Argumente überzeugen die Betriebe?

Schambeck: Wir haben Unternehmen nur dann überzeugen können, wenn Betriebsrat und Arbeitnehmer auf unsere Initiative hin beim Arbeitgeber auf die Einführung von Telearbeit drängten. Ein Unternehmen, das einen attraktiveren Arbeitsplatz anbietet, kann zum gleichen Gehalt einen Höherqualifizierten bekommen. Man hat eingesehen, daß man hochqualifizierten Mitarbeitern einen attraktiven Arbeitsplatz anbieten muß.

CW: Wo liegen also die Probleme bei der Einführung?

Anderer: Ich stelle fest, daß oft die Führungskultur und die Führungsstrukturen nicht stimmen. Die Unternehmer schieben die Gewerkschaften vor und sagen: Wir würden ganz gerne, aber wir dürfen nicht. Das stimmt so nicht.

Mit den Gewerkschaften läßt sich einiges gestalten, und es ist auch nicht so, daß die Unternehmer nicht wüßten, worum es geht. Sie verstehen sehr schnell, daß sie ein anderes Führungsverhalten an den Tag legen müßten. Und dazu sind sehr viele nicht bereit.

Wir können Mitarbeiter nicht über die Anwesenheit kontrollieren. Wenn ein Referent im Seminar im Einsatz ist, dann haben wir über das Ausfüllen der Beurteilungen die Kontrolle, ob das Seminar gut war.

Fischer: Auch amerikanische Untersuchungen bestätigen, daß die Einführung von Telearbeit sehr viel mit dem Führungsstil im Unternehmen zusammenhängt. Gerade das mittlere Management befürchtet, an Macht und Einfluß zu verlieren.

Kreibich: Wir müssen die Dinge sehr sensibel angehen. Zum Beispiel darf nicht passieren, daß Stamm- und Randbelegschaften entstehen. Keinesfalls dürfen Telebeschäftigte in Rezessionszeiten schlechter gestellt werden als die Normalbeschäftigten. Da ist es wichtig, daß sich die Gewerkschaften einschalten. Die Gewerkschaften waren ganz schlecht beraten, sich aus diesem Prozeß am Anfang herauszuhalten. Wichtig ist, daß sie mitzugestalten helfen.

Auf jeden Fall müssen auch politischen Rahmenbedingungen für Telearbeit verbessert werden. Daß Pendler heute noch ihre Fahrtkosten steuerlich absetzen können, finde ich wahnwitzig. Oder daß wir immer noch nicht in der Lage sind, die Mineralölsteuer zu erhöhen.

CW: Und wie steht es mit der Telekommunikations-Infrastruktur?

Jändl: Ich kann nicht verstehen, daß die Telekom nach wie vor in die zentralen Verdichtungsräume investiert. Auch die entfernungsabhängige Gebührenpolitik ist gegen den ländlichen Raum gerichtet.

Reichwald: Die Breitbandvernetzung, die sich für die Entwicklung des ländlichen Raumes sehr positiv auswirken würde, findet zunächst in Ballungszentren statt, weil die Telekom gehalten ist, ihre Investitionskosten über Gebühren kurz- oder mittelfristig zu automatisieren. Und die Telekom argumentiert hier eindeutig einzelwirtschaftlich, das heißt als Privatunternehmen.

Hier müßte strukturpolitisch gedacht werden, die Rechnung sollte also auch die Vorteile berücksichtigen, die die Gemeinde und die Betroffenen insgesamt von einem Ausbau breitbandiger Infrastrukturen haben. Es gibt genügend ökonomische Argumente, die solche strukturpolitischen Entscheidungen begründen.

Jändl: Ich möchte zum Schluß noch auf einen Gesichtspunkt hinweisen: Wir haben das Problem im ländlichen Raum, daß viele Leute qualifizierungsbereit sind, aber keine Möglichkeiten dazu haben, weil Qualifizierung nur in der Kreisstadt oder in zentralen Orten stattfindet.

Wir bräuchten Möglichkeiten des Selbstlernens zu Hause. Die Bildungsträger sind da viel zu träge in der Entwicklung.

Da gibt es beispielsweise Landwirte, die jeden Tag eineinhalb Stunden von Tirschenreuth nach Bamberg und Bayreuth fahren. Das ist auf Dauer nicht vertretbar. Warum ist es nicht möglich, zumindest 70 oder 80 Prozent des Wissens über CAD-Anwendungen daheim über computergestützte Lernprogramme zu vermitteln?

Telearbeit in der Praxis

Bayerisches Landwirtschaftsministerium

"Wir haben zur Zeit 21 Landwirte in der Ausbildung für CAD-CAM-Programmierung bei der Handwerkskammer in Bayreuth. Die ersten sechs haben bereits die theoretische Ausbildung beendet. Diese wird derzeit durch praktische Erfahrungen ergänzt, damit die Bauern dann selbständig Aufgaben im Bereich der Konstruktion übernehmen können.

Bei einer Bäuerin im Kreis Ansbach haben wir deshalb ein Pilotsystem installiert. Sie hat früher als technische Zeichnerin mit Auto-CAD gearbeitet und benutzt jetzt ein 3D-CAD-System mit Freiformsoftware. Im ersten Anlauf wollen wir feststellen, welche Probleme zu lösen sind, die mit dem dezentralen Aufstellen von solchen Anlagen zusammenhängen.

Mit diesem Schulungsprogramm wollen wir verhindern, daß Landwirte ihre Höfe verlassen. Mit Hilfe der IuK-Techniken sollen im ländlichen Raum die bäuerlichen Familien auf dem Hof qualifizierte neue Einkommensquellen erhalten."

IBM-Modell

"Bei uns arbeiten zur Zeit etwa 200 Mitarbeiter in außerbetrieblichen Arbeitsstätten, wie die Telearbeitsplätze bei IBM genannt werden. Bis Ende nächsten Jahres rechnen wir mit etwa 500 solchen Stellen.

Ausgangspunkt für die Schaffund solcher außerbetrieblichen Arbeitsstätten war der Wunsch, auf die gewandelten Bedürfnisse unserer Mitarbeiter - etwa höhere Zeitsouveränität oder bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf - einzugehen. Die Einrichtung erfolgt jeweils auf Antrag des Mitarbeiters. Voraussetzung ist eine auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten geeignete Arbeit oder soziale Gründe sowie die Zustimmung der Führungskraft.

In der Regel wird ein solcher Arbeitsplatz mit einem vernetzten PC ausgerüstet, über den der Mitarbeiter auf alle für seine Arbeit nötigen Daten zugreifen kann. Die Arbeitszeit teilen die Betroffenen nach einem vorher vereinbarten Stundenplan zwischen Betrieb und Wohnung auf.

Es ist also weiterhin auch im Betrieb ein Arbeitsplatz vorhanden. Um soziale und fachliche Isolation zu vermeiden, sollten die Mitarbeiter mindestens einmal in der Woche im Betrieb sein.

Am arbeits- oder sozialrechtlichen Status dieser Beschäftigten ändert sich überhaupt nichts. Darüber hinaus gelten auch alle innerbetrieblichen Regelungen direkt oder sinngemäß, etwa was den Anspruch auf Weiterbildung anbelangt.

Diese Arbeitsform erfreut sich bei den Mitarbeitern großer Beliebtheit, allerdings ist die Anzahl der außerbetrieblichen Arbeitsstätten durch die hohen zusätzlichen Ausgaben begrenzt. Ganz besonders fallen dabei die hohen Leitungskosten ins Gewicht."

Telemundis-Pilotprojekte

"Zwei der Pilotprojekte, die wir zur Zeit betreuen, finden in den Gemeinden Retzstadt und Geldersheim statt. Von 1500 Einwohnern pendeln 500 in die benachbarten Großstädte zu ihrem Arbeitsplatz. Nach unseren Berechnungen entstehen diesen Pendlern Kosten in Höhe von drei Millionen Mark. Ziel des Projektes ist, diesen kaufkraftstarken Anteil der Bevölkerung wieder in die Gemeinde einzubinden. Es muß ja nicht gleich Heimarbeit, sondern kann auch wohnortnahe Tätigkeit sein.

Wir wollen denkmalgeschützte, leerstehende Gebäude entsprechend umbauen, in denen sich mehrere Unternehmen die Räumlichkeiten teilen."

Integrata-Modell

"Integrata praktiziert seit Einführung der Telearbeit Anfang der 80er Jahre das Modell der alternierenden Telearbeit. Die Mitarbeiter können ihren Arbeitsort flexibel und aufgabenbezogen selbst wählen. Es existieren nur wenige Formvorschriften: Der Vorgesetzte muß einverstanden sein, und es dürfen weder sensible Unternehmens- noch Kundendaten mit nach Hause genommen werden. Telearbeit können außerdem nur festangestellte Mitarbeiter des Unternehmens in Anspruch nehmen. Telearbeit funktioniert auch deshalb so gut, weil wir die Leistungen der Mitarbeiter nicht über Anwesenheit im Betrieb kontrollieren, sondern anhand der erreichten Ergebnisse.

Ein Problem ist sicher die eingeschränkte Kommunikation mit den Kollegen und Vorgesetzten. Deshalb gibt es bei Integrata den Besprechungstag (in der Regel am Freitag), an dem die Mitarbeiter nach Möglichkeit im Unternehmen anwesend sein sollten. Der persönliche Kontakt zum Mitarbeiter ist wichtig und muß gepflegt werden.

Die Geschäftsleitung hat mittlerweile den Entwurf einer Betriebsvereinbarung vorgelegt, der zur Zeit vom Betriebsrat diskutiert wird."