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01.06.1984 - 

Israel auf dem Weg zum ernst zu nehmenden Software-Exporteur:

Hohe Militäransprüche schlagen auf Zivil-SW durch

01.06.1984

JERUSALEM - "Sand und Geist gehören zu den wenigen Ressourcen, die Israel im Überfluß besitzt. . . " - dieses Zitat eines israelischen Informatikers kennzeichnet treffend die Ausgangssituation, aus der heraus die Bewohner dieses nahöstlichen Landes versuchen, ein ernst zu nehmender Partner der internationalen DV-Gemeinschaft zu werden. Auf Grund der begrenzten Aufnahmefähigkeit des eigenen Marktes auf den Export angewiesen, kämpfen die Israeli momentan im Softwarebereich mit Personalknappheit, mangelndem Marketing-Know-how und steigenden Preisen. daß sich eine nähere Beschäftigung mit der israelischen Softwareszene, die zu den Hauptarbeitsgebieten der DV-Industrie zählt, dennoch lohnt, zeigt eine Leistungsschau, die parallel zur JCIT in Jerusalem durchgeführt wurde.

Der israelische Softwarebereich ist, wie so vieles in diesem Land, von den vorherrschenden politischen Bedingungen und der schlechten Wirtschaftslage geprägt. Die ständig geforderte Verteidigungsbereitschaft ließ darüber hinaus dem Militär bei der Entwicklung einer einheimischen DV-Industrie eine herausragende Rolle zukommen. So hatten etwa 60 Prozent der Gesamtmitarbeiter in der Datenverarbeitung ihren ersten Kontakt mit der Datenverarbeitung beim Militär, wo sie eine sechs Jahre dauernde DV-Ausbildung erhielten. Die militärischen Erfordernisse bedingen nach Aussage Professor Allan Reiters von der Haifa University gerade bei der Softwareentwicklung ein hohes Maß an Qualität und Zuverlässigkeit.

Zusätzlich fordert aber auch die wirtschaftliche Situation Israels ihren Tribut an die Flexibilität der Entwicklungsingenieure. So erfolgte zum Beispiel die Umwandlung der Währung von Lira in Schekel innerhalb von nur sieben Monaten, in denen auch die gesamte kommerzielle Software des Landes entsprechend geändert werden mußte.

Vor diesem Hintergrund, ohne den die aktuelle Situation nicht verstanden werden kann, entwickelte sich die Softwareindustrie dieses Landes dennoch zu einem aufstrebenden Wirtschaftszweig.

Derzeit existieren über 100 Softwarehäuser mit rund 2000 Spezialisten. Insider beobachten momentan eine Phase der Konsolidierung, die auf zwei Gründe zurückgeführt wird: Zum einen wurden die Möglichkeiten erkannt, die in einem gemeinsamen Vorgehen bei Exportfragen liegen, zum anderen haben Investoren die Szene so verändert, daß nahezu jede Programm-Manufaktur mit mehr als 20 Mitarbeitern teilweise oder ganz von Investment- oder Industriegruppen beherrscht wird.

SW-Branche im Kommen

Der Gesamtumsatz, der in dieser Branche 1983 erwirtschaftet wurde beläuft sich dabei nach offiziellen Statistiken auf knapp 80 Millionen Dollar. Nach israelischen Angaben steht die Blüte dieser Branche noch im Anfangsstadium. Erst innerhalb der letzten zwei Jahre wurden der Großteil der genannten 2000 Spezialisten rekrutiert, die Umsätze verdoppelten sich zwischen 1981 und 1 983.

Der einheimische Markt nahm hiervon 90 Prozent auf. Er ist gekennzeichnet von einer fortschreitenden Computerisierung, die nach Aussage Professor Reiters jetzt in eine zweite Phase tritt. Büroautomation, Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme sowie CAD/CAM und lokale Netzwerke zählen zu den Bereichen, die in Israel momentan das größte Wachstum zu verzeichnen haben. Darüber hinaus ist natürlich wieder der Verteidigungssektor einer der Großbereiche, der Anstrengungen im Bereich der Echtzeitverarbeitung, der Avionik-Software und Command-and-Control-Systeme erfordert.

Um in der vorzufindenden hochkompetitiven Situation bestehen zu können, sind viele Häuser dazu übergegangen, ihre ursprünglich maßgeschneiderten kommerziellen Programme zu standardisieren, so daß der Markt im Anwendungsbereich nahezu vollständig von einheimischer Software abgedeckt wird.

Darüber hinaus aber haben sich die israelischen Ingenieure auf systemnahe Software spezialisiert - nicht zuletzt, um der drohenden begrenzten Aufnahmekapazität des eigenen Marktes durch Produkte mit hohen Exportchancen zu entgehen. Datenbankmanager für IBM-/370-Systeme, Transaktionsprozessoren für die IBM Serie /1 zählen ebenso dazu wie verschiedene Applikationsgeneratoren für Mini- und Mikrorechner.

Japan-Hardware ungeliebt

Hardwarebedingt dominiert im Großrechnerbereich Software für IBM-Systeme. Der amerikanische Computerriese verzeichnet in dem Nahost-Staat immerhin einen Marktanteil zwischen 70 und 90 Prozent. Aber auch im Mikrobereich verlassen sich die Israeli auf amerikanische Systeme. Japanische Hardware ist so gut wie nicht zu finden, eigene Entwicklungen wurden bislang nur von dem israelischen Unternehmen Elbit Computers vorgenommen.

Eine Zahl belegt, wie stark US-orientiert die nahöstlichen Softwarehäuser auf die Marktnachfrage reagieren. Rund 200 US-Softwaremanufakturen sind im Land durch israelische Unternehmen repräsentiert.

Diese Fixierung auf das überseeische, große Partnerpotential bleibt nicht ohne Wirkung auf den einheimischen Markt und die daraus resultierende Nachfrage.

So beherrschen im Mikrobereich die Betriebssysteme CP/M- und MS-DOS-Derivate die Szene. Unix hat auch in dieser geographischen Region den Durchbruch noch nicht geschafft. Im Mikrosektor hoffen die Israeli insbesondere bei wissenschaftlich orientierter Software auf gute Chancen für einen erfolgreichen Export, ebenso wie bei Generatoren und Systemsoftware für Mainframes.

Der bisherige Erfolg im internationalen Bereich ist indes aus den Statistiken nicht eindeutig bestimmbar. Realistisch erscheint ein Wert von drei Millionen Dollar Export-Umsatz der über die Software erwirtschaftet wurde, exklusive sämtlicher Hardware und Serviceleistungen.

Offenheit dämpft Export-Euphorie

Unterstützt werden diese Aktivitäten durch das Israel Export Institute aus Tel Aviv, das seit gut einem Jahr besteht und die Promotion der israelischen Häuser im Ausland übernommen hat. Diese Organisation wird teils vom Staat finanziert, teils durch die Manufacturer's Association und durch Exportabgaben finanziell getragen. Die Hauptaufgaben liegen in der Organisation von Messen und Konferenzen, aber auch in der Veranstaltung nationaler Seminare, um drängende Exportfragen zu klären. Wie notwendig diese Einrichtung ist, wurde auf der Jerusalem Economic Conference deutlich, die parallel zur JCIT im benachbarten Hilton Hotel abgehalten wurde. Mit selten erlebter Offenheit gaben israelische Topmanager der Softwarebranche Flops im internationalen Bereich zu.

Die größte Schwierigkeit für die Exporteure scheint bislang darin zu liegen, rein geographisch zu weit von den Anwendern entfernt zu sein

und die exakten Bedürfnisse der angegangenen Zielmärkte nicht genau analysieren zu können.

Home-Market als Filter

Darüber hinaus wurde vielfach nicht berücksichtigt, daß der einheimische Markt als Filter zu fungieren habe - und nur in ihm akzeptierte Produkte eine internationale Chance besitzen. Hier Hilfestellung zu geben, ist eine der Aufgaben der genannten halbstaatlichen Organisation aus Tel Aviv. Das Export Institute hat aus diesem Grunde einen Software Buyers Guide publiziert, der die Daten der wichtigsten Exportprodukte nach Programmname, Hardware- und Betriebssystem, Preis, Beschreibung und Hersteller enthält. Dieser Katalog kann bei der untengenannten Adresse kostenlos angefordert werden.

International tätig ist darüber hinaus die Israeli Association of Software Houses, die ebenfalls in Tel Aviv ihren Sitz hat.

In dieser Organisation sind knapp 70 der führenden Softwarehäuser dieses Landes vereint.

Beide Organisationen beschickten die Hannover-Messe - mit gutem Erfolg, wie es heißt.

Qualität rückt vor Billigpreis

Dennoch kämpft auch diese Branche mit hierzulande bekannten Problemen. Zum einen zählen dazu die drastisch steigenden Kosten für Softwareprodukte. Nicht nur, daß die Spezialisten zu der bestbezahlten Gruppe der Arbeitnehmer gehören, auch die gallopierende Inflation trägt ein ihres zur Verschärfung der Situation bei. Durch Preisvorteile allein können die Israeli auch nach eigener Einschätzung nicht auf dem Weltmarkt bestehen.

Hinzu kommen das drückende Problem des Mangels an Spezialisten - einige Häuser sind dazu übergegangen, Studenten bereits während der Studienzeit anzuwerben.

Wettbewerbsfähig also bleiben die Manufakturen nur durch Hi-tech-Software - hier allerdings besteht der Wille, im Softwarebereich ein ernst zu nehmender Partner zu werden.

Kontaktadressen in Israel: Israel Export Institute, Computer Software Center, Ind. Prod. Div., P. O. Box 5 00 84, Tel Aviv 61500, Israel; Israeli Association of Software Houses, Industry House, 29 Hamered St. Tel Aviv 68 125, Israel.