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Landesverwaltung nutzt Upgrade-Option aus Altvertrag


14.11.2003 - 

Hohe Rabatte locken NRW auf Office 2003

MÜNCHEN (wh) - Im Kampf gegen die wachsende Verbreitung von Open-Source-Software in der öffentlichen Verwaltung meldet Microsoft einen Installationserfolg. Die Landesverwaltung Nordrhein-Westfalens (NRW) migriert rund 110000 PC-Arbeitsplätze auf das Büropaket Office 2003. Allerdings verdient die Gates-Company nur wenig an diesem Auftrag.

Seit dem 1. November ist NRW dabei, sämtliche Büroarbeitsplätze in der Landesverwaltung auf die jüngste Version der Office-Suite umzustellen. "Wir freuen uns außerordentlich, dass sich Nordrhein-Westfalen als größtes deutsches Bundesland zum Vorreiter eines modernen E-Governments macht", frohlockte Wolfgang Branoner, Director Public Sector bei Microsoft Deutschland.

Doch allzu viel Geld bringt der Auftrag nicht in die Kassen der Gates-Company. Die Behörden nutzen für den Umstieg eine Upgrade-Option aus einem Vertrag, den sie bereits im Mai 2000 mit Microsoft schlossen. Sie sieht vor, dass die Landesverwaltung für den überwiegenden Teil der PCs kostenfreie Ausführungen einer beliebigen neuen Office-Version des Herstellers erhält. Für die übrigen Desktop-Rechner gewährt Microsoft hohe Rabatte, berichtet der zuständige Referatsleiter im Düsseldorfer Innenministerium, Klaus Rastetter: "Unterm Strich ergab sich ein außerordentlich günstiger Preis pro Arbeitsplatz."

Dem Vertrag aus dem Jahr 2000 war eine europaweite Ausschreibung vorausgegangen. Mehrere Anbieter gaben seinerzeit auch Angebote mit Open-Source-Softwarepaketen ab. Das stärkste Konkurrenzprodukt zu Office 2000 sei Star Office gewesen, so Rastetter. Die Entscheidung fiel knapp zugunsten von Microsoft aus. Faktisch habe das Land die damalige Vergabeentscheidung jetzt nur verlängert. Dabei drängte die Zeit: Nur noch bis 31. Mai 2004 hätte NRW die günstige Upgrade-Option wahrnehmen können. Innenminister Fritz Behrens stellt den Sachverhalt so dar: "In Zeiten knapper Kassen können wir durch diese vorausschauende Vertragsgestaltung unseren Standard noch verbessern."

Nach Angaben von Rastetter spielten neben finanziellen Erwägungen auch technische Gründe eine Rolle, darunter die durchgängige Verwendung von XML als einheitliches Datenaustauschformat. Als Betriebssystem nutzt NRW auf den Clients weiterhin Windows 2000. Im Server-Bereich arbeiten die rund 8500 Behörden des Bundeslands neben Windows auch mit Linux, diversen Unix-Derivaten und Novell Netware.

Gute Kontakte zu Bill Gates

Die guten geschäftlichen Verbindungen zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und Microsoft haben Tradition. Im Februar 1999 sorgte der Deutschland-Besuch von Bill Gates für Schlagzeilen. Er hatte mit Ministerpräsident Wolfgang Clement vereinbart, das Land beim Aufbau eines E-Commerce-Beratungszentrums in Dortmund massiv zu unterstützen. Vielen Beobachtern war es ein Dorn im Auge, wie sehr Gates von Wirtschaftslenkern, aber auch von der Politik hofiert wurde.

Der E-Commerce-Deal stieß vor allem dem der Open-Source-Gemeinde nahe stehenden Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur (FFII, www.ffii.org) sauer auf. Sie witterten Kungelei, gar ein "Clementgate". In einem Brief an Clement sprach der FFII von einer Nacht- und Nebelaktion, zu der die informatorische Fachwelt nicht habe Stellung beziehen können: "Statt eine quelloffene Infrastruktur zu errichten, überantworten Sie Ihr Land den Händen einer Monopolfirma, deren rücksichtsloser Machtwille derzeit Gegenstand von gerichtlichen Untersuchungen ist", lautete die harsche Kritik.

Linux-Erfolge in Behörden

Dennoch konnten die Linux-Protagonisten seither etliche Erfolge mit Auftraggebern der öffentlichen Hand verbuchen. Zu den prominentesten Beispielen gehört der Wechsel der Bundestagsverwaltung auf Linux-Server, später auch die großen Desktop-Migrationen der Städte Schwäbisch Hall und München. Die Entscheidung der bayerischen Landeshauptstadt vom Mai dieses Jahres konnte auch eine persönliche Intervention von CEO Steve Ballmer nicht mehr verhindern.

Bereits im Juni 2002 hatte IBM mit dem Bundesinnenministerium einen Rahmenvertrag geschlossen, der Bund, Ländern und Kommunen günstige Konditionen bei der Beschaffung von Open-Source-Systemen sichert. Microsoft konterte im April 2003 mit einem vergleichbaren Abkommen.

Angesichts des weiter zunehmenden Interesses an Linux verstärkte die deutsche Microsoft-Tochter ihre Lobbying-Bemühungen nochmals. Im Juli 2003 holte Geschäftsführer Jürgen Gallmann den ehemaligen Politiker Wolfgang Branoner an Bord. Er betreut Kunden aus der öffentlichen Verwaltung direkt. Erst im Oktober kündigte Microsoft Deutschland eine Ausweitung des Engagements im Bildungsbereich an.