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28.10.1988 - 

Zwar wachsen die Gehalts-Bäume nicht in den Himmel, doch:

Hollands DV-Profis verdienen gut

In den Niederlanden brauchen DV-Profis nicht zu darben. Ihre Gehälter liegen in der Einkommenstabelle an der Spitze. Arbeitsmarktuntersuchungen bestätigen dies seit mehreren Jahren. Allerdings zeigt das Bild der DV-Branche im Oranje-Staat neben viel Licht auch Schatten auf.

In Holland wird viel Geld in Automatisierungstechnik, hier besonders in DV-Anlagen investiert. Etwa 13,5 Milliarden holländische Gulden (rund 12,2 Milliarden Mark) werden im laufenden Jahr für Computertechnik ausgegeben ( 100 hfl entsprechen knapp 90 Mark). Auf die Gesamtbevölkerung (etwa 14,5 Millionen) umgerechnet, entspricht das einem Investitionsvolumen von rund 850 000 Mark pro Einwohner. Beschäftigt sind in der holländischen DV-Branche über 90 000 Menschen, wobei diese Zahl in den vergangenen zwei Jahren um rund 18 Prozent (76 000) gestiegen ist. Diese, vom niederländischen statistischen Zentralamt (Nederlands Centraal Bureau voor de Statistiek, CBS) jährlich ermittelten Daten lassen sich mit denen anderer westeuropäischer Länder vergleichen. Die Gehälter der DV-Profis steigen mit der zunehmenden Verbreitung der Datenverarbeitung in Industrie und Verwaltung. Im vergangenen Jahr wurde ein durchschnittlicher Zuwachs von etwa drei Prozent auf jährlich rund 63 500 hfl (etwa 57 200 Mark) verzeichnet.

Dies muß allerdings vor dem Hintergrund der etwa gleich hohen Lebenshaltungskosten wie in der Bundesrepublik gesehen werden. Außerdem werden holländischen Arbeitnehmern im Schnitt rund 40 Prozent vom Gehalt für Steuern und Sozialabgaben abgezogen.

Der Gehaltszuwachs in der DV-Branche lag 1987 mit drei Prozent um einen Prozentpunkt unter der Steigungsrate vergangener Jahre. Trotzdem lag das Einkommen immer noch deutlich über dem Durchschnittsverdienst anderer akademischer Berufsgruppen oder vergleichbar ausgebildeter Beschäftigter, die einen durchschnittlichen Einkommenszuwachs von gerade einem Prozent verzeichnen konnten.

In der Regel kann ein Berufsanfänger mit einer jährlichen Entlohnung von etwa 46 300 hfl rechnen. In mittleren Funktionen werden rund 61 100 und für anspruchsvolle Tätigkeiten durchschnittlich 90 500 Gulden gezahlt. 1987 stieg der Anteil unter den DV-Profis mit einem jährlichen Salär von über 100 000 hfl um etwa fünf Prozent. Spitzenreiter unter den Verdienern sind auch in Holland die Beschäftigten im Bereich der Computerdienstleistungen, wo jährlich etwa 70 000 Gulden verdient werden können. Bei Banken und Versicherungen gibt es im Schnitt 59 700 hfl., bei Verwaltungstätigkeiten etwa 58 700 hfl und im Bereich Industrie und Handel zirka 62 400 hfl.

Wer eine berufliche Karriere in einer Behörde will, sollte auch in Holland nicht unbedingt das Gehalt und die Nebenleistungen des Arbeitgebers in seinen Forderungen obenan stellen. Denn ein Angestellter im öffentlichen Dienst oder ein Beamter muß sich gegenüber seinen Berufskollegen aus Industrie und Handel in gleicher Funktion mit deutlich weniger Geld zufrieden geben: 30 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Vor allem Tätigkeiten in Bereichen wie DV-Beratung, Controlling, Datenschutz, Datenbankverwaltung, Systemprogrammierung werden bei Privatunternehmen spürbar besser bezahlt.

Daneben kommen Mitarbeiter aus der Privatwirtschaft auch mit den Nebenleistungen zum Gehalt besser weg als ihre Kollegen in den Amtsstuben. In der freien Wirtschaft werden in der Regel Leistungen wie Gewinnausschüttungen, Tantiemen, Gratifikationen erbracht. Selbst das 13. Monatsgehalt, in holländischen Unternehmen mittlerweile ebenso üblich wie in bundesdeutschen, wird in den halbstaatlichen niederländischen Wirtschaftsbetrieben fast nie gezahlt.

Spitzengehälter werden nur in den Top-Etagen der Unternehmen gezahlt. Wer über 200 000 Gulden im Jahr auf seinem Konto verbuchen will, muß die Hierarchie-Leiter schon gewaltig hoch klettern. So variiert das Jahressalär für den Leiter einer DV-Abteilung zwischen 90 000 hfl und 300 000 hfl. Ein Verdienst von über 150 000 Gulden setzt beispielsweise die Position eines Geschäftsführers in einem Großunternehmen voraus. Im Schnitt werden zwischen 120 000 und 150 000 Gulden verdient.

Zu den sehr gut Verdienenden gehören DV-Profis im Vertriebsbereich. Ein Sales-Manager kann mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt (ohne Urlaubsgeld, 13. Gehalt, Tantiemen und ähnlichem) von 100 000 bis 120 000 Gulden rechnen. Deutlich weniger wert sind den Unternehmen andere Tätigkeiten. Die Differenz zwischen den verschiedenen Funktionen ist dann nicht mehr groß. Ein paar Beispiele:

- EDV-Berater erhalten pro Jahr etwa 78 000 Gulden

- Projektleiter etwa 72 000

- Operatoren rund 36 000

- Netzwerkverwalter im Schnitt 50 000 und

- Systemplaner zwischen 65 000 und 85 000 hfl.

Aus der Erfahrung der zurückliegenden Jahre haben die Ausbildungsverantwortlichen in den Niederlanden gelernt. Sie orientieren sich bei der Erarbeitung des Lehrstoffes immer mehr an den künftigen Berufsanforderungen. Heute sind eine Reihe von DV-Spezialisten nach ihrer Ausbildung in der Lage, ohne weiteres verantwortliche Positionen zu übernehmen. In der Vergangenheit mußten sie nach ihrer Hochschul- oder Fachausbildung weitere, auf die berufliche Praxis zugeschnittene Schulungsmaßnahmen durchlaufen. Außerdem fanden sie nur selten eine Tätigkeit, die ihrem Ausbildungsstandard entsprach. Als Berufsanfänger mußten sie mit weniger qualifizierten Arbeiten vorlieb nehmen.

Hollands DV-Profis weisen zwei verschiedene Laufbahnen auf: Die Generation der Mittvierziger hat sich im Durchschnitt nach Realschule über Weiterbildungskurse und Fortbildungsmaßnahmen in die heutige Position hochgearbeitet. Die Generation bis zum Alter von 30 Jahren etwa bringt höhere Berufsausbildung oder Hochschulexamen (Informatik, Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik oder ähnliches) mit und ist nach der Ausbildung in eine adäquate Position übernommen worden.

Gleichwohl muß auch diese Generation weiterlernen. Staat und Industrie versuchen auch in den Niederlanden zukunftsorientierte Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. Ziel dabei ist es, einen möglichst nahtlosen Übergang zwischen Ausbildung und Praxis zu erreichen.

Dies hoffte man mit einer Informatik-Universität erreichen zu können. Die Initiative, von Hochschulen, Unternehmen und staatlichen Stellen ins Leben gerufen, sollte vor allem den Praktikern die Möglichkeit bieten, innerhalb eines Jahres zum DV-Profi ausgebildet zu werden. Die Lehrpläne sollten sich ganz an den betrieblichen Erfordernissen anlehnen. Doch wie so manche andere Aktivität auch, scheiterte diese Initiative an der mühsamen Zusammenarbeit mit den Behörden. Fazit: Anfang 1988 wurde das Projekt eingestellt.

Hoffnung für die Arbeitnehmer besteht trotzdem: die Universitäten versuchen jetzt im Alleingang, jedoch in kleinerem Umfang, ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen.

Die Aktualität der regulären staatlichen Ausbildung ist ein großes Problem. Dies tritt in besonderem Maße bei Berufen im Bereich der Datenverarbeitung und Automatisierungstechniken in der Produktion auf. Es hat sich herausgestellt, daß gerade die staatlichen Ausbildungsträger nicht selten deutlich über fünf Jahre hinter den technologischen Entwicklungen herhinken. Die jetzigen Ausbildungsinhalte waren somit vor drei oder vier Jahren bereits veraltet.

Aus- und Weiterbildung sind aber unentbehrlich. Ebenso wie in der Bundesrepublik oder anderen Staaten auch, können sich die Niederlande keine Lücke zwischen Ausbildungsniveau und beruflicher Praxis leisten. Beispielsweise hat sich das Berufsbild des Programmierers durch Fortentwicklung der Programmiersprache in Richtung Systemplaner verändert. Ähnlich ist die Situation auch bei den anderen DV-Berufen.