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04.12.2014 - 

Neue Arbeitswelt

Home Office kann nicht die alleinige Lösung sein

Holger  Felgner
Büroarbeit - das war in vielen Unternehmen bis vor wenigen Jahren in der Regel die klassische Nine-to-Five-Präsenz am Schreibtisch. Ein Modell, das sich über viele Jahrzehnte hinweg kaum verändert hatte. Doch nun gerät dieses einst starre Modell immer mehr ins Wanken.

Dazu beigetragen haben nicht zuletzt neue Technologien, die es Mitarbeitern ermöglichen, praktisch von überall aus zu arbeiten und von jedem Ort aus wichtige Informationen zuzugreifen. Heute beantworten wir wie selbstverständlich geschäftliche E-Mails auf dem Smartphone, während wir am Flughafen oder Bahnhof warten. Die Kalkulation für den Neukunden wird abends im Hotel auf dem Notebook erstellt. Und alle wichtigen Informationen und Dokumente aus der Firma stehen bei Bedarf per Remote-Zugang auch im Home Office zur Verfügung.

Arbeit wird zum Zustand

Ein Arbeiten, das nicht nur neue Möglichkeiten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen bietet. Es handelt sich vielmehr um eine kleine Revolution, durch die die Arbeit auch ihre ehemals enge Bindung an den physischen Arbeitsplatz, etwa in Form des Firmengebäudes oder des eigenen Schreibtisches, immer mehr verliert. Sie wandelt sich stattdessen hin zu einem Zustand, der ortsunabhängig eingenommen werden kann.

Und auch die Arbeitsplätze selbst verändern sich in diesem Zuge rapide. Jeder kennt die Bilder der loungeartig angelegten Arbeitslandschaften in den großen Internet-Unternehmen im kalifornischen Silicon Valley. Statt tristem Büro-Grau dominieren hier aufgelockerte Strukturen, die manchmal mehr an ein Ferienlager erinnern, als an eine Büroorganisation.

Offenes, flexibles Arbeiten mit viel Raum für Begegnung steht im Vordergrund.
Offenes, flexibles Arbeiten mit viel Raum für Begegnung steht im Vordergrund.
Foto: TeamViewer

Ein Trend, der auch hierzulande ankommt. So ist etwa die neue Zentrale von Microsoft, die derzeit in München entsteht und 2016 eröffnet werden soll, als "Büro der Zukunft" konzipiert. Ein offenes, flexibles Arbeiten mit viel Raum für Begegnung steht dabei im Vordergrund. Der Neubau ist konsequent auf neue Arbeitsmodelle ausgerichtet - dass jeder Mitarbeiter einen festen, eigenen Arbeitsbereich hat, ist hier ganz bewusst nicht mehr vorgesehen.

Home Office: Ein Baustein, aber kein Allheilmittel

Dabei stellen Home Office und Telearbeit Mittel dar, die auch bei vielen Beschäftigten gut ankommen, wie eine Studie von TeamViewer unter 1.500 zeigt. So würde etwa jeder Vierte zugunsten der Telearbeit eine Beförderung ausschlagen und immerhin 30 Prozent wären bereit, als Ausgleich einen verkürzten Urlaubsanspruch zu akzeptieren.

Auch wenn mobile Geräte und Softwarelösungen ein Arbeiten von zu Hause effizienter und einfacher machen: Home Office ist nicht die alleinige Lösung, die für jedes Unternehmen passt. Parallel ist sicher zu stellen, dass Mitarbeiter nicht vom Informationsfluss innerhalb des Unternehmens, der sich nicht selten vor allem informell vollzieht, abgekoppelt werden.

Wohlfühl-Zone für die Generation Y

All dies sind Entwicklungen, die sich sicherlich auch vor dem Hintergrund der heiß begehrten "Generation Y" abspielen. Diesen ab etwa 1980 Geborenen, die als gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte auf den Arbeitsmarkt drängen, sagen Sozialwissenschaftler eine Orientierung an speziellen Werten nach. Nicht Einkommen und unmittelbare Aufstiegsmöglichkeiten stehen im Vordergrund, sondern die Atmosphäre und individuelle Erfüllung im Job spielen für viele Vertreter dieser Altersgruppe eine deutlich größere Rolle als für Vorgängergenerationen.

Arbeitgeber, die im Wettstreit um die besten Talente punkten möchten, sind also gut beraten, sich auf diesen kulturellen Wandel der nachrückenden Generation einzulassen.

Feste Arbeitszeiten: Mittlerweile ein Relikt?

Mitarbeiter, die für ihre Arbeit nicht mehr auf ein stationäres Büro angewiesen sind: Sind dann im Umkehrschluss (feste) Arbeitszeiten überhaupt noch zeitgemäß? In dieses Bild passen auch Meldungen wie etwa die von Richard Branson ("Virgin"), der Mitarbeitern die Entscheidung überlässt, ob, wann und wie lange sie Urlaub nehmen. Freie Tage müssen weder beantragt noch genehmigt werden, sofern laufende Projekte nicht darunter leiden.

Auf stationäre Büros sind Mitarbeiter nicht mehr angewiesen.
Auf stationäre Büros sind Mitarbeiter nicht mehr angewiesen.
Foto: TeamViewer

Mag dieser spezielle Fall auch (teilweise) ein Marketing-Gag sein, so stellt sich die berechtigte Frage: Kann es in manchen Bereichen nicht sinnvoller sein, dass sich Mitarbeiter primär an den Ergebnissen ihrer Arbeit orientieren, anstatt eine bestimmte Stundenzahl mehr oder weniger motiviert "abzusitzen"?

Eine polarisierende Aussage, die allerdings auch relativiert werden muss. Häufig kommt dieser Ansatz aus besonders kreativen, jungen Branchen und aus Bereichen, in denen ein vollkommen unabhängiges Arbeiten für viele zum Maßstab geworden ist. Doch ein Modell, das für ein hippes Online-Startup perfekt funktioniert, ist nicht zwangsläufig auch auf ein klassisches Industrieunternehmen übertragbar. Ein Automobilhersteller, dessen Mitarbeiter in der Produktion ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen? Angesichts heute üblicher Schichtsysteme und durchstrukturierter Produktionsabläufe nur schwer vorstellbar. Auch Kunden, die ein Unternehmen kontaktieren, um Beratung oder Support zu erhalten, werden auch in Zukunft feste Erreichbarkeiten zu schätzen wissen - und zu Recht erwarten.

Work-Life-Balance im Fokus

In ganz anderer Hinsicht zu denken geben auch Erfahrungswerte, die zeigen, dass sowohl Eigenverantwortung der Mitarbeiter, als auch die soziale Kontrolle durch Kollegen dafür sorgen, dass Angestellte ohne starre Arbeitszeiten meist keinesfalls weniger arbeiten. Eher im Gegenteil. Häufig konnte mit der Flexibilisierung der Arbeitszeiten ein steigender Druck beobachtet werden. Im Extremfall kann dies zu einem Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit führen, wenn beispielsweise Mitarbeiter auch abends oder am Wochenende geschäftliche E-Mails auf ihrem Smartphone lesen und bearbeiten.

Um Mitarbeiter zu schützen und nicht zu überfordern, haben speziell einige Großunternehmen auf diese Problematik reagiert. So finden sich beispielsweise konkret ausformulierte E-Mail-Verbote für Wochenenden. Oder es wird gleich ein technischer Riegel vorgeschoben, indem nach Arbeitsende keine E-Mails mehr auf die mobilen Geräte der Mitarbeiter weitergeleitet werden.

Unternehmen müssen sich mit neuen und sich kontinuierlich weiterentwickelnden Formen von Arbeit und Arbeitsorganisation auseinandersetzen. Dabei ist eines ganz klar: Eine solche Herangehensweise erfordert nicht nur technische Veränderungen. Vielmehr muss dieser kulturelle Wandel auch innerhalb der eigenen Unternehmenskultur anerkannt und berücksichtigt werden. Vielen Vorgesetzten, Abteilungsleitern und Geschäftsführern fällt dies nicht immer leicht. Doch der Aufwand lohnt sich, denn bei allem Wandel gilt: Zufriedene, motivierte Mitarbeiter werden auch zukünftig eine wichtige Basis für jedes erfolgreiche Unternehmen bilden.

Tipps für Unternehmensverantwortliche

Akzeptanz statt Ablehnung: Der kulturelle Wandel, der sich in der Arbeitswelt vollzieht, lässt sich weder ignorieren noch aufhalten.

Zeigen Sie sich aufgeschlossen für Neues und prüfen Sie die Möglichkeiten, machen Sie Mitarbeitern aber auch klar, was aus welchen Gründen nicht möglich ist.

Neue Arbeitszeitmodelle und Home-Office-Tätigkeiten bergen Chancen und Risiken zugleich. Sie sind nicht für jedes Unternehmen und jede Abteilung geeignet und auch mancher Mitarbeiter muss vor sich selbst "geschützt" werden.

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