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12.04.1991 - 

3. Internationales CeBIT Forum '91

Hongkong: Drehscheibe für den Handel mit ganz Südostasien

Die noch britische Kronkolonie Hongkong war in diesem Jahr nach Indien (1989) und den USA (1990) dritter "Business"-Partner der Hannover-Messe CeBIT. Während die Zahl der Aussteller aus dem gesamten asiatisch-pazifischen Raum zwischen 1986 und 1991 von 62 auf mehr als 500 anstieg, präsentierten sich auf der diesjährigen CeBIT allein 85 Firmen, Verbände und Organisationen aus dem ab 1997 zu China gehörenden Stadtstaat.

Die Bundesrepublik Deutschland ist hinter den Vereinigten Staaten von Amerika der wichtigste Markt für PCs und Laptops aus Hongkong. So wurden 1990 insgesamt 780000 Rechner (1989: 473 000) in die Bundesrepublik geliefert. Gemessen am Wert der Lieferungen, entsprach dies nach Angaben des Frankfurter Büros des Hong

Kong Trade Development Councils (HKTDC) einem Wachstum von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Zuwächse beim Export von Computerkomponenten nach Deutschland stiegen 1990 um 14 Prozent auf 97 Millionen Dollar. Deutschland war 1989 ohnehin für alle Exporte und Dienstleistungen Hongkongs der drittgrößte Handelspartner mit einem Volumen von 3,8 Milliarden Mark - das sind rund sieben Prozent aller Exporte des Stadtstaates. Von Januar bis September 1990 erreichten die Ausfuhren nach Deutschland einen Wert von 2,6 Milliarden Mark.

Auf der diesjährigen CeBIT sind auch die Auswirkungen des Europäischen Binnenmarktes ab Ende 1992, die Marktchancen der Asiaten im Osten Europas und die Rückgabe der Kronkolonie an die Volksrepublik China (VRC) bis Mitte des Jahres 1997 zur Sprache gekommen. In Hannover präsentierte sich der Stadtstaat denn auch als Tor zum großen chinesischen Markt.

Das Territorium Hongkong gehört mit seinen weltweiten Im- und Exporten zu den zwölf fahrenden Wirtschaftsriesen der Welt. Die Gesamtexporte Hongkongs nach Europa stiegen 1990 um 41 Prozent auf 5,3 Milliarden amerikanische Dollar. Insgesamt wuchs der bilaterale Handel um 31 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar. Diese erneute, beträchtliche Zunahme zeigt, daß die Wirtschaft in Hongkong wächst und daß sie das Geschäft mit den wichtigsten Märkten der Welt - auch mit der Volksrepublik China - ausbauen will.

"Business with Hong Kong" bot dem CeBIT-Besucher dieses Jahr nicht nur qualifizierte Produkte. Denn so wichtig Qualität und Preise von Telefonen und Computern auch sind, der Einkäufer oder Verkäufer auf der Messe muß ebenso die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für das Geschäft mit dem Stadtstaat kennen.

Die Deutsche Messe- und Ausstellungs AG veranstaltete zusammen mit dem Hong Kong Trade Development Center so, wie dem Niedersächsischen Sparkassenverband vier Business-Foren am 14., 15., 18. und 19. März 1991, in denen Referenten aus Deutschland und Hongkong praktische Hinweise zum Handel und Wandel mit der Kronkolonie gaben und wirtschaftspolitische Fragen erörterten. Konkret ging es dabei beispielsweise um die wirtschaftlichen Folgen des Europäischen Binnenmarktes für den Handel mit dem Inselstaat, China und Asien sowie um die vertraglich abgesicherte Rückgabe Hongkongs an China zum 1. Juli 1997.

Weitere Themen waren Hongkongs Funktion als Tor zu China und als Drehscheibe im Handel mit ganz Südostasien. Insgesamt waren in den Foren nicht nur die Exporte der Kronkolonie ein Thema, sondern auch, wie man dort erfolgreich verkaufen und den Stadtstaat sowie das angrenzende China (Wirtschafts-Sonderzone Chenzhen) als Produktionsstandort nutzen kann. Diese Zielsetzung machte deutlich, daß sich Hongkong inzwischen nicht mehr nur als Exportland versteht, sondern ebenso als wichtiger Faktor im internationalen Handel.

Besonders als Messeplatz hat das Wirtschaftsgebiet am Südpazifik mit dem neuen Kongreß- und Messezentrum in den letzten zwei Jahren an Profil gewonnen.

Dahinter steht freilich der Gedanke, daß Hongkong in einer Zeit der Globalisierung der Märkte nur durch eigene Internationalisierung seine Stellung wird behaupten und ausbauen können. Denn der Staat will in der Tat künftig als ein Wirtschaftsplatz gelten, an dem die gesamte Welt lohnende Geschäfte macht - mit Hongkong, mit der VRC und mit allen Ländern der dortigen Region (etwa mit den Asean-Staaten) sowie mit Europa und Deutschland.

Das hob beim ersten Forum besonders Telekom- und Postminister Christian Schwarz-Schilling hervor: "Die deutsche Präsenz in Hongkong ist beachtlich und wächst ständig weiter. So stieg der bilaterale Handel 1989 gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent an. Unter den Handelspartnern der Bundesrepublik Deutschland im südostund ostasiatischen Raum liegt Hongkong an fünfter Stelle hinter Japan, China und den beiden anderen 'kleinen Tigern' Taiwan und Südkorea."

Die Investitionszahlen würden, so der Postminister weiter, deutlich belegen und aufzeigen," daß unsere Wirtschaft auf die Kraft Hongkongs setzt" und man auch in Zukunft auf eine freie Wirtschaft im Stadtstaat hoffen könne. Der britische Gouverneur von Hongkong, Sir David Wilson, hatte die Bestätigung der Schwarz-Schilling-Ausführungen schon bei seiner CeBIT-Eröffnungsrede quasi vorweggenommen: "Deutschland war schon immer einer der meistgeschätzten Handelspartner Hongkongs. Es stellt den drittgrößten Markt für unsere Exporte dar... Mit gegenwärtig etwa 110 Millionen Mark, die von deutschen Unternehmen auf unserem Territorium investiert wurden, zählen sie ebenfalls zu den bedeutenden Investoren in Hongkong."

In den drei anschließenden Foren ging es vor allem um die Basis bilateraler Geschäftsbeziehungen und um die Herausforderungen, die daraus für Deutschlands Industrie und Wirtschaft erwachsen. Die Redner, deutsche und chinesische Praktiker, sprachen in erster Linie über Grundsätzliches.

In den 90er Jahren liegt danach das Hongkonger Pro-Kopf-Einkommen im Jahr bei rund 12 500 Dollar und wächst noch stetig. Hongkong bleibt auch noch weit über das Jahr 2000 hinaus der drittgrößte Finanzplatz der Welt: 234 Firmen, 169 inländische Geldinstitute und 138 ausländische Banken haben sich dort angesiedelt. Der Inselstaat am südchinesischen Meer hat ferner jenseits seiner Grenzen in der Provinz Guandong (Hauptstadt: Kanton) 18 000 Firmen mit Auftragsarbeiten eingedeckt, die zwei Millionen Menschen Brot und Arbeit geben. In den eigenen Stadtmauern sind nochmals 800 000 Arbeitskräfte beschäftigt.

Für die Zukunft ist nicht zu vergessen, was Allen Lee, Mitglied der gesetzgebenden Nationalversammlung Hongkongs, während des Business-Forums sagte: "Unsere enge Affinität zu China wird die Basis bleiben für unser weiteres ökonomisches Wachstum in den nächsten zehn Jahren und danach." Lee zufolge erwartet Hongkongs Wirtschaft 1991 ein Wachstum von etwa 2,3 Prozent.