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10.03.1995

Host-gestuetzte Systeme haben das Nachsehen DV-Dienstleister RBG realisiert neues Warenwirtschaftssystem

Von Niels Kanne*

Die Rechenzentrale Bayerischer Genossenschaften eG (RBG) unterstuetzt ueber 700 Volks- und Raiffeisenbanken sowie deren Lagerhaeuser durch DV-Dienstleistungen, Organisationsberatung und Entwicklung. Sie betreibt sowohl Grossrechner- als auch Client- Server-Architekturen. Jetzt ist eine Umstellung der Raiffeisenlagerhaeuser in Bayern auf ein autonomes Warenwirtschaftssystem in vollem Gange.

Anfang der 90er Jahre verlangten immer mehr bayerische Volksbanken und Raiffeisenbanken ein autonomes Warenwirtschaftssystem (AWS). Aussagekraeftige Marketing- und Controlling-Instrumente sollten, anders als bei den bis dahin von der Rechenzentrale angebotenen Host-gestuetzten Systemen, direkt vor Ort jederzeit zur Verfuegung stehen. 1991 begann auch die RBG ein autonomes, modular aufgebautes Warenwirtschaftssystem zu entwickeln.

Systemunabhaengigkeit stand im Vordergrund

Einer kompletten Neuerstellung wurde gegenueber dem Ausbau einer vorhandenen teilautonomen Loesung zu einer vollstaendig autonomen der Vorzug gegeben. Um die Zukunftssicherheit des Programms zu erhoehen, wurde von Anfang an grosser Wert auf Hardware-, Betriebssystem- und Datenbankunabhaengigkeit gelegt. Da bei der Programmierung ausschliesslich auf ANSI-SQL- und ANSI-C-Befehle zurueckgegriffen wurde, war es sogar moeglich, waehrend der Entwicklungs- und Pilotphase ohne nennenswerte Zeitverzoegerung den Datenbankhersteller - Ingres auf Informix - wie auch das Betriebssystem - DOS auf Unix - zu wechseln. Bei der PC-Hardware entschied man sich fuer SCO- Unix. Bis dato laeuft das System auf rund 100 Servern. Kuerzlich wurde eine Implementierung auch auf Multiprozessor-Server vorgenommen.

Das AWS ist komplett in der Programmiersprache "C" realisiert; fuer das Oberflaechendesign nutzte man das Tool "Vermont Views" von Vermont Creative Software. Fuer die SQL-Datenbank uebernehmen die Systeme "SE" oder "Online" von Informix die Arbeit bei den Anwendern. Des weiteren wurden bei der Entwicklung die Tools "ESQL/C" und "SQL" des Datenbankanbieters genutzt. Das konsequente Festhalten an Standards in der Entwicklung ermoeglichte es, schon gut ein Jahr nach Start der Entwicklung mit dem neuen Warenwirtschaftssystem bei vier Lagerhaeusern in den Piloteinsatz zu gehen. Schon waehrend der Pilotphase wurde besonders auf den Aufbau einer schlagkraeftigen Hotline-Gruppe geachtet, um den ersten Anwendern einen reibungslosen Einsatz gewaehrleisten zu koennen. Mit Hilfe der Fernwartung koennen die meisten Probleme binnen Minuten geloest werden.

Derzeit ist in der Rechenzentrale ein Team von etwa 20 Mitarbeitern mit der Betreuung und Weiterentwicklung des AWS beschaeftigt. Weil sich der weitere Ausbau des Programms von Anfang an sehr eng an den Anforderungen und Wuenschen aus der Praxis orientierte, ist bis heute ein System entstanden, das den Raiffeisenlagerhaeusern ein Werkzeug fuer mehr "Kundenorientierung" im enger werdenden Markt an die Hand gibt. Die Lagerhausleiter schaetzen das AWS besonders wegen des effizienten Marketing- und Controlling-Systems. Kundenprofil und -analyse, Schaetzung des Umsatzpotentials, Nachbestellplanung, Kontrakt-Management, Erfolgsuebersichten und Dreijahresvergleich werden hier als besonders wichtige Leistungsmerkmale genannt.

Der weiterhin starke Konzentrationsprozess im Bereich der Raiffeisenlagerhaeuser fordert eine leistungsfaehige Verbindung zwischen den Filialen. Band- und Diskettenaustausch alleine koennen diesen Erfordernissen nicht gerecht werden. Um die notwendige Geschwindigkeit zu gewaehrleisten, kommt nur ISDN in Frage. Des weiteren sollten die im Einsatz befindlichen TCP/IP-Netze ueber ISDN vollstaendig durchgaengig bis in die Zweigstellen sein. Ein drittes Kriterium war die Moeglichkeit, ueber automatische physikalische Leitungsunterbrechungen, wenn in der Filiale nicht gearbeitet wird, die Telekommunikationskosten zu begrenzen. Fuendig wurde die RBG bei der Nuernberger Firma Bintec, die ein ISDN- Komplettpaket fuer SCO-Unix anbieten konnte, das alle Kriterien erfuellt. Der Preis von 10000 Mark fuer zwei ISDN-Karten plus Software zur Anbindung einer Filiale war fuer die Lagerhaeuser allerdings ein Kritikpunkt. Die Einsparmoeglichkeiten der ISDN- Waehlleitung gegenueber der konventionellen Standleitung lassen jedoch eine schnelle Amortisation erwarten.

In der Praxis wird die ISDN-Technik fuer zwei Zweigstellenvarianten genutzt: Wenn sich die Filiale im Bereich des Sechsminutentaktes der Telekom befindet, und es notwendig ist, staendig auf den Daten- und Lagerbestand der Hauptstelle zuzugreifen, wird im Online- Betrieb mit automatischer Leitungsabschaltung gearbeitet. Befindet sich die Filiale in groesserer Entfernung oder ist ein staendiger Zugriff auf den Hauptbestand nicht notwendig, so werden Daten nachts ueber die ISDN-Leitung uebertragen.

Aufgrund der offenen Konzeption des AWS wurde schon frueh von Warenwirtschaftsanbietern ausserhalb Bayerns der Wunsch nach einer Kooperation geaeussert. Erstes Ergebnis ist inzwischen eine Zusammenarbeit der RBG mit der Raiffeisenhauptgenossenschaft Frankfurt (RHG). Die RHG Frankfurt ist derzeit dabei, AWS auf eine HP-Workstation zu portieren, an der dann an etwa 300 Arbeitsplaetzen in ueber 80 Filialen gearbeitet werden soll.

So wird AWS in Kuerze vom kleinen Einplatzsystem auf einem 486-PC ueber mittlere Netzwerke mit rund 50 Arbeitsplaetzen bis zu Workstations mit mehreren hundert Arbeitsplaetzen im Einsatz sein. Nach der Erfuellung des Foerderauftrages fuer ihren Primaerkundenkreis (bayerische Volksbanken und Raiffeisenbanken) soll das AWS auch im nichtgenossenschaftlichen Markt verstaerkt plaziert werden. Besonders im Visier hat die RBG hier Bau-, Garten- und Verbrauchermaerkte. An der Anbindung von Kassenstrassen und Scannern wird derzeit gearbeitet.

Das Belegwandlungssystem erspart den Anwendern viel Arbeit, denn ein Beleg muss jetzt nur noch einmal eingegeben werden und kann anschliessend vom Angebot ueber die Bestellung zum Lieferschein sowie zur Rechnung umgewandelt werden. Franz Brandmayer, als Direktor im Vorstand der Raiffeisenbank Erding eG fuer Warenwirtschaft zustaendig: "Durch die stets aktuellen Listen ist endlich eine taegliche Disposition moeglich, und auf die Umsatzdaten der Kunden am Schalter kann in Sekundenschnelle zugegriffen werden."

Seit Juli ist auch die elektronische Fuhrwerkswaage in das AWS eingebunden. Als sehr wertvoll nennen viele Anwender auch die gelungene Integration von Unix und DOS beziehungsweise Windows fuer PC-Arbeitsplaetze. Bei den eingesetzen Produkten "ICE/TCP" von der James River Group, Minneapolis, und "TUN-Plus" von der franzoesichen Firma Esker, Villeurbanne, kann zwischen der Windows-Textverarbeitung und der UNIX-Warenwirtschaft per Hotkey umgeschaltet werden.