Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.11.2002 - 

Populäre TK-Anwendungen/WLAN und Bluetooth: UMTS-Killer oder Ergänzung?

Hotspots bringen UMTS in Bedrängnis

Drahtlose öffentliche Netze boomen. Nicht nur auf Messen, Flughäfen und Hotels finden sich Hotspots, mittlerweile kann auch in Restaurants und Biergärten ohne Kabel gesurft werden. Fraglich ist derzeit jedoch, ob sich Bluetooth, UMTS oder Funk-LAN langfristig als Übertragungstechnik durchsetzen wird.Von Thomas Luszynski*

Die Vorteile des derzeit sehr populären Internet-Zugangs via Funk liegen auf der Hand. Bluetooth- oder Wireless-LAN-(WLAN-)Karten müssen lediglich in den mobilen PC gesteckt werden, und schon kann der Anwender surfen oder auf das heimische Firmennetz zugreifen. Hat vor diesem Hintergrund die nächste Mobilfunktechnik Universal Mobile Telecommunications System (UMTS), die ebenfalls mobile Datendienste verspricht, überhaupt noch eine Chance?

Die in die Funktechnologie der dritten Generation gesetzten Hoffnungen wurden ebenso in die Höhe getrieben wie die Preise für die entsprechenden Lizenzen. Doch haben nicht alle der UMTS-Auktionsgewinner ausschließlich auf dieses Verfahren gesetzt, sondern die Potenziale anderer Funktechnologien erkannt. Der Anbieter Mobilcom etwa war der erste UMTS-Teilnehmer und Mobilfunk-Netzbetreiber, der auch Erfahrungen im Bereich WLAN sammelte und entsprechende Installationen auf dem Messegelände und dem Flughafen in Hannover bereitstellte.

Aus anfänglichen Fehlern gelernt

Erste Projekte mit Hotspots auf Basis der Funk-LAN-Technik 802.11b des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) scheiterten jedoch. Vor Mobilcom hatte sich bereits die Telekom-Tochter T-Mobile durch Übernahme des angeschlagenen amerikanischen Mobilfunk-Netzbetreibers Voicestream und des dazugehörenden WLAN-Hotspot-Betreibers Mobilestar im Bereich der öffentlichen Funknetze versucht. Das Vorhaben von Mobilestar, in den USA WLAN-Hotspots zu etablieren, scheiterte jedoch - unter anderem, weil nicht genügend Benutzer von dem Angebot Gebrauch machten.

Trotz dieses bitteren Misserfolgs konnten andere Hotspot-Anbieter interessante Rückschlüsse aus diesem Versuch ziehen. So waren mehrere Erfolgsfaktoren noch nicht gegeben, zudem wurden einige wichtige Randbedingungen nicht eingerechnet.

So muss ein Hotspot, so banal das heute klingen mag, erst einmal bekannt gemacht werden, bevor er viele Benutzer finden kann. Um die Masse an mobilen Datennutzern wie Notebook-, PDA (Personal Digital Assistant)- und Handy-Besitzern zu erreichen, sollten etwa Informationstafeln und andere Werbemittel eingesetzt werden.

Wichtiger ist jedoch, dass die für den Nutzer notwendigen Module verfügbar und erschwinglich sind. Heute sind die Preise für WLAN-Karten bereits gesunken, allerdings durch die schwache Konkurrenz zwischen den Chipsatzherstellern nur in geringerem Maße als für die Bluetooth-Module. So haben die ersten Bluetooth-Karten bereits die Grenze von 50 Euro unterschritten und damit bessere Chancen, den Massenmarkt zu durchdringen. Doch auch die Investitionen der Hotspot-Betreiber müssen sich in einem überschaubaren Rahmen halten. Da die Preise für Bluetooth-Access-Points stärker fallen als bei WLAN-Zugangspunkten, hat Bluetooth gute Chancen, sich als komplementäre Funktechnik bei Hotspots zu etablieren.

Entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg eines Hotspots ist die Art und Weise, wie die Benutzung abgerechnet wird. Erst mit Roaming-Verträgen und der Bindung der Hotspot-Benutzung an die Handy-Rechnung wird ein Hotspot für potenzielle Betreiber interessant und seine Kosten für den Nutzer transparent. Außerdem sollte sich der drahtlose Internet-Zugang über einen Hotspot ebenso einfach gestalten, wie die Benutzung eines Handys, dem Anwender dürfen keine besonderen technischen Vorkenntnisse abverlangt werden.

Das Beispiel Mobilestar hat den Mobilfunkanbietern Anschauungsmaterial für die Auseinandersetzung mit der Hotspot-Thematik geliefert. Zwar sind heute noch nicht alle Faktoren und Rahmenbedingungen so, dass der Erfolg von Hotspots garantiert ist. Der richtige Weg ist jedoch eingeschlagen. Davon gehen auch die Analysten von Frost & Sullivan aus, die in einer Studie zum europäischen Markt für drahtlosen Netzzugang an Flughäfen, Bahnhöfen und Hotels für die kommenden Jahre einen Hotspot-Boom prophezeien: Europaweit soll es im Jahr 2006 mehr als 37 000 drahtlose Zugangspunkte mit WLAN oder Bluetooth-Anbindung geben. "Der Anteil der Bluetooth-Hotspots", so die Marktforscher, "wird im Jahr 2006 bei zirka 35 Prozent liegen, wobei wohl 20 bis 50 Prozent mit beiden Funktechnologien ausgestattet sein werden."

Die Prognose könnte sich bewahrheiten, schaut man sich die Aktivitäten und Pläne einiger europäischer Mobilfunk-Netzbetreiber an. So baut Swisscom in der Schweiz aktuell 100 Hotspots auf Basis von WLAN auf. Die Deutsche Telekom beginnt hierzulande verstärkt mit der Vernetzung zentraler Plätze, und die British Telecom (BT) will ihr Funk-LAN-Angebot bis 2005 an bis zu 4000 Orten im Königreich implementiert haben. Das Besondere dort ist, dass derzeit sowohl Bluetooth als auch WLAN unterstützt werden.

Endgeräte unterstützen Bluetooth und WLAN

Begünstigt wird diese Entwicklung neben den niedrigeren Kosten für Bluetooth-Geräte und -Module auch durch Endgeräte, die beide Technologien bereits fest integriert haben. Das ist beispielsweise bei den Highend-Notebooks von Sony, Toshiba und Fujitsu-Siemens Computers der Fall. Doch auch bei den PDAs steigt die Zahl der Modelle, die Bluetooth werksseitig eingebaut haben: Der "Pocket Loox" von Fujitsu-Siemens ist hier zu nennen, außerdem Hewlett-Packards "Ipaq H3870" und "H3970" oder "e740 BT" von Toshiba.

In den handlichen PDAs wird Bluetooth vor allem wegen der kompakten Komponenten und einem geringen Stromverbrauch der Module eine immer wichtigere Rolle spielen. So hat sich das Verfahren allmählich von einem Kabelersatz zu einer komplementären Technologie für WLANs entwickelt. Aber werden Bluetooth und Funk-LAN der dritten Mobilfunkgeneration damit das Wasser abgraben? Steht UMTS überhaupt als Funktechnologie für Hotspots zur Debatte? Darüber soll eine Gegenüberstellung der drahtlosen Technologien Aufschluss geben.

UMTS wurde als Nachfolger für die Mobilfunkstandards Global System for Mobile Communications (GSM) und General Packet Radio Services (GPRS) entwickelt und soll im ersten Schritt hauptsächlich in Ballungszentren eingesetzt werden. Das ergibt sich schon aus den deutschen UMTS-Auktionsbedingungen, aber auch aus der Technologie selbst: Aufgrund des von dem neuen Mobilfunkstandard verwendeten Frequenzbandes müssen größere Sendeleistungen von den Basisstationen erbracht werden, um die gleiche Reichweite zu erzielen wie bei den aktuellen verwendeten Verfahren. Bereits vorhandene Sendemasten müssen daher für UMTS umgerüstet werden.

Unterschiedliche Transferraten

Eine komplette Umstellung ist jedoch allein aus Kostengründen kurz- und mittelfristig nicht zu leisten. UMTS wird daher vorerst im urbanen Bereich eingesetzt werden, GSM/GPRS bleiben die Übertragungsstandards in ländlichen Gebieten. Während 3G Übertragungsdistanzen von bis zu 1000 Metern erzielt, liegen die Reichweiten von WLAN und Bluetooth nur bei bis zu 100 Metern.

Der wichtigste Unterschied zwischen Funk-LAN und Bluetooth besteht in der Übertragungsrate: Während WLAN heute mit der Spezifikation 802.11b eine Bandbreite von 11 Mbit/s und mit 802.11a einen Durchsatz von 54 Mbit/s erzielt, liegt dieser Wert für Bluetooth bei 1 Mbit/s. In diesem Zusammenhang sollte auch berücksichtigt werden, dass Bluetooth diese Transferrate im Gegensatz zu WLAN von vornherein sowohl für Daten als auch für Sprache zur Verfügung stellt.

UMTS-Handys senden mit bis zu zwei Watt - einer doppelt so hohen Leistung wie bei GSM/GPRS. Glücklicherweise sieht UMTS jedoch eine Anpassung der Sendeleistung in Relation zur Entfernung von der Basisstation vor: Je näher das UMTS-Handy an der Basisstation ist, desto geringer ist die abgestrahlte Leistung des Telefons, während die Basisstation immer mit der konstant gleichen Leistung sendet. Anders sieht es bei WLAN und Bluetooth aus: Beide Verfahren senden mit einer Leistung von höchstens 100 Milliwatt. Dabei hat Bluetooth den Vorteil, drei unterschiedliche Sendeleistungsklassen zu unterstützen und zudem nicht permanent zu senden, sondern als Energiesparmaßnahme erst auf Anforderung.

Während UMTS genauso wie Bluetooth für die Sprach- und Datenübertragung entwickelt wurde, kommt bei Wireless LAN Voice over IP (VoIP) für die Sprachübertragung zum Einsatz. Das wiederum erfordert das Implementieren von Mechanismen zur Bereitstellung von Dienstequalitäten (Quality of Service = QoS), wodurch sich die Kosten für die Technologie sowohl am Access Point als auch bei den Endgeräten erhöhen. Alles in allem ergänzen sich Bluetooth und Wireless LAN also beim Einsatz an Hotspots. Während Wireless LAN hauptsächlich in Notebooks Verwendung findet, wird Bluetooth aufgrund des geringeren Stromverbrauchs zusätzlich in PDAs, Handys oder Gameboys eingesetzt. Aber auch die anhaltende Diskussion über die Gesundheitsrisiken durch GSM/GPRS-Basisstationen rücken Bluetooth und WLAN als Ergänzung zu dem neuen 3G-Standard zunehmend ins Blickfeld der Mobilfunkbetreiber. UMTS ist an Hotspots aufgrund der höheren Einwahlgebühren, basierend auf den vergleichsweise hohen Kosten für die Infrastruktur gegenüber den beiden anderen Funktechniken, für den Verbraucher nachteilig.

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Mobilfunkanbieter immer mehr Wireless-LAN-Hotspots aufbauen und wahrscheinlich über kurz oder lang die kleineren Hotspot-Provider übernehmen oder Roaming-Verträge mit ihnen vereinbaren werden. Neben Funk-LANs wird Bluetooth durch seine immer größer werdende Verbreitung in Handys, PDAs und Notebooks vermehrt in Hotspots Einzug halten. UMTS dürfte eine City-Internet-Anbindung werden, die jedoch in Hotspots durch Wireless LAN und Bluetooth ergänzt werden wird. Langfristig wird daraus jedoch eine einzige Technik entstehen, die dem Benutzer ein einfaches Handling zu vertretbaren Kosten mit ausreichender Bandbreite bietet. (ave)

*Thomas Luszynski ist Senior Network Consultant bei Red-M in Neu-Isenburg.

Angeklickt

Hotspots, die Anwendern den drahtlosen Zugang zum Internet ermöglichen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Als Übertragungsverfahren zwischen Rechner oder PDA und dem jeweiligen Access Point kommen dabei entweder Bluetooth oder WLAN zum Einsatz. Experten streiten, ob die drahtlosen öffentlichen Netze eine ernsthafte Bedrohung für die nächste Mobilfunkgeneration UMTS darstellen oder diese lediglich ergänzen.

Bluetooth, Wireless LAN und UMTS im Überblick

/ Bluetooth / WLAN / UMTS

Endgerätepreis oder Zusatzkosten bei Direkteinbau (PCMCIA, CF, SD, Handy) / $ 49 - $ 250 / $ 80 - $ 300 / $ 500 - $ 1500

Chips / $ 2 - $ 40 / $ 30 - $ 60 / > $ 200

Kosten für Infrastruktur (Access Point, Basisstation) / $ 200 - $ 3000 / $ 200 - $ 2000 / $ 300000 - $ 7000000

Daten-Durchsatz / 1 Mbit/s / 1 bis 11 Mbit/s / 14,4 Kbit/s bis 2 Mbit/s

Sendeleistung / 1 - 2,5 - 100mW / 100mW / 1 - 2W (Handy) 8 - 50W (Basisstation)

Reichweite / bis 100m / bis 100m / bis 1000m

Quelle: Red-M