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23.03.2001 - 

Neuer Deutschland-Chef gibt sich zurückhaltend

HP erwartet weniger Wachstum in Europa

MÜNCHEN (CW) - Auch Hewlett-Packard (HP) Deutschland stellt sich auf schwächere Geschäfte ein. Mit einem Umsatz von 9,6 Milliarden Mark konnte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2000 zwar noch eine Wachstumsrate von 20 Prozent und damit fünf Prozent mehr als die US-Konzernmutter erzielen. Der Gewinn lag allerdings mit 456 Millionen Mark nur geringfügig höher als im Vorjahr.

Der neue Geschäftsführer der Hewlett-Packard Deutschland (HP) GmbH, Heribert Schmitz, bezeichnete die Geschäftsentwicklung insgesamt als positiv. Trotz der Kosten, die die Abspaltung des Messtechnik-Unternehmens Agilent mit sich gebracht hat, habe Hewlett-Packard seine Marktposition weiter ausbauen können, erklärte Schmitz auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart. So liege HP im PC-Markt auf dem dritten Platz der "Verkaufshitliste". Gleichzeitig habe man die führende Position im Bereich Tintenstrahl- und Laserdrucker mit einem Marktanteil von über 50 Prozent erweitern können. Auch die Marktstellung bei Workstations, Servern und Speicherprodukten wurde verbessert, so Schmitz.

Stimmung in den USA gedämpftDer neue Deutschland-Chef gab jedoch zu, dass das erste Quartal für die US-Mutter kein guter Start ins neue Geschäftsjahr gewesen sei. Aufgrund der konjunkturellen Abschwächung in den USA und Asien sowie der generellen Flaute in New Economy und Telekommunikation rechne der Konzern in seinem Heimatland nur noch mit einem einstelligen Umsatzwachstum. Für den hiesigen Markt wollte der neue Frontmann in Stuttgart keine konkrete Umsatzprognose abgeben. Er gehe allerdings von höheren Wachstumsraten aus, da die wirtschaftliche Situation in Europa grundsätzlich erfreulicher sei.

Alles konzentriert sich auf EuropaGleichzeitig räumte Schmitz jedoch ein, dass sich das Unternehmen von den Folgen der Wirtschaftsentwicklung in den USA "auch in Deutschland nicht freimachen" könne. Die gegenwärtige Fokussierung der IT-Branche auf die europäischen Märkte sorge für einen größeren Wettbewerbsdruck, der zu einem Rückgang der Gewinnmargen führen werde. "Wir gehen auch bei HP von einem deutlich gebremsten Wachstum aus", so Schmitz. Zudem habe sein Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr von Einmaleffekten - etwa dem Verkauf des CAD-Software-Herstellers Cocreate - profitieren können, die im laufenden Geschäftsjahr wegfielen.

Nach den Worten des neuen General Managers besteht auch noch Handlungsbedarf bei der im letzten Jahr eingeleiteten Umstrukturierung des Konzerns, die unter anderem die Dreiteilung der IT-Services-Strategie in Internet-fähige Produkte (Appliances), Infrastrukturlösungen sowie E-Services vorsieht. Bislang gestalte sich die geplante Konzentration auf das Internet-Geschäft "schwieriger als erwartet", erklärte Schmitz. Er sehe es daher als seine Aufgabe an, die Neuausrichtung stärker als bisher zu fokussieren.

Insgesamt konnte das Unternehmen, das seinen Umsatz in Deutschland vor allem mit dem hart umkämpften Geschäft mit PCs/Workstations und Druckerzubehör erwirtschaftet, den Anteil der Einnahmen mit E-Services im vergangenen Geschäftsjahr eigenen Angaben zufolge auf 20 Prozent nahezu verdoppeln. Wachstumsraten wiesen dabei vor allem die Bereiche Consulting/Outsourcing, Support und das Projektgeschäft auf - also Dienstleistungen, bei denen es sich nur zum Teil um Web-basierte Ansätze handelt. Nach Ansicht von Schmitz sind diese Geschäftsfelder jedoch kaum noch voneinander zu trennen.

Alles in allem ist der neue HP-Verantwortliche überzeugt davon, dass er das von seinem Vorgänger Rainer Geissel gesteckte Ziel, den E-Commerce-Anteil am Gesamtumsatz bis zum Jahr 2003 auf 50 Prozent zu steigern, erreichen wird. "Bereits heute ist bei einigen unserer großen Kunden absehbar, dass in Zukunft die gesamte IT-Infrastruktur auf Internet-Technologien aufbauen wird", so Schmitz. Das klassische IT-Umfeld werde auf kurz oder lang hinter den Internet-Ansätzen verschwinden.

Kunden sind jetzt das Maß aller DingeAuch mehr Nähe zum Kunden hat sich der neue Deutschland-Chef auf die Fahnen geschrieben. Zu diesem Zweck soll unter anderem das Direktgeschäft neu ausgerichtet und weiterentwickelt werden. Die frühere Produktorientierung, bei der die einzelnen Manager für die Fertigung und den Vertrieb ihrer jeweiligen Produktlinie verantwortlich waren, habe sich zwar intern als sehr effektiv erwiesen. Allerdings habe diese Strategie "nicht immer die Erwartungshaltung der Kunden getroffen", die sich einen Ansprechpartner für alle Produkte und Dienstleistungen wünschten.

Die neue, weltweit beschlossene Aufteilung in eigenständig agierende Vertriebseinheiten für Geschäftskunden (Großkunden, Mittelstand und Handelspartner) sowie Privatkunden werde dieses Problem beseitigen. Mit einer Kombination aus Account- und Produktorientierung will Schmitz auf die kundennahen Bereiche mehr Verantwortung übertragen. Ziel sei die "Total Costumer Experience" - ein hoher Grad an Kundenzufriedenheit, von dem auch die Gehälter der Manager abhängen sollen.

InterviewSeit vier Wochen ist der neue Vorsitzende der Geschäftsführung von Hewlett-Packard Deutschland, Heribert Schmitz, im Amt. Mit dem 57-jährigen Manager, der zuvor für das europäische Servicegeschäft bei HP verantwortlich war, sprach CW-Redakteurin Sabine Prehl.

CW: Ihr Vorgänger, Rainer Geissel, ist bereits nach neun Monaten von seinem Posten als HP-Deutschland-Chef zurückgetreten. Warum ist er gegangen?

Schmitz: Die Motive sind natürlich zunächst einmal sehr subjektiv, die Herrn Geissel zu diesem Schritt bewogen haben. Aber einer der Gründe ist sicher der, dass die Konzernmutter zurzeit davon ausgeht, dass der General Manager neben seiner Funktion als Firmenchef noch eine zweite Aufgabe wahrnimmt. So war Herr Geissel auch für die Vertriebsleitung der Geschäftskundenorganisation verantwortlich. Diese Aufgabe, die er nach wie vor ausübt, erfordert aber extrem viel Engagement und taktisches Management und ist damit ein Fulltime-Job. Man muss permanent hautnah an den Aufträgen dran sein.

CW: Welche Funktion nehmen Sie neben Ihrer Rolle als Vorsitzender der Geschäftsführung wahr?

Schmitz: Ich bin zusätzlich für die Leitung des Bereichs Services bei HP verantwortlich.

CW: Und warum, glauben Sie, lassen sich diese beiden Tätigkeiten besser miteinander vereinbaren?

Schmitz: Ich glaube, dass ich die Verknüpfung meiner beiden Jobs besser verkraften kann, weil ich über eine größere Infrastruktur verfüge. Herr Geissel leitet rund 600 Vertriebsleute - ich dagegen habe knapp 2000 Mitarbeiter im Services-Umfeld unter mir. Das Tagesgeschäft wird im Prinzip über meine Manager abgehandelt. Dadurch kann ich mich stärker um strategische Themen kümmern.

CW: Hat der Führungswechsel nicht auch damit zu tun, dass man sich von Ihnen mehr Engagement verspricht - speziell was die Emanzipation von der Konzernmutter betrifft?

Schmitz: Unabhängig können Sie in einem weltweiten Konzern nie agieren.

CW: Aber Geissels Vorgänger, Jörg Menno Harms, hatte da weniger Probleme - vor allem wegen seines ihm von vielen Branchenkennern nachgesagten Charismas und seiner hervorragenden Beziehungen...

Schmitz: Herr Harms musste sich auch an die Vorgaben aus den USA halten. Aber er hatte damals nur die Funktion des vorsitzenden Geschäftsführers inne - darauf konnte er sich voll und ganz konzentrieren. Das machte es ihm natürlich leichter, seine Ziele durchzusetzen.

CW: Wie schätzen Sie persönlich Ihre Möglichkeiten ein, bei HP Deutschland etwas zu bewegen?

Schmitz: Ich bin bekannt für meine eigenwillige Denkweise, die ich bisher in all meinen Jobs anwenden konnte. Und ich denke mal, dass meine jetzigen Chefs auch wussten, wen sie sich da geholt haben. Zudem arbeite ich schon seit vielen Jahren in dem Spannungsfeld weltweit - Europa - Deutschland und habe gelernt, mich anzupassen. Man muss einfach akzeptieren, dass man nicht auf einer Insel lebt, sondern die Vorgaben der Konzernmutter umsetzen muss. Mein Ziel ist es, möglichst erfolgreich zu sein. Und wenn man Erfolg hat, bekommt man auch die entsprechenden Freiräume.

Abb: Geschäftsvolumen nach Produktbereichen

Noch generiert HP Deutschland den größten Anteil des Umsatzes am Geschäftsvolumen in den Geschäftsbereichen Computersysteme sowie Drucker und Bildbearbeitung. Vor allem den IT-Services-Bereich will der neue Geschäftsführer jedoch ausbauen. Quelle: Hewlett-Packard