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24.05.1991 - 

Prescribe auch von Programmieranfängern beherrschbar

HP-GL/2 und Postscript sind Standards für Kenntnisreiche

MÜNCHEN (CW) - Eine Abwägung von Vor- und Nachteilen der Beurteilung von Seitenbeschreibungs- und Steuersprachen macht Sinn: Postscript bietet fast alle Möglichkeiten, aber nur für Programmierer - wie die Plotter- und neuerdings auch Druckerspreche HP-GL/2; das in der Leistung dürftigere Prescribe verlangt dafür keine Expertenkenntnisse.

Die Steuersprache HP-GL wurde 1976 von Hewlett-Packard - ausschließlich für Plotter, zuerst gar nur für den HP 9872 - eingeführt. Der größte Vorteil der Software war zwar, so darf man annehmen, bei der Entwicklung intendiert, konnte aber nicht mit Sicherheit vorausgesehen werden: die Durchsetzung als Standard-Plottersprache. Heute besitzen die meisten PC-basierten CAD-Systeme Druckertreiber für Stiftplotter oder kompatible Geräte, die zumindest einen Teil der HP-GL-Befehle verstehen.

Der Nachfolger HP-GL/2 - mit zusätzlichen Befehlen versehen und um erfahrungsgemäß wenig genutzte, weil kaum softwareseitig unterstützte Kommandos abgesteckt - wird nun außer von Plottern auch von einigen Druckern unterstützt. Hewlett-Packard setzt voll auf die Neuentwicklung und rüstet alle Plotter mit HP-GL/2 aus: alle elektrostatischen und Stiftplotter sowie den neuen Laserdrucker Laserjet III und (optional) den farbfähigen Tintenstrahl-Drucker Paintjet XL.

Anwender werden vor allem begrüßen, daß Grafikdateien durch eine Reduzierung der Menge übertragener Vektoren vier- bis fünfmal schneller zum Plotter beziehungsweise Drucker übertragen werden als mit HP-GL- Ein wesentlicher Leistungsengpaß entfällt auf diese Weise. Als weitere Features der überarbeiteten Steuersprache nennt HP die Wahlmöglichkeit der Stiftbreite und -farbe der Linien- und Füllmuster sowie der Papiergröße.

Für Entwickler und Anwender von CAD-Systemen bietet HP-GL/2 eine Vereinfachung gegenüber HP-GL: Es wird nur noch ein einheitlicher Treiber für alle Ausgabegeräte, der "Hyper-Driver", benötigt. Laut HP liegt inzwischen von allen wichtigen CAD-Software-Anbietern die Zusage vor, einen solchen zur Verfügung zu stellen. Im Idealfall, also dann, wenn der Treiber keine Fehler aufweist, ist für den CAD-Anwender der Wechsel der Plot- oder Druckperipherie ohne zusätzlichen Programmieraufwand möglich.

Die Architektur von HP-GL/2 besteht aus fünf Teilen: einem Kernel mit dem kompletten Satz von 55 Befehlen und vier Erweiterungen. Mindestens zwei dieser Erweiterungen, die "Technical-" und die "Palette Extensions" werden von allen kompatiblen Ausgabegeräten unterstützt. Die Befehle nutzen die Hardware-Eigenschaften von Plottern weitgehend aus, ermöglichen unter anderem das Längsachsen-Plotten, die Definition von Stiftfarbe, -breite sowie -muster und bieten einen erweiterten Zeichensatz. Nur für Stiftplotter gedacht ist die "Digitizer Extension", während die ,Dual Context Extension" die Fähigkeit des Ausgabegerätes erfordert, Vektor- und Pixeldaten in einer Zeichnung zu vereinen. Unter den Plottern bieten nur die Elektrostaten diese Funktionalität, ansonsten der Laserjet III und der farbfähige Tintenstrahl-Drucker Paintjet XL.

Das Ziel von Postscript: Hardware-Unabhängigkeit

Die Seitenbeschreibungs-Sprache Postscript von Adobe Systems Inc. wurde entwickelt, um Texte und Grafiken Hardware-unabhängig auf verschiedenen Ausgabe-Einheiten wiederzugeben. Die Akzeptanz der Sprache stieg mit der Verbreitung von erschwinglichen Laserdruckern beziehungsweise Hardware-Interpretern. Postscript-Laserdrucker enthalten einen Festwertspeicher (EPROM) und einen eigenen Prozessor, der den Postscript-Code interpretiert. Es gibt auch Postscript. Emulatoren, die die Rechenleistung des Computers zur Interpretation des Postscript-Codes nutzen und diesen für Drucker umrechnen (Goscript, Freedom of Press).

Eine Postscript-Datei enthält lesbaren ASCII-Code, der stark an die Programmiersprachen C oder Pascal erinnert. Tatsächlich stehen alle Möglichkeiten einer höheren Programmiersprache zur Verfügung, jedoch erfordert die Komplexität von Befehlssatz und Syntax einigen Lernaufwand.

In einer Postscript-Datei werden alle Elemente, also Linien, Kurven, und Schriften, in einem Koordinatensystem plaziert. Alle Koordinaten in Postscript. Dateien werden zweidimensional, also als X- und Y-Werte, angegeben, die die waagerechten und senkrechten Abstände vom Ursprung angeben.

Eines der Merkmale von Postscript ist die Fähigkeit zur Darstellung von Grafik und Text auf einer Seite. Dazu bietet es eine Reihe von Möglichkeiten der Textgestaltung: Skalierung (in Punkt-Einheiten), Drehung, Ausfüllen mit Mustern etc. Im Postscript-Interpreter des Druckers (beziehungsweise bei Postscript-Software-Emulationen als gesonderte Fonts) sind 13 Vektor-Standard-Fonts enthalten: Courier, Courier-Bold, Courier-Oblique, Helvetica-Bold, Oblique, Helvetica, Helvetica-Oblique, Times Roman, Times-Bold, Times-Italic und Italic Symbol.

Im Gegensatz zu Objekten mit geradlinigen Verbindungen, etwa Quadraten, Rechtecken, Dreiecken und Polygonen, bedürfen Kreise, Kreissegmente und Bezier-Kurven eines höheren Aufwandes und einer komplexeren Syntax. Postscript stellt dem Programmierer eine Reihe von Operatoren zu diesem Zweck zur Verfügung.

Neben den genannten grafischen Elementen kann Postscript außerdem eine Reihe von Koordinaten-Angaben für Bildpunkten, sogenannte Bitmaps, enthalten. Postscript-Bitmaps stellen schwarzweiße Raster oder bis zu 256 Graustufen dar. Anders als herkömmliche Rasterformate werden Bitmaps nicht komprimiert, weshalb Dateien mit großen Bitmaps um ein Vielfaches größer sind.

Postscript bietet dem Programmierer die Möglichkeit der Konstruktion nahezu beliebiger Schleifen, sowohl in Form von Zählschleifen als auch logischen Bedingungen, wie sie aus höheren Programmiersprachen bekannt sind. Auch ihre Verknüpfung mit dem logischen "AND" ist möglich. - Mit diesen Konstruktionsmöglichkeiten und den Mitteln der grafischen Gestaltung von Objekten und Rastern, der Skalierung, Rotation und Veränderung des Koordinatensystems, hat der Postscript-Prbgrammierer alle notwendigen Grafikwerkzeuge zur Verfügung.

Portabilität durch Code-Einkapselung

EPS (Encapsulated Postscript) wurde entwickelt, um eine Austauschbarkeit zwischen verschiedenen Programmen zu erreichen. EPSF steht für EPS-Files, was mit "eingekapselten" Postscript-Dateien übersetzt werden kann. Die Kapsel besteht aus einigen Kommentarzeilen, die dem normalen Postscript-Code hinzugefügt werden. Damit kann das in die Kommentarzeilen eingeschlossene Postscript-Programm in verschiedenen Grafikprogrammen verwendet werden.

Mit Display-Postscript wird der Einsatz der Seitenbeschreibungs-Sprache - bisher auf Drucker und Laser-Belichter beschränkt - auf Monitore ausgeweitet. Das Produkt ist unter anderem deswegen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, weil der von Apple-Mitbegründer Steven Jobs entwickelte Next-Rechner es verwendet.

Vor allem hinsichtlich des Zeitverhaltens wurde Display-Postscript optimiert, weil die Bildschirm-Ausgabe hier höhere Ansprüche stellt als der Druck. Dennoch ist es zum Drucker-Postscript vollständig kompatibel: Es verwendet den gleichen Befehlssatz. Für den Datenaustausch benutzt die Neuentwicklung im Gegensatz zum Drucker-Postscript keinen lesbaren ASCII-Code, sondern binär codierte Daten.

Die Steuersprache Prescribe wird von der japanischen Kyocera Electronics ausschließlich zusammen mit deren Druckern ausgeliefert. Den größten Teil der Anwendungen macht die Erstellung von Formularen und Tabellen aus, wofür eine Reihe von kleinen - Software- und Systemhäusern Lösungen anbietet. Grafikelemente wie Kreise werden unterstützt, so daß sich auch individuelle Logos erzeugen lassen. Vektor- und Pixelgrafiken können in einem Dokument gemischt werden, außerdem bietet eine Art Shell die Möglichkeit, während laufender Prescribe-Anwendungen Text zu drucken, ohne das Programm zu verlassen. An einer Erweiterung der grafischen Möglichkeiten wird in den Labors derzeit gearbeitet heißt es bei Kyocera.

Prescribe bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen einfacher Handhabbarkeit und nicht ausreichenden Programiermöglichkeiten. Programmelemente wie logische Bedingungen oder Schleifen stehen nicht zur Verfügung - ein Problem, dessen Lösung nach Auskunft der Düsseldorfer Kyocera Electronics Europe GmbH noch nicht gefunden ist. Zwar ist man durchaus geneigt, Wünschen erfahrener Programmierer nach größerer Flexibilität der Einsatzmöglichkeiten durch einen umfangreicheren Befehlssatz nachzukommen, will aber nicht Gefahr laufen, mit einem Maß an Komplexität wie in HP-GL oder Postscript weniger anspruchsvolle Anwender abzuschrecken. Dafür ermöglicht die Sprache eine Rationalisierung der Programmierung durch Makros, was beispielsweise für die wiederholte Einbindung von Logos in Tabellen oder Fließtext Sinn macht.

Prescribe-Treiber gibt es von Microsoft für Word und für Windows; auch Apple unterstützt die Sprache mit einem Quickdraw-Treiber für den Mac. Im kommerziellen CAD-Bereich bietet bisher nur Autocad die Möglichkeit von Prescribe-Ausgaben. Darüber hinaus hat nach Auskunft der Düsseldorfer Europa-Niederlassung der Japaner eine Reihe von Anwendern und Systemhäusern für ihre speziellen CAD-Applikationen Treiber entwickelt, die aber nicht vermerktet werden. Eine Emulation des Prescribe-Modus auf dem PC statt im Drucker selbst existiert nicht, so daß - anders als bei der Verwendung von Postscript nicht auf diesem Umweg auch Drucker ohne Prescribe angesteuert werden können.