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22.01.2007

HP greift im Markt für Data Warehousing an

Firmenchef Mark Hurd erinnert sich an seine Erfolge mit NCR und dessen Tochter Teradata und will den Data-Warehouse-Markt aufmischen. Die Hard- und Software-Appliance "Neoview" sowie eine eigene Serviceorganisation sind der Schlüssel. Von CW-Redakteur Sascha Alexander

Mit dem neu geschaffenen Geschäftsbereich "Business Information Optimization" (BIO) setzt Hewlett-Packard die Reorganisation seines Softwaregeschäfts fort. BIO unterteilt sich in zwei Gruppen, in denen die bisher über den Konzern verstreuten Berater und Produkte für Business Intelligence sowie für Archivierung und Daten-Management vereint werden sollen. Leiter der BI-Gruppe wird Ben Barnes, vormaliger Geschäftsführer beim Anbieter von Sicherheitssoftware Activeidentity. Parallel zu diesen Aktivitäten setzt der Hersteller auf Übernahmen im Beratermarkt sowie die Entwicklung eigener Technik, um seinen Einfluss im lukrativen Marktsegment für Data Warehousing und Daten-Management zu vergrößern. Zwar sind Data Warehouses für HP kein Neuland - nach inoffiziellen Angaben soll das Unternehmen über 1000 Projekte gestemmt haben -, doch ist die Sichtbarkeit am Markt bisher gering. Die Ursache hierfür liegt wohl nicht zuletzt an dem geringen Interesse, das HPs frühere Konzernchefin Carleton Fiorina an dem Beratungsgeschäft gezeigt hatte, sowie an den komplexen Konzernstrukturen mit über den Erdball verstreuten Kompetenzen.

Hier lesen Sie ...

- wie HP sein BI-Geschäft neu organisiert,

- wie das Unternehmen seine Daten in einem weltweiten Mammutprojekt ordnet,

- wie mit der Neoview-Appliance erstmals ein eigenes Produkt gegen die Konkurrenten Teradata, IBM und Oracle positioniert wird.

Verstärkung im Beratungsgeschäft

Dies soll sich unter Nachfolger Mark Hurd ändern. Hurd war zuvor CEO und President von NCR gewesen und hatte zeitweise als Chief Operating Officer den NCR-Geschäftsbereich für Data-Warehousing Teradata gelenkt. Er gilt als Verfechter einer kennzahlengesteuerten Unternehmensführung. So wurde im Dezember das US-amerikanische Beratungshaus Knightsbridge übernommen, das auf Data-Warehousing-Projekte spezialisiert ist. Dessen rund 700 Mitarbeiter sollen vor allem in den USA die HP-Mannschaft verstärken. In Europa wird hingegen wohl bis auf weiteres eine stark auf die einzelnen Länder verteilte Beratungsorganisation bestehen bleiben, erwartet Kristian Kirschniak, Leiter Business Intelligence bei HP Services in Böblingen: "Anders als in den USA lassen sich in Europa die Abteilungen nicht so einfach ausgliedern."

Megaprojekt mit Tandem-Technik

Hurd war es auch, der vor gut zweieinhalb Jahren den Anstoß für ein internes Konsolidierungsprojekt gab. Ziel ist der Aufbau eines gewaltigen konzernweiten Data Warehouse. Laut Kirschniak sollen 732 Data Warehouses/Data Marts weltweit darin aufgehen. Drei Viertel dieser Lösungen seien bereits ersetzt und 258 Terabyte Daten im neuen System angehäuft. Bis 2009 sollen sämtliche Geschäftsinformationen bei HP zusammengeführt sein. Das zentrale Data Warehouse soll auf ein Volumen von über 300 Terabyte anwachsen. Auf der Suche nach einem geeigneten System, das das extrem komplexe Business-Modell von HP abbilden und die große Datenmenge bewältigen könnte, kam laut Kirschniak eigentlich nur Teradata in Frage. Gegen den Einsatz sprachen aber strategische Gründe. Stattdessen entwickelte HP mit eigenen Mitteln die "Neoview"-Appliance. Diese besteht aus einem auf Intel-Itanium-Prozessoren basierenden "Integrity"-Server, der mit einer Datenbank, Speichertechnik und einem Betriebssystem für die massive parallele Datenverarbeitung kombiniert wurde. Die Software stammt vom Anbieter Tandem, der 2001 im Rahmen der Compaq-Übernahme zu HP kam. Tandems "Nonstop"-Betriebssystem genießt einen guten Ruf als Basis für Highend-Transaktionssysteme, wurde aber bisher nicht für Data Warehousing genutzt. Hierfür musste HP Anpassungen vornehmen.

Neoview ist künftig Referenz und technisches Aushängeschild für HPs BI-Ambitionen. Das Angebot ist als vorkonfiguriertes Hard- und Softwarepaket (Black box) zusammen mit Beratungsdienstleistungen erhältlich. Zielgruppe sind Großunternehmen, die bestehende BI-Lösungen zu einem "Enterprise Data Warehouse" konsolidieren wollen. Erstmals im Oktober 2006 vorgestellt, soll es im März in einer zweiten Version als Lösung für Großunternehmen weltweit vermarktet werden. Dabei räumt Kirschniak ein, dass man sich zunächst auf Kunden in bereits von den Beratern gut erschlossenen Branchen wie Telekommunikation und teilweise Fertigung konzentrieren werde. Hinzu kommen künftig vor allem Finanzdienstleister. "Es wird anfangs nur wenige Neoview-Kunden geben, die aber sehr groß sind", erwartet der Manager. Man habe bereits Anwender gewonnen, deren Namen aber noch nicht genannt werden dürften. Es sollen sich aber große europäische Banken darunter befinden.

Preiskampf und Partnerschaften

Mit Neoview tritt HP in einen offenen Wettbewerb mit Teradata, IBM, Oracle, SAS Institute und neuerlich Microsoft, die Schätzungen zufolge rund 85 Prozent des über fünf Milliarden schweren Data-Warehouse-Marktes unter sich aufteilen. Laut Kirschniak kann HP vor allem zwei Argumente für sich ins Feld führen: Durch den Einsatz von Standardkomponenten und die einfache Erweiterbarkeit durch neue Hardwarekomponenten/Blades könne HP eine Data-Warehouse-Lösung 30 bis 40 Prozent billiger anbieten als der schärfste Konkurrent Teradata. Auch sei die Wartung, die spätestens ab der Verwaltung von zehn und mehr Terabytes richtig teuer werde, "wesentlich günstiger". Außerdem könne man eine moderne Lösung anbieten, die Speichertechnik und parallele Datenbank verbindet.

Zur Unterstützung seiner Produktstrategie unterhält HP Partnerschaften mit BI-Spezialisten wie Informatica, IBM (Ascential), Business Objects, Cognos, Hyperion, Microstrategy und SAS Institute. Diese steuern bei Bedarf Tools für komplexere Aufgaben bei der Datenintegration beziehungsweise Reporting und Analyse bei und lassen sich mit der Neoview-Architektur kombinieren. Übernahmen von BI-Anbietern hält Kirschniak hingegen für unwahrscheinlich, da HP sich wie IBM auf die Datenverwaltung konzentrieren wolle: "Unser Ziel ist die Datenkonsolidierung, nicht die bunten Bildchen und BI-Tools." Viele BI-Hersteller hätten zudem wenig Branchenwissen, das für HPs Geschäfte aber besonders wichtig sei.