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Cloud & Openstack


02.06.2014 - 

HP, IBM, Red Hat - wer gewinnt das Openstack-Rennen?

Dr. Carlo Velten schreibt als Experte zu den Themen Cloud-Platforms und -Developers, Enterprise Cloud Management und Digital Business. Dr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen.
OpenStack hat sich in den letzten Jahren zum zentralen Standard entwickelt, auf dessen Basis die Technologien und Services für kommende Generationen hybrider Cloud-Umgebungen entwickelt werden. Doch welche Anbieter können ihren Kunden schon heute Openstack-Produkte liefern, die reif für den Enterprise-IT Einsatz sind?
Foto: OpenStack Foundation

Openstack wird erwachsen! Nachdem im letzten Jahr viele IT-Strategen und CIOs das offene Cloud-Management Framework OpenStack noch als reine Marketingblase abgetan und sich nicht weiter damit beschäftigt haben, zeigen eine Vielzahl an Releases und Investitionszusagen, dass Openstack sich zum de-facto Standard für hybride, herstellerunabhängige Cloud-Umgebungen entwickelt.

IBM, HP, Cisco - der eine Milliarde Dollar Openstack-Club

Mit IBM, HP und kürzlich auch Cisco haben sich die führenden IT-Technologieanbieter klar zu Openstack bekannt und investieren jeweils rund eine Milliarde Dollar in Openstack. Die Gelder fließen einerseits in die unternehmensinterne Produktentwicklung und die Qualifizierung eigener Mitarbeiter und Partner. Andererseits leisten IBM, HP und Cisco substanzielle Beiträge zur Openstack-Community. Federführend bei der Entwicklung der ersten Stunde waren allerdings HP, Dell, Red Hat und die Chip-Hersteller AMD und Intel. Dass die anderen Hardware- und Technologieanbieter nachgezogen sind und klare Investitionszusagen gemacht haben, beweist den Stellenwert der Open-Source-Plattform als neuem Cloud-Standard. Auch wenn Openstack noch nicht vollkommen ausgereift ist und derzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Distributionen existiert, muss man eine Wahrheit anerkennen - es gibt derzeit wohl keinen besseren beziehungsweise alternativen Standard auf den sich eine solche Vielzahl an Technologieanbietern, Service Provider und Anwender einigen können.

HP hat mit dem Release der HP Helion Cloud ein klares Bekenntnis abgegeben (siehe HP startet kostenlose Openstack-Distribution). Nun werden alle Cloud-Produkte und -Services (IaaS und PaaS) auf dem Hause HP einheitlich auf der Openstack-Technologie aufbauen und die Openstack-Schnittstellen nutzen. Zudem vertreibt HP mit HP Helion eine eigene Openstack-Distribution, deren Commercial-Edition gegen Herbst dieses Jahres verfügbar sein soll. HP plant ein Investment von einer Milliarde Dollar, die auch die Aufrüstung von weltweit 20 Rechenzentren umfasst, aus denen die HP Helion Cloud Dienste verfügbar sein sollen.

Für CIOs und Cloud-Architekten ist die wichtigste Nachricht, dass nun erstmals ein einheitlicher, herstellerunabhängiger Cloud-Management-Layer die gesamte HP-Produktfamilie (von Private Cloud über Service Automation bis hin Public IaaS) durchzieht. Das langjährige Engagement in der Openstack-Community kommt HP derzeit zu Gute.

Auch IBM hat nach dem Beitritt zur Openstack-Community in 2012 massiv in die Weiterentwicklung der Technologie und die Adaption im eigenen Portfolio investiert. So hat auch IBM das Committment gegeben, zukünftig alle neuen Cloud-Produkte Openstack-kompatibel zu machen (siehe IBM setzt konsequent auf die Open Cloud). Im Bereich der Cloud-Management Software "SmartCloud Orchestrator" und der neuen IaaS-Plattform ist dies schon geschehen. In beiden Fällen verwalten die Nutzer die Ressourcen nun mit der Openstack-Konsole und können auf die offenen Schnittstellen setzen.

Im März diesen Jahres ist auch Cisco dem eine-Milliarden-Dollar-Openstack-Club beigetreten und hat verkündet in den kommenden zwei Jahren eine weltweite, hybride Cloud-Infrastruktur auf Basis von Openstack aufzubauen (siehe So sehen Ciscos Cloud-Pläne für Deutschland aus). Teile dieser Infrastruktur sind schon heute in Betrieb und die Grundlage für die Entwicklung neuer Cloud-Dienste von Cisco. Mit dieser strategischen Entscheidung wird deutlich, dass die dominierende Rolle von VMware langsam aufgebrochen wird und auch das gemeinsame Joint Venture (VCE) zusammen mit VMware und EMC nicht den Erfolg bringt, den man sich davon versprochen hat. Der sich deutlich abzeichnende Bedarf nach mehr Herstellerunabhängigkeit bei Planung und Betrieb von Cloud-Plattformen zwingt auch Branchengrößen wie Cisco in neue Bahnen.

Wo hat die Openstack-Kompetenz? - IT-Konzerne versus Startups

Openstack wird unabdingbar zu einem zentralen Technologiebaustein für private und auch hybride Clouds. Allerdings stellt sich heute die Frage, welche Dienstleister in der Lage sind, Anwender in den kommenden zwei Jahren hinsichtlich Planung, Implementierung und Integration von Openstack-basierten Clouds effektiv zu unterstützen. Sind hier die großen IT-Dienstleister oder kleine Spezialisten und Startups die richtigen Partner?

Einen großen Beitrag zur Openstack-Entwicklung liefern IT-Anbieter. HP-Mitarbeiter haben rund 15 Prozent des aktuellen Openstack-Codes entwickelt. Beutenden Anteile stammen des weiteren von Red Hat, Rackspace, IBM und SUSE.
Einen großen Beitrag zur Openstack-Entwicklung liefern IT-Anbieter. HP-Mitarbeiter haben rund 15 Prozent des aktuellen Openstack-Codes entwickelt. Beutenden Anteile stammen des weiteren von Red Hat, Rackspace, IBM und SUSE.
Foto: Openstack Foundation/Mirantis

In den USA dominieren derzeit einige auf Openstack spezialisierte Startups den Markt. So haben zum Beispiel Mirantis, Piston und Solinea jeweils Teams von 20 bis 30 Spezialisten aufgebaut und erste Projekte umgesetzt. Neben Beratung in den Bereichen Architektur und der Implementierung von Openstack, bieten Mirantis und Piston auch eigene Openstack-Distributionen an. Vor allem Mirantis darf als Pionier und Openstack-Entwickler der ersten Stunde gelten. Auch zählt Mirantis zu den aktivsten Entwicklern in der Openstack-Community (derzeit stammen 8 Prozent der Code-Basis von Mirantis). Anfang April konnte Mirantis mit dem Netzwerkausrüster Ericsson einen großen Deal abschließen und hat für Europa den Aufbau eines Partner- und Schulungsprogramms angekündigt.

Aber auch im deutschsprachigen Raum arbeiten einige hochqualifizierte Openstack-Architekten und -Integratoren. Zu diesen zählen beispielsweise Hastexo aus Wien oder auch B1 Systems aus Ingolstadt. Zudem leistet Suse mit ihrem Entwicklungsteam einen großen Beitrag zur Weiterentwicklung von Openstack (6 Prozent der Codebasis). Der Nürnberger Suse-Entwickler Andreas Jäger ist auf individueller Basis der aktivste Openstack-Developer. In Frankreich hat es eNovance geschafft, erste Großkunden wie die AXA-Versicherungsgruppe von Openstack zu überzeugen.

Neben den Spezialisten bauen derzeit auch die IT-Majors ihre Consulting-Sparten um entsprechende Openstack-Experten aus. Hinsichtlich Anzahl und Qualifikation der in Europa und im deutschsprachigen Raum verfügbaren Experten, liegen derzeit HP, IBM und Suse vorn.

Openstack-basierte Dienste von T-Systems, Rackspace, HP & Co

Doch Openstack ist nicht nur für IT-Integratoren und Dienstleistern im Hinblick auf den Bau von Private und Hybrid Clouds interessant. Auch immer mehr Cloud-Service-Provider bauen ihre neuen Plattformen auf Basis von Openstack.

Dies gilt seit langem für den Webhoster Rackspace - einen der Openstack-Initiatoren - sowie auch für die neuen Public IaaS von HP und IBM. Aber auch die Deutsche Telekom und T-Systems nutzen Openstack als Basis für ausgewählte neue Cloud-Dienste (etwa den Cloud Marktplatz der Deutschen Telekom AG). Das gleiche gilt für Swisscom in der Schweiz. Nachdem seit Januar 2014 auch der auf Web Hoster spezialisierte Virtualisierungsanbieter Parallels der Openstack-Foundation beigetreten ist, dürfte das Thema Openstack sich auf Seiten der Webhoster nun deutlich schneller verbreiten, was sich aus sicheren Quellen auch bestätigen lässt.

Ausblick: Openstack wird de-facto-Standard

Crisp Research geht davon aus, dass sich Openstack - in Ermangelung von Alternativen - zum de-facto-Standard für private und hybride Clouds durchsetzen wird. Die breite Unterstützung auf Seiten der Technologieanbieter spricht schon heute dafür. Aber auch Anwender sollten sich darüber Gedanken machen, Openstack als eine zentrale Technologiekomponente in ihre Cloud-Architekturen einzuplanen und entsprechende Expertise aufzubauen. Diese ist zwingend erforderlich. Denn selbst wenn Openstack als Standard funktioniert, muss die Technologie immer noch implementiert werden. Dass sich dies lohnen kann, zeigen heute schon Unternehmen wie beispielsweise AXA oder eBay, die intensiv in Openstack investieren.

Spannend wird vor allem die Entwicklung der Beziehung der Openstack-Community zu dem anderen großen Plattform-Spieler: Microsoft. Microsoft ist mit dem Cloud-OS, Azure und seiner immensen Partner-Basis das Gegengewicht zur wachsenden Openstack-Allianz. Beide Plattformen haben ihre Vorteile und Stärken. Für die Anwender wäre es optimal, wenn Microsoft und Openstack noch stärker zusammenspielen würden. Dann wäre der Weg frei für eine Cloud ohne Vendor-Lockin! (jha)

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