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06.06.2005

HP lässt die Muskeln spielen

Der Hersteller zündete auf der "ENSA 2005" in Kopenhagen ein Feuerwerk neuer Produkte.

Die vor zwei Jahren gestartete Initiative "Adaptive Enterprise", HPs Antwort auf IBMs "Computing on Demand", ist weiterhin gültig, auch wenn sie die Company in jüngster Zeit nicht mehr so aggressiv vermarktet. HPs Europachef Bernard Meric beschrieb kürzlich auf der Hausmesse "ENSA 2005" in Kopenhagen noch einmal, worauf es dabei im Rechenzentrum ankommt: Simplifizierung, Standardisierung und Modularität. Die Verfolgung dieser Ziele schaffe Raum für innovative Techniken und Wege für deren Umsetzung. Auffällig ist dabei, dass das Konzept am besten funktioniert, wenn vor allem HP-Produkte zum Einsatz kommen, wie einige Anwendervorträge, etwa vom Formel-Eins-Team Williams oder dem deutschen Maschinenbauer Festo bewiesen.

Ein Ziel von Adaptive Enterprise ist die Service-orientierte Architektur (SOA). Die Company sammelt derzeit im englischen Bristol erste Erfahrungen für die Umsetzung von SOA. Das dort ansässige HP-Lab startete das "SE3D"-Projekt für Trickfilmer. Für das Rendern der Animationsfilme wird viel Rechenleistung benötigt, über die die Künstler nicht verfügen. HP gestattet ihnen deshalb den Zugriff auf die eigenen Computeranlagen in Palo Alto. Wer aber glaubt, die Trickfilmer dürften sich einfach an der Rechenkapazität bedienen, sieht sich getäuscht: Die Teilnehmer am Projekt erhalten Spielgeld und sollen sich die Rechenleistung entweder per Auktion oder kurz- und langfristiger Reservierung sichern. HP testet damit also unterschiedliche Geschäftsmodelle. Es darf vermutet werden, dass die Erfahrungen aus diesem Experiment für das Bereitstellen von externer Rechenleistung etwa für Spitzenbelastungen zukünftig in die Preisfindung derartiger Services auch für kommerzielle Kunden einfließen wird.

HP ist nicht der einzige Hersteller, der nach neuen Möglichkeiten zur Preisgestaltung von Dienstleistungen sucht. Kürzlich dachte man bei Sun Microsystems laut darüber nach, zusammen mit einem Finanzdienstleister eine Börse für Rechenleistung zu etablieren. Moderne IT-Abteilungen, die zudem unter knappen Budgets leiden, so das Kalkül, würden ihre IT-Austattung nicht länger auf Spitzenbelastungen ausrichten, sondern diese über den Zukauf von Diensten abfedern.

Auf dem Weg zur adaptiven Unternehmung muss zuerst vereinfacht und konsolidiert werden. Die Reduzierung der Systeme auf möglichst wenige Rechnerplattformen ist ein Weg dazu. Rudi Schmickl, Vice President & General Manager Enterprise Servers und Storage bei HP Emea, erwartet, dass Großfirmen, die heute noch drei verschiedene Unix-Plattformen einsetzen, auf zwei reduzieren werden. HP unterstützt diese Bemühungen jetzt damit, dass auch in den ausfallsicheren "Nonstop"-Systemen "Itanium-2"-Prozessoren von Intel eingesetzt werden und hilft sich damit selbst: Es muss in Zukunft eine Plattform weniger gepflegt werden.

Itanium für Nonstop-Server

Die alten Nonstop-Server, die durch die Übernahme von Tandem durch Compaq ins HP-Portfolio gewandert sind, arbeiten mit Mips-Prozessoren, die ihre einstige Bedeutung für Server völlig verloren haben und auch nicht mehr weiter entwickelt werden. Die auf der ENSA vorgestellten "Integrity Nonstop Servers" bietet einen Verfügbarkeit von 99,99999 Prozent, also einen durchschnittlichen Stillstand der Maschine von drei Sekunden im Jahr.

Für HP-Manager Schmickl ist die Portierung der ausfallsicheren Systeme auf Itanium ein Beweis dafür, dass die Nonstop-Familie für die "nächsten zehn bis 15 Jahre" gesichert ist. In Europa entfallen rund 20 Prozent der Nonstop-Umsätze auf das Geschäft mit neuen Kunden, 80 Prozent auf die installierte Basis. "Wir gewinnen viele neue Kunden in Osteuropa und dem mittleren Osten, hauptsächlich im Finanzsektor", berichtet Schmickl. In Westeuropa zählen Fertigungsbetriebe und Anbieter von innovativen Dienstleistungen, etwa für Bezahlsysteme per Mobiltelefon, zu den Nonstop-Neukunden. HP positioniert diese Systeme gegen Mainframes von IBM und rechnet vor, dass die Kosten der Itanium-basierenden Server über eine Laufzeit von fünf Jahren nur die halben Kosten eines IBM-Mainframes "z990" mit Parallel-Sysplex verursachen.

Verwaltet wird der ausfallsichere Server vom neu vorgestellten "Insight Manager 5.0". Das Werkzeug bedient in der neuen Version zusätzlich Drucker, Server und Speicher, auch von Drittanbietern. Zahlreiche optionale Zusatzprogramme sollen den Insight-Manager zur zentralen Verwaltungsplattform für die Hardware im Unternehmen machen, die auch von der Management-Suite "Openview" aus aufgerufen werden kann. Openview selbst erhält drei neue Module: Ein Express-Kit zur Implementierung von IT-Service-Management, den "Compliance Manager", mit dem sich die weltweiten neuen Finanz- und Bilanzvorschriften umsetzen und verwalten lassen sowie den "SOA-Manager", der bei der Einrichtung und Kontrolle einer Service-orientierten Architektur behilflich ist.

Neuigkeiten auch für die Benutzer von "HP-9000"-Server: Sie erhalten mit dem "PA-8900"-Risc-Prozessor einen letzten Leistungsschub, bevor in Zukunft nur noch Itanium-Chips für diese Maschinen angeboten werden. Der neue Prozessor enthält zwei Rechenkerne und soll gegenüber dem Vorgänger "PA-8800" etwa 15 Prozent mehr Leistung bringen. Besitzer eines "Superdome"-Rechners, HPs Server-Flaggschiff, das mit bis zu 128 CPUs ausgestattet werden kann, kommen jetzt erstmals in den Genuss, PA-Risc- und Itanium-Prozessoren in einem System zu nutzen. Allerdings müssen die unterschiedlichen Architekturen in verschiedenen Partitionen ablaufen, wobei der Server in bis zu 16 Partitionen unterteilt werden kann. Einziges Bindeglied ist das Betriebssystem "HP-UX 11i". Noch in diesem Jahr will der Hersteller das Betriebssystem in der Version "HP-UX 11i vPars" präsentieren, das die Einrichtung von virtuellen Partitionen erlaubt.

Blades im Aufwind

Neu erstarkt ist HPs Abteilung für die steckbaren Blade-Rechner. Sie erhielt Zuwachs von den Mitarbeitern, die ursprünglich das "Utility Data Center" (UDC) entworfen hatten. Das Konzept eines modernen "adaptiven" Rechnenzentrums, das fertig von der Stange zu kaufen war, erwies sich als Flop, weil es, so Manager Schmickl, "wenig Bedarf an neu zu errichtenden Rechenzentren gibt". Nun wittert Rick Becker, bei HP verantwortlich für das Geschäft mit den steckbaren Rechnerkarten, Morgenluft. Er lässt die Idee in Kombination mit Blades neu aufleben und hat zur Stärkung dieser Architektur ein Lösungsprogramm aufgelegt: Hard- und Software von Drittanbietern sollen in HPs Blade-Hardware integriert und über Partner verkauft werden.

Auf die Frage nach Standards für diese Art von Server-Architektur, verwies Becker darauf, dass HP und IBM zusammen rund 75 Prozent des Marktes unter sich aufteilten und Big Blue sich wenig kooperativ zeige: "Die veröffentlichen ihre Spezifikationen und glauben, damit einen Standard zu liefern." Tatsächlich zielen auch HPs Bemühungen mit der Integration vertikaler Lösungen in Richtung eines "One-stop-Shops", in dem Anwender von einem Hersteller Komplettlösungen beziehen.

Ein weiteres Highlight der ENSA 2005 war die Vorstellung einer Virtualisierungslösung für "Mysap". Die Kombination aus Hard- und Software plus Services soll es möglich machen, den SAP-Programmen flexibel Rechenleistung, Speicher und Netzressourcen zur Verfügung zu stellen. Schon zuvor hat Fujitsu-Siemens im "Flexframe"-Konzept solches erreicht: Ressourcen werden in Pools zusammengefasst und bei Bedarf der Applikation zur Verfügung gestellt. Dass diese Art der Virtualisierung von Anwendungsprogrammen nicht trivial ist, zeigt die Tatsache, dass sie für jede Applikation speziell erarbeitet werden muss.

Fujitsu-Siemens startete sein Flexframe-Programm für Mysap mit Blade-Servern unter Linux und NAS-Speichern und erweiterte kürzlich die mögliche dynamische Provisionierung der SAP-Programme auf Solaris-Maschinen. Wie beim Konkurrenten steuert SAP auch für die HP-Lösung den "Adaptive Computing Controller" (ACC) bei, während HP die Software für die Virtualisierung und das Monitoring liefert. HP will außer Linux auch Unix-Blades und eine SAN-Speicherinfrastruktur unterstützen. Da über 60 Prozent von SAPs Neukunden allerdings Windows als Betriebssystem verwenden, hat HP das ACC unabhängig von SAP für Microsoft tauglich gemacht.