Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.09.1981 - 

Fachhochschule entschied sich für Hewlett-Packard:

HP-Mini kontrolliert Studiengänge

OFFENBURG - Die Einführung neuer Studiengänge sowie die Verdoppelung des bereits bestehenden Lehrangebotes forderten an der Fachhochschule Offenburg die Modernisierung und den Ausbau des Rechenzentrums. Welche Schwierigkeiten bei der Systemauswahl auftraten und wie die Offenburger heute mit einer HP 3000 von Hewlett-Packard arbeiten, beschreibt Professor Karl Fink.

Im Frühjahr 1978 wurde im Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Baden-Württemberg entschieden, daß die Fachhochschule Offenburg zwei neue wirtschaftlich-wissenschaftlich orientierte Studiengänge einzurichten habe. Die Fachrichtung Techn. Betriebswirtschaft sollte ab dem Wintersemester 78/79 und das Wirtschaftsingenieurwesen ab dem Wintersemester 79/80 eingerichtet werden. Diese beiden Studienrichtungen sollten in Gengenbach (ungefähr zwölf Kilometer Luftlinie von Offenburg entfernt) untergebracht werden. Ferner sollten die Studienplätze für Maschinenbau und Nachrichtentechnik bis Ende 1984 verdoppelt werden.

Die Einführung der neuen Studiengänge und die Verdoppelung der schon bestehenden überforderte die vorhandene EDV-Anlage - eine HP 2100A aus dem Jahre 1973. Eine Neuanschaffung war unumgänglich.

Die Verschiedenartigkeit der Studiengänge, einerseits technisch-wissenschaftlicher Natur, andererseits wirtschaftlich-wissenschaftlicher Prägung und die räumliche Trennung Offenburg - Gengenbach, ließ von vornherein einige Schwierigkeiten erkennen.

Forderungen an die Software

1. Es mußte eine simultane Programmentwicklung an mindestens dreißig verschiedenen Bildschirmterminals in verschiedenen problemorientierten Programmiersprachen möglich sein. Dabei sollte der Rechner nicht schon allein durch das bloße Aufrufen dieser verschiedenen Sprachen total ausgelastet sein, das heißt, ein weiteres sinnvolles Arbeiten wäre nicht möglich. Alle Compiler sollten re-entrant sein.

2. Der Aufbau eines kommerziellen und auch technisch-wissenschaftlichen Datenbanksystems sollte möglich sein.

3. Jeder Systembenutzer in Offenburg oder Gengenbach sollte, gleichgültig in welcher problemorientierten Sprache er rechnen wollte, mit wenigen Systembefehlen in der Lage sein, den gesamten Komfort der Anlage für sich zur Verfügung zu haben.

4. Kurze Antwortzeiten sollten unabhängig von der Benutzerzahl immer gewährleistet sein.

5. Das System sollte ausbaufähig sein und sich auf dem Stand modernster Technik befinden.

Alle diese Forderungen konnten nur von einem effizienten, modernen Betriebssystem erfüllt werden. Außerdem sollten die Compiler folgender Sprachen auf der Anlage zur Verfügung stehen: Fortran, Basic, Cobol. Wünschenswert erschienen auch APL, PL/1 und Pascal. Die drei letztgenannten konnten im alten Rechner nicht realisiert werden. Unabdingbar waren auch gute Programmpakete aus den Bereichen Mathematik, Simulation, Computer Aided Design, Netzwerkanalyse, Prozeßdatenverarbeitung, um nur einige aus dem technisch-wissenschaftlichen Bereich zu nennen. Aus dem wirtschafts-wissenschaftlichen Sektor standen Programmpakete wie Lohn und Gehalt, Kostenrechnung, Lagerwirtschaft, Materialwirtschaft, Finanzbuchhaltung, Fertigungssteuerung im Vordergrund.

Forderungen an die Hardware

1. Problemloses Erweitern der gesamten Anlage und des Speichers, Anschließen weiterer peripherer Geräte.

2. Keine Einschränkung von vornherein innerhalb des uns sinnvoll erscheinenden Rahmens für die EDV-Ausstattung einer Fachhochschule.

3. Das Ein-Hersteller-Prinzip sollte für die beiden Ausbildungsorte gewahrt bleiben, das heißt, die Anlagen für Offenburg und für Gengenbach sollten von einem Hersteller stammen. Damit würden spätere Probleme der Datenübertragung und der Kompatibilität von Programmen auf ein Minimum reduziert.

4. Die Verbindung zu anderen Rechenzentren der Hochschulen Baden-Württembergs sollte ohne große Probleme möglich sein.

5. Die gesamten Folgekosten, wie Wartung der Geräte, Übertragungsgebühren und Personalkosten, sollten auf einem Minimum gehalten werden. Deshalb war das Ziel, die Rechnerkopplung Offenburg - Gengenbach mit möglichst nur einer Wahl- oder Standleitung und einem Modem-Paar zu realisieren.

Nach einigen Vorgesprächen mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem EDV-Gesamtausschuß für Baden-Württemberg wurde eine Wunschkonfiguration für die Fachhochschule entwickelt. Die Schule sollte einen sukzessiven Ausbau der EDV-Kapazitäten ins Auge fassen, so lautete die Auskunft des Ministeriums. Daraufhin wurde mit den führenden EDV-Herstellern Kontakt aufgenommen.

Die eingegangenen Angebote für den Ausbau mit je einer Zentraleinheit und Peripherie in Offenburg und Gengenbach wurden geprüft und beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst ein entsprechender Antrag gestellt. Dieser wurde mit einigen Abstrichen genehmigt. Wegen des geringen Gesamtetats mußte auf die zweite Zentraleinheit in Gengenbach verzichtet und die Anzahl der Peripheriegeräte stark reduziert werden, um innerhalb des finanziellen Rahmens zu bleiben. Die ursprüngliche Idee war: 24 Terminals in Offenburg, 10 Terminals m Gengenbach, plus zweite Zentraleinheit in Gengenbach (HP 3000/III und Platte).

Die reduzierte Konfiguration wurde vom Land Baden-Württemberg problemlos und schnell genehmigt.

Da der Bund sich an den Gesamtkosten dieser EDV-Anlage zur Hälfte beteiligte, war jedoch noch eine weitere Hürde zu nehmen. Die begutachtende Stelle des Bundes - die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Bonn - stellte den Antrag nochmals grundsätzlich in Frage, da die Entscheidung für die Anlage Hewlett-Packard HP 3000/III gefallen war und nicht für ein "echt deutsches" EDV-Produkt. Nach mehrmaligen brieflichen und telefonischen Kontakten konnten jedoch die Gutachter der DFG davon überzeugt werden, daß die Entscheidung richtig war. Über den Wissenschaftsrat in Köln, der geldbewilligenden Stelle des Bundes, kam der Antrag zurück nach Stuttgart.

Nach einigem Nachsetzen traf am 29. Februar 1980 endlich die telefonische Zusage vom Finanzministerium des Landes Baden-Württemberg ein. Dieses Datum war von besonderem Interesse, denn der von Hewlett-Packard gewährte Rabatt für die Anlage lief am diesem Tag aus. Möglicher Ansatzpunkt für eine Kritik: Durch den zeitlich begrenzt gewährten Rabatt für die Anlage kam die Fachhochschule wegen dem sehr umständlichen und widrigen Instanzenweg in Zeitnot. Andererseits hatten sie dadurch ein Druckmittel in der Hand, um den Antrag schneller "durchzuboxen". Das Gesamtvolumen der Installation liegt bei rund einer halben Million. Die Bestellung erfolgte deshalb noch am selben Tag, die Lieferung Mitte Juli 1980.

Die Schule hofft mit der neuen Anlage den Studenten ein modernes, leistungsfähiges System zur Verfügung zu stellen, das ihnen in kürzester Zeit ein Erlernen und einen intensiven Kontakt mit den gängigen Programmiersprachen ermöglicht.

Lernobjekt Computer

Ferner soll es dazu beitragen, Vorlesungs- und Laborinhalte neu zu gestalten, damit die EDV den Stellenwert erhält, der ihr in der Industrie schon heute gegeben wird. Die interne Verwaltung soll ebenfalls aus der Installation Nutzen ziehen. Die Immatrikulation und Exmatrikulation der Studenten, das Prüfüngswesen, das Ausleihverfahren der Bibliothek und das gesmate Haushaltswesen der Fachhochschule sollte im Laufe der Zeit auf der neuen EDV-Anlage durch dialogfähige Programmpakete durchgeführt werden.